Mai 2018 hastuUNI Online 0

Zwischen Überraschung und Enttäuschung

Lautes Stimmengewirr, Gejohle, Gepfeife, Buhrufe und Gesänge – das war die diesjährige Wahlparty

Ohne große Reden oder blumige Worte präsentiert der Stura am Donnerstag, um 22 Uhr, einen Tag nach der Wahl, die vorläufigen Ergebnisse der Hochschulwahl in der Drushba. Der vordere Barraum ist mit circa 50 Leuten so gut gefüllt, dass die meisten kaum etwas von den Ergebnissen sehen. Viele stehen auf, recken ihre Hälse, kämpfen sich nach vorne oder wechseln die Stehpositionen, um zwischen den vielen Köpfen einen Blick auf die Ergebnisse zu erhaschen. Hinzu kommt, dass der Beamer nicht sonderlich viel taugt, sodass die meisten Zahlen unscharf sind, besonders gegen Ende hin, wenn es um die Sitzverteilung im neuen Stura geht. Dennoch entdecken sich einige gewählte Kandidaten und verleihen ihrer Freude mit Gejohle Ausdruck. Andere erhalten Unterstützung durch ihre Fans, beispielsweise skandiert ein Sprechchor mehrmals »Imke, Imke, Imke«. Manche Anwesende kommentieren erstmal die Situation um sich herum: »Ganz schön viele Leute hier.« Ein anderer Kandidat hat sich eine erhöhte Position für eine bessere Sicht erkämpft und bedankt sich ebenfalls für den Sprechchor seiner Fans. Aber nicht alle sind zufrieden, sodass es auch Zwischenrufe gibt, wie: »Man sieht ja gar nichts«, »letztes Jahr war die Präsentation aber besser« und »warum steht die LHG so weit unten?«. Eine Kandidatin freut sich zwar gewählt worden zu sein, wird zur Gratulation umarmt, stellt dann aber fest: »Hä, ich heiße doch Christine und nicht Christian«, da scheint wohl ein Rechtschreibfehler passiert zu sein.

Screenshot aus der Präsentation 2017

 

Die Wahlergebnisse von 2018, Quelle: http://www.hochschulwahl.info/

 

 

 

 

 

 

Dann kippt die Stimmung der Menge kurz, als offenkundig wird, dass die Campus Alternative einen Platz im neuen Stura errungen hat. Kommentiert wird dies mit mehreren lauten Buhrufen. Die Campus Alternative trat zum ersten Mal bei der Hochschulwahl an, ihr wird eine Nähe zu der Identitären Bewegung nachgesagt.

Nach 14 Minuten ist die Präsentation zu Ende, aber die meisten bleiben noch, in der Hoffnung mehr zu sehen, wenn sie sich genau vor die Leinwand stellen. Leider wird die Schrift aber auch dann nicht schärfer.

Ebenfalls gewählt wurde Sabrina-Laura Dietrich. »Ich bin etwas überrascht, weil ich nicht für den Fachschaftsrat Theologie aufgestellt war, aber cool, dass mich vier Leute gewählt haben.« Außerdem freut sie sich, »weil so viele Leute da sind«. Wie viele andere trägt auch sie ein Wahlbändchen. Sie bestätigt, dass auch sie wählen war, leider wurden in der Theologie aber keine Bändchen verteilt und dieses habe sie von einer Freundin erhalten. Außerdem war ihr aufgefallen, dass ihr Studiengang kaum Wahlwerbung gemacht hatte. In den nächsten Tagen wird in der Theologie per Aushang das Wahlergebnis bekannt gegeben und dann muss sie sich entscheiden, ob sie die Wahl annimmt, um zum ersten Mal für den FSR tätig zu sein, was sie an diesem Abend erstmal positiv beantwortet.

Dagegen erzählt Nadine Köppelmann, die in den Fachschaftsrat Geowissenschaften gewählt wurde, dass sie schon »seit vier Jahren dabei ist«. Sie betrat die Wahlparty in dem Moment, als die Ergebnisse gerade präsentiert wurden, sie habe sich »nach vorne gekämpft« und dann ihren Namen gesehen. Sie ist momentan Vorsitzende und möchte nun den Nachwuchs anlernen.

Etwas enttäuscht ist Konstantin Andreas Pott (Liberale Hochschulgruppe), denn die LHG hat zwar im derzeitigen Stura noch vier Sitze, aber ab Herbst nur noch einen. Er selbst steht noch dazu mit 117 Stimmen auf dem dritten Platz des Wahlvorschlags, ist sich aber einigermaßen sicher, dass die derzeitigen Kommilitonen auf den vorderen Plätzen den Weg für ihn freimachen. Es gab »interne Absprachen«, darüber seien sich »die Kandidaten bewusst«. Man stelle sich außerdem nur auf, um Stimmen zu sammeln, aber er wisse, dass seien alles »keine Garantien« für ihn. Falls es aber klappen sollte, will er sich für mehr Anträge einsetzen, »viel mehr öffentlich machen« und spricht von mehr Transparenz. Zur Wahlpräsentation meint er noch, dass er es letztes Jahr besser fand, weil die Ergebnisse im Dancefloor der Drushba präsentiert wurden.

Während viele über die Wahlparty sprechen, in Grüppchen zusammensitzen oder längst das Tanzbein schwingen, sitzt Klara Stock (Offene Linke Liste) mit einer Kollegin zusammen an der Kasse. Sie sammeln Eintrittsgelder ein, kontrollieren die Bändchen und verteilen Stempel. Auch Klara freut sich über die erneute Wahl. Sie würde gerne wieder mit Imke Maß (Die LISTE) die Sitzungsleitung übernehmen. »Ich brauche das Geld«, sagt sie lachend und wird dann aber sehr ernst: »Wir arbeiten sehr, sehr gut zusammen, ergänzen uns perfekt und sind ein gutes Team.« Nun muss sie aber weiterarbeiten und kassiert von Ludwig, Student der Agrarwissenschaften, den Eintritt. Er hat nicht kandidiert, interessiert sich aber für die Wahlergebnisse und will »Party machen.« Wählen gehen findet er generell wichtig und hat auch viel mobil gemacht, da »neue fragliche demokratische Parteien angetreten sind«. Aber er erzählt auch, dass er einige Kandidaten kennt und hofft, dass »Cedric Fehseke (OLLi) gewählt wurde«.

Unter den Partygängern ist auch Mia Stenzel mit dabei. Mia hat es mit der »Liste der Schwermetalle – für Metal und Naturwissenschaften« in den Stura geschafft und will sich für eine buntere Uni und mehr Heavy Metal einsetzen. Im Gespräch stellt Mia vermehrt klar, »wie traurig es ist, dass so wenig Biologen wählen gehen«. Es waren von 612 Wahlberechtigten, letzten Endes nur 69 Studierende wählen. Für Mias Arbeit im Stura lauten die neuen Ziele: Die Bibliothek am Heidecampus soll wenigstens bis 22 Uhr offen haben und man muss die Spinde in den Bibliotheken modernisieren, die ausschließlich zwei Euros annehmen. Wenn nächstes Jahr wieder Wahlen sind, will Mia noch mehr Biologen zum Wählen mobilisieren: »30 Prozent Phil. Fak. 1, 15 Prozent FSR Biologie und es ist egal, ob ich gewählt werde oder nicht. Hauptsache es wählen noch mehr.«

Fotos: Johanna Sommer

Nicht nur Mia, sondern auch andere Studierende werfen noch einen Blick auf die Wahlbeteiligung. Die schlechteste Beteiligung mit 9,96 Prozent hat der FSR Wirtschaftswissenschaften und die Beste der FSR Biochemie mit 33,25 Prozent. Die Wahlbeteiligung wird auch für den Stura bekanntgegeben. Auch hier haben die Wirtschaftswissenschaften mit 9,89 Prozent die niedrigste Wahlbeteiligung. Den zweiten Platz teilen sich die Juristische Fakultät (20,4%) und die Naturwissenschaftliche Fakultät 1 (20,42%). Die beste Wahlbeteiligung hat das Studienkolleg mit 33,17 Prozent.

Die Gespräche gehen weiter, die Tanzfläche füllt sich und die DJs Le Bauski und Xany$osa versuchen ihr Bestes. Die Studierenden tanzen und singen – die alten und neuen Sturamitglieder feiern. Nun ruht erstmal der Wahlkampf, bis zum nächsten Jahr.

  • Weitere Informationen und die vorläufigen Wahlergebnisse gibt es hier

Über Johanna Sommer

Sie ist direkt, ehrlich, neugierig, perfektionistisch, willensstark, satirisch, emotional, wissensdurstig und ab und zu verfällt sie in Panik. Momentan unterstützt sie die hastuzeit als Freiwillige Mitarbeiterin.

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Erstellt: 18.05. 2018 | Bearbeitet: 05.07. 2018 18:25