Nr. 58

Jan 2015 hastuUNI Nr. 58 0

»Die Systemfrage stellen«

Andreas Petrik, Professor für Politikdidaktik, plädiert dafür, nicht nur aus persönlicher Motivation für gute Bildungspolitik auf die Straße zu gehen, sondern langfristig zu denken.

Andreas Petrik als Student im Jahr 1990 – damals demonstrierte er gegen Rassismus. Foto: Andreas Petrik

Andreas Petrik als Student im Jahr 1990 – damals demonstrierte er gegen Rassismus.
Foto: Andreas Petrik

Anfang Dezember gingen wieder einmal Tausende Studierende auf die Straße, um gegen die geplanten Kürzungsmaßnahmen der Landesregierung zu protestieren. Trotz klirrender Kälte hat es das Aktionsbündnis MLU – Perspektiven gestalten geschafft, die Massen zu mobilisieren. Die inhaltlichen Forderungen des Bündnisses waren dabei sehr konkret: Es ging unter anderem um die Verhinderung von Institutsschließungen und die Ausfinanzierung der Bildungslandschaft. Man kann aber auch noch weitergehen und zum Beispiel den Zusammenhang mit der Wirtschafts- und Finanzkrise in den Blick nehmen.

Andreas Petrik wurde 1968 in Aachen geboren. Er studierte 1990 bis 1997 Politikwissenschaften, Germanistik und Pädagogik an der Universität Marburg. Nach dem Referendariat arbeitete er als Lehrer und wissenschaftlicher Mitarbeiter in Hamburg. Seit 2008 ist er Professor für Didaktik der Sozialkunde an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Sie waren als Student selbst politisch aktiv und auch an einer Hörsaal-Besetzung beteiligt. Wie lief das damals ab?

Das war Anfang der 90er-Jahre in Marburg. Es ging damals nicht um Studiengebühren, die gab es noch gar nicht. Es ging neben Studienbedingungen primär um eine antirassistische Initiative anlässlich der rassistischen Übergriffe von Hoyerswerda und Rostock 1991. Wir waren eine breite Bewegung, die sich einen Spaß daraus machte, tatsächlich auch in den Hörsälen zu übernachten. Mehr, mehr, mehr

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Geldsegen für die Hochschulen?

Welche Aussichten es für die Universitäten nach der Lockerung des Kooperationsverbots und der BAföG-Reform gibt

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Nun ist es endgültig beschlossene Sache: Der Bund kann nun wieder neben den Bundesländern in die Finanzierung der Hochschulen eingreifen. Am 19. Dezember 2014 bestätigte der Bundesrat das Gesetz zur Lockerung des Kooperationsverbots, das der Bundestag schon am 13. November verabschiedet hatte. Dafür ist Artikel 91 b im Grundgesetz geändert worden. Das Kooperationsverbot, das erst 2006 beschlossen worden war, hatte die Länder bis dahin verpflichtet, dass Bildung nur von ihnen finanziert würde und sie keine Zuschüsse vom Bund annehmen dürften. Der Bund darf nun laut Gesetzesbeschluss in Fällen überregionaler Bedeutung Projekte von Hochschulen finanzieren. Mehr, mehr, mehr

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Kein Student. Studentin …

… so heißt es auf der frisch gedruckten magentafarbenen Infokarte des Studentinnennetzwerks der MLU. Von den Zielen und der Notwendigkeit eines solchen Netzwerks für Frauen und warum das Ganze mit Feminismus nur am Rande zu tun hat.

Grafik: Studentinnennetzwerk

Grafik: Studentinnennetzwerk

Frauenquote, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau, sexuelle Belästigung an der Uni: alles mediale Dauerbrenner der letzten Monate. Diese und weitere Themen sind Bestandteil der lebhaften Unterhaltungen am großen Tisch im vierten Stock des Musikinstituts. Auch wenn augenzwinkernd bemerkt wird, dass die Mitglieder des Studentinnennetzwerks an diesem Freitag knapp zwei Wochen vor Weihnachten in erster Linie zusammengekommen sind, um den Abend in gemütlicher Runde bei Glühwein und Lebkuchen zu begehen. Früher am Tag hat das Netzwerk einen Workshop zum Thema »Gezielt Netzwerken und Karriereplanung« durchgeführt, natürlich werden auch einige Inhalte und Ideen der vergangenen Stunden besprochen. Mehr, mehr, mehr

Jan 2015 hastuPAUSE Nr. 58 0

Was macht die Kunst?

Welcome to the next level. Im Videospielmodus hinein in Halles Kunstwelt

Werke von Karla Zipfel (Atelier Oleariusstraße) Foto: Tobias Hoffmann

Werke von Karla Zipfel (Atelier Oleariusstraße)
Foto: Tobias Hoffmann

Tausend Euro für einen Haufen zusammengeklebten Müll von der Straße – eine sozialkritische Plastik.

Ein Dreieck in roter Farbe an die Wand gemalt. Hunderte Besucher nachdenkend, begeistert davor – ein Kunstwerk gegen den Zeitgeist.

Nicht verwegen zu behaupten, dass dies beim Gedanken an Kunst gängige Überlegungen sein mögen. Die Kunst ist oft ein Außenseiter, eher geduldet als beachtet. Musik dagegen, omnipräsent, erfassbar, tanzbar, attraktiv. Ein Leben ohne Musik nicht vorstellbar. Und die Künstler, die Kunsthochschule in Halle? Was verbindet man damit? Gute Partys ja, aber sonst? Schweigen. Doch es ist kein verneinendes, eher ein ahnungsloses, unwissendes. In Halle ist mit der Kunsthochschule Burg Giebichenstein eine europaweit anerkannte Institution beheimatet, 2015 feiert sie ihr hundertjähriges Bestehen. Es gibt zahlreiche Ateliers, Ausstellungen und Künstler. Also was macht die Kunst? Mehr, mehr, mehr

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Halles heimliche Einmaligkeiten

Ob alteingesessen oder neu zugezogen: Halle hält für jeden noch die eine oder andere Überraschung bereit. Eine kleine Orientierung für die eher unbekannten Juwelen der Stadt.

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Advokatenweg

Altbau- und Villenviertel mit idyllischen Vorgärten. Für alle Hallenser und Hallunken, die das Paulusviertel schon besser kennen als ihre Westentasche, ist dies die ideale Gelegenheit ein neues schönes Fleckchen der Stadt kennenzulernen.

Burg Giebichenstein

Sie liegt malerisch am Ufer der Saale und wird nicht nur von den Studierenden der Hochschule für Kunst und Design besucht. Ein Abstecher in das burgeigene Freilichtmuseum, auf den Turm und in den Park ist ohne Zweifel empfehlenswert.

Eichendorff-Bank

Steigt man die Treppen gegenüber dem Kino Luchs hinauf, gelangt man an zu einem Kleinod der Stadt. Eine Bank und ein behauener Stein auf einer Lichtung mit einem fantastischen Ausblick auf die Burg Giebichenstein, der Joseph von Eichendorff das Gedicht »Bei Halle« gewidmet hat, nachdem der Dichter in Halle einen Teil seines Studiums absolvierte. Wer einmal fernab des Trubels die Seele baumeln lassen möchte, ist hier gut aufgehoben. Mehr, mehr, mehr

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In den Straßen von Hiroshima

Eine Rezension zu einem erschreckend anderen Comic

Band 1: Carlsen Verlag, 304 Seiten, 12.00 EUR

Band 1: Carlsen Verlag, 304 Seiten, 12.00 EUR

Sie mögen aussehen wie gewöhnliche Zeichnungen, sind es aber nicht. Sie schreien. Ein lautloser Schrei, einer, der einem nichtsdestotrotz durch Mark und Bein geht. Ein kollektiver Ausdruck des Entsetzens und der Qual. Menschen, die Minuten zuvor noch voller Leben und Hoffnung waren – aus ihren Gesichtern spricht nichts mehr davon.

Sie haben keine mehr. Wortwörtlich.

Das ist »Barfuß durch Hiroshima«. Mehr, mehr, mehr

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Seltsame Zeit

Zum Jahreswechsel ein sehr persönlicher Rückblick. Über Freude und Leid eines Jahres und was man daraus lernen kann.

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

2014 begann für mich in Trauer, Weihnachten 2013 war meine Oma gestorben. Der erste Mensch in meiner Familie, den ich gehen gesehen habe. Wir hatten sie anderthalb Jahre durch das Auf und Ab ihrer weit fortgeschrittenen Krankheit begleitet, bis es nur noch abwärts ging. Sie hatte Krebs, wie leider so viele Menschen.

Besonders schlimm daran waren das langgezogene Leiden und die Ungewissheit, wie lange man noch zusammen Zeit haben würde. Ihr Tod konnte ab dem Zeitpunkt der Diagnose morgen, nächste Woche, nächsten Monat oder nächstes Jahr kommen. Plötzlich konnte sich ihr Zustand rasch verschlechtern, andere Wochen waren wiederum den Verhältnissen entsprechend richtig gut. Außerdem kommt da jedes Mal ein anderer Mensch aus dem Krankenhaus, beim ersten Mal allein zehn Kilo schmaler. Und auch vom Verhalten her wurde sie immer schwieriger, sie bemerkte es oft selbst. Ich glaube, eigentlich hatte ich ihren Tod zum großen Teil schon verarbeitet, bevor sie überhaupt starb. Es war ein sehr langes Abschiednehmen. Mehr, mehr, mehr

Jan 2015 hastuPAUSE Nr. 58 0

Ma’atwärts

Auf den Spuren der neuen alten Ägypter. Einblicke in eine ungewöhnliche Praxis, die das Potenzial hat, in einer chaotischen Welt aufzuräumen.

Illustration: Robert May

Illustration: Robert May

Kemet. Der Eigenname des fruchtbaren Nillandes, das wie kein anderes die Menschen durch seine Beständigkeit, seinen Zauber beeindruckt. Eine stumme Macht geht von ihm aus, die bis heute wirkt. Eine Kraft, die global und regional engagierte Leute unter der spirituellen Bewegung des Kemetismus vereint. Doch was macht diese Menschen aus? Eine Unterhaltung hat so manchen Blick hinter sonst verschlossene Vorhänge gewährt. Mehr, mehr, mehr