Feb 2016 Allgemein 0

Die Suche nach NS-Raubgut

Die Universitätsbibliothek Rostock sucht in ihrem Bestand nach Büchern, die in der NS-Diktatur durch Enteignungen meist jüdischen Familien entrissen wurden, und versucht die Eigentümer_innen ausfindig zu machen.

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Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 350 I Bü 26680

Wenn ein Oberbürgermeister (OB) ganze Wagenladungen an Büchern einer Universitätsbibliothek spendet, wirft das Fragen auf. Vor allem, wenn dies im Jahre 1942 passiert. In den Zugangsbüchern der Universitätsbibliothek aus den Jahren der NS-Diktatur treten immer wieder Behörden als Lieferanten auf. Die Nazis beschlagnahmten ganze Privatbibliotheken ihrer Opfer und übergaben sie an öffentliche Behörden, zumeist die Finanzbehörden oder die Reichstauschstelle in Berlin. Aber auch SS- oder SA-Stellen oder die Gestapo-Stellen zeigen sich als Spender von Büchern.

In den 1990er Jahren werden erste Hinweise auf mögliches Raubgut in Rostock entdeckt, als man in der Bibliothek die Hebraica kontrolliert. Dort fällt eben jener Eintrag in den Zugangsbüchern auf, der eine Lieferung vom OB Rostock im Jahre 1942 zeigt. Vor zwanzig Jahren fehlte es aber noch an personellen wie finanziellen Kapazitäten, um die Suche nach diesen gestohlenen Büchern auszuweiten und deren eigentliche Besitzer_innen ausfindig zu machen. Vor eineinhalb Jahren erhielt die Bibliothek auf Antrag von der Stiftung Kulturgutverlust (ehemals Arbeitsstelle für Provenienzforschung) eine finanzielle Förderung zur Einrichtung eines Projektes, das sich mit der Suche nach NS-Raubgut an der UB beschäftigt.

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Jan 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 64 0

»Dann Schneewittchen durchgeballert«

Für die Spielzeit 2015/16 kamen acht neue Schauspielstudierende nach Halle, um ihre Praxisausbildung zu starten. Die hastuzeit hat eine Vorstellung besucht und drei von ihnen getroffen.

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Foto: Falk Wenzel

Ganz spontan: Was würdet ihr gerne eine Woche an der MLU studieren, wenn ihr nicht Schauspielstudierende wärt?
Paul M. Oldenburg: Philosophie, weil ich das ein wahnsinnig spannendes Feld finde, in das man aber als Laie nicht einfach reinkommt. Unser Beruf beschäftigt sich ja auch viel damit, sich mit Dingen auseinanderzusetzen, auch philosophische Konzepte zu begreifen. Bei uns muss es nur für einen Abend reichen, aber es gibt dann die großen Köpfe, die sich die großen Gedanken machen, die auf das ganze Leben zutreffen sollen. Das würde ich gerne mal professionell erleben.
Benito Bause: Medizin, weil mein Papa Psychiater ist und ich eigentlich Medizin studieren wollte, aber mir dann klar geworden ist, dass meine Schwester mit einem 1,3-Schnitt zwei Jahre gewartet hat und ich da nicht reinkomme. Aber ich finde das mega-interessant, und da lernt man ja wirklich Sachen, die man auch direkt anwenden kann. Du kannst ja wirklich Menschenleben retten.
Mira Helene Benser: Na toll, was soll ich jetzt noch sagen? Freie Kunst. Bei mir ist es ganz einfach: Weil ich für mein Leben gern male und ich Bock hätte, mich dann eine Woche völlig auszutoben mit allen Materialien, die mir dann zur Verfügung stehen.

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Jan 2016 hastuUNI Heft Nr. 64 0

Studiengeflüster

261 Studiengänge an 10 Fakultäten bietet die MLU, eine beinahe unübersichtliche Anzahl. In unserer Rubrik »Studiengeflüster« stellen unsere Autoren kurz und knapp interessante Aspekte ihres eigenen Studiums vor. Teil 8: Wie eine Wundererde aus dem Amazonas die Menschheit retten könnte …

hastuzeit-64_druck_40s_Seite_960Unsere Erde wird von mittlerweile 7,4 Milliarden Menschen bevölkert. Sie alle müssen sich ernähren. Das stellt große Anforderungen an den Agrar- und Ernährungssektor weltweit. Der für die Landwirtschaft nötige Boden bietet unsere Lebensgrundlage, dennoch wird er durch die stark intensivierte Landwirtschaft häufig übermäßig beansprucht. Einige der heutigen Böden entstanden teilweise schon vor der letzten Eiszeit, degradieren heute aber innerhalb weniger Jahrzehnte derart, dass sie ihre wertvollen Eigenschaften irgendwann verlieren. Gründe hierfür sind vor allem der übermäßige Einsatz von synthetischen Düngern und Pestiziden sowie der Einsatz schwerer landwirtschaftlicher Maschinen. Bereits 1991 zeigten 38 % der weltweiten Ackerfläche deutliche Degradationserscheinungen.

Der Boden ist bald am Ende

Neben Wasser stellt der Boden die wichtigste Ressource für den Fortbestand des Menschen dar. Natürliche Ressourcen sollten also clever und vor allem nachhaltig behandelt werden. Der Studiengang Management natürlicher Ressourcen an der MLU ermöglicht eine intensive Beschäftigung mit den Ressourcen Boden, Wasser und Pflanze. Das Studium vereint interdisziplinär die Naturwissenschaften Geologie, Biologie, Bodenkunde sowie ökonomische Aspekte.

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Jan 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 64 1

Studenten als Unternehmer

Ein eigenes Unternehmen besitzen und das schon im Studium? hastuzeit hat nachgeforscht und Tipps und Anregungen von jungen Unternehmern gesammelt, die sich schon als Studierende selbständig gemacht haben.

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Illustration: Tetyana Gryniva

Samstagfrüh im Hallischen Saal über der Tulpe. Stefan Person und Christian Tengel versuchen, die Teilnehmer des Workshops »Entdecke Deinen Unternehmergeist!« für das Unternehmertum zu sensibilisieren. Die Studierenden müssen beispielsweise ein neues Produkt entwickeln und es dann den Investoren präsentieren oder den perfekten Unternehmer zeichnen. Am Ende der Veranstaltung verabschieden sie die Teilnehmer mit dem Satz: »Einfach mal anfangen, losgehen, selbstbewusst sein und sich und sein Können herausstellen.« Ist dies in der Praxis so einfach? Gordon Böhme, der an der MLU seinen Abschluss in Interkultureller Kommunikation und Politik gemacht hat, fing schon als Student an, seine eigene Firma auf die Beine zu stellen: »Alles, was man braucht, ist ein Computer, WLAN gibt es an der Uni – mein erstes ›Büro‹ war in der Tulpe. Es finden sich ja online alle nötigen Informationen, um ein Web-Projekt zu starten. Man muss nur lesen und anfangen.«

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Jan 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 64 0

Dezent verzaubert

Das MDV-Gebiet ist mehr als Leipzig und Halle. Auch die meist verkannten mittelgroßen Städte lohnen einen Besuch. Diesmal ging es ins winterliche Merseburg.

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Foto: Julia Plagentz

Nur zehn Minuten sind es mit der Bahn von Halle ins siebzehn Kilometer südlich gelegene Merseburg. Kaum in den Zug eingestiegen, ist man schon da. Merseburg hat gut 36 000 Einwohner, von denen sich allerdings heute circa 35 900 in ihre Häuser zurückgezogen haben; die Straßen sind ausgestorben an diesem Samstag Anfang Januar. Nur eine Clique Halbstarker zieht vorbei.
Sie verkörpern die eine Seite des harten Kontrasts, den die Stadt bietet: Plattensiedlungen, Tristesse und Verwahrlosung. Auf der anderen Seite stehen die noch immer vorzeigbare Geschichte, die viele Spuren hinterlassen hat und Touristen zu locken vermag, zahlreiche kleine Trödelläden und die spürbaren Bemühungen der Stadt, sich in gutem Licht zu präsentieren. Zudem haucht die Hochschule Merseburg der Stadt mit ihren knapp 3000 Studenten etwas frisches Leben ein. Gleich gegenüber der Stadtkirche St. Maximi am Markt befindet sich in der Burgstraße eine kleine Touristen-Information. Hier gibt es neben den zu erwartenden Flyern und Broschüren eine für Merseburg überraschend vielfältige Auswahl an Souvenir-Artikeln.

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Jan 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 64 0

Mit dem Professor auf der Couch

Elektronische Vorlesungen und Online-Kurse sind für Studierende in den USA nichts Neues. Auch die MLU setzt auf moderne Technologien und multimediale Projekte. Ein Pilotprojekt der pädagogischen Psychologie.

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Illustration: Tetyana Gryniva

Besonders an den heiß begehrten Universitäten wie Princeton oder Stanford haben sich die digitalen Aufzeichnungen und virtuellen Seminare bereits etabliert. Mit den neuen technischen Möglichkeiten kann die Lehre endlich über die begrenzten Kapazitäten der Hörsäle gehen und ein breiteres Publikum erreichen. Lernen wie auf dem Campus kann man nun überall und jederzeit.
Die E-Vorlesung in der pädagogischen Psychologie an der MLU ist sowohl für die Studierenden als auch für den Professor Pablo Pirnay-Dummer und sein junges Team eine neue Erfahrung. Das digitale Format ist nicht nur eine innovative Alternative im Vergleich zur klassischen Präsenzveranstaltung, sondern bietet auch viele weitere Vorteile.

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Jan 2016 hastuUNI Heft Nr. 64 0

Kontinent von übermorgen

Afrika ist ein Kontinent voller Vielfalt und Schönheit, aber auch geprägt von radikalen Gegensätzen und großen Problemen. Der Versuch einer Analyse.

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Illustration: Joshua Stepputat

Der »Schwarze Kontinent« besitzt viele Gesichter. Nicht nur reicht die Fülle seiner Landschaften von den Dünen der Sahara und den Korallenriffen des Roten Meeres bis zu den feuchten Regenwäldern des Kongo-Beckens und dem gewaltigen Victoria-See, auch seine Menschen sind äußerst verschieden. Besonders die Unterschiede zwischen dem von den Mittelmeerkulturen geprägten, muslimischen Norden und dem auch als »Schwarzafrika« bekannten Süden sind oft größer als die zwischen den Ländern Europas. Gemeinsam sind den meisten der 54 Staaten nur ihre koloniale Vergangenheit und der mühsame Kampf um politische Stabilität. In den Politikwissenschaften rückt der Kontinent zunehmend in den Blick, an der Martin-Luther-Universität zum Beispiel im Seminar »Politische Systeme und Demokratisierungsprozesse in Afrika«.

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Jan 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 63 0

Der Hallische Zufall

Der »Hallische Zufall« ist die Kolumne der hastuzeit. Darin schildert Tobias regelmäßig Momente und Begebenheiten der hallischen Ab- und Besonderlichkeiten. Diesmal geht’s um die Gusche.

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

»Wollmer uns losmachen?«
als Frage for­muliert oder das knappe und vor allem sehr bestimmte »Ich mach mich los!« hört man in Halle häufig und quer durch alle Alters- und Sozialstufen. »Losmachen«, das ist ein schönes Beispiel für die Saalestädter Mundart. Sind »Hallunken« und »Halloren« mehr durch Schokolade und Marketing im Sprachgebrauch verankert, so steht »losmachen« für mehr. Einfach und kurz gehalten, ohne viel drum herum beschreibt es, was nun passieren wird. Dennoch bleibt die Formulierung etwas umständlich, droht gar ins Stumpfe abzudriften und integriert plump das schwache Verb »machen« in den Satz. Hallenserinnen und Hallenser könnten auch den einfachen Weg wählen und »gehen« oder gar das viel stärkere Verb »verschwinden« verwenden. Doch Saalestädter ziehen die sanfte, etwas unpraktisch erscheinende Variante über den Umweg des »Machen« vor. Es mag Leute geben, für die diese Formulierung gar leicht proletarisch wirkt, doch im Grunde ist es Ausdruck des herzlich-bestimmten Einschlags, den das Hallische und wohl auch jeder Hallenser in sich trägt. Niemand würde die Hallenser wohl als besonders freundlich charakterisieren. Eher als derb und direkt, ohne dabei jedoch das Herzliche zu vergessen. Und so werden nicht viele Umstände gemacht und auch nicht über Gebühr Wert auf schönen Klang oder aufreizende Grammatik gelegt. Entsprechend klingt denn auch die Mundart.

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