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Ausgabe Nr. 44 vom November 2012

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„Sehr gute Studienbedingungen»

Jens Bullerjahn ist gebürtiger Hallenser und seit 1989 für die SPD tätig. 1990 wurde er Mitglied im Landtag von Sachsen-Anhalt. Seit 2006 ist er als stellvertretender Ministerpräsident und Finanzminister aktiv. Mit der hastuzeit sprach er über die geplanten Kürzungen an der MLU.

Finanzminister Jens Bullerjahn ist der Meinung, dass die Studienbedingungen in Sachsen-Anhalt sehr gut sind.
Foto: Johanna Sommer

Welche Ziele haben Sie sich vorgenommen, als Sie das Amt des Finanzministers angetreten haben, und welche haben Sie bis jetzt erreicht?

Das erste Ziel war, in Sachsen-Anhalt einen ausgeglichenen Landeshaushalt zu schaffen, ohne neue Schulden. Wir wollten für Zeiten vorsorgen, in denen das Wirtschaftswachstum schwächer wird, und dabei eine Investitionsplanung vornehmen, die beinhaltet, dass wir in den öffentlichen Strukturen bis 2020 eine grundsätzliche Sanierung abgeschlossen haben.

Bis jetzt hatten wir schon mehrere Haushalte ohne Schulden erreicht. Wir haben Strukturanpassungen beim Personal vorgenommen und Programme wie STARK III begonnen. Außerdem haben wir mit den Kommunen über neue Finanzierungsstrukturen für die Hochschulen gesprochen. Die jetzige Schuldenlast von Sachsen-Anhalt liegt bei rund 21 Milliarden. Das Geld des Haushaltes wandert grob gesagt zu 1/4 in das Personal, 1/12 geht in die Zinsen, 25 % erhalten die Kommunen, und es wird für Investitionen verwendet. Rund 530 Millionen gehen in die Hochschulen und Kliniken.

Denken Sie, dass die Studenten an der MLU unter guten Bedingungen studieren?

Ich denke, dass wir sehr gute Studienbedingungen haben. Es wird eine permanente Diskussion zwischen der Wirtschaft, den Fachhochschulen und Universitäten bleiben: Wie viel kriegt jeder Bereich? Viele haben den Anspruch, immer mehr zu bekommen, aber da kann ich nur darauf hinweisen, dass das immer eine Frage der Schwerpunktsetzung ist. Ich würde mir wünschen, dass mehr Studierende anschließend auch hier im Land bleiben, wo die Bedingungen in der Wirtschaft und bei den Arbeitsplätzen besser werden. Mehr, mehr, mehr

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»Wild Blood«

Am 26. Oktober trat die Band »Cocoon Fire« supported von »Schöne Jugend« im Objekt 5 auf. Cocoon Fire nutzte die Gelegenheit, um ihr zweites Album vorzustellen: »Wild Blood«.

»Schöne Jugend« amüsierte die Gäste mit lustigem und schönem Indiepop. Einige Lacher gab es, als der Schlagzeuger sang: »Gestern hat mich ein Mädchen angelacht, sie entschuldigte sich, denn sie hatte mich verwechselt.« Trotz einer sehr einfachen Melodieführung, drei oder vier Akkorde, hat die Band gerockt.

Foto: Johanna Sommer

Nach einer kurzen Pause kündigten Nebel und Vogelgezwitscher die Hauptakteure dieses Abends an. Im Gegensatz zur ersten Band nahmen sie mit ihren Fans Kontakt auf: »Wer von euch hat heute gearbeitet und fand das scheiße?« fragte Frontsänger Felix in die Runde und stand mit seiner Gitarre am Mikrofon. Der Backgroundsänger Christian spielte sich auf seiner Bassgitarre ein, und Backgroundsängerin Johanna tat dies auf ihrem Keyboard. Jeremia gab den Beat auf seinen Drums vor und brachte die Becken zum vibrieren. Einige Anwesende waren wohl sehr unzufrieden mit ihrem Beruf. Ihnen widmete die Band den Song »Work Work«. Felix hatte das Lied in einer Zeit geschrieben, in welcher er täglich mindestens zehn Stunden arbeiten musste. Sein Chef sei unerbittlich gewesen. Auf dem Weg zur Arbeit wären ihm dann zähneknirschend die Textzeilen eingefallen. Ihm wurde klar, dass wir in einer Leistungsgesellschaft leben. Mehr, mehr, mehr

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Sex mal anders

Über Sadomasochismus kursieren absurde Vorstellungen, doch manches bestätigt sich auch.

Foto: Christian Schoen

Eine attraktive Frau in Latex peitscht einen gefesselten, schmerzerfüllt dreinblickenden Mann aus. So wird SM oft in Spielfilmen dargestellt, doch in der Realität ist dies meist anders.

BDSM steht für Bondage & Disziplin und Sadomasochismus, wird aber auch häufig nur SM genannt. Darunter fallen jedoch eine Vielzahl an sexuellen Praktiken, und manch eine Person hat diese auch schon ausgeübt. »Nicht jeder, der so etwas macht, fühlt sich dieser Szene zugehörig«, meint Suse, eine Besucherin und Organisatorin des SM-Stammtisches in Halle. »SM fängt schon bei heißem Wachs und Fesselspielen an.«

SM-Stammtisch im Black Angel

Suse ist seit drei Jahren beim SM-Stammtisch, der seit zehn Jahren existiert und sich im Black Angel in der Ludwig-Wucherer-Straße 42 trifft. Die Kneipe steht zum Teil im Schatten der SMler, denn nicht wenige halten diese für einen reinen SM-Schuppen. Dabei findet in der Regel ein gewöhnlicher Kneipenbetrieb statt, bei dem keineswegs rund um die Uhr SM ausgeübt wird. Auch die Vorstellung über den Ablauf des Stammtisches, der immer am ersten Dienstag des Monats zusammenkommt, herrschen teilweise rege Fantasien. Dabei kommen viele in »ganz gewöhnlicher Kleidung«. Mehr, mehr, mehr

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Im Mutterland des Fußballs

Erasmus hat unsere Redakteurin Caro nach Newcastle gebracht. Dort an der Uni, so bemerkte sie schnell, hat der Sport einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland.

Dass ich auch in England Fußball spielen wollen würde, stand schon vor meiner Abreise fest; am letzten Septemberwochenende waren dann endlich die Sichtungstrainings für neue Studenten. Spätestens da war mir dann definitiv bewusst, wie ernst der Unisport hier genommen wird. Außerdem merkte ich, dass ich zwar im Alltag prima kommunizieren konnte, dass mir aber einfach das »Auf-dem-Platz«-Vokabular fehlte. Entsprechend lief dann auch nicht viel zusammen, und ich befürchtete schon, aussortiert zu werden. Die Club-Verantwortlichen wollten im Laufe des folgenden Montags E-Mails mit ihren Einschätzungen verschicken. Um 23.38 Uhr kam dann auch endlich die Mail: Ich durfte zum Training am Dienstag wiederkommen. Da folgte dann die Einteilung in erste und zweite Mannschaft. Keine Überraschung: Ich war in der zweiten Mannschaft gelandet. Also weniger Druck, dachte ich mir. Aber falsch gedacht: Mir wurde dann schnell eröffnet, dass ich als eine der Führungsspielerinnen für diese Saison betrachtet wurde. Mehr, mehr, mehr

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Die fünf Säulen des I,Slams

Beim Poetry-Slam treten Poeten mit ihren selbst geschriebenen Texten im Wettkampf gegeneinander an. Nun hat eine Gruppe muslimischer Dichter die neue Kategorie des I,Slams entwickelt.

Foto: Arne List

In wenigen Details, wer seid ihr, und was macht ihr?

Adlah: Ich bin Youssef Adlah, 24 Jahre alt, und studiere Luft- und Raumfahrttechnik an der Technischen Universität Berlin. Ich bin I,Slam-Mitbegründer.
Al-Amayra: Ich bin Younes Al-Amayra und auch irgendwie I,Slam-Mitbegründer. Ich bin studierter Islamwissenschaftler und zurzeit Grundschullehrer.
Bahardeen: Mein Name ist Mohamed Miftha Bahardeen, ich bin 21 Jahre alt und komme aus Hamburg. Ich bin derzeitig Schüler.
Younes El-Amayra: Mein Name ist Leila Younes El-Amayra, ich bin 21 Jahre alt und studiere Rechtswissenschaften. Ich habe an der Martin-Luther-Universität studiert, bin aber wieder zurück in meine Heimatstadt Berlin.

Wie wird man I,Slammer, und wie seid ihr zu der Idee gekommen?

Adlah: Ich würde jetzt sagen, da muss viel Alkohol im Spiel gewesen sein, aber den dürfen wir ja nicht trinken, also fällt das schon mal raus.
Al-Amayra: Die Idee kam vom exzessiven Ayrantrinken. Mehr, mehr, mehr

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»Was gesagt werden muss«

Die AG Antifaschismus lud den Journalisten Henryk M. Broder ein, bekannt beispielsweise aus der satirischen Fernsehsendung »Entweder Broder«.

Den aus allen Nähten platzenden Hörsaal hat Henryk M. Broder schnell auf seiner Seite. Während zwei Techniker noch an der Soundanlage verzweifeln, wandert Broder mit spitzbübischen Schritten über die kleine Empore und greift zur Kreide. Etwas unbeholfen kritzelt er an die Tafel: »Willkommen in der High-Tech-Stadt Halle«. Im Saal brandet Gelächter auf, noch bevor der Vortrag überhaupt begann. Zu dem Vortrag und der Buchvorstellung am 7. November hatte die AG Antifaschismus des Studierendenrates eingeladen. Der provokative Titel des vorgestellten Buchs lautet: »Vergesst Auschwitz! Der deutsche Erinnerungswahn und die Endlösung der Israel-Frage«. Mehr, mehr, mehr

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Mit dem Fahrrad durch die Stadt

Halle ist nicht Kopenhagen: Radfahrer brauchen mehr Raum in den Straßen. Ein Kommentar zur Verkehrslage.

Foto: Christian Schoen

Fahrradfahren ist wohl die effizienteste Fortbewegungs­methode überhaupt, wenn man bedenkt, welcher Energie­aufwand nötig ist, um ein Auto zu bewegen – 1,5 Tonnen, damit sich 70 kg jeden Tag durch den Straßenverkehr quälen. Bahnfahren ist teuer, die meiste Zeit geht für Warten und Laufen drauf. Zu Fuß ist schön, aber nicht alltagstauglich. Ach ja, gesund ist es auch noch, das Fahrradfahren. Doch wie gesund es tatsächlich ist, hängt maßgeblich von Stadtplanern und anderen Verkehrsteilnehmern ab; nicht selten wird die Fahrt auf dem Drahtesel zum Spießrutenlauf. Mehr, mehr, mehr

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Sirius Slander

Ein Comic von Justin Guenet

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