Dez 2014 hastuPAUSE Nr. 57 0

Techno, Drogen und Paradiesvögel

Wer geht denn da hin? Woher kommt das, und warum machen die das? Und wie sieht's damit eigentlich in Halle aus?

Foto: Geoffrey de Kleijn (CC BY-NC 2.0) Quelle unter dem Text

Foto: Geoffrey de Kleijn (CC BY-NC 2.0)
Quelle unter dem Text

Diese Raver. Die meisten von ihnen sind unter der Woche im Alltag eingebunden. Wenn sie dann am Freitagabend über die Türschwelle des Clubs getreten sind, fühlen sie sich, als hätten sie die Cherubinen überlistet und wären ins Paradies gekommen. Sobald sie die wummernden Bässe in ihren Eingeweiden spüren, sind sie der Gesellschaft entkommen, können ein weiteres Abenteuer erleben, ohne weit weg zu müssen.

Der Club ist eine Insel der Freien. Im Laufe des Abends bildet sich ein fröhlicher Haufen verschiedenster Gestalten. Unter ihnen finden sich glitzernde, bunt Geschminkte und eigenartige verkleidete Geschöpfe in einer Häufung, sodass Anderssein zur Normalität wird. Mehr, mehr, mehr

Dez 2014 hastuPAUSE Nr. 57 0

Reif für die Insel?

Friederike und Nobert sind Lehramtsstudenten an der MLU und waren acht Monate in England für den Pädagogischen Austauschdienst als Fremdsprachenassistenten an Schulen tätig.

Foto: Norbert Herbstreit

Foto: Norbert Herbstreit

Maidstone Grammar School

Es war zehn Minuten vor zwei, als ich den langen Korridor zum Lehrerzimmer durchschritt. Das Meer der Schüler teilte sich vor mir wie von selbst. Es waren der Anzug und der Ausweis, der in einer Plastikhülle von meinem Gürtel baumelte und mit jedem schnellen Schritt gegen mein Bein schlug. Insignien der Macht, Insignien, die aus einem Studenten im Ausland einen Lehrer an einer britischen Grammar School machten.

Im Lehrerzimmer angekommen verstaute ich die Utensilien eines Vormittages im Kampf für die Grammatik und rückte im Spiegel nervös meine Krawatte zurecht. Der Job als Lehrer, das hatte ich in sechs Monaten an einer britischen Schule gelernt, war nicht nur ein Teil Pädagoge, ein Teil Experte, ein Teil Didaktiker und ein Teil Psychologe. Er war vor allem auch ein Teil Schauspieler und ich hatte noch genau sieben Minuten und den Weg bis zum Dramakabinett Zeit, um die Gelassenheit in Person zu werden. Mehr, mehr, mehr

Dez 2014 hastuPAUSE Nr. 57 0

»Nicht nur Arme und Beine trainieren«

Lars Holtmann, Masterstudent Sportpsychologie und Trainer des Fußballvereins VfL Halle 96, über die herausragende Rolle der Psychologie im Sport.

Lars Holtmann, hier mit Basecap am Spielfeldrand.  Foto: Markus Czarnetzki

Lars Holtmann, hier mit Basecap am Spielfeldrand. Foto: Markus Czarnetzki

Lars Holtmann wurde am 11.12.1982 in Osnabrück geboren. Nach dem Bachelorstudium der Sportwissenschaft an der »Deutschen Sporthochschule Köln« wechselte er 2010 nach Halle, um den Masterstudiengang Sportpsychologie draufzulegen. Seine Abschlussarbeit befasst sich mit »sportpolitischer Expertise im Fußball«. Seit 2011 trainiert Holtmann zudem den Fußball-Oberligisten VfL Halle 96.

Lars, du bist bereits 31 Jahre alt, hast aber erst vor Kurzem deine Masterarbeit abgegeben. Fühlst du dich schon als altes Eisen?

Nein, ich war ja nie an der Uni (lacht). Spaß beiseite. Ich habe alle Veranstaltungen in der Regelstudienzeit abgeschlossen und nur für die Masterarbeit länger gebraucht, insgesamt zweieinhalb Jahre. Ich bin jetzt im 15. Semester.

Was hat dich dazu bewegt, Sportpsychologie zu studieren?

Ich hatte während meines Bachelorstudiums einen Dozenten, Günter Klein, der sagte einmal, dass gutes Training aus 25 Prozent Technik, 25 Prozent Taktik, 25 Prozent Kondition und 26 Prozent Psychologie bestehe. Er meinte, Psychologie sei das Wichtigste für einen Trainer. Deshalb habe ich den Masterstudiengang Sportpsychologie angehängt. Mehr, mehr, mehr

Dez 2014 hastuPAUSE Nr. 57 0

Wilmaaaaa!

Gedanken über die ideale Mitbewohnerin

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Als ich letztens nach Hause kam und mich darüber freute, wie mich meine Mitbewohnerin quasi an der Tür begrüßte, begann ich zu überlegen, wieso wir uns eigentlich so gut verstehen und ich mich ausgerechnet für Wilma entschieden hatte. Ich dachte, diese Frage ließe sich am besten mit ihr zusammen klären.

Um sie für unser Gespräch positiv zu stimmen, gab ich ihr etwas von meinem Abendessen ab, woraufhin sie sich die Backen mit Salat und Gurke vollstopfte. Zum Nachtisch bot ich ihr noch ein Stück Apfel an. Dass sie eher ein genügsamer Typ ist, war wohl schon der erste Punkt auf der Pro-Liste. Außerdem sieht sie einfach zu niedlich aus, wenn sie isst. Nach dem Essen sah ich ihr bei ihren Fitness-Übungen zu und fand einen weiteren ihrer Vorteile: Sie ist in vielerlei Hinsicht ein Einzelgänger und versucht nie mich zu überreden, mit ihr joggen zu gehen, oder etwas in der Art. Da ihr Zimmer gewissermaßen auch eine Toi­lette hat, kommt es auch nie zu Streit bezüglich der Badezimmernutzung. Negativ müsste ich jetzt natürlich anmerken, dass sie nie aufräumt, aber ihr Zimmer ist klein – verglichen mit dem Rest der Wohnung – und so stört die Mehrarbeit eigentlich kaum. Mehr, mehr, mehr

Dez 2014 hastuPAUSE Nr. 57 0

Gendern im Oman

Das Sultanat am Golf schreibt weder das Kopftuch vor wie der Iran, noch gibt es ein Fahrverbot für Frauen wie in Saudi-Arabien. Trotzdem ist das Bild an der Universität ein völlig anderes als hier.

Foto: Alexander Kückes

National Day auf dem Campus der SQU.

Foto: Alexander Kückes

Neben mir ertönt ein charakteristischer Pfiff. Am Anfang dachte ich, das müsse eine Art Kuckucksuhr sein. Aber nach kurzer Zeit habe ich mich daran gewöhnt, dass wieder bloß irgendein Smartphone eine WhatsApp-Nachricht empfangen hat.

Es ist die Zeit nach einer Vorlesung, in der viele Studenten ihre Geräte aus der Tasche holen und anfangen zu tippen. Schnell habe ich begriffen, dass ein Großteil der Kommunikation unter den Kommilitonen über Sofortnachrichten auf dem Handy läuft. Für mich eine großartige Gelegenheit, Arabisch zu lernen, denn im Gegensatz zum gesprochenen Wort kann man sich die Unterhaltung auf dem Handy später noch einmal durchlesen und Vokabeln besser merken. Mehr, mehr, mehr

Dez 2014 hastuPAUSE Nr. 57 0

Weihnachten am anderen Ende der Welt

Jeder liebt Weihnachten. Es ist zwar eine Zeit, in der die Temperaturen unter null Grad sinken und man nicht ohne warmen Mantel das Haus verlassen kann.

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Es ist auch die Zeit mit einem ganz besonderen Zauber. Man wartet auf den Schnee, man dekoriert den Weihnachtsbaum mit großer Begeisterung und man übt die traditionellen Weihnachtslieder, weil man will, dass am 24. Dezember alles sitzt. Aber natürlich feiern Menschen auf der ganzen Welt in ganz unterschiedlicher Weise das Fest der Liebe.

In meinem Heimatland Frankreich gibt es nicht viele Unterschiede zum deutschen Weihnachten. Wir beginnen ziemlich früh, unsere Häuser zu dekorieren, und Ende November strahlen auch schon die Straßen. Ab dem 1. Dezember können wir ein Glas Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt genießen und ganz viele handgearbeitete Produkte kaufen. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, je weiter man in Richtung Osten geht, desto schöner sehen die Märkte aus. In diesem Bereich haben die Franzosen wirklich einen Grund, eifersüchtig zu sein. Mehr, mehr, mehr

Dez 2014 hastuPAUSE Nr. 57 0

Für zwei, drei Bier

Ein Gespräch mit einem Musiker über die niedrigen Eintrittspreise der hallischen Rockkonzerte

Foto: Elisabeth Kulla

Foto: Elisabeth Kulla

Zwanzig Minuten vor Beginn des Konzertes beschwert sich eine junge Dame darüber, dass 50 Cent für die Garderobe bei den Eintrittspreisen – in diesem speziellen Fall 15 Euro an der Abendkasse – nun wirklich zu viel verlangt seien.

Diese Bemerkung ist der Anlass für ein Gespräch mit dem musikalischen Leiter besagten Konzertes, Frithjof Eydam (*1985). Er ist freischaffender Musiker und Komponist, Lehrer für Kontrabass und Klavier und Gründungsmitglied der Krautrockband Fake Blanche.

Was kostet die Durchschnittseintrittskarte für ein Konzert?

Gefühlt würde ich sagen … maximal fünf Euro.

Wer entscheidet über diesen Preis?

Das macht der Veranstalter. Wenn ein Club ein Konzert veranstaltet, dann bestimmen die auch den Eintrittspreis. Mehr, mehr, mehr

Dez 2014 hastuPAUSE Nr. 57 0

Autismus – eine unsichtbare Behinderung

Wie ich als Autist meine Umgebung wahrnehme und welche Probleme damit verbunden sind

Illustration: Katja Karras

Illustration: Katja Karras

Es ist schwer für mich, die Unterschiede zu erklären, welche bei der Art der Wahrnehmung von Autisten und Nichtautisten bestehen, da ich in meinem Leben nie ein Nichtautist gewesen bin und auch nie sein werde. Ich fange daher mit einem Gedankenexperiment an, welches ich mir in jüngster Zeit immer wieder überlege: Was wäre, wenn die meisten Menschen Autisten wären, wenn es also normal wäre, Autist zu sein? Ich denke, die Menschen würden unter anderem Gebärdensprache benutzen, da das Kommunizieren mit Lauten schnell sehr belastend werden kann. Gerade wenn viele Menschen sich auf engem Raum versammeln und sich unterhalten, führt das schnell zu einem sehr störenden Geräuschpegel. Für mich ist es dann zum Beispiel sehr schwer, die Stimme meines Gesprächspartners von dem einzigen Geräuschbrei zu unterscheiden, welcher mich umgibt. Aber auch, wenn ich still in einer Ecke sitze, ist es nicht einfach, diese vielen akustischen Reize, welche auf mich einströmen, zu verarbeiten. In die Mensa gehe ich daher meist kurz nachdem sie geöffnet hat oder kurz bevor sie schließt, also immer dann, wenn sie einigermaßen leer ist. Mehr, mehr, mehr