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Jun 2013 hastuPAUSE Nr. 48 0

Packt die Badehose ein!

Am 1. Mai begann auch dieses Jahr die Schwimm- und Badesaison an und in der Saale.

Foto: Thomas Hoffmann

Foto: Thomas Hoffmann

»Wie tausend kleine Nadeln«. So charakterisierte ein Student das Gefühl beim diesjährigen Anschwimmen in der Saale. In der Tat ließen in diesem Jahr die etwas schwächlichen Temperaturen am ersten Mai die Saale zu einer ziemlich frischen Frühlingsfreundin werden. Die offiziell gemessenen 13° C Wassertemperatur wurden nicht nur von Organisator Klaus-Dieter Gerlang als gefühlte 8° C interpretiert. Gerlang ist Mitglied der Saaleschwimmer Halle e. V., der das Anschwimmen wie jedes Jahr organisierte und auch den Badestrand sowie die Schwimmstrecke an der Ziegelwiese gegenüber der Peißnitz realisierte. Dieser mit gelben Bojen begrenzte Bereich ist für Schiffe gesperrt und steht jedem Hallenser zum erfrischenden Bad in der Saale offen. Von der Stadt ist dies geduldet, geschultert wird es vom Verein. Mehr, mehr, mehr

Jun 2013 hastuPAUSE Nr. 48 0

Ein Kulturbiotop setzt Blüten an

Das Kulturprodukt Halle geht 2013 in die zweite Runde.

Foto: Martin Wohlgefahrt

Foto: Martin Wohlgefahrt

Freitag, 3. Mai: Eröffnungsrunde

»Wie viel Kunst verträgt eine Stadt?«
»Wie viel Kunst braucht eine Stadt?«
»Halle – Transitort und Heimat für Kreative?«
Diese und ähnliche Fragen liegen auf den Tischen des MoritzKunstCafés ausgebreitet. Sie warten darauf, angesehen, diskutiert und beantwortet zu werden.

Was sich hier wie eine Konferenz liest, ist der Eröffnungsabend zum zweiten Kulturprodukt Halle, einem multilokalen Event der Extraklasse. Ein Maiwochenende lang standen die Werkstätten von Kunstschaffenden und Handwerkern im Stadtgebiet offen und konnten von neugierigen Passanten besichtigt werden. Dies dient nicht nur der Präsentation ihrer Arbeit, sondern soll auch die Künstler und die Stadt miteinander vernetzen, Einblicke verschaffen und Denkbarrieren abbauen. Herauskommen soll eine Art Messe des lebendigen Kulturbiotops Halle.

Dieses Jahr schaffte es das Team um die Initiatoren Andreas Theile und Florian Mücke nicht nur, um die 100 Gestalter und Kunstschaffende in das Projekt einzuspannen, sondern auch ein Rahmenprogramm auf die Beine zu stellen. Beteiligt daran waren die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt sowie die Studierendenräte der MLU und der Burg Giebichenstein. So konnten an den drei Abenden nicht nur im La Bim Kurzfilme des Monstronale-Festivals bestaunt werden, auch die Theater Apron und Mandroschke luden zu Vorstellungen ein. Und wer sich nach Party sehnte, konnte sich im Anker-Club oder im Hühnermanhattan einen netten Tagesausklang gestalten. Mehr, mehr, mehr

Jun 2013 hastuPAUSE Nr. 48 0

Mutige Frauen in Afghanistan

Unter diesem Motto präsentierte Ute Wagner-Oswald am 7. Mai anhand von Dokumentarfilmen die Lage in Afghanistan.

Filmaufnahmen bei einem dörflichen Frauenkomitee in der Provinz Mazar-i-Sharif

Filmaufnahmen bei einem dörflichen Frauenkomitee in der Provinz Mazar-i-Sharif.
Foto: Ute Wagner-Oswald

Von dem ersten Kurzfilm war das Publikum erschüttert. In der Stadt Bamyan existieren schon sehr lange keine Bäume mehr. Brot ist wichtiger denn je geworden. Viele Flüchtlinge kehren nun nach vier Jahren in ihre Heimat zurück. Doch in Bamyan steht eine Familie vor den Trümmern ihres Hauses. Sie haben keine Existenzgrundlage mehr. Sie mieten sich eine Höhle im Sandstein. Was viel Getuschel im Publikum erregte: »Wieso sollen sie für eine Höhle, wo nichts drin ist, auch noch Miete zahlen?« Doch lange kann die Familie dort nicht leben, die Miete wurde zu teuer. Das wichtigste Transportmittel, der Esel, den sie sich geleistet haben, hält den Winter nicht mehr durch. Für Kohle haben sie auch kein Geld zur Verfügung. Wäsche waschen und Geschirr spülen alle Familien im Fluss, zu dem ein kilometerlanger Fußmarsch zu bewältigen ist. Während dieser Kulisse im Kurzfilm freut sich der Vater dennoch: »Wir sind trotzdem froh, im eigenen Land zu sein.« Diese Probleme teilen sie mit vielen anderen Familien, die wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt sind. Aber es kommt noch schlimmer: Sie haben verlernt, in diesen Verhältnissen zu überleben.

Die Friedensfachkraft des Deutschen Entwicklungsdienst Ute Wagner-Oswald arbeitete von 2006 bis 2008 als Lehrkraft im staatlichen Fernsehen in Kabul. Dort brachte sie den Afghanen und Afghaninnen ihr Handwerk des Dokumentarfilmens bei. Während dieser Zeit drehten ihre Studenten Dokumentar- und Kurzfilme über mutige Frauen in Afghanistan, Drogen oder die ortsansässigen Friedensfachkräfte. Mehr, mehr, mehr

Jun 2013 hastuINTERESSE Nr. 48 0

Der Zusammenhalt fehlt

Die Stadt Halle lässt keine klare Position erkennen. Ein Kommentar

Sehr geehrter Leser oder Leserin,

angesichts der Kürzungspläne des Landes in vielen Bereichen sollten wir zusammenhalten. Wenn wir untereinander anfangen zu streiten, wer die Kürzungen tragen oder wer seinen Job niederlegen soll, dann haben wir kein Zeichen gegen die aktuelle Politik von Bullerjahn und Haseloff gesetzt. Dann nehmen sie uns nicht mehr ernst, und wir hätten uns die Demonstrationen sparen können sowie die Petitionen. Ich bitte also auch Euch um Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, die von den Kürzungen betroffen sind.

Doch dieser Zusammenhalt fehlt in der Stadt Halle. Der Stadtrat ist sich uneins, und vom OB kommen keine eindeutigen Signale. Davon wird sich die Landesregierung kaum beeindrucken lassen.

Nehmen wir beispielsweise den Konflikt zwischen Oberbürgermeister Wiegand und dem Geschäftsführer der Theater, Oper und Orchester GmbH Rolf Stiska. Ende Mai meldete HalleSpektrum, dass Stiska seinen Posten nun räumen will: »Wiegand hatte Stiska in der Beigeordnetenkonferenz, einer städtischen Pressekonferenz, beim Abschlusskonzert des Generalmusikdirektors und letztmalig am Mittwoch in der Stadtratssitzung scharf angegriffen.«

Wie wirken wohl diese Streitereien zwischen Dr. Wiegand und Stiska auf die Politiker Bullerjahn und Haseloff? Es wirkt so, als ob deren Plan aufgeht: Dass wir uns nun selber gegeneinander ausspielen! Genau solche Artikel drucken die im Finanzministerium in Magdeburg aus und rahmen sie sich ein. Denn das ist ein Beweis dafür, dass sie gewinnen und nicht wir. Aber wir wollen doch, dass unsere Wirtschaft, unsere Universität und die jungen Menschen in dieser Stadt Halle/Saale bleiben. Deshalb müssen wir darauf achten, wie wir miteinander reden und miteinander umgehen. Die Medien, wie Zeitungen und Fernsehen, um die wir Studenten uns kräftig bemühen, nutzen wir, um zu zeigen, wie stark wir alle gegen die Kürzungen sind. Mehr, mehr, mehr

Jun 2013 hastuPAUSE Nr. 48 0

MLU – We Burlesque!

Seit Anfang des Sommersemesters 2013 lädt das Unisportzentrum alle ein, die schon immer nach dem besonderen Pfiff in ihrem Tanzkurs gesucht haben.

Foto: Johanna Sommer

Foto: Johanna Sommer

Wir haben für Euch Turnhalle, Trainerin und Tanz ganz genau unter die Lupe genommen und uns dabei sogar selbst aufs heiße Pflaster begeben. Circa 15 studierende Exemplare haben den Schritt in den heiß diskutierten Kurs gewagt und sich gesagt: »We burlesque!« Aber wie beim Tanzen gilt auch hier: ein Schritt nach dem anderen. Hier die wichtigsten Punkte zur sexy Sportart an der MLU.

Die Trainerin

Ihr Künstlername ist Honey Bell. Wer denkt, diese Frau wurde mit Burlesque im Blut geboren, irrt. Zuerst schlug ihr Herz für RnB und Hip Hop, doch Film, Fernsehen und vor allem Hollywood machen, wie wir bereits von Frau Aguilera wissen, nicht vor RnB-Girls halt. So war der Eindruck dieser Szene mit ihrem Glitzer und dem puren Reiz von Weiblichkeit auf sie so groß, dass sie nicht anders konnte, als ans burlesque Ufer zu tanzen und diesen Kurs ins Leben zu rufen. Die neue Herausforderung als Trainerin des Burlesque-Kurses kam für Honey Bell wie gerufen.

Das Täschchen

Noch nie wurde sich in einem Tanzkurs so sehr die Frage gestellt: »Was bringe ich zum Kurs mit?« Wenn man sich Dita von Teese vorstellt, wie sie zum Kurs geht, dann kommt die Vermutung auf, dass sie keine große Tasche bräuchte. Doch weit gefehlt. Zunächst einmal gibt es keine Kleidungsvorschrift, das heißt, jeder darf und sollte die Kleidung mitbringen, in denen er / sie sich wohl fühlt. Mehr, mehr, mehr

Jun 2013 hastuINTERESSE Nr. 48 1

Keine leichte Entscheidung

Kommentar zur Haushaltslage des Landes

Ministerpräsident Haseloff hat ohne Frage einen schweren Stand. Die Sparmaßnahmen stießen wie zu erwarten auf heftige Kritik. Vielleicht sogar mehr als er erwartet hatte. Die Stimmung innerhalb der Koalition beginnt zu bröckeln, immerhin entließ Haseloff sogar eine Ministerin. Das Vertrauen vieler Bürger und Studenten in die Landesregierung ist dahin. Von Lügen und Verrat ist da die Rede, teilweise wurden sogar schlimmere Anschuldigungen geäußert. Die einmal getroffene Entscheidung soll nun ein ehemaliger Finanzminister aus Niedersachsen durchdrücken. Ein Sparkommissar, wie seine Kritiker ihn verächtlich nennen.

Dabei steht es außer Frage, dass Sachsen-Anhalt sparen muss. Das Land steht einem enormen Schuldenberg gegenüber. Hinzu kommt, dass die Steuereinnahmen laut einer neuen Schätzung weiter sinken werden. Auch aus den Zuschüssen der EU sowie dem Solidarpakt II sind weniger Einnahmen zu erwarten. Weitere Schulden dürfen die Länder unter normalen Bedingungen nicht mehr machen. Wo also ansetzen?

Die Frage muss zumindest erlaubt sein, ob ein Land mit knapp über zwei Millionen Einwohnern zwei Volluniversitäten benötigt. Fast alle Regierungsbezirke im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen haben mehr Einwohner. Nur einer davon verfügt über zwei Universitätskliniken, der Bezirk Düsseldorf mit über 5 Millionen Einwohnern. Natürlich ist Sachsen-Anhalt ein Flächenland, und man kann wohl kaum erwarten, dass die gesamte Versorgung durch einen Standort gewährleistet werden kann. Doch schon in Leipzig befindet sich, im Freistaat Sachsen gelegen, ein weiteres Universitätsklinikum. Mehr, mehr, mehr

Jun 2013 hastuINTERESSE Nr. 48 0

»Wir sind für alle da«

»Halle bleibt!« will nicht nur für die Belange der eigenen Medizin streiten.

Foto: Johanna Sommer

Foto: Johanna Sommer

Als der bunte Demonstrationszug auf dem Markt in Halle eintrifft, brandet Applaus auf. Der riesige Marktplatz im Zentrum der Stadt ist nun komplett mit Menschen gefüllt. Die Polizei spricht von circa 7000 Teilnehmern, die Medien werden im Nachhinein sogar von einer der größten Versammlungen in der Geschichte Sachsen-Anhalts sprechen.

Mit bunten Plakaten und Bannern waren die Protestler am 30. April durch die Innenstadt von Halle gezogen, um für den Erhalt ihrer Universitätsmedizin zu kämpfen. Viele waren in weißen Laborkitteln erschienen, doch einfache Straßenkleidung bei der Mehrzahl der Demonstranten deutete an, dass hier nicht nur Medizinstudenten und Professoren für ihre eigene Fakultät demonstrierten. So auch die drei Abiturienten Tom Hölzler, Robert Sperfeld und Konrad Mrozik, denen es auch um ihre Zukunft geht. Tom Hölzler erklärt seine Motivation: »Wir haben die Ereignisse mitverfolgt und möchten gemeinsam für die Hochschulen im Land kämpfen.« Was der Uniklinik passiere, könne in Zukunft auch anderen passieren.
So wird aus dem Protest gegen die Schließungspläne auch eine Demonstration für den Wert der Bildung. »Halle muss als Universitätsstandort erhalten bleiben«, erklärt Stefan Dorl, studentischer Senator, der an der Philosophischen Fakultät I Politikwissenschaften studiert. Er hofft, dass durch die Demonstration ein Zeichen nach Magdeburg gesendet wird und sich die Landesregierung einige der Argumente mitnimmt.

Schock und breite Unterstützung

Zuvor waren die Nachricht, dass möglicherweise die Universitätsklinik in Halle geschlossen werden könnte, und die Entlassung der Wirtschafts- und Wissenschaftsministerin Wolff in naher Folge bekannt geworden. Für Nadine Schäfer aus dem Fachschaftsrat Medizin waren diese Meldungen ein Schock. Zwar kämen Kürzungsdiskussionen gefühlt jedes Jahr wieder neu auf, aber die Entlassung der Ministerin gab der Angelegenheit für Nadine eine völlig neue Brisanz.

Doch der Schock wurde schnell in Aktivität umgemünzt. Bereits wenige Tage später gründete sich das Aktionsbündnis »Halle bleibt«, mit dem Nadine und weitere engagierte Studenten und Betroffene versuchen, auf die Geschehnisse Einfluss zu nehmen und ihren Protest kundzutun. Die Demonstration war nur ein Teil der Aktionen, die gestartet wurden. Mehr, mehr, mehr

Jun 2013 hastuINTERESSE Nr. 48 0

Nicht nachlassen!

Kommentar zur Beteiligung an den Demonstrationen

Foto: Tobias Grasse (CC-BY-NC-SA)

Foto: Tobias Grasse (CC-BY-NC-SA)

Am 15. Mai war wieder mal eine Demo, maximal 3000 Leute waren da. Wenig, wenn man bedenkt, um was es geht. Warum bleibt Ihr zuhause, geht Sport machen, lernt? Für all das habt Ihr noch 364 andere Tage im Jahr Zeit.

Denn natürlich hat sich das Thema »Erhalt der Universität« nicht erledigt, nur weil die Uniklinik gerettet scheint. Ein Klick im Internet, und man kann dies sehen. Denkt Ihr, dass man mit einer Demonstration seine Pflicht erfüllt hat? Die Uniklinik bleibt wohl, das hat der erste Protest erreicht, aber die anderen Kürzungen sind nach wie vor aktuell und sollen laut Haseloff durchgezogen werden. Die Folgen sind vielfach benannt: Weniger Studenten wären die Folge, daraus folgen Einnahmeeinbußen in Kultur, Wirtschaft, Gastronomie etc. Glaubt Ihr wirklich, das würde man in Halle nicht spüren? Lebensqualität nennt man das. Kümmert das irgendjemanden? Euch ja offenbar nicht!

Gut, vielen geht es in erster Linie um das eigene Studium, wen interessiert schon die Kultur? Karriere und so ist da natürlich wichtiger… klar. Aber auch dafür hat das alles Folgen. Mal ein Beispiel: Wenn hier wie dort Doktorandenstellen wegfallen oder schlechter bezahlt werden, geht das auf Kosten der Lehre, weil etwa Praktika oder Tutorien nicht betreut werden können. Und ganz nebenher – das sei mal erwähnt – reden wir von Stellen, die wir, die heutigen Studenten, in zwei, drei Jahren unter Umständen besetzen wollen. Ich glaube nicht, dass es ideal für unsere Ausbildung oder auch Karriere wäre, wenn da einiges wegfällt … Ihr? Mehr, mehr, mehr

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