Nr. 73

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Jul 2017 Heft Nr. 73 0

Doppelte Vergangenheit

Wie schaffte es eine Malerin, sich das SED-Regime zum Feind zu machen? Wer war der Ansicht, dass die Russen die DDR eines Tages verkaufen würden? Und was haben der Kommunismus und das Christentum gemeinsam? Antworten hierauf lieferte Doris Liebermann bei ihrer Lesung am 13. Mai in der Stadtbibliothek.

Foto: Sophie Ritter

Etwas ernüchternd ist es doch, wie wenig Menschen gekommen sind – nur etwa 15 Personen haben den Weg in die Stadtbibliothek gefunden. Dabei ist Doris Liebermann, die zu einer Lesung ihres aktuellen Buches erschienen ist, kein unbeschriebenes Blatt: Die Autorin und Journalistin wurde 1976 im Zuge einer Unterschriftensammlung gegen die Ausweisung des Liedermachers Wolf Biermann vorübergehend festgenommen und von der Friedrich-Schiller-Universität Jena exmatrikuliert, ein Jahr später folgte die Ausbürgerung nach Westberlin. Angesichts solcher Erfahrungen ist es nicht verwunderlich, dass das Thema Opposition unter dem SED-Regime ihr bis heute eine Herzensangelegenheit ist, so auch als Thema ihres neuen Buches mit dem Titel »Gespräche mit Oppositionellen«. Mehr, mehr, mehr

Jul 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 73 0

Insel der Ruhe

Das MDV-Gebiet ist mehr als Leipzig und Halle, denn auch die meist unbekannten Mittelstädte lohnen einen Besuch. Diesmal besuchen wir das sächsische Delitzsch.

Stadtansicht
Foto: Paul Thiemicke

Ein wenig nördlich von Leipzig, gerade an der Grenze zu Sachsen-Anhalt, liegt die Große Kreisstadt Delitzsch, bekannt für – was eigentlich? Spielkarten oder verschrumpelte Bischofshände sind es sicherlich nicht. Nehmen wir uns also, trotz des nicht gerade sommerlichen Wetters, die Zeit um diesen Ort – MDV-Ticket sei Dank – näher kennenzulernen. Glücklicherweise ist die etwa 34 000 Einwohner zählende Stadt von Halle aus gut zu erreichen: Im Schoße der »S-Bahn Mitteldeutschland« gelangen wir innerhalb von etwa einer Stunde ans Ziel. Ein bisschen Gedrängel beim Umsteigen in Leipzig, dann geht es weiter nach Norden. Der Delitzscher Bahnhof empfängt uns eingerahmt von Kneipe und Supermarkt, während wir begleitet vom der professionell-kühlen S-Bahn-Ansage ins Freie treten. Mehr, mehr, mehr

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Der gehobene Zeigefinger

Bunt und quirlig wie ein gut gepflegter Gemischtwarenladen legt sich diese Kolumne ihrem erprobten Leserauge zu Füßen. Frei von den zwängenden Fesseln einer thematischen Beständigkeit, eines übergeordneten Gesamtkonzepts, wird hier nüchtern allerhand Gedachtes geteilt. Thema heute: Vorurteile.

Illustration: Katja Elena Karrass

Er hat nichts gegen Schwarze, sagt er.

Dass er mit ihnen, mit den Schwarzen, im Baucontainer sogar Bier getrunken habe, sagt er. Aber, sagt er, aber wer sich an unser Land nicht anpasst, der ist unangenehm, gehört hier nicht hin.

Vor mir steht ein Mann, der das Wort »Kanake« mit der gleichen Unschuld über die Lippen bringt, mit der er auch über »Zigeuner und Polacken« spricht. Viele meiner Mitstudenten und Freunde hätten sich deshalb vor Empörung mittlerweile selbst entzündet. Ich aber habe beschlossen, das Gespräch zum Mitbürger zu suchen. Ein Gespräch frei von blasierten Zurechtweisungen oder einer gesondert scharfen Sprache.

Wir tauschen uns aus über die DDR, Eichenholz, Kfz-Unfälle, Spielplätze und eben über Ausländer. Mehr, mehr, mehr

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Das Wort zum Wort

Eine vielleicht etwas ambivalente Kolumne über Kommunikation und den Eindruck, dass Gesagtes und Gemeintes nicht immer dasselbe sind. Sie beobachtet und kommentiert. Und vielleicht will sie auch manchmal irgendwie eingreifen. Diesmal geht es um eine vielgestellte Frage, die oft mit geringem Interesse an der Antwort einherzugehen scheint.

Illustration: Katja Elena Karrass

Kürzlich überraschte mich in der Oldie-Show im Radio die Originalversion eines Liedes der »Windows«, das ich bisher nur als englischsprachiges Cover von »Mouth & MacNeil« gekannt hatte. Auf etwas schnulzige Weise erzählt das Lied »How do you do« eine Liebesgeschichte, die mit ebendieser Frage beginnt. Ich fand es irgendwie sehr erfrischend, eine Frage nach jemandes Befinden mal wieder in einem Kontext, der ihrer eigentlichen Ersthaftigkeit gerecht wird, zu hören. Heutzutage scheinen solche Fragen allzu oft nur noch Floskeln zu sein, auf die allenfalls eine möglichst einsilbige positive oder allenfalls noch neutrale Antwort gegeben werden sollte, die keiner weiteren
Reaktion des Fragestellers bedarf. Mehr, mehr, mehr

Jul 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 73 0

Leben spenden

Alle fünfzehn Minuten erfährt ein Mensch in Deutschland, dass er an Leukämie erkrankt ist. Neben der Stammzellenspende ist man besonders bei Operationen auf Blutspenden angewiesen, doch trotz des Wissens um diese Fakten gibt es immer noch zu wenig Spenden.

Foto: Julia Plagentz (Archiv)

Leukämie ist eine Erkrankung, die im Gegensatz zu anderen Krebsarten relativ selten vorkommt; sie macht 2,4 Prozent aller Tumorerkrankungen aus. Dennoch hört sich die Zahl der Betroffenen, die jährlich in Deutschland an Leukämie erkranken, mit rund 10.000 Menschen ziemlich hoch an. Unter ihnen leiden etwa 60 Prozent an einem chronischen und 40 Prozent an einem akuten Krankheitsverlauf.

Bei dieser Erkrankung lassen sich insgesamt vier verschiedene Hauptformen erkennen, zwei akut verlaufende und zwei chronische. Da die chronische Form sich sehr langsam entwickeln kann, ist sie auch schwierig zu diagnostizieren und kann dadurch unbehandelt genauso gefährlich sein wie die akute, schnell fortschreitende Art der Erkrankung. Im Allgemeinen entsteht eine Leukämie, wenn der normale Reifungsprozess der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Knochenmark gestört wird und sich somit nicht funktionsfähige Blutkörperchen vermehren können. Die Aufgabe der Abwehr von Krankheitserregern kann nicht mehr erfüllt werden. Außerdem verdrängen die entarteten Leukozyten gesunde weiße und rote Blutkörperchen und Blutplättchen. Übersetzt bedeutet Leukämie »weißes Blut«. Die Ursachen sind bislang noch nicht eindeutig geklärt. Genetische Faktoren sollen bei der Entstehung einer Leukämie eine Rolle spielen, jedoch ist es umstritten, ob oder wie ionisierende Strahlen, bestimmte Chemikalien (zum Beispiel Benzol) oder Viruserkrankungen den Krankheitsverlauf beeinflussen. Mehr, mehr, mehr

Jul 2017 hastuINTERESSE Heft Nr. 73 0

In Abneigung geeint

In Magdeburg ist man stolz, Landeshauptstadt zu sein. In Halle ist man stolz, nicht Magdeburg zu sein. Die Geschichte zweier Städte, die sich einfach nicht mögen wollen.

Foto: Alexander Kullick

Nun also auch noch Google Earth. Die Software, die ein gutes Jahrzehnt nach ihrer Bereitstellung von niemandem mehr genutzt wird, soll eine Mitschuld tragen am schier ewig schwelenden Konflikt zweier mitteldeutscher Städte. Sicher, die Streitigkeiten zwischen Halle und der 100 Kilometer nordwestlich befindlichen Landeshauptstadt Magdeburg haben die Grenze ins Lächerliche schon so manches Mal touchiert, wenn nicht gar überschritten. In diesem Fall aber kann man konkret die Minderwertigkeitskomplexe erkennen, die viele Hallenser zu plagen scheinen. Grund für den Ärger, der schon einige Jahre zurückreicht, sind Satellitenfotos, welche Google für Magdeburg einerseits und für die Saalestadt andererseits nutzte. Einem Gerücht zufolge seien die Bilder von Halle im Frühjahr gemacht worden, die Magdeburgs hingegen im grünen Sommer. Halle wirke dadurch kahl und unattraktiv, während die Bördestadt schon alleine wegen der vielen grünen Flächen einen Charme ausstrahle, den Halle aufgrund der jahreszeitlichen Benachteiligung gar nicht erwecken könne. Mehr, mehr, mehr

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Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Redakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. Heute geht es um den Agrarwissenschaftler Julius Kühn.

Illustration: Katja Elena Karrass

Das flache Ziegelgebäude am Steintor Campus dient in diesen Tagen vor allem als Schattenspender. Nur wenige Studierende wissen vermutlich, dass sich im Inneren des »Julius-Kühn-Museums für Haustierkunde« eine bedeutende Tierskelettsammlung verbirgt. Die vom Bisonskelett bis zum präparierten Ferkel reichende Menagerie zeugt noch heute von der Tatkraft und den Leistungen eines Mannes, der die landwirtschaftliche Forschung wie kaum ein anderer prägte.

In der sächsischen Oberlausitz gelegen, ist die Stadt Pulsnitz vor allem für ihre Pfefferkuchen bekannt. Hier kommt Julius Kühn am 23. Oktober 1825 als Sohn eines Gutsinspektors zur Welt. Nach der Grundschulausbildung strebt auch er in die Landwirtschaft. Obwohl die Familie aufgrund einer Krankheit des Vaters in finanziellen Schwierigkeiten steckt, ermöglicht sie dem Jungen ab 1839 eine Ausbildung an der Technischen Bildungsanstalt in Dresden, der Vorläuferin der heutigen TU. Im Jahre 1841 beginnt er seine berufliche Laufbahn in der Landwirtschaft; von »grün hinter den Ohren« zum sprichwörtlichen grünen Daumen ist es jedoch noch ein langer Weg. Schnell arbeitet sich Kühn vom einfachen Lehrling zum Gutsverwalter hoch und leitet schließlich von 1848 bis 1855 das Gut Groß Krauschen nahe dem niederschlesischen Bunzlau. Hier studiert er erstmals Pflanzenkrankheiten; ein Thema, das ihn sein ganzes Leben lang beschäftigen wird. Mehr, mehr, mehr

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Neue Farben braucht das Land

Jamaika, R2G oder doch Groko? Auf allen Kanälen kämpfen die Kandidaten um Stimmen. Um den medialen Wahlkampf zu durchschauen, lauschte die hastuzeit einem Vortrag des Journalisten Markus Decker.

Foto: Vinzenz Schindler

»Zum Regieren brauch ich nur BILD, BamS und Glotze!« grummelte Gerhard Schröder einst. Dass der Umgang mit den Medien zur Wiederwahl oft wichtiger ist als die eigentliche Politik, hatte er gut erkannt und sich zu Nutze gemacht. 1998 schaffte er es als erster, rot-grüner Regierungschef zu werden. 2002 wurde er nach einer herausragenden Inszenierung als Krisenkanzler beim Elbe-Hochwasser wiedergewählt. Die Rolle der Medien hat seither weiter an Bedeutung für die Politik gewonnen. Ohne sie zu regieren scheint schier unmöglich; die Parteien versuchen sich darauf einzustellen. Mehr, mehr, mehr

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