Nr. 53

123

Mai 2014 hastuPAUSE Nr. 53 0

Veganer Kaffeeklatsch

Immer mehr Studierende interessieren sich für eine vegetarische oder vegane Ernährung und eine entsprechende Lebensweise.

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Vielen fällt es jedoch schwer, komplett auf tierische Produkte wie zum Beispiel Käse und manche Süßigkeiten zu verzichten. Um sich inspirieren oder überraschen zu lassen oder einfach nur zum Probieren, fand am Sonntag, den 9. März um 15 Uhr in der »Goldenen Rose« ein veganer Kaffeeklatsch statt. Organisiert wurde dieser von der Gruppe »Vegan in Halle«, einer Gruppe, die sich überwiegend aus Studierenden zusammensetzt und nicht nur diverse Essensveranstaltungen wie den »Veganen Kaffeeklatsch« oder den »Veganen Brunch« veranstaltet, sondern auch Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit für Tierrechte und die vegane Lebensweise leistet. Aufgrund der positiven Rezensionen des ersten »Veganen Kaffeeklatschs« Anfang 2012 wiederholte sich das Event am 9. März bereits zum 19. Mal und findet einmal im Monat statt. Speziell im Sommer finden auch Picknicks des Kaffeeklatsches statt. Mehr, mehr, mehr

Mai 2014 hastuINTERESSE Nr. 53 0

»Das verfluchte dritte Auge«

Studiengeflüster 263 Studiengänge an 10 Fakultäten bietet die MLU, eine beinahe unübersichtliche Anzahl. In unserer neuen Rubrik »Studiengeflüster« stellen unsere Autoren kurz und knapp interessante Aspekte ihres eigenen Studiums vor, die sie gern einmal mit Euch teilen möchten. Teil 2: »Das verfluchte dritte Auge«

Protest der Medien- und Kommunikationswissenschaften auf der Marktplatz in Halle am 12. März 2014. Foto: Christian Schoen (CC BY-NC-SA 2.0) http://www.flickr.com/photos/ineedadollar/13123133855/

Protest der Medien- und Kommunikationswissenschaften auf der Marktplatz in Halle am 12. März 2014.
Foto: Christian Schoen (CC BY-NC-SA 2.0) http://www.flickr.com/photos/ineedadollar/13123133855/

»Und vergesst nie mit dem dritten Auge zu sehen!«, fügt Prof. Lampe noch schnell an sein Schlussplädoyer hinzu, bevor er seinen Vortrag über Kameraeinstellungen beendet: Shot-Reverse-Shot, Over-Shoulder-Shot, Point-of-View-Shot. Die Vorlesung über die Film- und Fernsehanalyse ist schon längst vorbei – aber eine Melodie gleich klingenden Begriffen surrt noch immer wie ein monotones Echo in meinem Ohr.

Um auf andere Gedanken zu kommen, hole ich mein Smartphone aus der Tasche. Ein grün blinkendes Nachrichtensymbol zieht meine volle Aufmerksamkeit auf sich, ich höre es schreien: »Öffne mich!« Weil ich Mitleid mit dem kleinen grünen Nachrichtensymbol empfinde, lese ich die Nachricht und stolpere über eine Bordsteinkante. Meine Mutter schickt mir mal wieder ein angeblich »superwitziges« Youtube-Video. Ich muss gähnen. Es geht um »Erdbeerkäse-Nadine«. Bei »Terri…Terri…torium« lache ich plötzlich laut auf. Die ältere Dame neben mir funkelt mich böse an. Mein Lachen verstummt abrupt, weil ich an das Seminar zu Medientheorie bei Frau Dittmar denken muss: Unterschichtenfernsehen, Enzensberger, Kultur der Armut. Diese Szenen eines Referats über das »Fernsehen von unten« erscheinen vor meinem inneren Auge. Was fasziniert Menschen an dieser Serie? Warum muss ich darüber lachen?

Und schon ist mein drittes Auge aktiviert und ich stecke mitten in einer psychoanalytischen Auseinandersetzung, die den gesamten Nachhauseweg in Anspruch nimmt. Mein Kopf brummt, meine Füße tun weh. Ich brauche Entspannung, zwei Gutscheine fürs Kino! »Perfekt«, denke ich und stehe kurz darauf mit einer Freundin in einem schummrig beleuchteten Foyer vor dem Kinosaal. Es riecht nach Popcorn und ein bisschen nach Käsefuß. Wir betreten den Saal und laufen den Gang bis ganz nach oben, um in der letzten Reihe sitzen zu können. Der Raum ist bis auf das Licht von der Leinwand vollkommen dunkel. Der erste Trailer erscheint und ich sinke tief in meinen samtigen Sessel. Die Werbeanzeige von Anker FM erscheint. »Übrigens, dein Uniradio!« Diesen Satz würde ich am liebsten laut durch den Kinosaal brüllen. Ein Gefühl der Euphorie durchströmt mich, denn das Tonstudio im MMZ ist durch die Arbeit im Radio ein zweites Zuhause für mich geworden. Moderieren, schneiden, interviewen – alles selbstgemacht und niemand hört es. Eigentlich auch gut so: Ich denke an falsch gedrückte Knöpfe und Wörter, die gar nicht existieren. »Anker FM? Pff! Was ist das?« Mehr, mehr, mehr

Mai 2014 hastuPAUSE Nr. 53 0

Wenn das Macbook streikt

Im Buch »Die Kultur der Reparatur« geht’s ums Reparieren, Recyceln und Teilen

Heckl_DieKultur.indd

Wenn mein Fahrrad einen Platten hat, ist es vorbei. Ich muss gestehen, dass ich kaum imstande bin, einen Reifen selbst zu flicken. Zwar haben mir öfters mein Vater und meine Freunde geholfen und mir jeden Schritt geduldig erklärt, aber richtig sicher bin ich mir beim Reparieren nicht. Auch sonst ist das Handwerkliche nicht alltäglich: einen Knopf annähen, eine Deckenlampe anbringen, einfache Haushaltsgeräte reparieren – scheinbar simple Tätigkeiten, die wir oft nicht gelernt haben. Das Handy ist kaputt? Reparieren wäre zu teuer, ein neues kaufen lohnt da mehr.

Gegen die Wegwerfgesellschaft und verloren gegangene Fähigkeiten empört sich Wolfgang M. Heckl in seinem neuen Buch »Die Kultur der Reparatur«. Der Physiker, der das Deutsche Museum in München leitet und an der TU München doziert, ist auch leidenschaftlicher Handwerker. Zu Hause versucht er, alles irgend Mögliche zu reparieren: Den tropfenden Wasserhahn, das alte Radio, die kaputte Kaffeemaschine. Mehr, mehr, mehr

Mai 2014 hastuPAUSE Nr. 53 0

Ein Land voller Golems

Die Verfilmung des Bestsellers »Die Bücherdiebin« von Markus Zusak im Review

Illustration: Eva Feuchter

Illustration: Eva Feuchter

»In all den Jahren habe ich so viele junge Männer gesehen, die der Meinung waren, auf andere junge Männer zuzulaufen. Aber das stimmt nicht. Sie liefen alle zu mir.« So sagt es der Erzähler in der Mitte des Films »Die Bücherdiebin«. Es ist eine Sichtweise, die in wenigen Worten aufzeigt, was Krieg ausmacht: Zwei Parteien rennen aufeinander zu, doch es wird keinen Gewinner geben, nur Verlierer. Der Erzähler muss es wissen, denn es ist der Tod selbst.

Eigentlich hat der Tod schon viele Leute kommen und gehen sehen, doch die Geschichte, die er erzählen möchte, hat ihn auf eine besondere Art und Weise bewegt. Sie handelt von der neunjährigen Liesel Memminger, die zum Zeitpunkt der Handlung 1938, in einem Zug zu ihren Pflegeeltern unterwegs ist. Ihre Mutter wurde verhaftet, ihr Bruder starb während der Zugfahrt. Mehr, mehr, mehr

Mai 2014 hastuINTERESSE Nr. 53 0

Die Fluten verschlangen Millionen

Wieso wurde das Multimediazentrum vom Hochwasser zerstört? Die Geschichte von einem Bauprojekt neben dem Fluss, bei dem die Naturgewalt Wasser ignoriert wurde.

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Fünfzehn Jahre ist es nun her: Der hallische Stadtrat beschloss 1999, ein Multimediazentrum (MMZ) zu bauen. Von den 33 Millionen Euro Gesamtkosten zahlte die Stadt neun Millionen und das Land Sachsen-Anhalt 24 Millionen Euro.
Daraufhin wurde 2002 ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Diesen gewannen die Architekten Nadja Letzel und Jochen Freivogel, sie durften das MMZ konzeptionieren. Als die Bauphase begonnen hatte, wurde die Baugrube durch ein Hochwasser mit 6,69 Metern geflutet. Der Schaden betrug 50 000 Euro, das Bauprojekt wurde vorerst gestoppt. Der damalige Gründungsgeschäftsführer Udo Schumann leitete den Bau des Hauses. Er fuhr nach Magdeburg zur Landesregierung, um mehr Geld für den Hochwasserschutz zu bekommen. Das Land Sachsen-Anhalt verweigerte sein Anliegen, die Begründung lautete: Es würde erst wieder in 100 Jahren ein Hochwasser geben. Sollte Schumann trotzdem mehr ausgeben, hätte er mit einer Anzeige wegen Veruntreuung von Steuergeldern zu rechnen.

Schließlich wurde das MMZ im Juni 2007 eröffnet. Neben Professoren und Studenten bezogen viele Medienfirmen, Designer, Architekten das MMZ. Doch schon vier Jahre später gab es in Halle das nächste Hochwasser, aber da konnten das THW und die Feuerwehr das Gebäude vor Schäden bewahren. Mehr, mehr, mehr

Mai 2014 hastuINTERESSE Nr. 53 0

Mit den Augen stolpern

Zwei studentische Filmemacherinnen sprechen über ihre Animations-Doku für Kinder

Szene aus dem Film

Szene aus dem Film „Wozu ein Stein?»

Im Kino Zazie liefen am 27. Januar fünf Filme von Studierenden des Masterstudiengangs Multimedia und Autorschaft. Alle behandelten ein Thema: die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig. In der Animations-Doku »Wozu ein Stein?« von Claudia Brüggemann und Anne Pannecke wird das Thema für Kinder ab neun Jahren aufbereitet. Erzählt wird die Geschichte der Familie Schwab aus Halle. Doch welche Gedanken stehen hinter dem Projekt? Ein Gespräch mit den Macherinnen gibt Antworten. Mehr, mehr, mehr

Mai 2014 hastuPAUSE Nr. 53 0

Mitlesen, zuhören und inspirieren lassen

»Halle liest mit« – ein Lesefest in Halle

Foto: Enrico Seppelt (Hallespektrum)

Foto: Enrico Seppelt (Hallespektrum)

Die Dielen knarren, als die letzten Zuhörer auf den schmalen Bänken Platz nehmen und ihre Aufmerksamkeit auf den Mann richten, welcher im Zentrum des alten Hörsaals vor einem aufgeschlagenen Buch sitzt und darüber sinniert, dass genau hier vor über 50 Jahren seine Medizinlaufbahn begann. Bei dem Mann handelt es sich jedoch nicht um einen Dozenten, und in den Reihen des historischen Hörsaals des Institutes für Anatomie sitzen nicht ausschließlich Studenten, denn statt einer Vorlesung findet hier eine Buchlesung statt. Mehr, mehr, mehr

Apr 2014 hastuINTERESSE Nr. 53 0

Leere Straßen und Langeweile

Wie die Studentenstadt Halle nach den Uni-Kürzungen im Jahr 2024 aussehen könnte. Eine Dystopie

Illustration: Han Le

Illustration: Han Le


Still weht der Wind über den Universitätsplatz. Als der Student gegen Mittag aus der Vorlesung kommt, fragt er sich, was man an diesem Sommertag noch machen könnte. Die Sonne scheint herrlich: Die perfekte Jahreszeit, um mit Kommilitonen auf der Peißnitz zu grillen oder ein Eis auf dem Marktplatz zu essen. Doch es ist einsam geworden. Im April 2024 wirkt die einst so begehrte Studentenstadt Halle wie ausgestorben. Wo sich einst junge Menschen auf den grünen Wiesen sonnten und ein Picknick genossen, sitzen heute nur noch Omas auf Parkbänken.

Es begann vor rund zehn Jahren, als die Landesregierung beschloss, nacheinander einzelne Studiengänge zu streichen. Damals nannte man das »Spar­zwang«, und es funktionierte: Mit der Salami-Taktik, jedes Jahr ein bisschen zu kürzen, protestierten die Studenten nur ab und zu. Im Jahr 2024 erinnert sich keiner mehr daran. Mehr, mehr, mehr

123