Apr 2018 hastuUNI Heft Nr. 77 0

Die Gesichter des Stura

Wilhelm Dargel ist 25 Jahre alt, hat im Wintersemester 2017/18 seine zweite Amtszeit im Stura angetreten und übernimmt dort das Amt des Sozialsprechers. Weiterhin ist sein Leben von einem abwechslungsreichen Studium sowie der Sorge um die Spezies »Aythya fuligula« geprägt.

Wilhelm und keine Aythya fuligula (Reiherente)
Foto: Jonas Leonhardt

Wer bist du?
Ich bin Wilhelm Dargel, ich komme ursprünglich aus Gannerwinkel, einem kleinen Dorf in der Lüneburger Heide, in der Nähe von Wolfsburg und Altmark. Ich studiere hier seit 2011, damals habe ich erfolgreich Philosophie abgebrochen. Seit 2012 studiere ich Wirtschaftswissenschaften und Psychologie, worin ich dieses Jahr meine Bachelorarbeit geschrieben habe. Vor 2 Jahren habe ich mich noch in Agrarwissenschaften eingeschrieben, was mir sehr viel Freude bereitet und wo ich im nächsten Jahr meinen Abschluss machen werde.

Wie kamst du auf diese Fächer?
Ich komme von einem kleinen Bauernhof und aus einem sehr landwirtschaftlich geprägten Umfeld. Ich studierte zuerst Wirtschaftswissenschaften und Psychologie, das war eigentlich nichts, wollte es aber dann auch nicht abbrechen. Dann war die Frage, wie es weitergeht, da bin ich zu meinen Ursprüngen zurückgekehrt und wollte sehen, ob mir das liegt. Also schrieb ich mich vor zwei Jahren dort ein, habe Freude, gute Noten und will in diesem Bereich auch zukünftig bleiben.

Warum bist du im Stura?
Zu Schulzeiten habe ich mich bereits engagiert, dann nahm ich eine Auszeit und habe viel Philosophiezeug gelesen. Dann wollte ich mich wieder der Politik zuwenden, um etwas zu unternehmen, also habe ich mich aufstellen lassen. Es hat mir gefallen, also habe ich mich wiederwählen lassen und auch als Sozialsprecher mehr Verantwortung übernommen. Dort sind wir für die sozialen Belange der Studierendenschaft tätig und vergeben das Sozialdarlehen an Studierende, die in finanzielle Not geraten sind. Wir können bis zu eintausend Euro zinsfrei vergeben.

Hast du ein Beispiel für das Sozialdarlehen?
Das klassische Anliegen ist Stress mit dem BAföG-Amt in vielerlei Hinsicht. Dann haben wir in letzter Zeit viele Studierende aus dem Jemen, dort herrscht ein Bürgerkrieg, dadurch erhalten die hergeschickten Studierenden kein Stipendium mehr. Das Darlehen verschafft dann ein paar Monate Freiraum.

Warum bist du in der OLLi?
Das ist ja eigentlich ganz einfach, man kandidiert dort, wo man seine Ideale und Wertvorstellungen am besten repräsentiert sieht.

Was sind die Kernpunkte der OLLi?
Wir sind konsequent gegen Kürzungen, wie etwa bei der Japanologie und der Musikpädagogik. Auch die klare Kante gegen Rechts sowie Chancengleichheit für alle Studierende sind uns sehr wichtig.

Bist du auch in einer Partei?
Ich bin kein Mitglied in einer Partei. Aber ich bin mit 16 Jahren mit viel Idealismus in die SPD eingetreten, um dann mit 18 Jahren mit viel Idealismus aus der SPD auszutreten. Ich habe gemerkt, dass da nicht so viel ging.

Hast du politische Vorbilder?
In Deutschland könnte ich dir keinen nennen, aber der Wahlkampf von Bernie Sanders hat mir gefallen und auch der von Jeremy Corbyn – besonders der Slogan »for the many, not the few«.

Ich habe auf Jodel gelesen, dass der Stura Baseballschläger für die Hasi gekauft haben soll; was ist denn da dran?
So stimmt das nicht. Ich hatte anfangs auch Jodel und habe mich gefreut, dass meine Witzchen hochgevotet wurden, aber dann wurde mir da zu viel Scheiß geschrieben, und ich habe es deinstalliert.
In der Hasi gibt es ein selbstverwaltetes studentisches Sportprojekt, das hauptsächlich von Studenten genutzt wird und das Sportprogramm der Uni ergänzen soll. Dies wird über Spenden finanziert und ermöglicht Sport für 50 Leute. Um das Angebot auszubauen, hat der Stura das Sportangebot mit 1500 Euro für Sportmatten und Sportgeräte gefördert. Das mit den Baseballschlägern ist eine dreiste Lüge. So was geht auch immer schnell viral und generiert viele Klicks, ist aber einfach falsch.

Emanuel von der LHG sagte: »Der demokratische Prozess im Stura ist eingeschlafen, es sind immer die alten Gesichter.« Was denkst du darüber?
Was ist an alten Gesichtern schlecht? Es geht eher darum, dass unsere Legitimation schwach ist, da nur sehr wenige Studierende zur Wahl gehen. Ich habe das Gefühl, dass es viele Studierende gibt, die sich an der Uni engagieren, aber wenige, die glauben, durch die Arbeit im Stura einen Unterschied machen zu können.

Emanuel meinte auch, dass ehrenamtliche Tätigkeiten zu viel vergütet werden.
Das fand ich eine Frechheit. Grundsätzlich zur Vergütung: Ich bin Student und habe wenig Geld zur Verfügung. Wenn man möchte, dass sich jeder – unabhängig von sozialer Herkunft – im Stura engagieren kann, dann braucht es eine Aufwandsentschädigung. Manche Arbeiten sind auch sehr unangenehm, wie der Kassenprüfungsausschuss und der Wahlausschuss, die eine Vergütung benötigen, da sich sonst niemand dafür melden würde.

Hast du etwas mit der Entenpatenschaft zu tun?
Ich habe diese zusammen mit der LISTE initiiert, wo ich auch Mitglied bin. Ich fand die Forderung »Tukane statt Dekane« sehr lustig und sympathisch, weil sie etwas Anarchisches hat. Wir haben im hallischen Zoo dann nach Tukanen geschaut, haben uns aber, weil wir keinen Tukan gefunden haben oder weil er zu teuer war, für eine Ente entschieden.

Welche ist es denn?
Es ist eine ideelle Patenschaft für eine der Reiherenten im Zoo. Ich fand es eine lustige Sache, die viel Werbung für studentische Arbeit gemacht hat. Die Menschen, die sich aufgeregt haben, können ja jetzt mal überlegen, warum Leute wie ich – die sie für inkompetent halten – im Stura sind. Vielleicht konnte ich dadurch auch Studierende zur Wahl bewegen.

Möchtest du den Lesern noch etwas ausrichten?
Der Studierendenrat ist frei gewählt, aber das Budget liegt in Ketten!

Über Jonas Leonhardt

Jonas Leonhardt
Mensch, welcher lernt.

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Erstellt: 15.04. 2018 | Bearbeitet: 15.04. 2018 17:27