Jan 2017 hastuINTERESSE Nr. 70 0

Verbunden durch Tradition

Neue Rechte, rassistische und sexistische Muttersöhnchen, feierwütige Karrieretypen – vielfältig sind die Vorurteile, die über Studentenverbindungen und deren Mitglieder im Umlauf sind. Gespräche mit zwei aktuellen Mitgliedern, einem ausgeschiedenen Verbindungsstudenten und einem Stura-Mitglied sind der Versuch, der Wahrheit ein Stück näher zu kommen.

Gemälde von Georg Mühlberg

Gemälde von Georg Mühlberg

Josef ist 21 Jahre alt und studiert Hispanistik sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften im fünften Semester. Außerdem ist er Mitglied im »Verein deutscher Studenten«, kurz VDSt, in Halle.
Schon seit dem Beginn seines Studiums ist er in Kontakt mit der Verbindung: »Bevor ich angefangen habe zu studieren, habe ich mir das Zimmer angeschaut, bin dann eingezogen und habe mich nach ein paar Monaten dafür entschieden, Mitglied zu werden«, erzählt er. Sein Bundesbruder Florian (Name von der Redaktion geändert), ein anderes Mitglied des VDSt Halle, wurde hingegen von einem Kommilitonen mitgenommen und hat die Verbindung so nach und nach kennengelernt. Aus ihren Familien war niemand Teil einer Verbindung. Überhaupt käme das nur vereinzelt vor, meinen sie.
Jura-Student Sven, 22 Jahre alt, bietet eine ganz andere Perspektive. Er war Mitglied bei der Studentenverbindung »Sängerschaft Fridericiana« in Halle – und ist freiwillig ausgeschieden.
Zudem ist auch sein erster Berührungspunkt eher untypisch und lässt sich schon in der Schulzeit finden. »Meinen ersten Kontakt mit Verbindungen im Allgemeinen hatte ich mit 15«, erzählt er. Damals war er Mitglied eines örtlichen Rudervereins, welcher seine Ursprünge in einer Verbindung hatte. Eine Quasi-Schülerverbindung, die sich nur auf Weisung der Schulleitung nicht mehr so nennen durfte. In Halle lernte er die Sängerschaft ebenfalls während der Wohnungssuche kennen. Die Verbindung zeigte schnell Interesse: »Ich passte da perfekt rein – ich kannte fast alle Rituale und war mit dem System schon gut bekannt.«
Ähnlich wie bei Josef und Sven wecken oft die günstigen Zimmer-Mieten von meist weniger als 200 Euro pro Monat den Gefallen Studierender. Einmal eingezogen, gewährt die jeweilige Verbindung Interessenten einen gewissen Zeitraum, um an Aktivitäten teilzunehmen und schließlich über den Beitritt zu entscheiden oder auszuziehen.
Sowohl Josef als auch Sven entschieden sich für die Mitgliedschaft – aus ähnlichen Gründen. Beide unterstreichen die Bedeutung der Gemeinschaft, die man innerhalb der Verbindung erfährt. »Die Verbindung war eine schöne Möglichkeit, direkt anzukommen und Anschluss zu finden«, findet Josef. Auch Sven meint: »Eine Verbindung sieht sich ein bisschen als Ersatzfamilie.« Obwohl Sven anfangs aufgrund seiner Erfahrungen mit der Schülerverbindung skeptisch war, wurde er positiv überrascht: »Die Sängerschaft war deutlich aufgeschlossener und auch gemäßigter als meine Schülerverbindung davor. Es wurde dort mehr auf den Einzelnen eingegangen, und der Umgang zwischen den Burschen und Fuxen war offener. Es war kein Problem, wenn ein Fux Kritik zu äußern hatte.«
Innerhalb einer Verbindung herrscht eine strenge Hierarchie. Nachdem man sich für das Leben im Verbindungshaus entschieden hat, beginnt die Ausbildung der Fuxen. »Es gab jede Woche Donnerstagabend eine Fuxenstunde, wo ich alles über die Geschichte meiner Verbindung, die Geschichte von Verbindungen an sich, das Verhalten von Verbindungsstudenten, die Geschichte der Stadt Halle und andere Verbindungen, mit denen wir befreundet sind, gelernt habe«, berichtet Sven.
Abgerundet wird die Unterweisung mit der Burschenprüfung und dem offiziellen Eintritt in die Verbindung.
»In deutschen Fernsehserien wird es teilweise so dargestellt, dass wir in den ersten Semestern schikaniert werden, ich habe das allerdings nicht erlebt«, stellt Josef fest. Semester stehen in diesem Zusammenhang für die Dauer der Mitgliedschaft. Jeder Bursch, der seine Position ausnutzt und die Fuxen tyrannisiert, könne auch aus der Verbindung geworfen werden, fügt Florian hinzu.

Weder dasselbe noch das Gleiche

Verbindungen beziehungsweise Korporationen werden oft in einen Topf geworfen. Dabei unterscheiden sie sich sowohl bei der politischen Ausrichtung – oder auch politischen Neutralität – als auch über die thematischen Schwerpunkte, die die Vereinigungen definieren.
Der VDSt Halle rückt die politische Diskussion und Weiterbildung in den Vordergrund, so wie sich andere Verbindungen beispielsweise über Religion oder Sport charakterisieren. Jedes halbe Jahr wählen sie ein Thema aus, welches das Semesterprogramm bestimmt. Dafür lädt sich die Verbindung Politiker aus der Region ein, die Vorträge im kleinen Kreis halten. So beispielsweise auch schon den Bundestagsabgeordneten Karamba
Diaby von der SPD, der 2014 zum Thema »Bildungsstandort Deutschland« referierte.
Die »Sängerschaft Fridericiana« hingegen hat die Grundlage – wie im Namen bereits erkennbar – des gemeinsamen Singens. Wöchentlich findet eine Chorstunde statt und besonders engagierte Mitglieder haben sich in einem Quintett gefunden.
Außerdem ist die Sängerschaft fakultativ schlagend – das studentische Fechten, auch Mensur genannt, wird den Mitgliedern zwar beigebracht, ob diese nach den zwölf Pflichtstunden jedoch weitertrainieren, ist ihnen freigestellt. »Ich habe eine oder zwei Trainingsstunden mitgemacht, musste dann aber aufhören, weil ich durch einen Skateboard-Unfall eine kaputte Schulter habe. Ich habe mir dann ein ärztliches Gutachten besorgt und ihnen gesagt, nein, tut mir leid, ich kann leider nicht teilnehmen«, erinnert sich Sven.
Das studentische Fechten hat nichts mit dem olympischen Fechten gemein: Traditionell wird ohne Gesichtsschutz und mit scharfen Klingen gefochten. »Es gibt schon die Möglichkeit, dass man eine Partie übersteht, ohne dass man ein einziges Mal getroffen wird«, meint Sven dazu. Je nach Verbindung sei es auch unterschiedlich, wie die anderen Mitglieder auf eine Verletzung reagieren: »Es war sehr ungern gesehen, weil es meistens ein Zeichen dafür ist, dass die Person schlecht gefochten hat.«
Andere Verbindungen wie der VDSt haben sich gegen das Fechten entschieden, sind also nichtschlagend. Eine Vielzahl der Korporationen ist allerdings auch heute noch pflichtschlagend – womit das studentische Fechten für jedes Mitglied verpflichtend ist.

Gemälde von Georg Mühlberg

Gemälde von Georg Mühlberg

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen

»Es ist auf jeden Fall normal, sehr viel zu trinken. Auch eigentlich bei jeder Gelegenheit. Und es lassen sich immer Gelegenheiten finden, wenn man sie finden möchte«, denkt Sven. Das Trinken sei auch die einzige wirkliche Gemeinsamkeit der Verbindungen, ergänzt er. »Man hat einfach so viele Trinktraditionen, Wettspiele mit Alkohol, also Bier, und Feste. Auf denen wird gar nicht gefragt, ob nicht getrunken wird.« Er selbst habe auch schon mehrere Verbindungsstudenten mit »einem leichten bis schweren Alkoholproblem« getroffen. In seiner ehemaligen Verbindung wurde ein Mitglied sogar ausgeschlossen, damit sich dieses in Therapie begeben und so seine Sucht in den Griff bekommen könne.
Josef und Florian vom VDSt hingegen sind sich einig: »Wir trinken nicht mehr als andere Studierende auch.« Allerdings erzählen sie trotzdem von den Partys und Kneipen, die sie gemeinsam organisieren. Oft hätten sie keine Lust auszugehen, meint Florian. Warum auch, wenn auf dem Haus eine Bar verfügbar ist? Die Formulierung »auf dem Haus«, oder kurz auch »adH«, meint nicht etwa das Dach des Verbindungshauses, sondern ist ein Ausdruck, den die Verbindungsstudenten untereinander verwenden. Damit ist schlichtweg gemeint, dass sich etwas in dem Haus befindet. Wenn sie ihren Bundesbrüdern also mitteilen wollen, dass sie gerade zuhause im Verbindungshaus sind, reicht es zu sagen: »Ich bin auf dem Haus« oder »adH«.
Eine Gemeinsamkeit haben die Korporationen jedoch alle: das Lebensbundprinzip.
Jede Verbindung sei trotzdem noch ein Verein, weshalb aufgrund des BGBs immer die Möglichkeit bestehe, auszutreten, stellt Florian klar. Der Sinn einer Verbindung ist jedoch ein anderer – die Mitglieder sollen möglichst ein Leben lang Mitglied sein und nach ihrer Aktiven-Zeit die Verbindung als Alte Herren weiterhin unterstützen.
Dass ein Austritt möglich, aber trotzdem keine kurzfristige Prozedur ist, zeigt Svens Geschichte. Nach seiner bestandenen Bursch-Prüfung nahm er ungefähr noch anderthalb Jahre regelmäßig an den Veranstaltungen teil. Der Wendepunkt kam mit seinem Auszug aus dem Verbindungshaus: »Darüber habe ich dann langsam aber sicher die Verbindung aus den Augen verloren. Ich hatte das zu dem Zeitpunkt schon so lange gemacht, diese Feste, die Fahrten, einfach das Verbindungsleben, sodass ich das Gefühl hatte, alles zu kennen und nur noch das Gleiche zu wiederholen, wodurch ich das Interesse verloren habe.«
Nachdem er ein oder zwei Jahre nicht mehr zu den Veranstaltungen und wöchentlichen Chorstunden erschienen war, zog die Sängerschaft die Reißleine. Zunächst wurde er für ein halbes Jahr auf Probe ausgeschlossen. Auf einer Vereinssitzung sollte über seinen endgültigen Rauswurf entschieden werden. »Daraufhin habe ich meinen Austritt erklärt und gesagt, dass es mir leidtut, dass man sich so distanziert hat.« Er könne sich nicht mehr mit dem Ganzen identifizieren und ihnen deswegen die Mühe ersparen, indem er selbst austritt. Allerdings betont er ausdrücklich, dass keine ideologischen Gründe hinter seiner Entscheidung standen, dafür wäre die Sängerschaft viel zu gemäßigt.

Männlich, deutsch, elitär?

Durch die vielen verschiedenen Ausrichtungen von Verbindungen kommt es enorm darauf an, jede einzeln zu betrachten und nicht von einer auf alle zu schließen. »Jede Verbindung steht und fällt mit ihren Mitgliedern. Die Prinzipien einer Verbindung sind teilweise wirklich egal, wenn sich die Mitglieder entsprechend ändern«, stellt Sven weiterhin klar. »Meine Verbindung war sehr gemäßigt, und wir haben hohen Wert darauf gelegt, unpolitisch zu sein. Wir hatten das Prinzip der Toleranz auf der einen Seite und dass unser Bund immer unpolitisch sein soll auf der anderen Seite. Und das ist auch meine Nachricht und mein Fazit von Verbindungen: Das Wichtigste ist es, sie nicht vorzuverurteilen. Natürlich sind sie konservativ, und es gibt auch hier und da mal einen rechten Idioten in Verbindungen, aber im Allgemeinen ist das Einzige, was man ihnen vorwerfen kann, dass sie ein bisschen zu traditionsbewusst sind.«
Josef und Florian haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Viele Menschen hätten Vorurteile, die auf Halbwissen beruhen, finden sie. In Gesprächen würden sich jedoch viele Missverständnisse aufklären. Jeder Interessierte dürfe nach Anmeldung auf einer ihrer Veranstaltungen vorbeischauen und sich selbst ein Bild machen.
Allerdings könnten sie grundsätzliche Ablehnung nicht verstehen. »Wir sind weder nur Saufgelage noch eine Geheimloge«, betonen sie. »Wir verstecken uns nicht, sind nicht gleichgeschaltet und vertreten untereinander die unterschiedlichsten politischen Meinungen, von konservativ über liberal bis links.« Ihr Haus wurde vor einiger Zeit mit Eiern beworfen, erzählen die beiden VDSt-Mitglieder. Andere Verbindungen hätten Ähnliches erlebt, seien beispielsweise mit Farbbeuteln verunstaltet worden. Sven erinnert sich, dass die Sängerschaft Fridericiana nach zerstörten Fensterscheiben auf Plexiglas umgesattelt hat.
Auch den Rassismus-Vorwurf können sie nicht nachvollziehen. Dem VDSt kann jeder beitreten, der in Deutschland studiere, erzählen sie. Dabei spielt die deutsche Staatsbürgerschaft keine Rolle: »Jemand, der beispielsweise in Washington studiert, könnte kein VDSt-Mitglied werden, auch wenn er Deutscher ist. Er muss an einer deutschen Hochschule studieren.« Zurzeit sind ein Vietnamese sowie ein Pole aktive Mitglieder.
Sven kann Ähnliches berichten: »Das hat uns als Bund nicht interessiert. Es war auch oft eine praktische Sache, die letzten Zimmer zu füllen. Manche finden es auch sehr schön, eine Ersatzfamilie zu haben, und einen festen Freundeskreis, auf den man sich verlassen kann. Das hilft bei der Integration.« So sind und waren zum Beispiel Russen, Ägypter und andere Menschen aus dem Nahen Osten Teil der Fridericiana.
Schwarze Schafe lassen sich allerdings trotzdem finden. Von Sven wird die in Halle ansässige Burschenschaft Germania erwähnt: »Sie sind mittlerweile wirklich rechts und die meisten Mitglieder sind auch noch bei anderen rechten Vereinigungen. Das wirft ein extrem schlechtes Bild auf die anderen Verbindungen hier in Halle«. Doch auch bei der Sängerschaft Fridericiana gibt es laut der Website »No Halgida« ein Mitglied, welches zur identitären Bewegung »Kontrakultur Halle« gehört.

Foto: Anne Jüngling

Foto: Anne Jüngling

Ein Mitglied des Studierendenrates Halle kann die Mitgliedschaft eines Sängers bei Kontrakultur bestätigen und meint weiterhin: »Der hallesche Ableger der Identitären hat eine starke Überschneidung zur Burschenschaft Germania, während die anderen Verbindungen eher wenig Berührungspunkte haben. Es gibt allerdings auch keine starke Abgrenzung in dem Milieu, viel lieber klammert man »das Politische« aus, man gibt sich ja liberal und unpolitisch. Anders sieht das mit Halles einziger Burschenschaft aus: Die Burschenschaft Halle-Leobener Germania ist tatsächlich zur extremen Rechten zu zählen. Dort sympathisiert man nicht nur mit der faschistischen Gruppe der Identitären beziehungsweise Kontrakultur, sondern stellt auch etliche der Mitglieder. Außerdem sind die halleschen Burschis, genau wie ihre Dachorganisation, definitiv geschichtsrevisionistisch, rassistisch und sexistisch mit offenen Sympathien für faschistische Organisationen: Früher für die NPD, heute eher für die Identitären.«
Darüber hinaus klassifiziert er den VDSt und die Sängerschaft Fridericiana in ihrer Struktur und Außendarstellung als relativ klassisch für die Verbindungsszene in Halle. Beide Verbindungen würden sich unpolitisch und offen geben, ihre Veranstaltungen seien auch eher unproblematisch. Allerdings, meint er, sei die propagierte Offenheit nur bedingt festzustellen: »Der VDSt reklamiert den Spruch ›Mit Gott für Volk und Vaterland‹ für sich und grüßt mit einem schwarz-weiß-roten Logo, welches das Deutsche Reich symbolisiert. Traditionspflege geht dort offensichtlich nur mit nationalistischen Sprüchen. Auch wenn die Verbindungen gerne sagen, dass ›Interessierte‹ willkommen sind, gilt das für Frauen recht selten und für Leute, die sich vor dem menschenfeindlichen Hintergrund nationalistischer Rhetorik ekeln, gar nicht.«
Außerdem sieht er ein weiteres Problem: den strukturellen Sexismus. »Frauen dürfen nur manchmal mitmachen, weil sie im brüderlichen Lebensbund, also der Verbindung, die nicht nur über das Studium, sondern über das ganze Leben hinweg Wirkung haben soll, nichts zu suchen haben. Auf diese Kritik angesprochen wagen die Betroffenen oft den Vergleich mit männlichen Fußball-Teams, der allerdings fehlschlägt: Bei einer Verbindung geht es doch um das ganze Leben und Frauen wird durch Ausschluss faktisch die Qualität abgesprochen, Teil einer im Idealbild ›brüderlichen‹, intellektuellen und sinnstiftenden Gemeinschaft zu sein.«
In den meisten Verbindungen werden bis heute keine Frauen aufgenommen. In Halle ist nur eine gemischte Verbindung ansässig, der ATV Gothia. Eine reine Frauenverbindung gibt es in Halle nicht.
Sowohl die Mitglieder des VDSt als auch der ehemalige Sänger erzählen, dass Frauen zu einigen Veranstaltungen willkommen sind. Lediglich die Kneipen, zu denen traditionelle studentische Lieder gesungen werden und auch andere Verbindungen eingeladen sind, sowie Mitgliederversammlungen (Convente) sind ausschließlich Verbindungsstudenten vorbehalten. Allerdings könnten Frauen, die selbst einer Verbindung angehören, an allen Veranstaltungen außer den Conventen teilnehmen.
Der Stura hat in den letzten zwei Wahlperioden nichts zum Thema »Studentenverbindungen« im Allgemeinen beschlossen, allerdings hat er sich mit seinem Beitritt im Bündnis »Halle gegen Rechts« gegen Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit gewandt. »Als Stura-Mitglied würde ich sagen, dass das die Feindschaft gegenüber allen Verbindungen, die in der rechten ›Deutschen Burschenschaft‹ organisiert sind – wie die Germania – oder die Überschneidungen zu faschistischen Gruppen wie der Identitären Bewegung haben, mit sich bringt. Ich denke, dass die Ablehnung von Sexismus auch bedeutet, gegen Männerbünde, also fast alle hallischen Verbindungen zu sein, aber wie das der Rest des Sturas sieht, muss letztendlich noch mit Beschlüssen geklärt werden. Deshalb kann ich auch nur meine politische Einschätzung nennen und spreche nicht für den Studierendenrat an sich, sondern als Mitglied des Studierendenrates.«
Sven meint einen Regelfall des typischen Verbindungsstudenten festgestellt zu haben. »Verbindungen ziehen eine gewisse Art von Menschen an, das heißt, Verbindungsstudenten sind sich oft sehr ähnlich. Es sind eher konservative Personen. Verbindungen halten Traditionen hoch, die sie seit Jahrhunderten haben. Das liegt Personen, die nicht von Grund auf auch schon ein bisschen konservativ sind, eher selten.«
In Deutschland gibt es mehr als 1100 aktive Studentenverbindungen – ob darunter eine ist, die es wert ist, kennengelernt zu werden, oder ob man diese Art des studentischen Lebens grundsätzlich nicht versteht, kann jeder selbst entscheiden. Für Sven war der Austritt die richtige Entscheidung, auch wenn er seine Mitgliedschaft nicht bereut.
Josef und Florian meinen: »Man lernt Verantwortung zu übernehmen. Man wird ein bisschen erwachsener.«

Studentenverbindungen

Studentenverbindungen gehören fast immer zu einem Dachverband, der in einer Vielzahl von Städten einen Ortsverband hat. Die Orts- und Dachverbände unterscheiden sich nach den Merkmalen schlagend, farbentragend, konfessionsnah und/oder politische Weltanschauung. Schlagend bezieht sich auf das studentische Fechten: Es wird unterteilt in schlagend – fakultativ oder verpflichtend – sowie nichtschlagend. Verbindungen können ihre Farben als sogenannten »Schmuck« tragen, das heißt als Bänder und Kappen. Einige entscheiden sich nicht farbentragend zu sein, haben demzufolge also keinen Schmuck.
Innerhalb einer Verbindung wird abgestuft in die Fuxen, die »Anwärter« für eine vollwertige Mitgliedschaft, die Burschen, die bereits eine Prüfung abgelegt und einen Mitgliedseid geschworen haben, sowie die Alten Herren, welche ihr Studium abgeschlossen haben und die Verbindung auch weiterhin unterstützen.
Burschenschaften zeichnen sich durch eine bestimmte Organisationsform aus und gehen auf die Jenaer Urburschenschaft zurück. Abgrenzen kann man sie allerdings nur durch den Dachverband; es gibt kein Merkmal, das sie automatisch von anderen Verbindungen unterscheidet.
Burschenschaften sind nicht automatisch rechts, es gibt durchaus liberale Burschenschaften. Allerdings ist auch das andere Extrem zu finden – so werden einige durch den Verfassungsschutz beobachtet.
Die meisten Verbindungen sind auch heute noch ausschließlich Männern vorbehalten. In Halle gibt es eine gemischte Verbindung, den ATV Gothia.

Über Anne Jüngling

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Erstellt: 25.01. 2017 | Bearbeitet: 25.01. 2017 19:55