Jan 2018 hastuPAUSE Online 0

Theater mal anders

„Hugs and Kisses xoxo“, so heißt das in Halle aufgeführte Theaterstück des hier ansässigen Regisseurs Christian Heß. Wir haben der Uraufführung im Hühnermanhattan einen Besuch abgestattet und wollen unsere Eindrücke mit euch teilen. Ein Interview mit dem Regisseur findet ihr online und in der neusten Ausgabe der hastuzeit.

Fotos: Felix Schickel

Ein regnerischer Tag. Ein auf den ersten Blick verlassen wirkendes Gehöft. Drei Mädchen voller Neugierde auf das gleich stattfindende Spektakel. Der kalte Wind hat unsere Wangen bereits gerötet und zitternd sind wir auf der Suche nach dem Eingang zum Bootshaus des Hühnermanhattan.

Kalt. Dunkel. Grau. Endlich biegen wir um die Ecke und der aus abblätternden Lettern bestehende Schriftzug »Bootshaus« sticht uns ins Auge. Schnellen Schrittes tragen unsere durchgefrorenen Füße uns in das Innere der ehemaligen Scheune. An einem provisorischen Einlass lächelt uns ein bekanntes Gesicht entgegen – Christian Heß, Regisseur und Autor des bevorstehenden Theaterstückes ist bereits dabei, die Eintrittskarten an den Mann zu bringen. Wir bekommen einen Stempel auf das Handgelenk gedrückt und in freudiger Erwartung betreten wir durch einen roten Samtvorhang einen weiteren Raum.

Ein Schwall warmer Luft. Erleichterung. Der Geruch nach Heu. Wir schauen uns in der umfunktionierten Scheune um und nehmen auf drei der zahlreichen alten Stühle Platz. Diese sind mit Kissen und Polstern bedeckt und laden zum Niederlassen ein. Wir schauen nun direkt auf die vor uns liegende Bühne, die schlicht gestaltet ist. Ein Haufen Konfetti, umgekippte Alkoholflaschen, eine olivgrüne Couch. All dies fügt sich zu einem stimmigen Gesamtbild mit gemütlicher Atmosphäre zusammen. Mit übereinander geschlagenen Beinen warten wir darauf, dass das Stück beginnt. Der Raum füllt sich langsam und der Beginn des Stücks wird durch den Song »Bitte oszillieren Sie« von Tocotronic eingeläutet. Unvermittelt finden wir uns inmitten verschiedenster Situationen wieder, die sich allesamt um Liebe, Lust und Leidenschaft drehen.

Heitere Musik. Wilder Tanz. Feurige Emotionen. Auf der Bühne herrscht fliegender Wechsel, die vier Darstellenden schlüpfen in immer neue Rollen und tauschen auch gerne mal ihre Geschlechter. All dies geschieht unter dem Einsatz ausgefallener Kostümierungen – passend zu dem provisorischen Charme geschieht das Umziehen hinter einer Garderobenstange, direkt neben der Bühne.

Selbst die Darstellenden können sich während ihrer skurrilen Dialoge sowie während der melancholischen Monologe ein gelegentliches Lachen ob der Situationskomik nicht verkneifen. Es gibt beachtlich lange, frei vorgetragene Textpassagen, die viel Gefühl transportieren. Kleine Texthänger tun dem Ganzen keinen Abbruch, sondern verstärken die Sympathien für die Darstellenden zusätzlich.

Starke Melancholie. Gespanntes Schweigen. Schallendes Gelächter. Im Raum herrscht eine gefühlsgeladene Atmosphäre. Durch die überspitze Darstellung auf der Bühne werden dem Publikum schamlos auch die eigenen Fehler vor Augen geführt oder selbige sogar geöffnet. Auch wir kommen nicht umhin, uns mit der einen oder anderen Person zu identifizieren. Wie im Fluge vergeht die Zeit und auf einmal finden wir uns inmitten des tosenden Applauses und somit auch in der Realität wieder.

Auch auf unserem Heimweg und noch weit darüber hinaus behalten wir dieses Theaterstück im Kopf, hat es uns alle doch sehr zum Nachdenken angeregt – dass dieses Theaterstück einige der Zuschauer sogar zum Handeln in Sachen Liebe animiert hat, ist durchaus denkbar.

  • Das Interview mit dem Regisseur des Stücks findet Ihr hier.

Über Pauline Bier

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Erstellt: 05.01. 2018 | Bearbeitet: 05.01. 2018 20:09