Aug 2015 hastuPAUSE Heft Nr. 61 Rubrik 0

Insekten essen!

Eklig? Unhygienisch? Hierzulande ist es für viele unvorstellbar, kleine Krabbler und Kriecher zu verspeisen, in anderen Ländern gelten die Tiere als proteinreiche Delikatesse. Vielleicht werden sie auch in Europa zur Nahrung der Zukunft.

Auf der Erde sind 60 Prozent aller Tiere Insekten. Zugleich bilden sie mit beinahe einer Million Arten die vielfältigste Klasse überhaupt, mehr als 1400 dienen als Nahrungsquelle, sie besiedeln fast alle Lebensräume unseres Planeten. Die ideale Nahrungsquelle also, immer und überall verfügbar. Dass sich jemand als Snack eine Wanze von der Pflanze pflückt, sieht man hier jedoch eher selten.

In Teilen Afrikas, Asiens und Amerikas hat der Verzehr von Insekten durch den Menschen lange Tradition, der Fachbegriff hierfür ist Entomophagie. Erste historische Anhaltspunkte finden sich in assyrischen Darstellungen von 700 v. Chr., bei denen ein Festmahl mit Heuschrecken als Delikatessen abgebildet ist. Auch der Koran und die Bibel enthalten Hinweise auf den Verzehr der Tiere. Essbar sind vor allem Käfer, Hautflügler (zu ihnen gehören Bienen und Ameisen), Heuschrecken, Schmetterlinge, Schnabelkerfe (beispielsweise Wanzen) und Termiten. Mehr, mehr, mehr

Aug 2015 hastuINTERESSE Heft Nr. 61 Rubrik 0

Rennen um das eigene Leben

Jährlich lassen tausende Pferde für den Rennsport, der zur Freizeitbeschäftigung und Geldeinnahmequelle vieler Menschen dient, ihr Leben. Sie werden meist schon viel zu früh eingeritten und müssen unter extremem Stress Höchstleistungen erbringen. Wofür also diese ganze Tierquälerei?

9. Das Rennen ums eigene Lebens(Pferd 2)_Sarah Ketzschmar

Illustration: Sarah Kretzschmar

Vor etwas mehr als zwei Jahren bin ich noch mit einer jungen Stute in meinem Alter auf der Jungpferdekoppel um die Wette gerannt. Nur aus Spaß, um zu testen, wie sich der Wind in meinen Haaren anfühlt und der Boden unter meinen Hufen vibriert. Doch unser Leben war vorbestimmt. Wir sind beide gezüchtete Rennpferde. Unsere Aufgabe ist es, Rennen zu gewinnen.

Als wir noch nicht einmal zwei Jahre alt waren, das heißt, noch nicht ausgewachsen – meine Vorderbeine waren noch etwas kürzer als meine Hinterbeine –, kam ein Mann zu uns. Nach eingehender Betrachtung wurden eine junge Stute und ich in einen Transporter gesteckt. Dann ratterte es, und ich hatte auf einmal Probleme, mein Gleichgewicht zu halten. Nach Verstummen dieses grauenvollen Geräusches öffnete sich die Luke, und wir waren weit weg von unserem Zuhause. Mehr, mehr, mehr

Aug 2015 hastuPAUSE Heft Nr. 61 Rubrik 0

#wortfest

Ob nun über Alltägliches oder das Besondere, ob Poesie oder Prosa – mal lustig, mal ernst: Beim Poetry Slam kommen nicht nur Logophile auf ihre Kosten.

Foto: Riccardo Kirschig

Foto: Riccardo Kirschig

Der HALternativ e. V. veranstaltet regelmäßig »Regio Poetry Slams«, bei denen jeder aus der unmittelbaren Region des Austragungsortes teilnehmen und gegebenenfalls zum ersten Mal Bühnenerfahrung sammeln kann.

Für die Teilnehmer gibt es lediglich drei Regeln: Die Texte müssen selbst verfasst worden sein, das Zeitlimit von sechs Minuten gilt es möglichst einzuhalten, und außer dem Manuskript dürfen keine Hilfsmittel, wie etwa Requisiten, verwendet werden.

Am Ende einer jeden Rezitation erfolgt dann die Bewertung durch eine Jury. In der Vorrunde besteht diese aus zufällig ausgewählten Personen aus dem Publikum, die mithilfe von Jury-Karten eine Punktewertung zwischen eins und zehn vergeben, wobei die jeweils höchste und niedrigste Wertung gestrichen wird, um gegebenenfalls befangene Wertungen auszusondern. Im Finale besteht die Jury schließlich aus dem gesamten Publikum, das den Sieger des Abends mittels der Intensität des Beifalls für die einzelnen Künstler bestimmt. Mehr, mehr, mehr

Aug 2015 hastuINTERESSE Heft Nr. 61 Rubrik 0

In einer Tram vor unserer Zeit

Wir haben in den verstaubten Kisten unseres Redaktionsbüros einen kleinen Schatz gefunden: Vor 10 Jahren erschien in unserer Vorgängerzeitschrift, dem READiculum, der Artikel »Der Nahverkehr und die Studenten«. Damals sah die Situation um das Vollticket noch anders aus. Ein kurzes Märchen bringt uns zurück in die Zeit lange vor dem Semesterticket.

In einer Tram_Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Es war einmal ein Städtchen in den südlichen Gefilden eines Königreichs namens Sachsen-Anhalt. Dort lebten und studierten viele, viele kluge junge Menschen, die jeden Tag den beschwerlichen Weg zu ihren Hörsälen zurücklegen mussten. Zu dieser Zeit, man schrieb das Jahr zweitausendundfünf, war noch nicht die Rede von einem vollsolidarischen Semesterticket, und man musste für ein einfaches Ticket in der Straßenbahn läppische anderthalb Taler löhnen. Der arme Studierende musste sich entweder mit dem Drahtesel, seinen eigenen Füßen oder aber einem zusätzlichen Ticket behelfen.

Zweiundsiebzig Taler und fünfzig Groschen kostete damals die Semesterabgabe insgesamt, fünfzehn gingen an das sogenannte »Freizeitticket«. So konnten die Glücklichen in den »betriebsamsten« Stunden
des Tages, nämlich von sieben Uhr abends bis fünf Uhr morgens, kostenlos die öffentlichen Verkehrsmittel der Stadt nutzen. Schon damals widersprachen die Studierenden der Burg Giebichenstein diesem sogenannten »Freizeitticket«, da ihnen dünkte, die Fahrzeiten seien viel zu unattraktiv. Wie recht sie doch haben sollten! Die Mitarbeiter vom Mitteldeutschen Verkehrsbund boten schon damals ein vollsolidarisches Semesterticket feil, wie an so vielen anderen Universitäten des Landes. Mehr, mehr, mehr

Aug 2015 hastuUNI Heft Nr. 61 Rubrik 0

Laut, lauter, Verschwörungstheorie

Warum die Sanierungen am Audimax und der Schulstraße mir den Pulitzer-Preis einbringen werden.

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Foto: Katja Karras

Wer Vorlesungen am Hauptcampus hat, dem werden die Baumaßnahmen am Audimax wohl nicht entgangen sein. Schlappe 120 000 Euro werden dazu benötigt, um meinen Kommilitonen, meinem Prof und mir die Nerven zu rauben. Ich will mich nicht beschweren. Es ist schön, dass das Geld (zumindest teilweise) an den richtigen Stellen ausgegeben wird und man darauf achtet, dass den Studenten nicht die Decke des Audimax auf den Kopf fällt – denn das schafft das Studium oft schon von allein. Jedoch stellt sich mir die Frage, wieso gerade zu den Hauptzeiten der Vorlesungen Bauarbeiter tausende Löcher in die Betonwand bohren, sodass man weder den Prof hören, geschweige denn einen klaren Gedanken fassen kann. Da kommt mir nur eine logische Erklärung in den Sinn: Sparmaßnahmen!

Jetzt fragt Ihr Euch sicher: »Sparmaßnahmen? Was soll das denn? Es wird doch endlich mal Geld zur Verfügung gestellt!« Dies ist aber weit gefehlt, denn ich bin der Ansicht, dass die kommenden Baumaßnahmen verdeckte Sparmaßnahmen der Stadt Halle (Saale) an der Uni sind. Der ewig währende Krach, Bauarbeiter, die sich im schönsten Ostdeutsch quer über das Gerüst zubrüllen (»Maaaariiiiooooooh, gug ma«, die studiorn hior!«), und das alles während der Vorlesung. Das kann übersetzt nur eines bedeuten: Ihr kostet Geld, und wir wollen euch hier nicht! Je lauter, ablenkender und durchtriebener dieser verdeckte Plan ist, desto besser. Denn wer würde schon darauf kommen, dass das alles kein Zufall ist? Ich! Mehr, mehr, mehr

Aug 2015 hastuINTERESSE Heft Nr. 61 Rubrik 1

Schattenland jenseits des Rennbahnkreuzes

Kaum ein Studierender wagt sich jemals nach Halle-Neustadt. Dabei hat Halles größter Stadtteil weitaus mehr zu bieten als nur Klischees.

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Foto: Ramona Wendt

»In Halle-Neustadt? Nee, da bin ich noch nie gewesen. Warum auch?« höre ich von fast jedem meiner Kommilitonen, wenn wir über meine Heimatstadt Halle sprechen. Jeden Tag fahre ich mit der Straßenbahn durch das so oft kritisierte Halle-Neustadt bis nach Nietleben, in den ersten angrenzenden dörflichen Stadtteil, wo ich wohne. Dann denke ich mir, wie so oft, dass Halle-Neustadt sein negatives Image in vielen Punkten eigentlich nicht verdient hat. Natürlich ist an allen Vorurteilen bekanntlich auch etwas dran. Man kann nicht abstreiten, dass die Plattenbauten und Hochhäuser auf den ersten Blick abschreckend wirken und dass einem in der Straßenbahn und im Einkaufszentrum doch gelegentlich einmal die eine oder andere zwielichtige Person über den Weg läuft.

Aber kann einem das nicht überall passieren? Laut der Mitteldeutschen Zeitung hat Halle-Neustadt mit 6,5 Prozent den größten Migrantenanteil Sachsen-Anhalts und auch eine, im Vergleich zum Rest der Stadt, verhältnismäßig hohe Arbeitslosenquote.

Das alles mag abschrecken, trotzdem scheint es einige, wohl sehr mutige Studenten zu geben, die es sogar in Betracht ziehen, sich an der Haltestelle Feuerwache, also am Anfang Neustadts, eine Wohnung zu mieten. Der Wohnungsanbieter Blockhouse-City preist Wohnungen und WGs extra für Studierende an. Dieses Angebot wird gern angenommen. Beliebt ist die Nähe zum Zentrum der Stadt Halle, das man mit der Straßenbahn in zehn Minuten erreichen kann. Mehr, mehr, mehr

Aug 2015 hastuPAUSE Heft Nr. 61 Rubrik 0

Perlhuhn

Hier kann man im Handumdrehen persönliche Schmuckunikate selber machen.

Perlhuhn_Doreen Blume

Foto: Doreen Blume

Seit März 2009 findet man in der Bernburger Straße in Halle das Perlhuhn. Ein Paradies, nicht nur für alle Selbermacher, sondern auch für alle Perlen- und Schmuckfreunde. Hier kann man aus einer Auswahl von Tausenden verschiedenen Perlen seine ganz persönlichen Schmuckstücke fertigen. Egal was das Herz begehrt: Ohrringe, Armbänder, Ketten, …

Viele, die das Perlhuhn voller Neugier und Tatendrang zum ersten Mal besuchen, sind so verblüfft von dem riesigen Sortiment, dass sie mindestens ein weiteres Mal wiederkommen müssen, um dann tatsächlich aktiv zu werden. Nicht nur die Optik der kleinen bunten Kugeln weist eine weite Bandbreite auf: von ganz schlichten Perlen über Buddha-Köpfe bis hin zu Obst- oder Tierimitaten. Auch die verwendeten Materialien sind sehr vielfältig und reichen von Glas und Keramik über Nuss, Metall, Horn und Kaschmir bis hin zu weniger bekannten Werkstoffen, wie Acryl, Resin, Fimo und Cloisonnés. Mehr, mehr, mehr

Aug 2015 hastuUNI Heft Nr. 61 Rubrik 0

Von Fußballweltmeisterschaften und Hochschulwahlen

Was der Nicht-Angriffspakt von Gijon mit dem Hochschulwahlsystem zu tun hat.

Illustration: Eva Feuchter

Illustration: Eva Feuchter

Fußballfans kennen sicherlich den Nicht-Angriffspakt von Gijón. Bei der Weltmeisterschaft 1982 standen sich Österreich und Deutschland im letzten Vorrundenspiel ihrer Gruppe 2 gegenüber. Da das andere Gruppenfinale zwischen Chile und Algerien bereits am Vortag stattgefunden hatte, konnte man sich auf deutscher wie auf österreichischer Seite ausmalen, bei welchem Spielergebnis beide Mannschaften weiterkommen würden. Bis zu diesem Zeitpunkt war für Algerien, Deutschland und Österreich ein Weiterkommen möglich. Tatsächlich sicherte eine frühe deutsche Führung von 1 : 0 beiden Mannschaften das Weiterkommen –
unabhängig vom Ergebnis des vorhergegangenen Spiels. Und tatsächlich blieb es beim 1 : 0; beide Mannschaften kamen weiter, und Deutschland verlor im Finale 3 : 1 gegen Italien. Der Rest ist Geschichte.

Was hat das mit Hochschulwahlen zu tun? Zunächst verdeutlicht dieses Beispiel, dass Ergebnisse immer pfadabhängig sind. Hätte die damalige Regelung beispielsweise vorgesehen, beide Spiele parallel laufen zu lassen, hätte das Spiel zwischen Österreich und Deutschland ein deutlich anderes Ergebnis haben können. Ebenso pfadabhängig sind Wahlergebnisse – also auch Hochschulwahlergebnisse. Wie aus Stimmen eine Verteilung von Mandaten wird, ist eine zugegebenermaßen trockene, aber gewichtige Frage der Wahlrechtsforschung. Die Art der Verrechnung hat großen Einfluss darauf, wie letztlich Mandate in Gremien (ob Bundestag, Landtag, Stura, FSR oder Senat) verteilt werden. Damit stellen sich auch relativ schnell Fragen, wie gerecht die Sitzverteilung ist. Im Folgenden soll an zwei kurzen Beispielen erklärt werden, welche Gerechtigkeitsprobleme bei der Stimmverrechnung in Halle auftreten können. Die folgenden Erörterungen gelten grundsätzlich für alle Gremien (Stura, FSR, Senat und Fakultätsräte). Bei Gremien, die in verschiedenen Wahlbereichen gewählt werden (Stura, Senat), ist der jeweilige Wahlbereich die Bezugsgröße. Mehr, mehr, mehr