Jul 2018 hastuINTERESSE Heft Nr. 79 0

SOS – Helft den Bienen!

Sie sind klein, sie summen, und sie produzieren das flüssige Gold. Schon unsere Vorfahren haben sich die Bienen zu Nutze gemacht und den Honig in luftiger Höhe aus Felsspalten geerntet. Unser gemeinsamer Weg ist lang. Doch nun scheint er in Gefahr zu sein, denn die Bienen werden zunehmend weniger. Woran liegt das, und wie können wir helfen?

Honigbiene
Foto: Anne Ost

Es ist kein Geheimnis, dass die Zahl der Insekten in Deutschland in den letzten Jahrzehnten rapide gesunken ist. Der Entomologische Verein Krefeld hat in einer Langzeitstudie nachgewiesen, dass innerhalb von 27 Jahren über 75 Prozent der Fluginsekten verlorengegangen sind. Insbesondere über das Bienensterben und die damit verbundenen Konsequenzen für uns Menschen gab es in den vergangenen Jahren vermehrt Meldungen. Immerhin sind 80 Prozent unserer heimischen Pflanzenarten auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen, und gerade die Bienen spielen dabei eine große Rolle. Es gibt jedoch nicht die eine Biene. In erster Linie muss zwischen den Honigbienen, welche von Imkern und Imkerinnen gehalten werden, und den Wildbienen unterschieden werden. Tatsächlich sind es die Wildbienen, von denen etwa die Hälfte der rund 550 in Deutschland lebenden Arten auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten steht. Der Bienenexperte Professor Dr. Robert Paxton von der MLU spricht von einem Artenverlust um die 15 Prozent in den letzten 25 Jahren allein in Sachsen-Anhalt.

Warum sind die Bienen gefährdet?

Für die Honigbienen stellt vor allem die Varroa-Milbe ein großes Problem dar. Sie ist ein Brutparasit, der aus Asien eingeschleppt wurde. Der Schädling überträgt unterschiedliche Viren auf die Bienen und verursacht dadurch eine Schwächung des gesamten Bienenstocks.

Blattschneiderbiene
Foto: Anne Ost

Eine weitere Gefahrenquelle sehen Forscher und Forscherinnen im Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Jedoch sind es vor allem Hummeln und andere Wildbienenarten, die stark durch Pestizide beeinträchtigt werden. Honigbienen sind in diesem Fall weniger betroffen. Ein Problem, das sowohl Honigbienen als auch Wildbienen betrifft, ist das sich verkleinernde Nahrungsangebot. Durch die Unterversorgung erhöht sich die Anfälligkeit für Krankheiten, und im schlimmsten Fall wird dann das Brüten komplett eingestellt. Hier sieht Professor Dr. Paxton die Landwirtschaft in der Pflicht: »Es muss ökologischer gedacht und wieder darauf geachtet werden, dass Blumenstreifen an den Feldrändern gelassen werden.« Allgemein sei ein flächendeckender Ökolandbau zu bevorzugen. Ein Experiment mit Wildpflanzen habe gezeigt, dass die Lebensbedingungen für Bienen in der Stadt mittlerweile besser als auf dem Land zu sein scheinen. Bei dem Experiment wurden die Pflanzen für jeweils fünf Tage an verschiedenen Orten innerhalb und außerhalb von Halle belassen. Das Ergebnis zeigte, dass außerhalb von Halle nur 20 Prozent der Pflanzen bestäubt wurden – innerhalb Halles waren es 80 Prozent.

Hummeln sind die wohl bekanntesten Wildbienen und gehören, neben ein paar anderen Arten, zu den staatenbildenden Bienen, der Rest lebt solitär. Inga Wulf schreibt in ihrem Buch »Rettet die Bienen«, dass drei wichtige Bedingungen erfüllt werden müssen, damit die Bienen ihre Art erhalten können: Sie alle benötigen als Lebensgrundlage Nahrung, einen Nistplatz und Baumaterial für das Nest. Diese Voraussetzungen müssen möglichst an einem Ort zu finden sein oder sollten wenigstens nah beieinanderliegen. Vor allem spezialisierte Arten, die nur bestimmte Pflanzen als Nahrungsgrundlage nutzen oder besondere Bedingungen an ihren Nistplatz stellen, haben es zunehmend schwerer, einen geeigneten Lebensraum zu finden. Insbesondere für im Boden nistende Wildbienen stellen versiegelte Flächen und eine ständige Bearbeitung der Böden ein großes Problem dar. Da solitär lebende Arten ihre Brut allein versorgen, brauchen sie nah gelegene Futterquellen. Je weiter diese vom Nest entfernt sind, desto länger dauert es, bis eine Brutzelle mit Nahrung versorgt ist und verschlossen werden kann. Das daraus resultierende erhöhte Risiko für einen Parasitenbefall stellt dabei besonders für Wildbienen mit wenig Nachkommen ein Problem dar.

Hummel
Foto: Anne Ost

Wie können wir helfen?

Ein erster Schritt ist die Kontrolle des eigenen Konsumverhaltens: Wo kommen die gekauften Lebensmittel her, und unter welchen Bedingungen sind sie gewachsen oder wurden sie hergestellt? Lebensmittel, die regional produziert und saisonal angeboten werden, sollten bevorzugt eingekauft werden. Dadurch werden nicht nur die örtlichen Landwirte unterstützt, sondern auch eine ökologische Landwirtschaft gefördert. Es ist nicht ratsam, alles zu kaufen, was den Aufdruck »Bio« trägt. Auch hier sollte man genau hinschauen, wo die Produkte herkommen und woher die verwendeten Rohstoffe stammen. Das Thema Bio-Produkte sieht die Bienenhalterin Bianca Richter gespalten: »Wichtig ist, dass eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft eine bäuerliche Landwirtschaft mit kleinteiligen Strukturen ist.« Die Äpfel als ganze Stiege im Hofladen kaufen, das sei die Devise. Und wenn man »Bio« kauft, dann lieber in Kleinbioläden und nicht in den Bio-Supermärkten. Auch auf dem Bioabendmarkt lohnt es sich, nach regionalen VerkäuferInnen zu suchen. Er findet von Februar bis November immer am ersten Donnerstag im Monat auf dem Hallmarkt statt. Wenn es doch auch mal Fleisch sein soll, ist die Biofleischerei in der Georgstraße einen Versuch wert. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Biokisten-Abo, bei dem wöchentlich regionale und saisonale Produkte nach Hause geliefert werden.

Auch der eigene Garten oder der Balkon bieten Möglichkeiten, um den Bienen und anderen Insekten zu helfen. Bianca Richter möchte, dass die Menschen von den »ordentlichen« Zierpflanzengärten wegkommen und wieder mehr »Wildnis« auf Grünflächen und im Garten tolerieren. »Auf jeden Fall die Brennnesseln im Garten stehen lassen und Wildkräuter auch mal zulassen.« So seien Steinklee, Wiesen-Storchschnabel, Margerite und Ochsenzunge beliebte Nahrungsquellen. Für den Balkon bieten sich vor allem Kräuter wie Lavendel, Salbei und Thymian an. ObstliebhaberInnen machen auch den Bienen eine große Freude, wenn sie Obstbäume und -sträucher im Garten oder im Kleinformat auf dem Balkon anpflanzen. Besonders Himbeere, Brombeere, Apfel und Kirsche bieten ein üppiges Angebot an Pollen und Nektar. Auch andere Bäume wie die Linde und die Robinie werden gerne angeflogen. Rankpflanzen wie die Waldrebe und der Efeu liefern bis in den September und Oktober hinein reichlich Nahrung. Weitere Pflanzenvorschläge für einen Bienengerechten Garten bietet die Internetseite die-honigmacher.de. »Man muss aber auch in großen Dimensionen für die ganze Stadt denken und dem Grünflächenamt immer mal wieder auf die Füße treten, dass der Park nicht komplett gemäht wird«, sagt Bianca Richter. Auch könne es nicht schaden, wenn neue Freiflächen in der Stadt nicht nur mit Rasen, sondern auch mit Obststräuchern bepflanzt werden.

Langhornbiene
Foto: Anne Ost

Wer dann doch selbst BienenhalterIn werden möchte, findet im Internet mit Seiten wie bienenkiste.de oder bienenbox.de eine erste Anlaufstelle. Allerdings sollte es dabei nicht bleiben: »Was mir fehlt, ist die langjährige Erfahrung der Alt­imker«, so Bianca Richter. Den Aspekt des ungeteilten Brutraumes findet sie am Format der Bienenkistenhaltung nicht schlecht. Es werden keine künstlichen Trennwände eingesetzt und somit eine natürliche Brutpflege ermöglicht. Das große Problem dieser Haltungsform sieht sie jedoch in der nicht gut kontrollierbaren Schwarmkontrolle. Wenn der Platz im Nest für das Volk zu klein wird, teilt sich der Staat. Obwohl dieser Vorgang die natürliche Vermehrung der Bienen ist, stellt er gerade in engbesiedelten Räumen ein Problem dar. Wenn der neue Schwarm nicht eingefangen wird, kann es passieren, dass er in Schornsteine, Dachböden oder andere Zwischenräume einzieht, wo Bienen nicht nisten sollen. Sie müssen dann unter großem Aufwand gerettet oder auch vernichtet werden. »Und das ist doch nicht Sinn und Zweck der Sache«, meint Bianca Richter. Sie empfiehlt in der Praxis, zusammen mit Alt­imkerInnen zu lernen. Dabei wird dem Imker oder der Imkerin erst einmal über die Schulter geschaut. Das hilft dabei, selbst einzuschätzen, ob die Bienenhaltung das Richtige für einen ist. Immerhin kann ein Honigbienenschwarm aus bis zu mehreren 10 000 Tieren bestehen. Der eine oder andere Stich lässt sich dabei nicht verhindern. Diese und andere Erfahrungen können aber nur in der Praxis gesammelt werden. Aus diesem Grund bietet Bianca Richter immer im Frühjahr und im Herbst einen Kurs für Anfänger an. Begonnen wird mit dem Herbstkurs, dadurch besteht die Möglichkeit, sich über die Winterzeit einen Imkerpaten oder eine Imkerpatin zu suchen und sich theoretisches Wissen anzueignen. Danach wird der Pate oder die Patin für eine Saison begleitet. Sich selbst Zeit zum Lernen lassen, das ist wichtig. Wie vor jeder anderen Tieranschaffung ist es notwendig, sich seiner Verantwortung bewusst zu sein: »Ein Tier hat seine eigenen Bedürfnisse, und ich muss mich darum kümmern«, so Richter.

Für Wildbienen sind Insektenhotels eine große Hilfe. Hier finden sie gute Bedingungen, um ihre Larven aufzuziehen. Beim Bau müssen aber einige Dinge beachtet werden, sonst nützen diese Nisthilfen den Tieren nicht und können ihnen sogar schaden. Die richtige Bauweise sowie die Verwendung geeigneter Materialien sind die Grundvorausetzungen. Der NABU hat dazu einige Tipps zusammengefasst: Es sollten keine Glasröhren verwendet werden; bei Holz ist es wichtig, dass dieses bereits abgelagert und nicht frisch ist. Niströhren dürfen nicht zu kurz sein, da sonst die Eiablage gestört werden kann. Auch der Standort des fertigen Insektenhotels ist wichtig. Ein sonniger, aber gleichzeitig regen- und windgeschützter Ort ist ideal. Die Nisthilfe muss fest angebracht werden und sollte etwas erhöht sein, damit die Tiere eine freie Flugbahn haben. Der Standort darf nach dem Anbringen nicht mehr gewechselt werden, da die Larvenentwicklung bis zu einem Jahr dauern kann und nicht gestört werden darf. Eine Bauanleitung und anderes Wissenswertes zum Thema bietet beispielsweise der NABU auf seiner Internetseite unter der Rubrik »Tiere & Pflanzen«.

Insektenhotel
Foto: Anne Ost

Alle sind gefragt

Die Natur und ihre Lebewesen werden von jedem Menschen auf die eine oder andere Art und Weise beeinflusst.

Wie dieser Einfluss aussieht, liegt in unseren eigenen Händen. Man muss nicht ImkerIn werden oder Insektenhotels bauen. Oft reicht es schon, wenn man sich seiner selbst mehr bewusst wird und die eigenen Handlungen aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Schon allein das eigene Kaufverhalten zu ändern und Lebensmittel vermehrt von regionalen AnbieterInnen zu erwerben, leistet einen vielleicht kleinen, aber wichtigen Beitrag zur Erhaltung unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt.

Letztlich ist es der Mensch, der darüber entscheidet, ob der gemeinsame Weg mit den Bienen irgendwann endet oder weitergeht.

Über Anne Ost

Erstellt: 05.07. 2018 | Bearbeitet: 05.07. 2018 18:22