Jan 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 76 0

Zeitreise mit dem MDV-Ticket

Das MDV-Gebiet ist mehr als Leipzig und Halle, denn auch die meist unbekannten Mittelstädte lohnen einen Besuch. Vor einer Weile haben wir schon über Altenburg und Delitzsch berichtet. Nun ist das kleine, verträumte Städtchen Querfurt an der Reihe.

Foto: Diana Wetterling

Mit dem Bus gelangen wir bequem und ohne umzusteigen innerhalb von einer knappen Stunde in das westlich von Halle gelegene und 46,7 km entfernte Örtchen. Bei sonnigem Wetter und warmen Temperaturen kann die Strecke auch gut mit dem Rad zurückgelegt werden.

Foto: Diana Wetterling

Der Busbahnhof am Zielort empfängt uns mit einem Blick über das Stadtzentrum mit seinen zwei Kirch- türmen und zahlreichen einzelnen Giebeldächern. Irgendwie stellt sich sofort das Gefühl ein, an einem geschichtsträchtigen Ort zu sein. Nun ist die Neugier darauf, was uns erwarten mag, riesig. Voller Vorfreude bewegen wir uns auf der Friedhofspromenade Richtung Osten bis zum Kreisverkehr. Dort biegen

Foto: Diana Wetterling

wir dann in die Straße »Döcklitzer Tor« ein, folgen dieser eine Weile, bis wir schließlich die Klosterstraße erreichen und in den Altstadtkern von Querfurt eintauchen. Auf diesem Weg gelangen wir direkt auf den kleinen, aber feinen Matzplatz. Der von Bäumen umsäumte Platz lädt im Sommer zum Verweilen und Eisessen ein, was zum Beispiel im Eiscafé Capri möglich ist. Weiter geht es auf der Tränkstraße, die uns direkt zum alten Markt mit seinem Rathaus führt. Dabei passieren wir viele kleine Geschäfte und einige Restaurants, welche in die urigen kleinen Häuser aus Gründerzeiten eingezogen sind. Dadurch bleibt der knapp 11 000 Einwohner zählenden Stadt ihr mittelalterlicher Charme erhalten.

Vom Markt aus nehmen wir die Burgstraße und machen einen kleinen Abstecher auf den Kirchplan, um uns den gotischen Sakralbau, die Stadtkirche St. Lamberti, anzusehen. Da Querfurt häufig von Stadtbränden betroffen war, musste die Kirche immer wieder aufgebaut werden. Teile des Turmes stammen aus dem 13. Jahrhundert, seine Kuppel hingegen aus dem 18. Jahrhundert, Schiff und Chor entstanden im 15. und 16. Jahrhundert. Die Fassade ist nicht verputzt, und so stechen die gemauerten Backsteine besonders ins Auge. Dies verleiht dem Gotteshaus einen besonderen Zauber.

Foto: Diana Wetterling

Foto: Diana Wetterling

Nun gehen wir zurück auf die Burgstraße, um uns der Filmburg des Ostens zuzuwenden. Wir betreten den Burggraben durch das Osttor, wobei wir an einem Grabmal vorbei gelangen, welches sich linker Hand vor der Burgmauer befindet. Die moosbewachsenen Grabsteine und -platten und der knorrige, alte Baum lassen einen Hauch von mystischer Atmosphäre aufkommen. Rechter Hand kann man über die Grabenmauer hinweg das Stadtbad erblicken, welches im Sommer sicher die Menschen in Scharen anzieht. Um nun links zur Oberburg zu kommen, gehen wir an den äußeren Kerkern und dem Wehrturm »Dicker Heinrich« vorbei, an dessen Fenster ein Zopf von güldenem Haar angebracht ist, um an ein gewisses Märchen zu erinnern, in welchem sehr lange, goldene Haare eine entscheidende Rolle spielen.

Foto: Diana Wetterling

Dann steht sie endlich vor uns, die »FilmBurg«, die bereits in Produktionen wie »Black Death« oder »Die Päpstin« zu sehen war und auch noch weiter als Drehort genutzt wird. Des Weiteren vereint die größte Burganlage Mitteldeutschlands Burgkirche, mächtige Westtoranlage und die drei Burgtürme, den »Dicken Heinrich«, den »Pariser Turm« und den Kirchturm. Selbstverständlich gibt

Foto: Diana Wetterling

es auch ein Burgmuseum, welches die Geschichte der Burg, ihrer Erbauer und des damaligen Alltags erzählt.

Trotz heftiger Belagerungen im Dreißigjährigen Krieg und Eroberungen der bis dahin als uneinnehmbar geltenden Festung konnte sie ihre mittelalterliche Bausubstanz weitgehend bewahren. Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit Gewölben sowie ein unterirdischer Gang erlauben dem Besucher Einblicke in eine Adelsburg. Zudem kann man sich intensiv zur Filmgeschichte des Ortes informieren und schicke Souvenirs erwerben. Ein Tipp: Wer gerne einmal ein Mittelalterspektakel erleben will, ist hier übrigens ebenfalls am perfekten Ort. Dieses findet jährlich im Juni statt.

Nachdem wir uns ins Mittelalter und in die Zeit der mächtigen Ritter haben zurückversetzen lassen, müssen wir nun leider den Rückweg antreten, um noch rechtzeitig den Bus zu erwischen. In Gedanken verharren wir noch bei dem schönen Stadtrundgang durch enge, kleingepflasterte Gassen und Straßen und der Illusion, in einem barocken Film mitzuspielen.

Über Diana Wetterling

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Erstellt: 28.01. 2018 | Bearbeitet: 28.01. 2018 16:22