Feb 2014 hastuPAUSE Nr. 52 0

Bauer sucht Party

Der Bauernclub ist der letzte Studentenclub der Stadt und schließt nun nach über 40 Jahren seine Pforten am Steintor. Doch an einer anderen Stelle soll es weitergehen.

Foto: Tobias Leithold

Foto: Tobias Leithold

Es ist ein Mittwoch, mitten im Dezember, als ich die Tür zum Bauernclub passiere. Heute ist die Weihnachtsfeier der Ernährungswissenschaftler, eine der letzten Feiern des Bauernclubs in den alten Räumlichkeiten gegenüber dem alten agrarwissenschaftlichen Institut am Steintor. Auf der anderen Straßenseite entsteht der neue geisteswissenschaftliche Campus, und auch das Gebäude des Bauernclubs wird aufgrund der Umgestaltungen am Steintor weichen müssen. Während man sich gegenüber über einen neuen Straßennamen streitet, wird hier der letzte Studentenclub Halles vorerst geschlossen und mit ihm auch ein Stück Geschichte. Weitergehen wird es möglichst in der Nähe. Doch dazu später mehr. Mehr, mehr, mehr

Dez 2013 hastuPAUSE Nr. 51 0

Verzauberte Welt, optimierte Wälder

»Der seltsamste Fall des Doktor E. T. A. Hoffmann« konfrontiert die Zuschauer mit der eigenen Identität

Eigentlich wissen wir es ja: Die Puppen handeln nicht selber, sie werden nur gesteuert.

Foto: Falk Wenzel

In einem leeren, kahlen Arbeitszimmer beginnt es. Zwischen den Büchern und dem wuchtigen Schreibtisch und der eigenen Selbstverliebtheit schwadroniert der Rechtsanwalt Theo H. über das herrliche Anwaltsleben. Plötzlich kommt eine neue Mandantin herein und verwickelt ihn in eine Geschichte zwischen Zauber und Wirklichkeit. Sein neuester ist zugleich sein seltsamster Fall.

Denn seine Mandantin ist eigentlich die Fee Rosalverde, die ihn auf eine Reise in die Zeit der Aufklärung entführt. Dort, in dieser wundersamen Welt, ist Studiosus Balthasar in die hübsche Tochter des Hofes Candida verliebt, doch das ist eigentlich Nebensache. Denn der Staatssekretär Dollinger will unbedingt zum neuen »Generaloptimierer« ernannt werden, um die fürstlichen Wälder zu optimieren. Klingt verrückt? Noch bizarrer wird es, als der Rechtsanwalt Theo H. plötzlich von allen Beteiligten für Herrn Zinnober gehalten und heldenhaft verehrt wird. Kurz darauf verliebt er sich dann noch in Candida. Und schon ist das Chaos vorprogrammiert: Theo H., der absolut rationale Rechtsanwalt, der nie heiraten wollte, plant plötzlich seine Hochzeit.

Zunächst kommt man wegen den Rechtsanwalts-Witzen, den lakonischen Bemerkungen und der grotesken Situation nicht aus dem Lachen heraus. Doch dann wird klar, dass bei diesem Feen-Zauber nur der Schein zählt, denn: »Wahr ist, was alle glauben.« Denn auf einmal wird Theo H. auch noch vom Fürsten zum Intendanten des neuen fürstlichen Theaters ernannt, ohne das überhaupt zu wollen. Er protestiert: »Ich bin doch gar kein Künstler!« – »Das ist doch egal, solange es alle denken.« Mehr, mehr, mehr

Dez 2013 hastuPAUSE 0

Krisenfest?!

Ein Buch versucht sich an einer Erklärung der Finanzkrise

Illustration: Eva Feuchter

Illustration: Eva Feuchter

Krisenfest sein. Was bedeutet das, und wer ist das schon? Banken, Wirtschaft und Experten waren es in den vergangenen Jahren jedenfalls selten. Aber was ist mit der Bevölkerung? Stellt man sich selbst die Frage: »Bin ich krisenfest?« und denkt dabei weniger an den eigenen Kontostand, sondern eher daran, ob man selbst das eigentlich noch nachvollziehen kann: nachvollziehen, was da gerade zwischen Milliardenhilfen hier und Zahlungsausfällen dort passiert – oder gar warum –, die Antwort wird allzu oft nein heißen. Selbst politisch und gesellschaftlich interessierte Menschen müssen einräumen, zwischen den widersprüchlichen Berichten von Medien und den Wirtschaftsweisen den Überblick verloren zu haben, was richtig oder falsch ist.

John Lanchester, der Autor von »Warum jeder jedem etwas schuldet und keiner jemals etwas zurückbezahlt«, findet das bedenklich. Denn wie soll ein System, das durch solcherart Unkenntnis der gesellschaftlichen Kontrolle entzogen ist und sich dadurch verselbstständigt hat, gezähmt werden? Er möchte beim Verstehen helfen. Genau dies ist nötig, das zeigt Lanchester zu Anfang dieses Sachbuchs eindrücklich an wenigen Zahlen. So auch, wenn er mit dem Leser ein bekanntes Abschätzspiel spielt, in dem es darum geht, wie lange es dauert, bis eine Million oder aber eine Milliarde Sekunden vergehen. Hier sei verraten: Eine Million Sekunden dauern 12 Tage, eine Milliarde aber schon 32 Jahre. Klar, dass hier statt Sekunden auch Euro stehen könnte. Mehr, mehr, mehr

Dez 2013 hastuPAUSE 0

Vor dem Abriss

Das denkmalgeschützte »Künstlerhaus 188« soll dem Stadtbahn-Ausbau des Böllberger Wegs weichen.

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Schon ab 1731/32 stand an dieser Stelle ein Schulgebäude. August Hermann Francke nutzte die »Weingärtenschule« eine Zeitlang zum Unterrichten der Kinder und Jugendlichen seiner Stiftungen, 1785 wurde sie von der damals noch eigenständigen Amtsstadt Glaucha als Bürgerschule weitergeführt, aber bald darauf abgerissen.

1817 wurde Glaucha als Stadtteil in Halle eingegliedert. Ab 1870 stellte Halle fest, dass wieder neue Schulen gebraucht wurden, und errichtete auf demselben Fleck wieder eine »Weingärtenschule«. Seit 1893 gingen dort Schüler ein und aus, Jungs und Mädchen damals noch durch getrennte Eingänge und in getrennten Klassenzimmern. Die Turnhalle dahinter existiert heute immer noch. Später wurde die Volksschule zur Grundschule, dann zur polytechnischen Oberschule und 1986 zum Kino. Die Straßeneingänge wurden zu Fenstern umfunktioniert und an die Turnhalle ein Mehrzweckraum mit Kinoeinrichtung angebaut. Heute wird das Gebäude auch als »Club 188« bezeichnet.

1994 sollte das Haus wieder abgerissen werden. Passiert ist jedoch nichts. Im Gegenteil, die Künstler durften bleiben und haben die Räume ausgebessert, aber auch in Ateliers zum Mieten umfunktioniert, eine Keramikwerkstatt und die Druckwerkstatt geschaffen. Seit letztem Jahr aber gab es Gespräche zwischen der Stadtverwaltung und den Künstlern, ob sie sich nicht vorstellen könnten, dort auszuziehen. Zur selben Zeit stellte die Stadtverwaltung den Antrag an den Stadtrat, die oberen Etagen des Stadtmuseums auszubauen, unter der Bedingung, dass dort nur Ausstellungsstücke Platz finden. Der Stadtrat stimmte zu. Vom Plan, den Club 188 abzureißen, wussten damals weder die Künstler noch der Stadtrat. Mehr, mehr, mehr

Dez 2013 hastuPAUSE Nr. 51 0

»Sehr vielfältige Gegenwart«

Vom 30. September bis zum 10. Oktober 2013 fanden die ersten »Hallenser Jüdischen Kulturtage« statt. Eine Fortsetzung ist bereits geplant.

Illustration: Han Le

Illustration: Han Le

Anlass der Kulturtage war der 60. Jahrestag der Einweihung der hallischen Synagoge in der Humboldtstraße und der Einzug der neuen Tora-Rolle, die erste seit vor dem Zweiten Weltkrieg. Den Besuchern der Woche wurde ein buntes und sehr vielfältiges Programm aus Konzerten, Vorträgen, Rundgängen, einem Workshop und einem Tanzabend mit Künstlern aus den USA, Israel, Deutschland und der Ukraine an verschiedenen Veranstaltungsorten in Halle geboten.

Bereits im April dieses Jahres hatte der Musiker und Kulturmanager Andreas Schmidtges die Idee, beide Ereignisse mit einem umfangreichen Begleitprogramm zu würdigen. Im Juni legten sich dann der Freundeskreis Leopold-Zunz-Zentrum e. V., die Jüdische Gemeinde zu Halle und das Seminar für Judaistik / Jüdische Studien der MLU fest, den Schritt »zu wagen« und die Kulturtage zu organisieren. Von Juni bis zum Beginn der jüdischen Kulturtage war die komplette Verwaltung, Finanzierung und Konzipierung abgeschlossen, verriet uns Dr. Anton Hieke, Mitorganisator und Redner. »Für eine Veranstaltung dieser Größe war es blitzschnell«. Seine persönliche Motivation war »die Aufgabe, eine neue Tradition zu schaffen« und »den Hallensern zu zeigen, dass sie eine jüdische Gemeinde, eine sehr vielfältige jüdische Geschichte, aber auch eine sehr vielfältige jüdische Gegenwart haben«. Mehr, mehr, mehr

Dez 2013 hastuPAUSE Nr. 51 0

King of Stud.IP

Vom Sinn oder Unsinn des exzessiven Gebrauchs unseres Uni-Netzwerks – Gespräch mit einem der »Könige des Stud.IP«

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Wir alle arbeiten meist täglich mit Stud.IP, ohne welches unsere Studienorganisation mittlerweile ebenso undenkbar wäre wie Tim ohne Struppi. Für einige ist Stud.IP offenbar sogar weit mehr als ein reines Organisationsmedium, sie nutzen das Netzwerk sehr aktiv und haben so bereits eine gewisse Bekanntheit erlangt. Besonders im Kampf um eine möglichst hohe Platzierung in der Rangliste maximieren sie ihre Aktivität, um möglichst viele Punkte zu erlangen. Zu diesen Stud.IP-Koryphäen gehört auch Marco Kühne, mittlerweile ist er vor allem durch seine mannigfaltigen Umfragen bekannt wie ein bunter Hund, ziemlich viele Neugierige landen wöchentlich auf seiner Seite. Er hat sich netterweise bereiterklärt zu erzählen, was für ihn den Reiz von Stud.IP ausmacht.

Weißt du deinen momentanen Rang und deine Punktzahl aus dem Stegreif?

Ja, ziemlich genau. Gut 230 000 Punkte und Rang 10, aber das unterliegt ja auch Schwankungen. (Anm. der Red.: Marco möchte an dieser Stelle seinem Mitbewohner, Christian »dem Nachbarn« M., Henrike H., Jens S. und den vielen anderen Stud.IP-Verrückten danken. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses war Marco bereits bis auf Platz 6 der Rangliste vorgerückt.)

Würdest du Stud.IP als ein Hobby von dir bezeichnen? Und wie viel Zeit verbringst du täglich damit?

Meine anderen Hobbies sind normalerweise viel zeitintensiver, also ist Stud.IP mit circa einer Stunde täglich vielleicht ein kleines Hobby von mir. Ich nutze es aber natürlich vor allem fürs Studium und um mit Leuten in Kontakt zu treten, denen ich Mathe-Nachhilfe gebe.

Wenn man sich dein Profil ansieht, ist man erst einmal überrascht über deine rege Aktivität. Da drängt sich bei den meisten die Frage auf: Warum machst du das, und woher kommt deine Motivation?

Ich verstehe, wenn das einige etwas nerdig finden, aber ich war einfach neugierig, was man mit Stud.IP noch so machen kann, abgesehen von der Organisation des Studiums, was ja wirklich praktisch ist. Mehr, mehr, mehr

Dez 2013 hastuINTERESSE Nr. 51 1

Zyankali

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Es ist Mittag, das erste Seminar des Tages beginnt gleich. Zunächst jedoch verbringe ich noch ein wenig Zeit auf den Treppen des Löwengebäudes und beobachte das Treiben auf dem Campus.

Ich habe mir in der Mensa einen Kaffee gekauft, welcher geschmackstechnisch auf einer Skala von −10 bis 0 nicht einzuordnen ist. Jedoch ist er flüssig und versorgt mich mit aufputschenden Inhaltsstoffen.

Offensichtlich hat die Erstizeit wieder angefangen. Dies macht sich folgendermaßen auf dem Campus bemerkbar: Mädchen, welche scheinbar vor zwei Monaten noch mit Polly Pocket und ihrem Barbie-Traumhaus im Kinderzimmer gespielt haben, legen nun in mehr oder weniger geschmacklosen Miniröcken und überteuerten Hosenanzügen ihre ersten Gehversuche in Stöckelschuhen auf dem Unigelände hin. Kleiner Tip: Kopfsteinpflaster eignet sich nicht für Probeläufe mit Highheels! Die männlichen Artgenossen verhalten sich aber keineswegs besser, sondern versuchen, sich kurz nach Beginn des Studiums anzuziehen wie ihre eigenen Großväter in den 60ern. Mehr, mehr, mehr

Dez 2013 hastuINTERESSE Nr. 51 0

Marke Eigenbau

Drei Läden in Halle bieten die einzigartige Möglichkeit, sich auf verschiedenen Feldern mit professioneller Unterstützung und zu erschwinglichen Preisen auszuprobieren, egal ob beim Nähen, beim Schrauben am eigenen Rad oder beim kreativen Basteln und Bauen.

Fahrräder

Foto: Christian Schoen


Rad + Tat

In diesem Jahr wurde mir die Dynamostrippe rund acht Mal durchgeschnitten, da hilft so langsam auch das Flicken mit dem Isolierband nicht mehr. Eine neue Strippe muss her. Doch wo ist es günstig für uns Studenten? Im »Rad + Tat« begrüßt mich der Inhaber Sebastian Pohlig und werkelt gerade an einer Felge herum. Ich erkläre ihm das Problem, und er meint, für drei Euro zeigt er mir, wie man die Dynamostrippe austauscht und eine neue einsetzt. Momentan sind dort zwei Schüler für ihr FÖJ und der Inhaber, samt Kollegen, die mir dann helfen würden, tätig. Außerdem erzählt er mir, dass es den Laden schon seit 15 Jahren gibt. Drei Jahre davon stand der Laden »unter der Herrschaft des Fahrradies«, danach übernahm 12 Jahre lang die Jugendwerkstatt vom Bauhaus. Da diese aber zwei Mal in Insolvenz gingen, wurde Sebastian der Inhaber. Mehr, mehr, mehr