Jan 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 63 0

Reden ist Silber, Machen ist Gold

Miriam* engagiert sich privat und jenseits von Institutionen als ehrenamtliche Flüchtlingshelferin. So einzigartig und positiv ihre Geschichte auch ist, ihre Erfahrungen mit Organisationen der Flüchtlingshilfe sorgen für einen faden Beigeschmack.

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Voneinander lernen: Miriam und Sally

Sie ist verheiratet, hat Job, Kinder und Eigenheim – eine solide Basis für ein angenehmes Leben. Doch die Gewissheit, dass andere Menschen unter größten Strapazen nach Deutschland kommen und dann auf sich allein gestellt einen Kulturschock bewältigen müssen, hielt sie schon einige Zeit vom entspannten Zurücklehnen ab. Zwei Jahre hat sie versucht, in die organisierte Flüchtlingshilfe hineinzukommen. Sie wollte vor Ort anpacken und direkt den Menschen helfen, die Unterstützung brauchen. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sie frustriert feststellen musste, dass ein »Hier bin ich, was kann ich tun?« im Bürokratie­dschungel der ehrenamtlichen Organisationen nicht funktioniert. Doch dann kam Sally*.

Der Anfang einer wunderbaren Freundschaft

Im April dieses Jahres fuhr Miriam mit dem Auto gerade zu einem geschäftlichen Termin, als sie vom Blick der hochschwangeren Frau getroffen wurde. Mit zig Taschen bepackt stand Sally vor dem bereits geschlossenen Umsonstladen und blickte hilflos auf die vorbeifahrenden Autos. Miriam traf der Anblick, doch ihr Pflichtbewusstsein gewann: »Los, weiterfahren, du bist spät dran, der Kunde wartet.« Tat er aber nicht, Miriam wurde mal wieder versetzt. Als Sally auf dem Rückweg noch immer alleine dastand, fasste Miriam endlich den Entschluss und hielt an.

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Jan 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 63 0

Andere Länder, andere Krippen

Weihnachten ist ein Fest voller Bräuche und Traditionen. In Deutschland schmücken wir Weihnachtsbäume, stellen Krippen auf und zünden Adventskerzen an. Doch auf der ganzen Welt gibt es auch andere, zum Teil skurril wirkende, Weihnachtsbräuche.

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Illustration: Nadja Musinova

Ein deutscher Brauch in der Vorweihnachtszeit ist beispielsweise das Aufstellen der Barbarazweige am vierten Dezember, dem Namenstag der heiligen Barbara. Dafür schneidet man Zweige von Obstbäumen oder Forsythiensträuchern ab und stellt sie in eine Vase mit lauwarmem Wasser. Blühen die Zweige vor oder an Weihnachten auf, soll das ein Zeichen für Glück im nächsten Jahr sein. Dass etwas Glück bringen soll, kennt man jedoch auch in verschiedenen anderen Ländern. So wird in mehreren Nationen beispielsweise eine Münze oder eine Mandel im Pudding versteckt, und demjenigen, der sie findet, soll im nächsten Jahr Gutes widerfahren.

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Jan 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 63 0

Winterblues

Im Herbst und vor allem im Winter sind viele Menschen müder und melancholischer als sonst, die Laune droht manchmal beim Anblick von Regen, Eis und Kälte in den Keller zu sinken. Um einer möglichen Winterdepression vorzubeugen, kann man einiges tun. Sogar Schokolade hat eine positive Wirkung auf unseren Körper.

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Illustration: Katja Elena Karras

Wer nicht gerade bekennender Winter-Liebhaber ist, dem graut es davor, wenn der Sommer seine letzten Sonnenstrahlen mit sich nimmt und der Herbst an die Tür klopft. Das heißt, dass auch der Winter sich nun auf den Weg macht. Die Temperaturen sinken, die Tage werden kürzer und die Nächte länger. Wer jetzt morgens um 8 Uhr zur Uni muss, überlegt sich noch dreimal mehr, ob man sich wirklich aus dem warmen kuscheligen Bett in den unangenehmen Nieselregeln begeben soll. Motivation, wo bist du? Während man in der Kälte auf die Straßenbahn wartet, blickt man in das triste Grau und sehnt sich nach Sommer, Sonne und dem Gefühl nach Leichtigkeit, das man mit der warmen Jahreszeit verbindet.

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Jan 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 63 0

Am Anfang gab es keine Therapie

Vor 25 Jahren wurde die hallische Aidshilfe gegründet. Petra Becker ist seit 2004 Geschäftsführerin und Leiterin der Beratungsstelle. Zusammen mit ihrem Team steht sie Ratsuchenden mit und ohne HIV rund um das Spannungsfeld »Sexualität und Gesundheit« zur Seite.

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Von links: Phillip Pieloth, Denis Leutloff, Katharina Janko, und Petra Becker von der Aidshilfe Halle // Foto: Joshua Stepputat

Welche Zielgruppen versucht die Aidshilfe zu erreichen?
Unsere Präventionsarbeit beginnt bereits in den Schulen. Aber es gibt noch andere Zielgruppen, die uns noch mehr am Herzen liegen und für die die Aidshilfe eigentlich da ist, nämlich Schwule, Inhaftierte, Sexarbeiterinnen und Drogenabhängige.

Hat die Aidshilfe noch mehr zu bieten als die Beratungsstelle?
Wir haben noch einen öffentlichen Bereich, der sich Infothek nennt. Dazu gehört ein kleines Galeriecafé, in dem wir regelmäßig Ausstellungen organisieren, ein Seminarraum, wo wir Weiterbildungen anbieten und Präventionsveranstaltungen für Schüler durchführen, und eine kleine Bibliothek. Damit versuchen wir öffentlich zu werden, das heißt, wir möchten, dass uns auch diejenigen Menschen besuchen, die in keinem Kontext zu der Erkrankung stehen.

Welche Rolle spielt das Ehrenamt für die Aidshilfe?
Das Ehrenamt ist natürlich sehr wichtig für uns, weil wir wenig Beschäftigte sind und manche Veranstaltungen und Aktionen ohne Ehrenamt nicht abdecken können.
Zum Beispiel gibt es die Teams YoungStars und LoveAgents. YoungStars ist im Prinzip das Schulpräventionsteam. Da die Stadt Halle Wert darauf legt, dass wir in Schulen Präventionsarbeit durchführen, ist dieses besonders wichtig. Die LoveAgents sind das schwule Präventionsteam. Sie gehen zu speziellen Veranstaltungen und Orten, wo Schwule ihr sexuelles Leben leben. Weil in den Teams auch Studierende involviert sind, die kurz vor ihrem Abschluss stehen und aus der Stadt wegziehen, suchen wir immer nach neuen Freiwilligen.

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Stichworte

Die wichtigsten Begriffe zur Flüchtlingsdebatte

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Illustration: Katja Elena Karras

UNHCR – UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge, leistet logistische und humanitäre Hilfe und sammelt aktuelle Zahlen zu Flüchtlingsbewegungen weltweit.

BAMF – Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Entscheidet unter anderem über Asylanträge und befasst sich mit Zuwanderung und Integration.

Asyl – Aufnahme von politisch Verfolgten. Asylbewerber dürfen in den ersten drei Monaten nicht arbeiten, danach auf Antrag möglich. Nach Anerkennung: Aufenthalt zunächst für drei Jahre. Grundlage: Art. 16a des Grundgesetzes.

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Auf keinen Fall Urlaub

Jenseits der Fernsehbilder: Zwei persönliche Perspektiven auf die Situation an den Grenzen der Balkanstaaten

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Ich habe Andrej während eines Praktikums in Polen kennengelernt. Wir waren dort zusammen in einem Wohnheim mit anderen Praktikanten und Studierenden unter anderem aus Jordanien, Mazedonien, Tunesien, Griechenland und Kroatien. Heute, etwas mehr als ein Jahr später, sind all diese Länder solche, die Geflüchtete auf dem Weg nach Deutschland passieren. Andrej lebt in Osijek im Norden Kroatiens, in der Nähe der Grenze zu Serbien.

How do you assess the current situation in Croatia?
From my point of view I can say that the refugees were kindly accepted and taken care of while traveling through my country. The fact that many people, especially in the region I live in, identify themselves with them as they had the same destiny about 20 years ago,
searching for safety for their families when fleeing the war. (Yugoslav War in the mid-90s, Anm. d. Red.) I also think that the government did a good job concerning their travel and transferring them through the country. They also provided them with facilities to stay and rest for a few days as well as medical assistance to continue their journey. Heated shelters were set up in Slavonski Brod. Nevertheless winter is coming which could represent a major problem.
To sum up, I think that as a country we did a good job, these people deserve our help and even though evil words will always be present I somehow believe that the big majority of the people are really just looking for a safe place for their families. Unfortunately in times like this with the current events that have happened, it is inevitable that more and more questions will be asked about passing them all to Europe.

People are only crossing Croatia, nearly nobody wants to stay. In how far have the refugees been visible for you?
Actually not really, I personally haven«t witnessed any of them. For sure that was because most of them were using bus and train transportation organized by the government, all the way from the Serbian border to Slavonski Brod, or directly to the Slovenian border. Only in the beginning of migration there was a day or two in Osijek when I heard that a lot of them had occupied stores and stations buying water and food, but they were rapidly redirected since then and taken care of from the moment they had entered the country.

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Jan 2016 hastuUNI Heft Nr. 63 0

Der Unbequeme

Bei seinen Zeitgenossen umstritten, ist der Philosoph Anton Wilhelm Amo heute weitgehend unbekannt. Dabei zählt seine Lebensgeschichte zu den wohl erstaunlichsten des 18. Jahrhunderts. Besonders die MLU ist eng mit dem Namen von Europas erstem afrikanischem Akademiker verbunden.

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Illustration: Katja Elena Karras

Der Mann, der 1747 an Bord eines Schiffes Richtung Ghana geht, ist kein gewöhnlicher Reisender. Seine Schriften und Äußerungen verursachen bei Gelehrten und Philosophen in ganz Europa manch besorgtes Stirnrunzeln, seine weitere Anwesenheit auf dem fortschrittlichsten aller Kontinente ist unerwünscht. Denn allein schon seine bloße Existenz droht das von Überlegenheitsgefühl und Rassismus dominierte Weltbild der Europäer aus den Angeln zu heben.
Geboren um das Jahr 1703 im ghanaischen Dorf Nkubeam wird der junge Amo von Niederländern versklavt und an den Adeligen Anton Ulrich von Braunschweig und Lüneburg-Wolfenbüttel verschenkt. Unter seinem neuen, eingedeutschten Taufnamen dient »Anton Wilhelm« dem welfischen Herzog und seinem Sohn August Wilhelm als »Kammermohr«, damals eine übliche Dienstbotenposition an den meisten Fürstenhöfen. Dank der modernen Einstellung des Fürsten erhält er Zugang zu humanistischer Bildung und erlernt insgesamt sechs Sprachen, darunter Altgriechisch, Althebräisch und Latein.
Weiterhin von Fürst August Wilhelm gefördert, absolviert er schließlich ab 1727 in Halle ein Jura- und Philosophiestudium, später wechselt er nach Wittenberg, wo er 1734 auch promoviert.

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Jan 2016 hastuUNI Heft Nr. 63 0

Eine Katastrophe mit großen Chancen

Nach fünf Jahren ist der neue Campus am Steintor fertig. Am 17. Oktober präsentierten sich die Institute am Tag der offenen Tür. Doch vor allem die Studierenden sind nicht vollauf zufrieden.

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Foto: Katja Elena Karras

Bei leichtem Nieselregen tummelt sich eine überschaubare Menge an Besuchern mit sehr wenigen Studierenden darunter auf der großflächigen Anlage. Im Zentrum steht eine Bühne, auf der es Live-Musik, Schauspiel und Poetry Slam zu sehen und zu hören gibt. In unmittelbarer Nähe informieren die Hochschulgruppen, das International Office und das Universitätssportzentrum an Ständen über ihre Programme. Sammelpunkte sind aber vor allem der vorweihnachtliche Glühwein- und der Bratwurststand sowie die neu eröffnete Cafeteria. »Schick« sähe sie ja aus, sagt eine Studentin im Vorbeigehen. Eine Kommilitonin wiederum findet sie zu »nackig« und »aufpoliert«. Ein Blick ins Innere verrät: Hier gibt es belegte Brötchen, süße Backwaren, Kaffee und kalte Getränke. Ein Student möchte mit seinem Studierendenausweis bezahlen, hat aber nicht mehr genügend Guthaben. »Ein Kartenaufladegerät haben wir hier leider nicht«, sagt eine Mitarbeiterin. Im großen Aufenthaltsraum herrscht reges Treiben. Die Cafeteria scheint Fluchtort vor dem Niederschlag zu sein.

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