Jul 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 79 0

Peißnitz kann jeder

Wir alle kennen es: 30 Grad im Schatten, man kommt verschwitzt aus der Uni, und die Freunde fragen, was man heute machen will. Grillen auf der Ziegelwiese scheint, gemessen an den Menschenmassen, die dort bei Sonnenschein vorzufinden sind, die häufigste Antwort zu sein. Doch gibt es durchaus noch andere Plätze, die entweder unbekannt sind oder von den hitzegeplagten Studierenden unterschätzt werden. Hier eine Auswahl.

Heidesee
Foto: Bastian Raabe

Schon direkt im Stadtgebiet kann man so einiges entdecken: Möchte man zum Beispiel einmal von einer anderen Perspektive das Gedränge unten am Saale­ufer beobachten, eignet sich der Heine-Park über den steilen Felswänden. Dort kann man auf der großen Wiese zwischen alten Bäumen Frisbee spielen, Yoga üben oder von den terrassenartigen Aussparungen die Aussicht genießen. Mit der Straßenbahnhaltestelle Volkspark gibt es sogar eine gute Verkehrsanbindung. Wer mehr Lust auf Spaziergänge hat, kann hinter der Burg Giebichenstein die Treppen der Klausberge erklimmen, deren rötliches Rhyo­lith-Gestein eine interessante Felsenlandschaft am Flussufer bildet. Gegenüber liegt außerdem der Ochsen­berg, von dem aus man nahezu die gesamte Stadt überblicken und wunderbar zu zweit der Sonne beim Untergehen zusehen kann, denn hier ist es, abseits der Innenstadt, oft herrlich ruhig. Ebenso trifft man in der Dölauer Heide nur selten auf andere Studierende. Dabei ist es in dem dichten, schattenspendenden Mischwald gerade im Sommer angenehm kühl. Sowohl zu Fuß als auch mit dem Rad ist sie einen Abstecher wert, denn es gibt viele befestigte, aber auch verschlungene Wege, und das Gelände ist sehr weitläufig. Mittendrin steht der Kolkturmberg, der nach dem auf ihm errichteten Kolkturm benannt ist. Von der Aussichtsplattform auf Höhe der Baumwipfel kann man nicht nur die Stadt, sondern auch fast das ganze Waldgebiet und das Umland überblicken. Dort lässt es sich zudem hervorragend picknicken. Vom Uniklinikum oder dem Heidecampus aus ist man in wenigen Minuten am Rand der Heide angekommen. Nun aber zu den zwei großen Seen in Halle, denn wenn es wirklich heiß ist, hilft oft nur noch eine Erfrischung im Wasser.

Hufeisensee – Wasserski gefällig?

Der Hufeisensee am östlichen Stadtrand ist Halles größter und vermutlich auch bekanntester See. Tatsächlich ist er jedoch nicht offiziell für den Badebetrieb freigegeben (im Wasser sind Giftstoffkonzentrationen gemessen worden, welche die sehr strengen Trinkwasser-Grenzwerte überschreiten). Das hält allerdings kaum jemanden davon ab, dort schwimmen zu gehen. Der ehemalige Tagebau wird heute, abgesehen vom westlichen Teil, von vielen Bäumen umringt, und entlang des Ufers hat sich ein dichter Schilfgürtel gebildet, der gelegentlich von kleinen Einstiegsstellen unterbrochen wird. So gibt es weniger zusammenhängende Strände als vielmehr abgeschottete Lichtungen, auf denen die Badegäste liegen. Im Wasser muss man jedoch bisweilen vorsichtig sein, da an manchen Stellen im flachen Bereich Metallstangen und -bleche im Grund stecken. Daher sollte beim Betreten zuerst vorsichtig geschaut werden, ob Verletzungsgefahr besteht.

Wer deshalb lieber nicht das kühle Nass aufsucht, kann hier trotzdem wunderbar entspannen, grillen oder selbst in der Sonne brutzeln. Vorausgesetzt, man findet noch eine freie Stelle, denn die sind begehrt, und bei gutem Wetter wird es schnell voll. Dann gilt: Der frühe Vogel fängt … man kennt ja diesen bei Studierenden beliebten Spruch. Wenn man nach Action sucht und bereit ist, mit voller Wucht ins Wasser zu klatschen, kann man das Angebot vom WSC Hufeisensee Halle e. V. nutzen und Wasser­ski ausprobieren. Mit der Tram fährt man bis zur Alfred-Schneider-Straße und geht dann etwa 500 Meter bis zum Ufer. Da man jedoch wahrscheinlich nicht sofort einen Platz findet, sollten noch einmal etwa 15 Minuten eingeplant werden – je nachdem, wie kontaktfreudig man ist.

Heidesee
Foto: Bastian Raabe

Heidesee – Natur (fast) pur

Auf der anderen Seite der Stadt, am Rand der eingangs erwähnten Heide und definitiv ein weiterer Grund, ihr einen Besuch abzustatten, liegt der kleinere Heidesee, mit dem – man kann es sich vielleicht schon denken – Heidebad. Wem es am Huf­eisensee zu unsicher ist, der kann hier seinem Vergnügen nachgehen, Baden ist offiziell erlaubt. Wenn man bereit ist, eine Gebühr von 3 Euro (für Studierende) zu bezahlen, erhält man Eintritt zu dem künstlich angelegten Sandstrand. An anderen Stellen des Sees ist Baden auch ohne Entrichtung einer Gebühr möglich, dort ist es dann auch etwas ruhiger, und zwischen Bäumen und Schilf findet sich etwas mehr Schatten als auf dem großen Strand; es kann trotzdem schwierig werden, einen Platz für sich alleine zu bekommen. Das Gewässer ist im nördlichen Zipfel, abgesehen von ein paar Holzstegen, weitestgehend naturbelassen, und zwischen den Seerosen schlängelt sich gelegentlich eine Ringelnatter hindurch. Die nächstgelegene Straßenbahnhaltestelle ist die Soltauer Straße, von der es dann noch ein paar hundert Meter zu Fuß weiter geht. Es gibt allerdings auch schöne Radwege, und der S-Bahnhof Halle-Nietleben ist in wenigen Minuten erreichbar. Möchte man sich noch etwas auspowern, bevor man ins Wasser hüpft, kann man auch im direkt angrenzenden Kletterwald sein Können oder Nichtkönnen unter Beweis stellen.

Süßer See – hier wächst was Süßes auf den Bäumen

Lebt man schon länger in Halle und kennt vielleicht schon alles zuvor Genannte, dann heißt es eben ab aufs Rad und los. Der Süße See liegt knapp 20 Kilometer westlich von Halle im Seegebiet Mansfelder Land. Er ist etwa dreimal so groß wie der Hufeisensee. Die direkt am Wasser gelegene Gemeinde Seeburg, mit dem oberhalb liegenden Renaissanceschloss und einer recht langen Uferpromenade zu Füßen des Galgenbergs, ist wunderbar idyllisch. Es gibt mehrere Restaurants, mitunter übers Wasser gebaut, einen Imbiss, einige Eiscafés und einen Zeltplatz, sollte man zum Beispiel übers Wochenende bleiben wollen. Ein großer Strand ist zwar nicht vorhanden, dafür aber mehrere Wiesen mit Kies etwas außerhalb des Ortes. Boote kann man sich hier auch ausleihen, was sich bei dem großen See lohnt. Der nächste Bahnhof liegt im einige Kilometer entfernten Röblingen am See, jedoch gilt das Semesterticket nur bis Teutschenthal. Sowieso deutlich empfehlenswerter ist eine Radtour, beginnend durch die Heide, vorbei an den Muschelkalk­hängen der Nietleber-Bennstedter Mulde und durch das Salzatal, in dem der kleine sogenannte Salzige See liegt, ein sehr schönes Naturreservat. Der Name kommt von dem Salzabbau, der in der Region zum Teil immer noch betrieben wird. Ob die Namensgebung auch auf den Geschmack des Seewassers der beiden Seen zurückzuführen ist, muss man, sollte es einen interessieren, selbst ausprobieren. Der Weg zum Süßen See folgt ab da der Salza, einem kleinen Fluss, und ist zwischen Langenbogen und Rollsdorf von beeindruckenden Weinhängen gesäumt; man fühlt sich ein bisschen wie in Italien. Viele Winzer bieten ihren Wein übrigens in eigenen, kleinen Weinstuben an, es lohnt also wirklich, den Weg auf sich zu nehmen. Darüber hinaus wird auch viel anderes Obst, wie Äpfel und Kirschen, welche unter anderem in Halle zum Verkauf angeboten werden, in der Region angebaut.

Süßer See
Foto: Bastian Raabe

Leipziger Neuseenland – lange Sandstrände

Das Leipziger Neuseenland besteht aus einem guten Dutzend, verglichen mit den halleschen Bademöglichkeiten, großen Seen in und um Leipzig, welche durch die Flutung ehemaliger Tagebaurestlöcher entstanden. Um den Tourismus in der Region zu stärken, wird viel Geld in die Förderung der Infra­struktur gesteckt, wodurch die meisten dieser Seen gut zu erreichen sind und über ein ausgedehntes Netz aus Fahrradwegen verfügen. In fast allen ist das Baden erlaubt, und vielerorts gibt es ein breites Angebot an Freizeitaktivitäten und Gastronomie. Die bekanntesten Seen dürften der Cospudener und der Markkleeberger See sein, welche wohl auch am besten erschlossen und erreichbar sind. Ersterer hat einen Hafen mit Seeterrasse und viele verschiedene Bademöglichkeiten, sowohl mit Stränden als auch eher versteckten Plätzen. Außerdem liegt der Freizeitpark Belantis in unmittelbarer Nähe. Der Markkleeberger See bietet einen einzigartigen Kanupark, auf dessen künstlichen Stromschnellen beispielsweise Wildwasser-Rafting in Gruppen betrieben werden kann. Zudem gibt es auch hier einen Kletterpark. Um zu den Seen zu kommen, fährt man mit der S-Bahn von Halle aus und ohne umzusteigen entweder bis Markkleeberg-Großstädteln (S5X hält hier für gewöhnlich nicht!) oder Markkleeberg und ab da dann jeweils mit Tram, Bus oder Fahrrad weiter.

Ein anderer See des Leipziger Neuseenlands ist der erst seit einigen Jahren erschlossene Schladitzer See, benannt nach der dem Braunkohle-Abbau zum Opfer gefallenen Gemeinde Schladitz. Man erreicht ihn, wenn man mit der S5 oder S5X bis Leipzig Messe fährt und dann in die S2 Richtung Delitzsch (Gleis 2) umsteigt. Nach dem Ausstieg in Rackwitz wird dann noch drei Kilometer mit dem Rad gefahren. Im Ort gibt es übrigens eine preiswerte Eisdiele, wo man auch extra tiefgefrorenes Softeis zum Mitnehmen erhält. Am See ist das Eis dann nämlich, wie üblich, teurer. Angekommen, gibt es eine Bucht mit großem Sandstrand (in der Hochsaison wird hier eine Gebühr erhoben), einen Wasserparcours, einen großen Beachvolleyballplatz mit feinem Sand, mehrere große Grillstellen und einen Zeltplatz. Das Wassersport-Angebot ist breit gefächert, man kann windsurfen, mit SUP (große Surfbretter zum Paddeln im Stehen) oder Kajaks paddeln und segeln. Auch ein Standort zum Tauchen wurde eingerichtet. Das Restaurant Levante bietet Seeblick, die Preise sind dementsprechend hoch. Softeis und Snacks gibt es hier ebenfalls. Dazu kommt eine Strandbar mit allerlei Kaltgetränken. Neben dem Strand gibt es an den anderen Seiten des Sees noch zwei weitere Badestellen, auch mit Sand, aber kostenlos. Baden am nur spärlich mit Schilf bewachsenen Ufer ist ansonsten überall möglich. Ein asphaltierter Radrundweg mit Anbindung zu weiteren Seen ist auch vorhanden. Insgesamt ist hier noch weniger los als an den Seen im Stadtgebiet Leipzigs, der Andrang wird allerdings von Jahr zu Jahr größer. Da auf einigen Seen mitunter reger Betrieb herrscht, sollte man immer die Augen offen halten und beim Schwimmen dem Wassersportbereich nicht zu nahe kommen.

Halle und seine Umgebung bieten sehr viel mehr, als der erste Blick es vermuten lässt. Auch wenn man bis jetzt nur auf die Peißnitz mitgeschleppt wurde, ist sie längst nicht alles. Grillen kann man auch woander. Ein paar Monate bleibt es noch warm, also auf geht«s, und vielleicht finden sich sogar noch ganz neue Ecken.

Schladitzer See
Foto: Bastian Raabe

Über Bastian Raabe

Erstellt: 05.07. 2018 | Bearbeitet: 05.07. 2018 17:46