Jul 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 79 0

Geschichten aus dem HAVAG-Land

Schienengebunden, mit elektrischer Energie betrieben, dient als öffentliches Personennahverkehrsmittel – die Rede ist von der Straßenbahn. In Halle gestalten sich Fahrten mit dieser regelmäßig als modernes Reiseabenteuer. Eine Kolumne über Fahrten rot-weiß.

Illustration: Sophie Ritter

Alle reden heutzutage davon, dass sie mal entschleunigen wollen, mal runterkommen vom Alltag. Was es dafür nicht alles gibt – das Angebot reicht von Yoga über Meditation bis hin zu autogenem Training. Kann teuer werden. Dabei gibt es eine kostengünstige Alternative: den Franckeplatz. Oder besser gesagt: eine Fahrt mit der Straßenbahn über diesen. Wobei Fahrt vermutlich das falsche Wort ist, die Straßenbahn steht an dieser Stelle nämlich mehr, als dass sie fährt. Und dabei ist es ganz egal, aus welcher Himmelsrichtung man kommt oder wohin man will. Früher oder später wird die Bahn immer langsamer, der eben noch einströmende Fahrtwind wird zu einer kaum wahrnehmbaren Brise, und schließlich: Halt auf freier Strecke. Das, Freunde der Entspannungstechniken, nenne ich mal gelebte Entschleunigung. Mehr, mehr, mehr

Jul 2018 hastuUNI Heft Nr. 79 0

Studiengeflüster

261 Studiengänge an 10 Fakultäten bietet die MLU; eine beinahe unübersichtliche Anzahl. In unserer Rubrik »Studiengeflüster« stellen unsere Autoren kurz und knapp interessante Aspekte ihres eigenen Studiums vor. Teil 13: Von Charles, dem absolutistischen Herrscher seines Herzogtums, und der Zwangsdeportation eines Inselvolkes.

Kartengrundlage: commons.wikimedia.org/wiki/File:Indian_Ocean_
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Viele werden folgendes Szenario wiedererkennen: Ein Seminar nach dem anderen, eine endlos wirkende Aneinanderreihung von oft halbherzig vorbereiteten Referaten, gelangweilte Gesichter und die gleichen drei Personen, die etwas zur Diskussion beitragen. Doch natürlich gibt es auch Ausnahmen: die Seminare, die einen nachdenklich, geschockt, wissbegierig und mit dem Drang, in der Freizeit selbst nachzuforschen, zurücklassen. Solch ein Seminar durfte ich letztes Semester besuchen, und immer noch beschäftigen mich einige der Inhalte.

»Little England – Great Britain: Nationalism, British Identity (and the Brexit)« lautete der Titel der Veranstaltung im Rahmen des Aufbaumoduls Kulturwissenschaft, welches für einen Bachelor oder im Lehramtsstudium der Anglistik/Amerikanistik absolviert werden muss. Vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart reichten die von Dr. Therese-Marie Meyer ausgewählten Themen des Seminars, wobei der Fokus von Religion über territoriale Ausweitung bis zu Identitätsproblemen reichte. Mehr, mehr, mehr

Jul 2018 hastuUNI Heft Nr. 79 0

Kratzer an der »linken Dominanz«

So wertet die Campus-Alternative Halle ihren Einzug in den Stura. Die rote Vorherrschaft etabliert sich derweil in Form der Jusos, die GHG schrumpft beträchtlich, und die OLLi bleibt stärkste Kraft im Stura. Eine kommentierte Zusammenfassung der diesjährigen Hochschulwahl.

Illustration: Sophie Ritter

Lag es an der Abwesenheit in der Löwenrunde? Sind den hallischen Studierenden Themen wie Umweltschutz einfach nicht mehr so wichtig? Oder waren alle potentiellen Wähler der Grünen Hochschulgruppe (GHG) im Bio-Supermarkt, als sie am dringendsten gebraucht wurden? Man weiß es nicht. Fest steht jedenfalls: Die vorrangig an grünen, nachhaltigen Themen interessierte Liste ist nicht länger zweitstärkste Kraft im Stura. Statt der im Vorjahr errungenen acht Sitze wird die GHG ab Oktober mit fünf Sitzen weniger vertreten sein. Gewinner sind hingegen die Jusos, welche nun den bisherigen Rang der GHG einnehmen. Während im Februar die Mutter-Partei SPD in bundesweiten Umfragen erstmals hinter die AfD rutschte, scheinen die hallischen Studierenden sich durchaus noch mit Themen wie »Freiheit, Feminismus, Solidarität« identifizieren zu können. Grund für die Jusos, ihre fünf neu errungenen Sitze zu feiern; mit insgesamt sieben Sitzen proben sie nun – frei nach Kevin Kühnert – den Zwergenaufstand im neuen Stura. Vielleicht gegen die Campus-Alternative? Mehr, mehr, mehr

Mai 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 78 0

Nicht nur die eigenen Rechte zählen

»Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.« So heißt es bei den Vereinten Nationen. Für die weltweite Einhaltung der Menschenrechte tritt Amnesty International ein. Ein Besuch bei der lokalen Hochschulgruppe.

Foto: Bastian Raabe

Als ich an dem lauen Dienstagabend die Treppe des Reformhauses in der Großen Klausstraße, auf halber Strecke zwischen Hallmarkt und dem hallischen Dom, emporsteige, bin ich schon gespannt, was mich heute hier erwartet. Im dritten Stock angekommen, prangt an der Tür die Aufschrift »Versammlungsraum Reformhaus e. V.«, mehrere kleine Plakate kleben daneben, unter anderem eines der Amnesty-International-Hochschulgruppe Halle. Mehr, mehr, mehr

Mai 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 78 0

Ballett – nein, danke?

Seit Jahren altert das Publikum in diversen Kulturbereichen – in Museen, Theater- und Opernhäusern bleiben immer häufiger die jungen Zuschauer aus. Mit dieser Problematik kämpft auch das von Ralf Rossa geleitete Ballett-Ensemble in Halle. Auf der Suche nach den Ursachen hat die hastuzeit mit dem stellvertretenden Ballettdirektor Michal Sedláček und dem vermissten Publikum gesprochen: mit Euch!

Foto: Anna Kolata/ Theater, Oper und Orchester GmbH Halle

Es ist Samstagabend. Die heutige Vorstellung von »Groovin« Bodies« ist nahezu ausverkauft, und das Haus voll. Im Foyer wird vereinzelt noch das Programmheft studiert, an der Garderobenabgabe gewartet oder ein letzter Drink genommen. Doch anstelle der erwarteten Ansammlung von älteren Herrschaften wimmelt es nur so von Turnschuhen, Stoffbeuteln und Club-Mate. Natürlich entdeckt man hier und da zurecht gemachte ältere Damen, Ehepaare und Familien mit Kindern, doch die Mehrzahl der Besucher sind junge Paare und vor allem kleinere und größere Freundesgruppen, die sich auf die bald beginnende Inszenierung einstimmen. Mehr, mehr, mehr

Mai 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 78 0

Nimm doch mal dein Rad mit

Das MDV-Gebiet ist mehr als Leipzig und Halle. Denn was vielen unbekannt ist: das Fahrrad darf mit. Dieses Mal stellen wir Euch eine Radtour vor, die von Naumburg aus nach Bad Kösen und wieder zurück führt. Über Weinberge, an der Saale entlang und hin zu einem Hauch von Meer.

Illustration: Emilie Peters

Sobald die Sonne wieder ihre wärmenden Strahlen in die Welt schickt, wird es Zeit, den alten Drahtesel aus dem Keller zu holen, die Kette zu ölen und hinaus ins Grüne zu fahren. Wen es über die Stadtgrenze hinaus zieht, der sollte die Möglichkeit nutzen, das Fahrrad kostenlos in die Nahverkehrszüge des MDV-Gebiets mitzunehmen. Denn nur 30 Minuten Zugfahrt entfernt locken viele Radwege durch naturnahe Gebiete. In diesem Artikel führt die Reise entlang der Weinberge im Saale-Unstrut-Gebiet. Mehr, mehr, mehr

Mai 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 78 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Chefredakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt besonders geprägt haben. In dieser Ausgabe geht es um den zu seiner Zeit »reichsten Mann Halles«, Carl Adolph Riebeck.

Illustration: Gregor Borkowski

Wer am Hauptbahnhof von Halle ankommt und sich auf den Weg in die Innenstadt macht, kommt zwangsläufig am Riebeckplatz vorbei. Hochstraßen auf Betonpfeilern, Schienen und Straßenpflaster kreuzen sich in geradezu chaotischer Weise auf jenem Areal, das sich mit dem Superlativ »verkehrsreichster Platz Ostdeutschlands« schmückt. Trotz aller Umbau- und Sanierungsmaßnahmen regiert hier im Grunde immer noch der Geist der Sechziger Jahre, deren Stadtplanung das Automobil in luftige Höhen erhob und den Fußgänger unter die Erde verbannte. Nichts, nicht einmal der Name sollte an den alten Vorkriegsplatz erinnern; die Ruinen der einstmals prachtvollen Hotels »Europa« und »Goldene Kugel« wurden durch Plattenbauten ersetzt, den bourgeoisen Großkapitalisten Riebeck ersetzte als Namenspatron der Erzkommunist Ernst Thälmann. Doch auch nach der Rückbenennung im Jahr 1991 überdecken noch immer Beton und Verkehrslärm die Erinnerung an jenen Unternehmer, der es vom einfachen Bergarbeiter bis zum Millionär brachte. Mehr, mehr, mehr

Mai 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 78 0

Den Füßen folgen

Stress und Trott bestimmen oft unseren Alltag. Die Wege, die man Tag für Tag zurücklegt, sind fast immer die gleichen. Wer mal frei hat, fährt meist weg – in der Regel so weit, wie Zeit und Geld es zulassen. Dabei verpasst man so viel in der eigenen Stadt.

Foto: Alexander Kullick

Dieser Artikel wird nicht mit bahnbrechenden Erkenntnissen aufwarten. Doch wird er auf etwas hinweisen, das von den meisten Menschen schlichtweg ignoriert wird: die Schönheit des Banalen, der Reiz des Alltäglichen. Die meisten Leute, die in Halle wohnen, werden sich darauf einigen können, dass die Saalestadt schön ist – aber worauf beziehen sie sich? Auf das Paulusviertel? Auf den Marktplatz? Auf die Raben- oder die Peißnitzinsel? Ohne Frage, die genannten Orte verdienen es alle für sich, als »Sehenswürdigkeit« Halles aufgeführt zu werden. Doch bilden sie nur einen mikroskopisch kleinen Teil von der Schönheit ab, die Halle insgesamt zu bieten hat. Mehr, mehr, mehr