Apr 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 77 0

Das Wort zum Wort

Eine vielleicht etwas ambivalente Kolumne über Kommunikation zwischen und mit Menschen. Sie beobachtet und kommentiert. Und vielleicht will sie auch manchmal irgendwie eingreifen. Diesmal heißt es Abschied nehmen.

Illustration: Gregor Borkowski

»Time to say Goodbye« – ich verfluche mein Autoradio und ein kleines bisschen den Menschen, der sich diesen Klassiker von Andrea Bocelli und Sarah Brightman gerade in der Sendung mit den Hörerwünschen gewünscht hat. Ich muss an das nahende Ende meines Studiums denken und werde sentimentaler, als ich eigentlich möchte. Dann drehe ich das Radio doch lauter und lasse meine Gedanken kreisen.

Abschied scheint zunehmend negativ konnotiert. (Außer vielleicht für Politiker, für die die Verabschiedung eines Gesetzes bedeutet, dass sie sich damit erst mal nicht mehr befassen müssen. Das müssen dann eben andere tun.) Das hat sicher auch seine Berechtigung; dennoch finde ich, dass es nicht ganz so einfach ist. Abschiede sind vielfältig und irgendwie auch etwas ganz Natürliches.

Das Leben ist geprägt durch stetigen Wandel und Veränderungen; da bleiben auch Abschiede nicht aus.

Dass es schwerfällt, sich von geliebten Menschen oder auch Tieren oder Orten zu verabschieden, steht wohl außer Frage. Natürlich vermisst man die, die man gern hat, wenn man sie nicht sehen kann. Dies kann für endgültige Abschiede sowie für solche auf bestimmte oder unbestimmte Zeit gelten.

Wir schreiben

Wenn man so will, gibt es fast jeden Tag kleine Abschiede. Im Zeitalter von Smartphones scheinen alltägliche Verabschiedungen im kleinen Rahmen an Bedeutung zu verlieren. Anstelle eines »Tschüss, bis bald!« oder Ähnlichem tritt immer häufiger ein »Wir schreiben.« Die Grenzen weichen auf; soziale Kontakte sind gefühlt zumindest digital immer verfügbar und machen damit ein Verabschieden überflüssig.

Größere Abschiede auf Zeit werden zelebriert; das ist nichts Neues. Aber auch hier haben moderne Telekommunikationsmöglichkeiten Einzug gehalten und Spuren hinterlassen. Anstelle einer Einladung zu einem festgelegten Termin treten immer öfter digitale Terminabsprachen oder -diskussionen, die im blödesten Fall dazu führen, dass es nie zu der geplanten Party kommt, weil man keinen Termin findet, an dem alle Zeit haben. Und so bleibt der Abschied dann irgendwie in der Luft hängen.

Ich möchte behaupten, dass in den Kontaktlisten der allermeisten Smartphones Dutzende Nummern gespeichert sind von Menschen, mit denen man vermutlich nie wieder Kontakt haben wird, sich jedoch auch nie wirklich verabschiedet hat. Man kann ja mal Nummern tauschen und sich vielleicht melden, wahrscheinlich aber nicht. Ist es heutzutage einfach höflicher, das so zu handhaben, als sich am Ende eines Abends einfach mit einem »Schön, dich kennengelernt zu haben!« zu verabschieden? Ich weiß es nicht. Aber auch in meinem Handy sind noch Nummern von Menschen, mit denen ich seit Jahren aus verschiedenen Gründen keinen Kontakt mehr habe.

Und während Abschied zweifelsohne ein Ende bedeutet, so bedeutet er doch selten das Ende. So kann eine würdige Verabschiedung ein krönender Moment für jemanden oder etwas Besonderes sein. Denn bei alledem haben Abschiede in meinen Augen auch viel mit Dankbarkeit zu tun. Abschied nehmen zu können, insbesondere langfristig, von Geliebten oder Geliebtem, halte ich für etwas sehr Kostbares.

Über Caroline Bünning

Caroline Bünning
geboren 1992, bei der hastuzeit seit 2011 - Ich mag Sport, Sprachen, Reisen, ... und noch vieles mehr.

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Erstellt: 15.04. 2018 | Bearbeitet: 16.04. 2018 01:04