Jun 2017 hastuUNI Online 2

Von sinkenden Schiffen und überraschenden Wendungen

Am Mittwochvormittag trafen sich einige Studierende beim Löwengebäude, um vor und während der Personalversammlung der MLU gegen die Personalsituation am Germanistischen Institut zu demonstrieren. Die Überraschung kam in Form des Vorsitzenden vom Personalrat, der kurzerhand die Studierenden in die Aula zur Personalversammlung bat.

Foto: Paula Götze

Foto: Paula Götze

Gestern riefen der Fachschaftsrat der Neuphilologien und die IG Germanistik zum »Protest gegen die Personalsituation am Germanistischen Institut« auf. Auch der Stura veröffentlichte vorgestern den Appell: »Für eine gute Lehre! Solidarität mit den Germanist*innen!«.

Anlass des Protests war das Ablaufen der befristeten Arbeitsverträge einiger Lehrkräfte des Germanistischen Instituts, was zu essenziellen Problemen bei der Lehre in den jeweiligen Bereichen führen könnte (genauere Informationen dazu in der Veranstaltung, im Stura-Text und auf noch folgenden PowerPoint-Folien). Man protestierte aber auch ganz allgemein gegen die vielen Kürzungen, welche die Lehre an den Universitäten bedrohen.

Es versammelten sich also gegen 9:30 Uhr einige Studierende mit Plakaten und Trillerpfeifen vor und im Löwengebäude, wo ab 10 Uhr die Personalversammlung des Personalrates stattfinden sollte. Auf der Tagesordnung dieser Personalversammlung standen unter anderem auch die Punkte: »Stellenabbau 2017/2018« und die »Zukunft der Lehramtsausbildung«. Die gesamte Tagesordnung und einen Informationstext »Zur aktuellen Situation bei der Lehramtsausbildung« findet Ihr hier.

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Die Besucher der Personalversammlung wurden von den Studierenden mit Plakaten und Trillerpfeifen begrüßt. Foto: Paula Götze

Gegen 10 Uhr kam der Vorsitzende des Personalrates, Bertolt Marquardt, und lud die protestierenden Studierenden in die Aula des Löwengebäudes ein, in der die Personalsitzung stattfand. Eigentlich sind Studierende (bis auf studentische Hilfskräfte) nicht auf diesen Versammlungen zugelassen, doch der Vorsitzende stellte den Antrag eine Ausnahme zu machen. Nachdem nahezu alle anwesenden Stimmberechtigten dafür gestimmt hatten, dass die doch recht beträchtliche Anzahl an anwesenden Studierenden bleiben konnte, gab es einiges an Applaus. Auch wenn sie kein Rederecht hatten, konnten die Protestierenden so zumindest den Tagesordnungspunkten zur Zukunft der Lehramtsausbildung und zum Stellenabbau, die extra vorgezogen wurden, beiwohnen.

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Der Vorsitzende des Personalrates, Bertolt Marquardt, verschaffte sich Gehör und lud die Studierenden zur Versammlung ein. Foto: Paula Götze

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Hinten und an den Seiten stehen die Studierenden; auf den Stühlen sitzen Angestellte der MLU. Foto: Paula Götze

Im Folgenden eröffnete Bertolt Marquardt die Sitzung und stellte mithilfe einer PowerPoint- Präsentation die Situation der Lehramtsausbildung und des Germanistischen Instituts dar.

DSCN3258DSCN3259DSCN3260Da der Rektor noch nicht anwesend war, meldete sich als erstes stellvertretend Prof. Dr. Wolf Zimmermann (Prorektor für Studium und Lehre) zu Wort. Leider verstand man nicht alles was er sagte, da er zu weit vom Mikrofon entfernt stand. Er merkte jedoch auf jeden Fall an, dass die Lehramtsausbildung nicht nur Sache der Uni, sondern auch des Landes sei. Immerhin müssen auch genügend Referendariatsplätze zur Verfügung gestellt werden. Allerdings löse es nicht die langfristigen Probleme, wenn sie mehr Leute aufnähmen, da es trotzdem voraussichtlich noch zu wenig wären um den Bedarf an Lehrkräften zu decken. »Und darum lieber weniger aufnehmen?«, sagte einer der Studenten in meiner Nähe fassungslos.

Bertolt Marquardt (links) und Prof. Dr. Wolf Zimmermann (rechts) Foto: Paula Götze

Bertolt Marquardt (links) und Prof. Dr. Wolf Zimmermann (rechts)
Foto: Paula Götze

Der Kanzler Markus Leber meinte, es sei nur eine Notlösung einige Befristete Verträge nicht zu verlängern. Das Problem sei ihnen schon lange bewusst und betreffe nicht nur die Leute, wegen denen heute demonstriert werde. Er ließ vermuten, dass das eigentliche Problem struktureller Art und viel tiefgreifender ist, als es auf den ersten Blick scheint. Der Dekan Prof. Dr. Georg Maas stimmte Leber zu und erzählte, dass man schon lange an einer Lösung arbeite. Zusätzlich kritisierte er die Studierenden, weil sie sich nicht schon viel früher dafür interessiert hätten.

Bertolt Marquardt (links) und Markus Leber (rechts) Foto: Paula Götze

Bertolt Marquardt (links) und Markus Leber (rechts)
Foto: Paula Götze

Im Laufe der Diskussionen kamen zwei mal Studentinnen vom Fachschaftsrat der Neuphilologien zu Wort. Die Germanistikstudentin Steffi Klein fasste noch einmal etwas emotionaler die Probleme ihres Instituts zusammen und formulierte stellvertretend für die Studierenden Fragen. Etwas später kritisierte eine Kommilitonin die mangelnde Weitergabe von Informationen. Sie meinte man müsse den betroffenen Studierenden und Studienbewerbern mitteilen, wenn ihr Fach an der MLU »ein sinkendes Schiff« sei.

Daraufhin meldete sich wieder der Vorsitzende der Personalversammlung zu Wort und schlug eine Gesprächsrunde zwischen Studierenden und Vertretern wie Maas, Leber und Zimmermann vor. Dieser Vorschlag schien allgemeine Zustimmung zu bekommen, hatte jedoch auch zur Folge, dass Markus Leber den Raum verließ. Davor verkündete Leber jedoch noch, dass er diese Idee schon früher im Gespräch mit einigen Studierenden geäußert habe und man ihm nun die Möglichkeit genommen hätte, sie selbst einzubringen. Viele Zuhörer reagierten darauf synchron mit einem bemitleidenden »Oooooohhh«.

Gegen Ende der Diskussionen um die Lehramtsausbildung rief Alexander Pistorius, Pressesprecher der GEW Sachsen-Anhalt, alle dazu auf sich nicht gegenseitig die Schuld zuzuschieben, sondern gemeinsam die Landesregierung dazu anzuhalten aktiv zu werden. Allerdings meinte er, man solle Allianzen mit anderen Hochschulen bilden, da das Ganze ja nicht nur Problem der MLU sei.

Alexander Pistorius (links) und Bertolt Marquardt (rechts) Foto: Paula Götze

Alexander Pistorius (links) und Bertolt Marquardt (rechts)
Foto: Paula Götze

Als ein Ergebnis des Ganzen stellte einer der Mitglieder des Personalrates schließlich den Antrag an die Personalversammlung, das Rektorat darum zu bitten, ein Anstellungskonzept zu erarbeiten. Er ergänzte noch, dass sie zu mehr als bitten leider nicht befugt seien.

Zum Schluss ging es wegen Zeitmangels nur noch recht kurz um den Punkt »Stellenabbau 2017/2018«. Dazu äußerte sich der mittlerweile anwesende Rektor Prof. Dr. Udo Sträter und drängte, nach einem Witz über Weltuntergänge, darauf, dass man ein Stellenbesetzungsrecht brauche.

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Bertolt Marquardt (links) und Prof. Dr. Udo Sträter (rechts) Foto: Paula Götze

Bertolt Marquardt (links) und Prof. Dr. Udo Sträter (rechts)
Foto: Paula Götze

Über Paula Götze

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Erstellt: 01.06. 2017 | Bearbeitet: 18.10. 2017 13:46