Dez 2018 hastuINTERESSE Heft Nr. 81 0

Zero Waste – geht das überhaupt?

Dieser Artikel will nicht mit Bildern von riesigen Plastikstrudeln im Meer oder toten Vögeln mit Strohhalm im Hals schockieren, um ein schlechtes Gewissen hervorzurufen. Plastik ist schlecht für die Umwelt, das ist mittlerweile allgemein bekannt. Stattdessen wird dieser Artikel aufzeigen, wie ein Leben ohne Plastik möglich wird.

Foto: Johanna Schultheiß

Morgens beginne ich den Tag mit einer erfrischenden Dusche. Dabei begegnet mir schon im Bad eine Menge Plastik, auf das ich leicht verzichten kann. Handseife, Shampoo und Duschgel können statt in Flüssigform einfach als Seifenstück gekauft werden, dieses wird in einer Papierverpackung aufbewahrt. Ihre Verwendung ist zu Beginn sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig: die erste Shampoo-Seife, die ich ausprobiere, schäumt nur wenig. Doch nach mehreren Probepackungen finde ich die passende Version für mich. Alternativen sind beim Kauf erst einmal etwas teurer als die herkömmliche Variante. Da das Produkt jedoch viel länger hält, ist es am Ende sogar effizienter.

Nach dem Duschen putze ich mir die Zähne. Meine alte Plastik-Zahnbürste habe ich durch eine aus Bambus ersetzt, welche problemlos im Biomüll recycelt werden kann. Auch die Zahnpastatube kann durch eine weniger müllproduzierende Variante ersetzt werden: Zahnpasta am Stiel oder in Tablettenform zum Zerkauen. Ersteres hinterlässt nur einen Holz-Stiel, welcher ebenfalls recycelt wird und der Tabletten-Behälter kann immer wieder nachgefüllt werden.

Die Zahnpasta am Stiel klingt zwar nett, ist in der Anwendung aber meiner Erfahrung nach nicht so effektiv. Die Anleitung verspricht: Einfach die Zahnbürste befeuchten, damit über das Zahnpasta-Stück streichen, und schon ist die Pasta an der Bürste. Das funktioniert leider kaum … Es kann aber auch sein, dass es hier – wie auch beim Shampoo – unterschiedlich gute Produkte gibt. Die Zahnpasta-Tabletten hingegen kann ich ohne Einschränkung empfehlen. Diese werden zerkaut, bis eine weiche Masse im Mund entsteht, mit der dann ganz normal (mit angefeuchteter Zahnbürste) die Zähne geputzt werden können. Selbst Zahnseide kann in einem wiederverwendbaren Glasbehälter gekauft werden.

Die meisten ebendieser Produkte lassen sich in Halle vor Ort kaufen: Shampoo und Co. finden sich zum Beispiel in dem Seifenladen in der Händel-Passage oder in gewissen Bioläden; Bambus-Zahnbürsten gibt es in jedem Drogeriemarkt. Speziellere Alternativen wie die Zahnpasta-Tabletten oder Zahnseide im Glas habe ich bisher nur online gefunden.

Oft ist die Lösung: Selbermachen

Putzmittel können beispielsweise leicht zu Hause hergestellt werden. Einfach Essig mit Wasser und vielleicht einer Zi­trone oder ähnlichem (für den besseren Geruch) aufkochen. Hilfe bietet unter anderem auch die Seite sauberkasten.com, dort können entsprechende Zutaten und Rezepte sowie wiederverwendbare Behälter bestellt werden. Leider ist dieser jedoch recht teuer – für mich ein Grund ihn auf meine Weihnachtswunschliste zu schreiben. Allerdings ist hier ebenfalls zu bedenken, dass ein Paket des Versandhändlers mehreren Wasch- und Putzmitteln entspricht, wodurch sich der Preis etwas ausgleicht. Neben der Freude, etwas selbst gemacht zu haben, ist ein weiterer Vorteil, dass in den selbstgemachten Putzmitteln keine schädlichen Zusatzstoffe vorhanden sind.

Wollt Ihr Eure Wohnung auch vom Plastik befreien? Dies muss nicht von heute auf morgen geschehen, also werft nicht einfach alle angebrochenen Produkte weg. Sinnvoller ist es, Vorhandenes zu nutzen, um einen fließenden Übergang zu schaffen. So könnt Ihr Euch besser an die neuen Alternativen gewöhnen und erreicht es auch langfristig, Plastik zu vermeiden.

Unterwegs – Es geht um viel mehr als Plastiktüten und Kaffee to go

Auch beim Einkaufen kann viel unnötiger Plastikmüll vermieden werden – Obst und Gemüse packe ich einfach in losen Teilen ohne Verpackung oder Plastiktüte in meinen Einkaufswagen. In manchen Supermärkten gibt es auch wiederverwendbare Obst- und Gemüsenetze aus Baumwolle. Vorteilhaft ist daran, dass ich genau darüber entscheiden kann, wie viele Karotten, Tomaten, Äpfel und Co. ich kaufe.

Bei Bio-Lebensmitteln kann es passieren, dass diese in normalen Supermärkten in Plastik eingeschweißt sind, da sie gewissermaßen vor den Pestiziden und chemischen Pflanzenschutzmitteln der konventionellen Lebensmittel geschützt werden müssen. Außerdem dient die Verpackung auch als Unterscheidungsmerkmal.

Entweder Ihr geht direkt in einen Bio-Laden, oder – noch einfacher – lasst Euch das Obst und Gemüse direkt nach Hause liefern. Entsprechende Bio-Kisten beinhalten überwiegend Produkte aus der Region (SoLaWi), wodurch ein langer Transportweg der Produkte wegfällt.

In Halle besteht die besondere Situation, dass es jeden Tag einen Wochenmarkt gibt, auf dem an den Ständen das Gemüse direkt eingekauft werden kann. Ein weiterer Tipp wäre der Bio-Abendmarkt, welcher immer am ersten Donnerstag im Monat von Februar bis November auf dem Hallmarkt stattfindet. Außerdem gibt es gleich mehrere Läden, in denen gerettetes Gemüse verkauft wird, wie zum Beispiel das »Crumme Eck« und »Radieschen«: Hier wird auch darauf geachtet, die Artikel nicht unnötig einzupacken.

Flüssige Lebensmittel wie Joghurt, Ketchup, passierte Tomaten et cetera kaufe ich in Zukunft einfach in Glasverpackungen. Milch kann auch (unter anderem beim Edeka am Hallmarkt oder in der Pfännerhöhe) an einem entsprechenden Automaten selber abgefüllt werden. Dafür muss allerdings zum Einkauf eine eigene Flasche mitgenommen werden. Die Milch ist dort zwar etwas teurer, aber dafür von lokalen Bauern. Fleisch und Käse sind normalerweise auch immer eingeschweißt, doch besteht die Möglichkeit, mit einer Dose an die Fleisch- oder Käsetheke zu gehen und darum zu bitten, alles direkt dort hineinzupacken.

Foto: Johanna Schultheiß

Beim Einkaufen wird jedoch klar, dass der Verzicht auf Plastik nicht immer so leicht ist. Doch einige Produkte haben leider (noch) keine Alternative: Veganen Joghurt und Milchersatz gibt es beispielsweise nicht in Glasverpackungen, hier muss ich mich also zwischen dem Wohl der Tiere und der Müllreduzierung entscheiden. Auch bei Nudeln, Reis und Co wird es in den üblichen Supermärkten schwer. In Halle gibt es leider noch nicht so viele Möglichkeiten unverpackt einzukaufen. In der nördlichen Innenstadt befindet sich der »Himmel und Erde«-Laden, der
allerdings recht klein ist. Sonst muss der Weg bis nach Leipzig unternommen werden, um dort den Unverpackt-Laden zu besuchen. Hier gibt es nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kosmetikartikel ohne Verpackung. Und wenn ich schon einmal in der Nähe der Karli bin, lasse ich mich nach meinem Einkauf gerne noch in einer Bar nieder. Die Cocktail-Trinker kennen das Dilemma, welches jetzt auf mich zukommt: Der Strohhalm ist immer wie selbstverständlich mit dabei. Wartet nicht darauf, dass die EU Strohhalme verbietet, das Problem könnt Ihr selber in die Hand nehmen. Bei der Bestellung einfach anmerken, dass der Halm nicht gebraucht wird (meistens ist der ja eh nur im Weg, oder?). Dies fordert natürlich eine gewisse Eigeninitiative, aber auch das ist nur eine Frage der Gewöhnung.

Abschließend lasse ich meine Erfahrungen Revue passieren: Der komplette Verzicht auf Plastik ist nicht leicht, bei manchen Sachen ist wirklich eine Umstellung und ein größerer Zeit- und auch Geldaufwand notwendig. Insgesamt ist jedoch in manchen Bereichen – vor allem im Bad – eine Reduzierung des Plastikkonsums gar nicht so schwer umzusetzen. Mir hat das ganze Ausprobieren jedenfalls sehr viel Spaß gemacht. Es war spannend, immer wieder neue Alternativen zu testen, und ich hoffe, auch Ihr entwickelt in Bezug auf dieses Thema eine gewisse Entdeckerfreude.

Über Johanna Schultheiß

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Erstellt: 20.12. 2018 | Bearbeitet: 20.12. 2018 13:36