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Okt 2017 hastuINTERESSE Heft Nr. 74 0

Neu hier?

Aller Anfang ist schwer, vor allem, wenn man auf einmal Student in einer neuen Stadt ist. Da heißt es plötzlich auf eigenen Beinen stehen. Aber womit fängt man an? Ein kleiner Überblick über das, was Euch in Halle erwartet und was Ihr braucht, wann Ihr es braucht und wo Ihr es findet. Seid willkommen!

Illustration: Katja Elena Karras

WG-Casting oder Studentenwohnheim? Partyhungrig oder doch in die Kneipe? Zwei wichtige Fragen gleich zu Beginn. Denn auch diese bestimmen in Zukunft Euer Leben in einer neuen Stadt, mit neuen Herausforderungen und vor allem auch neuen Problemen rund um die Organisation Eures studentischen Alltags.

Wohnen

Solltet Ihr schon ein lauschiges Plätzchen zum Wohnen gefunden haben, ob nun alleine oder mit mehreren unter einem Dach, ist die erste Hürde schon gemeistert. Falls nicht, solltet Ihr Euch ans Studentenwerk oder die gängigen »Biete-WGZimmer«-Seiten im Internet wenden. Habt Ihr einen Unterschlupf in einem der vielen Wohnheime der Stadt ergattert, dann solltet Ihr noch folgendes beachten: Bewahrt alle wichtigen Dokumente auf ! Mietvertrag, Internetvertrag und andere Nachweise! Zudem solltet Ihr ohnehin Euren Wohnsitz in Halle anmelden. Schließlich verbringt Ihr nun sicher die meiste Zeit eures Studentenlebens hier. Tun könnt Ihr das im Bürgeramt am Markt. Kaum zu übersehen, dieses triste, graue Gebäude. Schließlich fällt nun auch für Euch der Rundfunkbeitrag an, außer Ihr bekommt BAföG. Dazu aber später mehr. Ist das alles erledigt, habt Ihr eine Basis, ein eigenes Reich, wenn Ihr so wollt, von dem aus Ihr in den Dschungel von Bürokratie, Mensaessen und öffentlichen Verkehrsmitteln aufbrechen könnt. Erfolgreich studieren, das ist Euer Ziel. In Regelstudienzeit oder nicht, das bleibt nur Euch allein überlassen. Ohnehin habt Ihr für solche Gedanken erstmal keine Zeit. Ihr braucht einen Stundenplan, denn schließlich geht bald das Semester los, und Ihr wollt noch einen Platz in Eurer Lieblings- beziehungsweise Pflichtveranstaltung bekommen. Mehr, mehr, mehr

Okt 2017 hastuPAUSE Nr. 74 0

Der gehobene Zeigefinger

Bunt und quirlig wie ein gut gepflegter Gemischtwarenladen legt sich diese Kolumne ihrem erprobten Leserauge zu Füßen. Frei von den zwängenden Fesseln einer thematischen Beständigkeit, eines übergeordneten Gesamtkonzepts, wird hier nüchtern allerhand Gedachtes geteilt. Thema heute: Moral und Studium

Illustration: Katja Elena Karras

In uns Studenten liegt die Zukunft, daran führt kein Weg vorbei. Denn Zukunft wird heute durch multinationale Unternehmen und technische Entwicklung bestimmt. Beides Felder, die für Ausbildungsberufe in den Entscheiderebenen praktisch gesperrt sind. Menschen ohne Abschluss genießen sowieso zu wenig Anerkennung. Bleiben also nur die Akademien und ihre Zöglinge, wie auch eine 2014 vorgestellte Studie zeigt, laut der sich unter den Dax-30-Vorständen über acht Jahre gemessen zu 93 Prozent entweder Wirtschaftswissenschaftler, Ingenieure, Juristen oder Naturwissenschaftler finden. Blicken wir dann noch auf die CEOs der großen Tech-Firmen – Jeff Bezos: Princeton; Elon Musk: University of Pennsylvania; Mark Zuckerberg: Harvard – wird klar, dass wer auch immer gerade neben Ihnen im Seminar sitzt, maßgeblich die Zukunft verändern könnte und dass irgendwer aus der Vorlesung sie verändern muss. Der Auszubildende im Einzelhandel, der Ihnen heute Morgen im Edeka den Weg zur Hafermilch gewiesen hat, wird es wahrscheinlich nicht reißen. Aber schon in der Uni reicht ein kluger Kopf. Für die Zukunft im technischen Sinne braucht es schließlich nicht viele. Mehr, mehr, mehr

Okt 2017 hastuPAUSE Nr. 74 0

Back to the (Polish) roots

In einem Auslandssemester in Krakau kann man junge Studierende aus der ganzen Welt kennenlernen. Viele davon sind in das Land gekommen, aus dem ihre Vorfahren vor vielen Jahren ausgewandert oder geflohen sind. Für diese galt Amerika als Land der Zukunft, für sie selbst nun ist Europa »the place to be«.

Foto: Lena Schraml

Man schreibt das Jahr 1913, kurz vor dem ersten großen, weltverändernden Krieg. Polen ist zu dieser Zeit noch aufgeteilt zwischen Preußen, Russland und Österreich-Ungarn. Der Pole Walter Kumięga, Ururgroßvater des nach ihm benannten 21-jährigen Walter Kumięga IV., beschließt, den alten Kontinent Europa zu verlassen und nach Amerika auszuwandern. Er verspricht sich – wie so viele andere – eine bessere Zukunft für seine Familie und ein Leben in Freiheit. Im US-Bundesstaat Maine gründet er eine Hühnerfarm, die die nächsten Jahre die Lebensgrundlage der Familie werden soll. »Irgendwann wurde aus der Hühnerfarm eine Teppichreinigung, die bis heute von meinem Opa betrieben wird«, erzählt der stolze Enkel, der Internationale Beziehungen an der University of Maine studiert. Mehr, mehr, mehr

Okt 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 74 0

Of Chance and Choice

Eine vielleicht etwas ambivalente Kolumne über Kommunikation zwischen und mit Menschen. Sie beobachtet und kommentiert. Und vielleicht will sie auch manchmal irgendwie eingreifen. Diesmal geht es um Chancen, über die mehr Für als Wider kommuniziert wird.

Illustration: Katja Elena Karras

»I«ve had choices since the day that I was born.« In dem Lied, das mit ebenjenen Worten beginnt, blickt Country-Sänger George Jones 1998 auf sein Leben, seine damals schon fast 50-jährige Karriere und seine Fehler zurück. Ganz soweit bin ich zum Glück noch nicht, aber nachdenklich macht mich der Text des Liedes dennoch. Es ist etwas dran. Entscheidungssituationen sind quasi omnipräsent. (Auch wenn wir vielleicht in unseren ersten Lebensmonaten noch nicht aktiv welche treffen müssen; aber auf diesem Gebiet bin ich nun absolut kein Experte.)

Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt stetig. Folglich sind wir mittlerweile mit zwanzig – potenziell – noch ziemlich am Anfang unseres Lebens und uns wird kommuniziert, was wir noch alles machen können. Gelegentlich wird zur Betonung auch noch hinzugefügt: »Ich hätte von solchen Möglichkeiten nur träumen können.« Und vielleicht ist da was dran, wahrscheinlich stehen uns wirklich mehr Türen offen als unseren Vorfahren. Wir haben mehr Auswahl und Möglichkeiten als jede Generation vor uns. Und allzu oft scheinen uns diese Möglichkeiten zu überfordern. Die Auswahl an Studiengängen oder Berufen wird immer größer – Front Desk Receptionist, Freizeitwissenschaftler oder der geflügelte Facility Manager. Was sich hinter Begriffen verbirgt, ist oft schwer zu durchschauen. Und auch genaues Lesen empfiehlt sich; sonst wird man vielleicht am Ende Brau- statt Bauingenieur. Mehr, mehr, mehr

Okt 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 74 0

Dead Valleys bei Naumburg

Das MDV-Gebiet ist mehr als Leipzig und Halle: Drei Stunden völlig falsch gelaufen, einer Wandergruppe und Anwohnern begegnet, die nicht mal selber die in den »Toten Tälern« berühmten Wildpferde zu Gesicht bekommen haben, und jede Menge Wein.

Karte: fenchelino – atelier für kommunikation und desgin

Die »Toten Täler« locken von Frühling bis Anfang Herbst viele Wanderer wegen ihrer artenreichen Pflanzenwelt an. In diesem Zeitraum bietet das Gebiet, welches 1967 unter Schutz gestellt wurde, für Orchideenliebhaber eine Vielfalt zum Bestaunen an. Wer also unter Heuschnupfen oder einer Menschenallergie leidet, findet ab Oktober ideale Bedingungen vor. Mehr, mehr, mehr

Okt 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 74 0

Westfälische Verwandtschaft

Wer sich schon immer einmal gefragt hat, weshalb dem Namen unserer Stadt noch ein »Saale« angefügt wird, der findet die Antwort darauf am Rande des Teutoburger Waldes. Zu Besuch in der westfälischen Kleinstadt Halle.

Foto: Alexander Kullick

Es ist nicht hinreichend belegt, ob sich die Geschichte wirklich so zugetragen hat. Dennoch kann man wohl davon ausgehen, dass sich der Ablauf dieser Anekdote eines schönen Sommertages vor wenigen Jahren mit dem Inhalt der Erzählung deckt. Eine Gruppe Touristen erkundigt sich bei einem ortskundigen Passanten nach dem Weg zum Gerry-Weber-Stadion, in dem wie in jedem Sommer die gleichnamigen Tennis-Open ausgetragen werden, ein Turnier in der Vorbereitung auf die renommierten Wimbledon-Championships einige Tage später. Der Fußgänger, den die Touristen fragen, kennt seine Stadt eigentlich sehr gut. Jedoch kann auch er den ratlosen Gästen aus dem Ausland keine Antwort auf ihre Frage liefern. Das Problem bei der Sache: die Touristen haben sich nicht in der Stadt verlaufen – sie haben sich in der Stadt vertan. Mehr, mehr, mehr

Okt 2017 hastuUNI Heft Nr. 74 0

»Das ganze Thema ist eine Odyssee«

Womit sich der AK »Uni im Kontext« konkret beschäftigen will, ist nicht so leicht zu fassen; das zeigte schon die Sturasitzung, bei der er eingeführt wurde. Grob gesagt geht es um den Transfer von Wissen zwischen Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Was genau die drei Gründungsmitglieder wie erreichen wollen, erzählen sie im Interview.

Foto: Bereitgestellt vom AK „Uni im Kontext»

Sturasitzung, Montag, der 10. April, 21.30 Uhr: Die Stimmung ist aufgelockert, die Konzentration vieler Mitglieder des Studierendenrates schwand schon während der langwierigen Diskussion um die Finanzanträge. Gerade gab es eine zehnminütige Pause. Der nächste Punkt auf der Tagesordnung: Gründung des AKs »Uni im Kontext«. Arne Arend, Marie-Christin Propf und Benjamin Rolf Kerner treten vor den Stura und stellen ihr Konzept vor. Die drei erklären, dass sie für die lokale Bevölkerung Transferprozesse in Halle erfassen, begleiten und initialisieren wollen. Es fallen Begriffe wie Wissens transfer, Third Mission, Innovation und Wissenschaftskommunikation. Aus den Reihen der anwesenden Sturamitglieder kommt darauf als erstes die Bitte, das Ganze noch einmal etwas einfacher zu erklären. Es folgen weitere Erklärungsversuche, noch mehr Verwirrung und die Frage, ob das nicht eigentlich Aufgabe der Uni sei. Schließlich einigt man sich doch noch darauf, dass es schön sei, wenn Studierende sich freiwillig melden, um Informationen zusammenzutragen und zu vermitteln. Mit der Wahl von Arne Arend zum Sprecher des Arbeitskreises »Uni im Kontext« wird dieser letztendlich gegründet. Mehr, mehr, mehr

Okt 2017 hastuUNI Heft Nr. 74 0

Hallische Köpfe

In dieser Reihe stellt unser Redakteur Paul regelmäßig Persönlichkeiten vor, die Universität und Stadt geprägt haben. Diesmal geht es um den Mathematiker Georg Cantor.

Illustration: Katja Elena Karras

Widerlegt! Dieser ungarische Aufschneider hat ihn tatsächlich widerlegt! Man schreibt das Jahr 1904, und auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Heidelberg beginnt ein Mann an Gott zu zweifeln. Da hat es doch Professor Juli

us König aus Budapest tatsächlich gewagt, die von ihm, dem berühmten Georg Cantor aufgestellte These von den »transfiniten Zahlen« zu widerlegen. Für ihn ist es nicht weniger als ein Skandal, für seine Kollegen jedoch offenbar nur eine interessante Diskussionsfrage. Der leicht exzentrische Professor, dessen Familie ebenfalls bei diesem bedeutenden wissenschaftlichen Ereignis anwesend ist, fühlt sich öffentlich gedemütigt und, noch schlimmer, verunsichert. War er bisher nicht der festen Überzeugung, dass er seine theoretischen Geistesblitze direkt von Gott erhielte? Hat er das nicht sogar öffentlich kundgetan? Da nützt es auch nichts, dass der Kollege Ernst Zemelo am nächsten Tag Königs Beweisführung entkräftet; Cantor, der sich immer für den internationalen Wissenschaftsaustausch stark gemacht hat, für den Mathematik und Theologie untrennbar verbunden sind, steckt in einer Krise. Wieder einmal. Mehr, mehr, mehr