Jan 2018 hastuUNI Heft Nr. 76 0

Die Gesichter des Stura

Mimi Fischer kommt aus Schwerin und absolvierte ihren Bachelor in vier Semestern. Nun macht sie an der MLU ihren Master und findet sich jeden zweiten Montag in der Sturasitzung ein, obwohl sie kein Stimmrecht besitzt. Denn Mimi ist Referentin für Hochschulsport und Gesundheit.

Foto: Jonas Leonhardt

Wie lange bist du schon im Stura?
Seit Oktober 2016. Lustigerweise war mein erster Tag in Halle auch mein erster Tag im Stura.

Wie geht das denn?
Ich war vorher in Rostock schon Kultur- und Sportreferentin, und ich habe mir überlegt, wie ich mein Leben finanziere. Dass es hier nur ein paar Euro für den Posten gibt, hatte mich nicht abgeschreckt. Denn der Stura ist auch ein super Anlaufpunkt für den Anschluss in der Studierendenschaft, außerdem war es das Sportreferat. Mein erster Tag war ein Montag, da war direkt Sturasitzung.

War das Referat hart umkämpft?
Die Woche davor war die Ersti-Einführung, und da wurde viel Werbung für das Sportreferat betrieben. Es war schon länger vakant und in der Vergangenheit nicht unbedingt gut besetzt, also waren dann noch fünf weitere Erstis da. Es tat mir auch ein bisschen leid, weil sie sich für jemanden entschieden haben, der schon in dem Bereich gearbeitet hat. Aber einige von denen arbeiten jetzt auch in Arbeitskreisen.

Was machst du als Sportreferentin?
Das ist ganz unterschiedlich. Zum einen bin ich die Schnittstelle zwischen dem Uni-Sportzentrum und der Studierendenschaft. Zum anderen auch mit dem Studierendenwerk zum Thema Mensa, wobei der Sport aber im Vordergrund steht. Außerdem bin ich Ansprechpartner für alle, insbesondere für Studis, wenn es darum geht, Dinge gefördert zu bekommen. Das gilt vor allem im Bereich des Wettkampfsports. Das Hauptthema sind die allgemeinen Hochschulsportmeisterschaften, da das Unisportzentrum dort nur die Teilnahmegebühren sponsern kann, jedoch können auch hohe Reisekosten entstehen, und diese versuchen wir aus den Mitteln des Sturas mitzufinanzieren.

Was kannst du zur Haushaltsdebatte sagen?
Ich bekomme im Sportbereich 50 Cent pro Student und Semester, das sind knapp 9000 Euro im Jahr, und dadurch, dass das Amt lange vakant war, haben wir noch Rücklagen von 10 000 Euro, die jetzt sukzessive aufgebraucht werden. Der Sportbereich ist im Vergleich mit anderen Hochschulen unterfinanziert, die bis zu 1,50 Euro nehmen. Ich finde es aber super, dass ich einen festen Beitrag habe, mit dem ich planen kann. Ich glaube, eine Erhöhung ist da zwingend notwendig, damit den Studis auch viel geboten werden kann.

Wofür soll das Geld eingesetzt werden?
Jeder, der will, sollte die Möglichkeit haben, an einer DHM (Deutsche Hochschulmeisterschaft, Anm. d. Red.) teilzunehmen. Aber auch andere Sportveranstaltungen, die nicht vom Unisportzentrum gefördert werden.

Wie viele Studenten wurden denn bisher gefördert?
In diesem Jahr haben wir 20 Studis zur DHM geschickt. Es hat in den letzten Jahren abgenommen, das liegt hauptsächlich daran, dass das Unisportzentrum sich fragt: »Wollt ihr da hinfahren, wenn ihr Letzter werdet?«

Ist Halle denn kein guter Sportstandort?
Tatsächlich nicht, das muss man leider so sagen. Man sieht auch ein ganz starkes Gefälle zwischen Ost und West. Münster hat zum Beispiel von der Studierendenschaft 140 000 Euro zur Verfügung.

Was hältst du vom Stura?
Ich glaube, der Stura ist dieses Jahr diskussionsfreudiger, finde es aber schade, dass es auf einer politischen Meinung basiert. Ich weiß, dass der Großteil über politische Listen eingezogen ist, ich selbst habe ja auch für die OLLi kandidiert. Ich habe aber das Gefühl, die politische Haftung steht immer mehr im Vordergrund, und es werden Entscheidungen nicht im Sinne der Studierenden, sondern aufgrund persönlicher Präferenzen getroffen. Wir sollten uns auch nicht gegenseitig auf Facebook bashen, sondern lieber unsere Energie bündeln und ein Projekt starten. Aber ich glaube, dass dies in jedem Studierendenrat existiert.

Was denkst du über die Enten- und Squatty-Potty-Diskussion?
Bei der Ente war ich nicht da, aber da hätte ich mich vermutlich auch eher zurückgehalten. Ich glaube, das ist auch eher so eine Spaßsache.
Bei dem Squatty Potty ist das anders. Den habe ich zusammen mit dem äußeren Referat aus einem Gesundheitsaspekt eingebracht. Für mich war es ein politisches Statement gegenüber der Uni, die ihren Pflichten im Gesundheitsbereich nicht genug nachgeht.

Emanuel sagte in der letzten Ausgabe: »Ich glaube nicht, dass wir reingekommen sind, weil wir die besten und geeignetsten sind, sondern weil sich zu wenige dafür interessieren.« Stimmst du ihm zu?
Ich glaube, der Maßstab der Besten und Geeignetsten kann hier nicht angelegt werden. Es sitzen diejenigen im Stura, die sich dafür interessieren.

Was sind die Gründe für das geringe Interesse der Studierenden an der Hochschulpolitik?
Jeder muss schauen, wo er bleibt und hinkommt. Ich studiere eben Politikwissenschaft und will in die Politik gehen, weil ich weiß, dass es in meinem Lebenslauf gut aussieht. Außerdem macht es mir Spaß. Viele müssen aber sehen, wie sie ihr Studium finanzieren und hinterherkommen. Dafür habe ich auch Verständnis.

Möchtest du unseren Lesern noch etwas mitteilen?
Meldet euch! Egal ob ihr euch über uns auskotzen wollt, ob ihr Ideen habt oder einfach nur quatschen wollt. Ihr bekommt von Elke auch immer ein Wasser und einen Kaffee. Einfach mal vorbeikommen, und egal welches Thema – einfach melden. Wir können nicht überall unsere Ohren haben, und vielleicht sind wir manchmal zu engstirnig, weil wir die Probleme nicht kennen.

Über Jonas Leonhardt

Jonas Leonhardt
Mensch, welcher lernt.

, , ,

Erstellt: 28.01. 2018 | Bearbeitet: 15.04. 2018 17:27