Mai 2014 hastuUNI 0

Kandidaten für den Senat 2014

Illustration: Eva Feuchter

Illustration: Eva Feuchter

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Mai 2014 hastuUNI 0

Wir demonstrieren weiter

Zum Jahrmarkt der Wissenschaften am 7. April zeigten die Studierenden der betroffenen Fächer, wie es um sie steht. Nebenbei gab es auch eine Diskussionsrunde mit den Stadträten von Halle.

Studierende der Psychologie

Felix und Anneke studieren zusammen  im 4. Semester Psychologie.

Felix und Anneke studieren zusammen im 4. Semester Psychologie.

Die Schließung unseres Studienganges ist nicht nachvollziehbar und absoluter Unfug. Des Weiteren werden ab Wintersemester 2014 für die Psychologie als Nebenfach die Studienplätze von bisherigen 100 auf 20 reduziert, und in einem Tutorium für das Hauptfach Psychologie sind jetzt schon 60 Leute. Es ist einfach zu voll! Das Gleiche betrifft auch viele andere Seminare und Übungen. Wir verstehen nicht wirklich, was in den Köpfen von Haseloff und Bullerjahn vorgeht.

Wir haben große Angst, bald komplett weg vom Fenster zu sein.

Studierende der Informatik

Felix und Iris, zusammen mit ihrem Robohund.

Felix und Iris, zusammen mit ihrem Robohund.

Felix: Wir haben schon jetzt eine nicht besetzte Professorenstelle, da Herr Professor Staiger in Rente gegangen ist.

Iris:  Da sein Fach aber die theoretische Informatik war, die sehr wichtig ist, wird dies von Professoren aus anderen Arbeitsgruppen unterrichtet.

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Mai 2014 hastuPAUSE Nr. 53 0

Veganer Kaffeeklatsch

Immer mehr Studierende interessieren sich für eine vegetarische oder vegane Ernährung und eine entsprechende Lebensweise.

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Vielen fällt es jedoch schwer, komplett auf tierische Produkte wie zum Beispiel Käse und manche Süßigkeiten zu verzichten. Um sich inspirieren oder überraschen zu lassen oder einfach nur zum Probieren, fand am Sonntag, den 9. März um 15 Uhr in der »Goldenen Rose« ein veganer Kaffeeklatsch statt. Organisiert wurde dieser von der Gruppe »Vegan in Halle«, einer Gruppe, die sich überwiegend aus Studierenden zusammensetzt und nicht nur diverse Essensveranstaltungen wie den »Veganen Kaffeeklatsch« oder den »Veganen Brunch« veranstaltet, sondern auch Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit für Tierrechte und die vegane Lebensweise leistet. Aufgrund der positiven Rezensionen des ersten »Veganen Kaffeeklatschs« Anfang 2012 wiederholte sich das Event am 9. März bereits zum 19. Mal und findet einmal im Monat statt. Speziell im Sommer finden auch Picknicks des Kaffeeklatsches statt. Mehr, mehr, mehr

Mai 2014 hastuINTERESSE Nr. 53 0

»Das verfluchte dritte Auge«

Studiengeflüster 263 Studiengänge an 10 Fakultäten bietet die MLU, eine beinahe unübersichtliche Anzahl. In unserer neuen Rubrik »Studiengeflüster« stellen unsere Autoren kurz und knapp interessante Aspekte ihres eigenen Studiums vor, die sie gern einmal mit Euch teilen möchten. Teil 2: »Das verfluchte dritte Auge«

Protest der Medien- und Kommunikationswissenschaften auf der Marktplatz in Halle am 12. März 2014. Foto: Christian Schoen (CC BY-NC-SA 2.0) http://www.flickr.com/photos/ineedadollar/13123133855/

Protest der Medien- und Kommunikationswissenschaften auf der Marktplatz in Halle am 12. März 2014.
Foto: Christian Schoen (CC BY-NC-SA 2.0) http://www.flickr.com/photos/ineedadollar/13123133855/

»Und vergesst nie mit dem dritten Auge zu sehen!«, fügt Prof. Lampe noch schnell an sein Schlussplädoyer hinzu, bevor er seinen Vortrag über Kameraeinstellungen beendet: Shot-Reverse-Shot, Over-Shoulder-Shot, Point-of-View-Shot. Die Vorlesung über die Film- und Fernsehanalyse ist schon längst vorbei – aber eine Melodie gleich klingenden Begriffen surrt noch immer wie ein monotones Echo in meinem Ohr.

Um auf andere Gedanken zu kommen, hole ich mein Smartphone aus der Tasche. Ein grün blinkendes Nachrichtensymbol zieht meine volle Aufmerksamkeit auf sich, ich höre es schreien: »Öffne mich!« Weil ich Mitleid mit dem kleinen grünen Nachrichtensymbol empfinde, lese ich die Nachricht und stolpere über eine Bordsteinkante. Meine Mutter schickt mir mal wieder ein angeblich »superwitziges« Youtube-Video. Ich muss gähnen. Es geht um »Erdbeerkäse-Nadine«. Bei »Terri…Terri…torium« lache ich plötzlich laut auf. Die ältere Dame neben mir funkelt mich böse an. Mein Lachen verstummt abrupt, weil ich an das Seminar zu Medientheorie bei Frau Dittmar denken muss: Unterschichtenfernsehen, Enzensberger, Kultur der Armut. Diese Szenen eines Referats über das »Fernsehen von unten« erscheinen vor meinem inneren Auge. Was fasziniert Menschen an dieser Serie? Warum muss ich darüber lachen?

Und schon ist mein drittes Auge aktiviert und ich stecke mitten in einer psychoanalytischen Auseinandersetzung, die den gesamten Nachhauseweg in Anspruch nimmt. Mein Kopf brummt, meine Füße tun weh. Ich brauche Entspannung, zwei Gutscheine fürs Kino! »Perfekt«, denke ich und stehe kurz darauf mit einer Freundin in einem schummrig beleuchteten Foyer vor dem Kinosaal. Es riecht nach Popcorn und ein bisschen nach Käsefuß. Wir betreten den Saal und laufen den Gang bis ganz nach oben, um in der letzten Reihe sitzen zu können. Der Raum ist bis auf das Licht von der Leinwand vollkommen dunkel. Der erste Trailer erscheint und ich sinke tief in meinen samtigen Sessel. Die Werbeanzeige von Anker FM erscheint. »Übrigens, dein Uniradio!« Diesen Satz würde ich am liebsten laut durch den Kinosaal brüllen. Ein Gefühl der Euphorie durchströmt mich, denn das Tonstudio im MMZ ist durch die Arbeit im Radio ein zweites Zuhause für mich geworden. Moderieren, schneiden, interviewen – alles selbstgemacht und niemand hört es. Eigentlich auch gut so: Ich denke an falsch gedrückte Knöpfe und Wörter, die gar nicht existieren. »Anker FM? Pff! Was ist das?« Mehr, mehr, mehr

Mai 2014 hastuPAUSE Nr. 53 0

Wenn das Macbook streikt

Im Buch »Die Kultur der Reparatur« geht’s ums Reparieren, Recyceln und Teilen

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Wenn mein Fahrrad einen Platten hat, ist es vorbei. Ich muss gestehen, dass ich kaum imstande bin, einen Reifen selbst zu flicken. Zwar haben mir öfters mein Vater und meine Freunde geholfen und mir jeden Schritt geduldig erklärt, aber richtig sicher bin ich mir beim Reparieren nicht. Auch sonst ist das Handwerkliche nicht alltäglich: einen Knopf annähen, eine Deckenlampe anbringen, einfache Haushaltsgeräte reparieren – scheinbar simple Tätigkeiten, die wir oft nicht gelernt haben. Das Handy ist kaputt? Reparieren wäre zu teuer, ein neues kaufen lohnt da mehr.

Gegen die Wegwerfgesellschaft und verloren gegangene Fähigkeiten empört sich Wolfgang M. Heckl in seinem neuen Buch »Die Kultur der Reparatur«. Der Physiker, der das Deutsche Museum in München leitet und an der TU München doziert, ist auch leidenschaftlicher Handwerker. Zu Hause versucht er, alles irgend Mögliche zu reparieren: Den tropfenden Wasserhahn, das alte Radio, die kaputte Kaffeemaschine. Mehr, mehr, mehr

Mai 2014 Allgemein hastuUNI Nr. 54 0

»Die Regierung hat Angst, ihr Gesicht zu verlieren«

Felix Schiedlowski vom »Aktionsbündnis MLU – Perspektiven gestalten« organisierte die letzte Kürzungsdemo mit. Im Interview spricht er über den Protestwillen der Studierenden und den Unwillen der Landesregierung, die Sparpolitik endlich zu beenden.

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Felix Schiedlowski (19) organisierte die letzte Kürzungs-Demo im Aktionsbündnis mit.

Foto: Markus Kowalski

Laute Musik, Partystimmung und rund 6000 Demonstranten. Wie erfolgreich war für dich die Demo?

Vom Zuspruch der anwesenden Demonstranten her war das sehr erfolgreich. Mit so vielen Leuten hatten wir nicht gerechnet, weil wir erst einmal nicht einschätzen konnten, wie bereit die Studierenden zum Protest nach den Großdemos noch sind. Die Zahl der Demonstranten hatte sich bei den letzten Demos immer so zwischen 3000 und 7000 Studierenden bewegt.

In Leipzig kommen die Aktionen gegen die Kürzungen nur schwer in Gang. Sind die hallischen Studierenden protestwilliger?

Wir hoffen natürlich, dass das Mobilisierungspotential steigt. Die Demo hat schon gezeigt, dass die Studierenden jetzt mehr mobilisiert sind und gemerkt haben, dass die geplanten Kürzungen nahezu alle Fachbereiche betreffen. Man hat ja gesehen, dass die bedrohten Institute mobil machen, auf der Demo vertreten sind und eigene Aktionen organisieren. Wir glauben schon, dass das Interesse jetzt gestiegen ist und wir weiterhin mit vielen Studierenden Druck gegen die Landesregierung machen können.
Die Lautsprecher auf der Demo wurden bis zum Anschlag aufgedreht, die Stimmung der Redner war gereizter als bei der vorherigen. Wie laut muss der Protest noch werden, bis euch die Landesregierung hört?
Das fragen wir uns auch. Wir denken, dass die Protestwelle, die jetzt schon ein Jahr lang ging und zigtausend Studierende in ganz Sachsen-Anhalt auf die Straße gebracht hat, längst laut genug sein müsste. Gleiches gilt für die Protestwelle der Kulturschaffenden, die schon seit einem Jahr zuhauf Demonstrationen in Halle, Magdeburg und Dessau machen. Es ist schon erstaunlich, dass sich da bei der Landesregierung so wenig bewegt.

Was glaubst du persönlich, wieso die Landesregierung den Sparkurs weiter fortsetzt?

Das ist eine schwierige Frage, weil die Kürzungspläne offensichtlich gegen jeden Sinn und Verstand sind. Ich glaube, dass es einerseits Kräfte in den Parteien gibt, die denken, dass es diesem Bundesland besser geht, wenn man alles bis zum Anschlag totspart. Für die ein schuldenfreies Sachsen-Anhalt das A und O ist, ohne nach den Folgen dieses Bildungs- und Kulturabbaus zu schauen. Andererseits hat die Landesregierung einfach Angst, ihr Gesicht zu verlieren. Die Regierung will mit aller Macht vorspielen, dass sie sich eben nicht getäuscht haben.

Würdet ihr denn die Landesregierung loben, wenn sie die Kürzungspläne jetzt zurücknehmen würde?

Ja, natürlich. Uns geht es nicht darum, Haseloff, Möllring, Dorgerloh und Bullerjahn persönlich anzugreifen. Wir sind auch nicht in dem Bündnis, weil wir die SPD oder die CDU in Sachsen-Anhalt prinzipiell so blöd finden. Wir engagieren uns in dem Bündnis, weil uns diese konkrete Politik nicht gefällt und wir diese für brandgefährlich halten. Unser Ziel ist nach wie vor, dass die Kürzungen zurückgenommen und die Bildung anständig ausfinanziert wird. Wenn wir das erreicht haben, loben wir auch die Landesregierung.

Was habt ihr für den 20. Mai geplant?

Das soll vor allem ein bundesweiter Protesttag werden, weil es im Bildungsbereich in ganz Deutschland Kürzungen gibt. Fast ohne Ausnahmen sind Universitäten und Theater überall von diesen Sparplänen betroffen. Mit dem Kooperationsverbot und der Schuldenbremse ist das aber ein Problem auf Bundesebene. Wir werden präsentieren, warum diese Kürzungen sinnfrei und gefährlich sind. Dabei werden wir versuchen darzustellen, wie es anders geht und warum es nicht notwendig ist zu kürzen. Wie wir das genau machen, ist noch in Planung.

Stellt ihr also einen alternativen Haushaltsplan für das Land auf, der ohne die Kürzungen auskommt?

Seit es dieses Bündnis gibt, argumentieren wir gegen eine Landesregierung, die Strukturpläne aufstellt, Pressemitteilungen erstellt und sagt, dass es gefährlich wäre, wenn Sachsen-Anhalt so viel Geld für die Bildung ausgibt. Das ist einfach grundfalsch: Das Land gibt erstens nicht viel für die Bildung aus, und zweitens kommt durch die Universitäten als Wirtschaftsfaktor viel mehr Geld rein, als diese Landesregierung auch nur annähernd die Universitäten gegenfinanziert. Mit diesen Argumenten versuchen wir immer wieder anzukommen. Fraglich ist, wann diese Argumente endlich in der Landesregierung gehört werden.

Hat die Landesregierung schon mal mit euch gesprochen?

Zu Beginn des Protests, als die ersten Demonstrationen aufkamen, gab es Gespräche mit dem Ministerpräsidenten. Aber das waren Alibi-Gespräche, in denen man uns angehört hat und gefragt hat, was denn unser Problem sei. Aber als Gesprächspartner oder als Protestmasse hat man uns nicht ernst genommen. Seit längerer Zeit gab es nun keine Gespräche mehr.

Ihr habt den »Bildungsstreik 2014« groß proklamiert. Wie soll der aussehen? Soll die Uni wie 2009 mit einem Sitzstreik besetzt werden?

Unser Anliegen soll auf jeden Fall deutlich werden. Wir setzen dabei auf verschiedene Aktionsformen. Demonstrationen sind auf der einen Seite wichtig, um viele Studierende und Mitarbeiter hinter sich zu haben. Auf der anderen Seite sollten wir mit radikaleren Aktionen zeigen, dass man uns nicht mit einfachen Versprechungen abspeisen kann. Aber die Organisationsteams des Bildungsstreiks werden das noch besprechen und koordinieren. Im Gegensatz zu 2009 soll die Beteiligung ähnlich groß werden, aber jetzt mit klaren Forderungen und einer besseren Struktur.

Mai 2014 hastuPAUSE Nr. 53 0

Ein Land voller Golems

Die Verfilmung des Bestsellers »Die Bücherdiebin« von Markus Zusak im Review

Illustration: Eva Feuchter

Illustration: Eva Feuchter

»In all den Jahren habe ich so viele junge Männer gesehen, die der Meinung waren, auf andere junge Männer zuzulaufen. Aber das stimmt nicht. Sie liefen alle zu mir.« So sagt es der Erzähler in der Mitte des Films »Die Bücherdiebin«. Es ist eine Sichtweise, die in wenigen Worten aufzeigt, was Krieg ausmacht: Zwei Parteien rennen aufeinander zu, doch es wird keinen Gewinner geben, nur Verlierer. Der Erzähler muss es wissen, denn es ist der Tod selbst.

Eigentlich hat der Tod schon viele Leute kommen und gehen sehen, doch die Geschichte, die er erzählen möchte, hat ihn auf eine besondere Art und Weise bewegt. Sie handelt von der neunjährigen Liesel Memminger, die zum Zeitpunkt der Handlung 1938, in einem Zug zu ihren Pflegeeltern unterwegs ist. Ihre Mutter wurde verhaftet, ihr Bruder starb während der Zugfahrt. Mehr, mehr, mehr

Mai 2014 hastuINTERESSE Nr. 53 0

Die Fluten verschlangen Millionen

Wieso wurde das Multimediazentrum vom Hochwasser zerstört? Die Geschichte von einem Bauprojekt neben dem Fluss, bei dem die Naturgewalt Wasser ignoriert wurde.

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Fünfzehn Jahre ist es nun her: Der hallische Stadtrat beschloss 1999, ein Multimediazentrum (MMZ) zu bauen. Von den 33 Millionen Euro Gesamtkosten zahlte die Stadt neun Millionen und das Land Sachsen-Anhalt 24 Millionen Euro.
Daraufhin wurde 2002 ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Diesen gewannen die Architekten Nadja Letzel und Jochen Freivogel, sie durften das MMZ konzeptionieren. Als die Bauphase begonnen hatte, wurde die Baugrube durch ein Hochwasser mit 6,69 Metern geflutet. Der Schaden betrug 50 000 Euro, das Bauprojekt wurde vorerst gestoppt. Der damalige Gründungsgeschäftsführer Udo Schumann leitete den Bau des Hauses. Er fuhr nach Magdeburg zur Landesregierung, um mehr Geld für den Hochwasserschutz zu bekommen. Das Land Sachsen-Anhalt verweigerte sein Anliegen, die Begründung lautete: Es würde erst wieder in 100 Jahren ein Hochwasser geben. Sollte Schumann trotzdem mehr ausgeben, hätte er mit einer Anzeige wegen Veruntreuung von Steuergeldern zu rechnen.

Schließlich wurde das MMZ im Juni 2007 eröffnet. Neben Professoren und Studenten bezogen viele Medienfirmen, Designer, Architekten das MMZ. Doch schon vier Jahre später gab es in Halle das nächste Hochwasser, aber da konnten das THW und die Feuerwehr das Gebäude vor Schäden bewahren. Mehr, mehr, mehr