Nov 2015 hastuPAUSE 0

Journalisten als Prügelknaben

An Rempler gegen Tagesschau-Reporter montags im Fernsehen hat man sich gewöhnt. Jetzt wurde ein Journalist des Tagesspiegels in Berlin von hinten niedergeschlagen. Gedanken einer Hobbyjournalistenredaktion zur aktuellen Enthemmung in Teilen der Gesellschaft.

Foto: Johanna Sommer

Foto: Johanna Sommer

Es ist kaum noch eine Notiz im montäglichen Berichterstattungswahnsinn. Ein Fotograph einer Lokalzeitung wird beleidigt, eine Redaktion berichtet über Bedrohungen, »Lügenpresse«-Sprechchöre hallen nicht nur in Dresden durch die Straßen. Rempler gegen Berichterstatter gehören in Pegida-Kreisen ohnehin zum guten Ton. Nun ist es am 2. November in Berlin zum traurigen Höhepunkt gekommen. Nach dem Ausruf »Du […] linke Drecksau« wurde ein Kolumnist des Tagesspiegels angegriffen und niedergeschlagen. Mehr, mehr, mehr

Okt 2015 hastuPAUSE Heft Nr. 62 Rubrik 0

Der Hallische Zufall

Der »Hallische Zufall« ist die Kolumne der hastuzeit. Darin schildert Tobias regelmäßig Momente und Begebenheiten der hallischen Ab- und Besonderlichkeiten. Diesmal geht es um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse – oder einfach um die HAVAG.

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Es gibt diese Momente, in denen der Hallische Zufall die gelegentlich durchbrechenden Hassgefühle der Saalestädter auf ihren Nahverkehr sehr gut nachvollziehen kann. An sich mag der Hallische Zufall Tramfahren. Bleibt das Smartphone in der Tasche, kann man Gespräche belauschen, Leute beobachten oder einfach mal durchschnaufen. Wobei es da ja schon anfängt mit der zweifelhaften Beziehung: Die Sommerhitze im Innenraum lässt sich eigentlich nur mit dem weit schlimmeren Gedanken an die schrecklich trockene, grippeviren-geschwängerte Heizungsluft im Winter ertragen.

Aber das sind Kleinigkeiten im Vergleich zu den Hassgefühlen, die aufkommen, wenn an der Endhaltestelle Kröllwitz zwischen der Linie 4 und 7 gewechselt werden muss. Dem Fahrplan sei Dank fährt die 7 dort nämlich eine halbe Drehung. Dies ist insofern von Bedeutung, als dass während dieser Drehung die Linie 4 abfahrbereit in den Blick des Fahrgastes kommt. Auf der Abfahrtsanzeige leuchtet das ebenso drohende wie gefürchtete »Sofort«. Entgegen besseren Wissens keimt ein Gedanke auf: Vielleicht wartet sie ja diesmal. Doch kurz bevor die 7 gänzlich zum Stehen kommt, wird die naive Hoffnung zerschlagen. Die 4 setzt sich in Bewegung. Der Hallenser wartet nun 15 Minuten auf die nächste Bahn. Schon immer hat sich der Hallische Zufall gefragt, ob Tram-Fahrer in solchen Momenten Schadenfreude, Gleichgültigkeit oder Mitgefühl empfinden. Fragt man die Händelstädter solcherart Fragen, erklingen mehrheitlich Klagen über diese Fahrer aus der Hölle ohne Empathie und Freundlichkeit. Doch der Hallische Zufall kennt auch die Anderen, die Aufrechten, fast Engelhaften: Besonders gut zu beobachten sind diese an solchen Straßenecken, wo gleich hinter der Haltestelle eine Ampel auf Rot zeigt. Die Tram muss dann direkt wieder halten, und wenn dann noch ein hoffnungslos verspäteter Studierender angerannt kommt, passiert zuweilen das Unglaubliche: Der Fahrer öffnet, ohne dazu verpflichtet zu sein, die Türen erneut, und der Gehetzte darf mitfahren. Es gibt sie also, die freundlichen Fahrer. Mehr, mehr, mehr

Okt 2015 hastuUNI Heft Nr. 62 Rubrik 0

Studiengeflüster

261 Studiengänge an 10 Fakultäten bietet die MLU, eine beinahe unübersichtliche Anzahl. In unserer Rubrik »Studiengeflüster« stellen unsere Autoren kurz und knapp interessante Aspekte ihres eigenen Studiums vor. Teil 6: Warum reden bald Theologen, Juristen, Biowissenschaftler und Ethiker über eine neue Gentechnik-Revolution?

Grafik: Vossman (CC BY-SA 3.0) https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pre-mRNA-1ysv-tubes.png

Grafik: Vossman (CC BY-SA 3.0)
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pre-mRNA-1ysv-tubes.png

Crispr/Cas: Mittlerweile hört man immer häufiger davon, mehrere Zeitungen fangen an, darüber zu berichten. Die Schilderungen sind wahlweise euphorisch über die neuen Behandlungsmöglichkeiten oder aber verhalten und vorsichtig, da der komplette Kontrollverlust über die Gentechnik drohe. Es geht um ein neues Verfahren, welches sich Crispr/Cas nennt. Doch was ist das und warum werden darüber zukünftig wahrscheinlich Ethiker, Juristen, Biowissenschaftler und Theologen Diskussionen führen? Der Grund ist ein bakterieller Komplex, der zur Abwehr gegen Viren genutzt wird. Denn es gibt eine unglaublich große Zahl Viren, die spezialisiert Bakterien befallen. Diese entwickeln dagegen einen Abwehrmechanismus, der sehr effizient die Nukleinsäure DNA, also den Bauplan der Viren, zerkleinert. Mehr, mehr, mehr

Okt 2015 hastuPAUSE Heft Nr. 62 Rubrik 0

Unter Beobachtung

Eine halb-fiktionale Geschichte von Terrortoten, Aufklebern und einer Erfahrung.

Foto: Tobias Hoffmann

Foto: Tobias Hoffmann

»Komm, erzähl mir eine Geschichte«, bat er sie. Er liebte ihre Geschichten. Nicht dass sie besonders lustig gewesen wären oder gar besonders liebevoll. Im Gegenteil, meistens waren sie ernst, und manchmal konnte er noch Stunden oder sogar Tage über sie nachdenken. Aber ihre Erzählungen mochte er nicht allein deshalb. Sicherlich war das auch ein Grund, aber am meisten mochte er, dass die Geschichten von ihr kamen. Mehr, mehr, mehr

Okt 2015 hastuUNI Heft Nr. 62 Rubrik 0

Gleiche Rechte und Chancen

Was machen Gleichstellungsbeauftragte an unserer Universität? Was sind ihre Aufgaben und Ziele? Der folgende Gastbeitrag bietet einen Einblick in die Arbeit und Erfahrungen einer studentischen Gleichstellungsbeauftragten.

Gleichstellungsbeauftragte und Frauenbeauftragte gibt es an jeder deutschen Universität, ebenso wie in Stadt- und Landesverwaltungen. Sie haben die Aufgabe, die Verwirklichung der Gleichstellung von Männern und Frauen in diesen Institutionen zu unterstützen. Dazu gehört es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu thematisieren und auf die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in Stellenbesetzungsverfahren zu achten.

Dr. Kathrin Hirschinger ist im Mai 2014 für zwei Jahre als hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte der Universität Halle gewählt worden. Jedes interessierte Mitglied der Universität kann alle zwei Jahre für dieses Amt in der eigenen Fakultät kandidieren und sich wählen lassen. Nach der Wahl sind sie die Interessenvertretung, die als Ansprechpersonen Studierenden und Beschäftigten zur Verfügung stehen. Sie sollen die Mitglieder der Hochschulen in Konfliktsituationen unter­stützen. Außerdem bringen sie gleich­stellungspolitische und -rechtliche Aspekte in den Gremiensitzungen ein und können beratend tätig werden. Bisher erreichte diese Möglichkeit nur eine Handvoll Studierender. Nächste Wahl: Mai 2016! Mehr, mehr, mehr

Okt 2015 hastuPAUSE Heft Nr. 62 Rubrik 0

Hakuna Matata

Von Märchen und Disney-Filmen geleitet und inspiriert glaubte man als Kind an das Gute in der Welt, an die große Liebe, und lebte glücklich in den Tag hinein. Unser Weltbild änderte sich im Laufe der Jahre, doch unsere Lieblingsserien und -filme und andere schöne Rituale aus unserer Kindheit bleiben uns bis heute im Gedächtnis.

Semesterferien sind nicht gleich Ferien. Eigentlich werden sie lediglich »vorlesungsfreie Zeit« genannt. Viele Studierende haben, auch wenn sie nicht zur Uni müssen, mehr als genug zu tun. Hausarbeiten und Prüfungen lassen sich nun mal nicht vermeiden. Wie so oft, wenn man sich mit seinen Freunden trifft, schwelgt man dann in Erinnerungen an früher. Früher, als man sich noch nicht abhetzen musste, um Abgabefristen einzuhalten, und sich nicht Tag und Nacht hinsetzen brauchte, um für eine Prüfung zu lernen. Die Mama übernahm das Einkaufen und erinnerte uns an alles. Hakuna Matata – keine Sorgen haben. War diese Unbeschwertheit nicht schön?

Doch leider muss man der Realität ins Auge sehen. Der Realität, in der Helene Fischer den Titelsong von Biene Maja singt und nicht mehr Karel Gott. Der Realität, in der man beim Blick ins Kühlregal feststellt, dass die Produktion des geliebten »Frufoo« (»Fruchtquark« + »UFO« mit kleinem Kinderspielzeug) von früher einfach eingestellt wurde. Der Realität, in der man für sich selbst verantwortlich ist und an seine Zukunft denken sollte. Mehr, mehr, mehr

Okt 2015 hastuPAUSE Heft Nr. 62 Rubrik Zusammenarbeit mit anderen Unizeitungen 0

Flucht ohne Ende

Auch in Heidelberg bestimmt das Thema Flüchtlinge die Tagespolitik – und die Berichterstattung der Heidelberger Studentenzeitung Ruprecht. Von dort erreicht uns der folgende Gastbeitrag.

Mitte August feierte man ein »Begegnungsfest« in der Flüchtlingsunterkunft im Heidelberger Stadtteil Kirchheim. Die Bundesfamilienministerin, Manuela Schwesig, war dafür angereist. Sie lobte die Aufnahmebereitschaft der Heidelberger und hob die Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit für die Flüchtlingsintegration hervor. Ein kurzer Moment »heile Welt«.

Die gibt es nicht immer: Seit Monaten befindet sich die Stadt im Streit mit dem Bundesland. Es geht um die Anzahl der aufzunehmenden Flüchtlinge. Nach dem derzeitigen Schlüssel soll Heidelberg 1,5 Prozent der Asylbewerber in Baden-Württemberg unterbringen. Das sind etwa 600 Kontingentflüchtlinge; das sind jene, welche dauerhaft hier bleiben werden. Untergebracht sind sie in drei über verschiedene Stadtteile verteilten Einrichtungen. Außerdem befindet sich in der ehemaligen US-Wohnsiedlung »Patrick Henry Village« eine Erstaufnahmeeinrichtung: Statt der vorgesehenen 1000 leben dort jedoch über 2600 Asylbewerber. Im früheren Kasino reiht sich Feldbett an Feldbett, es gibt kein fließendes Wasser und keine Duschen oder Toiletten. Und auch die Zimmer in den einstigen Mannschaftsheimen der US-Armee sind überbelegt.

Foto: Daniel Chatard

Foto: Daniel Chatard

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Okt 2015 hastuUNI Heft Nr. 62 Rubrik 0

Vom Radiohörer zum Hörfunkjournalisten

Am Anfang war das Interesse. Daraus wurde eine Idee, aus der Idee entstand der erste Beitrag. Vom ersten zum nächsten, zum Live-Sprechen … bis hin zur Sendungsmoderation. Meine ASQ »Journalistische Kompetenz (Hörfunk)« in der Unimono-Redaktion.

»Noch eine Minute, dann geht«s los«, höre ich den Sendungstechniker sagen. Mechanisch setze ich mir die Kopfhörer auf und ziehe das Mikro vor meinen Mund. Als sich die Studiotür schließt, wird die Luft im Studio plötzlich unerträglich stickig. Ein letztes Mal überprüfe ich auf dem linken PC-Bildschirm, ob alle Beiträge und Lieder der heutigen Sendung an der richtigen Stelle in der Mairlist (ein Programm für Livesendungen) platziert sind. Auf dem rechten PC-Bildschirm scrolle ich durch mein Moderationsskript und lege mir die ersten Sätze zurecht.

Foto: Josephine von Blueten Staub

Foto: Josephine von Blueten Staub

Noch 10 … 9 … 8 … In der rechten Ecke des anderen PC-Bildschirms zählt eine rot leuchtende Uhr den Countdown. Das Herz klopft mir bis zum Hals. Mein Mund fühlt sich staubtrocken an. 7 … 6 … 5 … 4 … Ich räuspere mich und schalte das Mikro an. 3 … 2 … 1 … Das Erklingen des Jingles ist mein Startschuss: »Mein Name ist Josephine von Blueten Staub, und ich werde euch durch die heutige Ausgabe von Unimono begleiten.« Obwohl ich noch heute vor jeder Sendungsmoderation aufgeregt bin, habe ich jedes Mal unheimlich Spaß dabei. Hätte man mir das vor einem Jahr gesagt, als ich die ASQ bei Radio Corax in der Redaktion von Unimono begann, hätte ich denjenigen für verrückt erklärt. Aber von vorn: Mehr, mehr, mehr