Mai 2018 hastuUNI Heft Nr. 78 0

Abenteuer Ausland

Besonders für Studierende bietet es sich an, für einen längeren Zeitraum ins Ausland zu gehen. Inzwischen gibt es eine Vielzahl an Angeboten von Organisationen, mit denen Ihr preisgünstig ins Ausland reisen und vor Ort sogar weiterhin beraten und unterstützt werden könnt. Aber welche gibt es, wie unterscheiden sie sich, und welche passt am besten zu Euch? Wir haben einige davon etwas genauer unter die Lupe genommen:

Grafik: DAAD (CC BY-NC-ND 4.0) https://www.daad.de/medien/der-daad/medien-publikationen/publikationen-pdfs/wiwe_2016.pdf

Neues Land, neue Kultur, neue Herausforderungen – Impulse gibt es viele, die das Fernweh in uns hervorrufen und uns dazu veranlassen, ins Ausland gehen zu wollen. Es ist immer ein aufregendes Erlebnis, ein komplett neues Land mit seinen Einwohnern kennen und vielleicht sogar lieben zu lernen. Doch auch wenn man in einigen Situationen mal auf sich allein gestellt sein sollte, erhält man gerade so die Möglichkeit, sich selber besser kennenzulernen. Mithilfe der verschiedenen Organisationen kann man die Gelegenheit nutzen, sich neuen Abenteuern zu stellen.

ERASMUS+ und ESN

Mit dem Programm ERASMUS+ wird Studierenden ermöglicht, für ein bis zwei Semester (jeweils während des Bachelors und Masters) im europäischen Ausland zu studieren. Das Ziel dahinter ist nicht nur, die späteren Karrierechancen für den Teilnehmenden zu erhöhen, sondern auch die Kultur eines anderen Landes kennenzulernen. Bei dem Programm handelt es sich um ein Stipendium, welches finanzielle Unterstützung bietet: Die Studiengebühren an der Partnerhochschule werden erlassen und man wird mit einem monatlichen Betrag, der je nach Ziel vorher festgelegt wurde, gefördert. Zwar werden damit nicht die kompletten Kosten gedeckt, dennoch greift es bei der Finanzierung deutlich unter die Arme.

Je nach Studiengang hat die MLU verschiedene Partnerschaften mit anderen Universitäten in Europa, wie beispielsweise Spanien, Finnland oder Italien, abgeschlossen. Dadurch fällt das Angebot zwar nicht für jeden gleich aus, aber womöglich können den Interessierten gerade deshalb noch einmal ganz neue Auslandsziele vor Augen geführt werden, an die vorher gar nicht gedacht wurde. Bei Wunsch an außereuropäischen Zielen sollte man sich an das International Office wenden, das über weitere Möglichkeiten informieren kann.
Das Bewerbungsverfahren läuft über das International Office und die jeweiligen Koordinatoren ab, bei denen man ein Motivationsschreiben abgibt und ein kurzes Gespräch zum Kennenlernen führt. Mit einem »Learning Agreement« wählt man die Kurse an der neuen Partnerhochschule aus und kann sich damit ein Bild davon machen, welche der Kurse man sich nach erfolgreichen Belegen im Gastland dann an der eigenen Universität wieder anrechnen lassen kann.

Das International Office sorgt außerdem dafür, dass man im Ausland nicht plötzlich allein dasteht, sondern einen Buddy oder Paten aus der Partnerhochschule bekommt. Dabei handelt es sich um Studierende, die den Teilnehmenden bei der Ankunft unterstützen und für Fragen zur Seite stehen.

Die Auslandsstudierenden werden außerdem vom ESN (Erasmus Student Network) betreut, die mit dem International Office kooperieren und ebenfalls aus einer Gruppe von Studierenden der Partneruniversität bestehen. Unter dem Motto »Studenten helfen Studenten« engagieren sie sich ehrenamtlich für die internationalen Incomer und organisieren Events, um sich in der neuen Umgebung besser einzufinden und um neue Leute kennenzulernen. Dabei kann es sich sowohl um Partys als auch um kulturelle Erlebnisse handeln, welche den Studierenden die Stadt und das Land näherbringen sollen. Zusätzlich werden Reisen angeboten, um auch andere Orte über die Stadtgrenze hinaus kennenzulernen. Bei einem »ERASMUS+«-Aufenthalt lohnt es sich also auf jeden Fall, auch nach dem ESN Ausschau zu halten.

AIESEC

Keine Lust auf noch mehr Studium, sondern lieber praktische Erfahrungen sammeln?

Die internationale Austauschorganisation AIESEC (Association Internationale des Étudiants en Sciences Economiques et Commerciales) bietet insgesamt drei Programme an, bei denen es sich um Praktika und soziale Projekte im Ausland handelt. Vertreten sind sie in über 120 Ländern und bieten damit eine große Auswahl an Zielen an, die über Europa hinausgehen. Mit dem Motto »Peace and Fulfillment of Humankind«s Potential« möchte die Studierendenorganisation die Leistung unserer Gesellschaft unterstützen und fördern. Dafür haben sie sich die insgesamt 17 »Sustainable Development Goals«, die von der UN aufgestellt wurden, zum Ziel gesetzt. Dabei handelt es sich beispielsweise um das Bekämpfen von Armut und Hunger, welche sie mithilfe ihrer Projekte umsetzen wollen.

Mit den Programmen »Global Volunteer«, »Global Talent« oder »Global Engineer« vermittelt AIESEC internationale Praktika für junge Menschen von 18 bis 30 Jahren. Je nach Programm werden vor allem Aktivitäten im Management, Bildung, IT und Soziales gefördert. Die Praktikumslänge beträgt meist sechs bis acht Wochen, aber auch längere Zeiträume sind möglich.
Bezüglich Erfahrungen und Vorwissen gibt es bei der Bewerbung in der Regel keine Voraussetzungen, nur Grundkenntnisse in Englisch sollten vorhanden sein. Bei der Auswahl des Projektes und Landes wird man vom lokalen AIESEC-Team in Halle unterstützt. Da es sich dabei auch um ehrenamtlich Engagierte handelt, wird die Hilfe komplett kostenlos angeboten. Erst beim Vertragsabschluss zwischen Teilnehmenden und Projekt fällt eine Vermittlungsgebühr von ca. 400 Euro an – zwar sind darin nicht die Gebühren für Flug, Visum oder Unterkunft eingeschlossen, jedoch bemühen sich die Mitglieder immer darum, ein Projekt mit Unterbringung zu finden. Um sich noch weiter finanziell unterstützen zu lassen, kann man sich außerdem für ein Stipendium, beispielsweise beim DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst), bewerben.

Da AIESEC immer dort vertreten ist, wo auch das Praktikum oder Projekt stattfinden wird, kann man sich außerdem auf Unterstützung und Hilfe­stellung der Mitglieder im Ausland verlassen.

IAESTE

Illustration: Emilia Peters

Bei IAESTE (die »International Association for the Exchange of Students for Technical Experience«) handelt es sich ebenfalls um eine ehrenamtliche Organisation, die sich vor allem an Studierende im Bereich der technischen und naturwissenschaftlichen Fachrichtungen richtet. Auch hier werden Praktika angeboten, die in der Regel sechs bis acht Wochen, aber auf Wunsch auch länger dauern und meistens in den Sommermonaten angeboten werden. Dabei geht es um bezahlte Praktika in der Industrie oder in Forschungsinstituten, die in über 80 Ländern angeboten werden und besonders für Master-Studenten mit technischer Erfahrung interessant sind. Der Verdienst richtet sich nach den typischen Lebenshaltungskosten des Landes. Zusätzlich kann auch hier eine Förderung beim DAAD beantragt werden, welche den Teilnehmenden beispielsweise mit einem Reisekostenzuschuss unter die Arme greift.

Die Bewerbung erfolgt in der Regel online, aber auch hier kann man sich von den IAESTE-Mitgliedern in Halle beraten und von ihren Erfahrungen berichten lassen. Sie übernehmen außerdem die Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft und erledigen alle notwendigen Formalitäten. Vermittlungsgebühren fallen hier keine an; sobald man sich aber für ein Praktikum mit IAESTE entschieden hat, wird eine Kaution in Höhe von 80 Euro fällig. Damit wird sichergestellt, dass sich der Interessierende auch tatsächlich bewirbt. Bei Abschluss des Praktikums erhält man die Kaution wieder zurück.
Die IAESTE-Mitglieder im Ausland unterstützen die Anreisenden mit Rat und Tat und organisieren Events, wie Partys oder Ausflüge, damit neben der Zeit im Praktikum auch das neue Land entdeckt werden kann.

Jugendaustausch »Banja« Halle-Ufa

Wer sich am liebsten auf ein volles Kulturprogramm einlassen möchte, geht hierbei nicht mit leeren Händen aus: Mit dem Jugendaustausch »Banja« Halle-Ufa ist ein jährlicher Austausch zwischen Deutschland und Russland, der immer von Juli bis August stattfindet, möglich. Die Stadt Ufa ist eine Partnerstadt Halles und ermöglicht damit den Austausch für junge Menschen zwischen 18 und 26 Jahren. Im ersten Monat kommen junge Interessierte aus Russland nach Halle und werden mit einem Kulturprogramm in Deutschland willkommen geheißen. Danach reisen die deutschen Teilnehmer*innen nach Ufa und St. Petersburg, wo sie gemeinsam mit den Einheimischen das Ausland entdecken können. Und keine Sorge vor einer Sprachbarriere: Russisch­kenntnisse sind nicht notwendig, denn man findet leicht andere Wege, um zu kommunizieren.

Der Kulturaustausch wird von dem DRJA (Deutsch-Russischer Jugendaustausch) gefördert: Mit einem einmaligen Beitrag von 550 Euro werden alle anfallenden Kosten, wie Visum-Gebühren, Fahrkosten, Krankenversicherung, Unterkunft und Verpflegung, gedeckt. Damit erhält man eine preisgünstige Gelegenheit für ein vierwöchiges Erlebnis in Russland, bei dem man auch bei der Programmgestaltung mitreden und -entwickeln kann. Besonders an dem Austausch ist außerdem, dass man nicht als Touristengruppe unterwegs ist, sondern richtig in das russische Leben eingeladen und integriert wird.

Auf ins Abenteuer!

Insgesamt werden den Studierenden eine Vielzahl an Möglichkeiten geboten, um für einen längeren Zeitraum ins Ausland zu gehen und es in all seinen Facetten zu erleben. Während hier nur eine Handvoll von Organisationen vorgestellt wurde, zeigen sich klar die Vorteile, mit einer dieser Möglichkeiten ins Ausland zu gehen: Man kann recht preisgünstig verreisen, erste Vorbereitungen mit lokaler Unterstützung erledigen sowie im Ausland weiter betreut werden. Das Abenteuer Ausland ist immer eine großartige Gelegenheit, um sich neuen Herausforderungen ganz allein oder in der Gruppe zu stellen und schließlich an ihnen zu wachsen. Dennoch ist die Gewissheit, dass jemand bei der Ankunft zur Seite steht, beruhigend und zugleich nur noch motivierender, um den großen Schritt zu wagen. Also – worauf warten?

Über Karin Belkowski

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Erstellt: 28.05. 2018 | Bearbeitet: 28.05. 2018 16:24