Mai 2017 hastuUNI Heft Nr. 72 0

Party auf dem Appellplatz

In anderen Universitätsstädten ist es längst eine etablierte Sache; in Halle aber warteten die rund zwanzigtausend Studierenden bisher vergeblich auf ein Event dieser Größenordnung. Dieses Jahr ist es so weit: Erstmals findet in Halle ein Campusfest statt.

Fotomontage: Konrad Dieterich Foto: Alexander Kullick, Grafik: campuskultur halle GmbH

Fotomontage: Konrad Dieterich
Foto: Alexander Kullick, Grafik: campuskultur halle GmbH

Der  Von-Seckendorff-Platz in der Heide wirkt mit seiner Größe fast ein bisschen einschüchternd. Man darf wohl annehmen, dass das auch die Absicht der Architekten war, die diesen einst als militärisches Gelände genutzten Komplex in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts entwarfen. In der jüngeren Vergangenheit kennt man diesen Ort vor allem als Parkplatz und Standort verschiedener universitärer Einrichtungen. Am 14. und 15. Juni dieses Jahres wird die Geschichte des Platzes um eine Ergänzung reicher: Halles erstes Campusfest wird dort stattfinden.
Maßgeblich beteiligt an der Organisation ist der Studierendenrat der Uni, welcher durch die eigens gegründete campuskultur halle GmbH unterstützt wird. Geführt wird sie durch Claudia Wagner, die das Campusfest in Leipzig schon einige Male miterlebt hat, und Robert Lucka. Seitens des Sturas sind Axel Knapp (RCDS und einer der Vorsitzenden des Sprecherkollegiums des Sturas) und Öffentlichkeitsreferent Martin Lohmann Mitglieder des Organisationsteams. Einige Wochen vor den Festivitäten traf sich die hastuzeit mit ihnen zum Interview.

Das Campusfest findet in dieser Art zum ersten Mal in Halle statt, während es in anderen Städten, wie zum Beispiel Leipzig, schon länger etabliert ist. Wie kommt das?
Martin: Wir hatten in der Vergangenheit als Stura schon so eine Art Mini-Campusfest. In den Jahren 2014 und 2015 gab es auf dem Uniplatz eine Bühne mit ein bisschen Musik, was bei den Studis eigentlich auch ganz gut ankam. Dadurch kam die Idee auf, dass man das auch noch weiterführen könnte. Im Folgejahr haben wir darauf verzichtet, weil wir da bereits in Planung für das Campusfest waren.

Worin liegt beim diesjährigen Fest ganz konkret der Unterschied zu den bisherigen?
Axel: Das bisherige Campusfest fand in einem viel kleineren Rahmen statt, es kamen viele lokale Bands und es war kostenlos. Wir haben jetzt zwei Tage, ein viel größeres Gelände und überregionale Bands mit bekanntem Namen. Es sind andere Ausmaße, sodass wir das als Stura nicht mehr alleine stemmen können. Deshalb haben wir uns Claudia und Robert als Hilfe dazu geholt, die ja schon Erfahrung haben.

Dem Protokoll einer Stura-Sitzung von 2015 ist zu entnehmen, dass die Stadt und die Uni bereits die Idee eines Campusfestes hatten, bevor der Stura überhaupt kontaktiert wurde. Welche Rolle spielen die beiden Institutionen heute bei der Planung und der Organisation?
Claudia: Ich habe vor einigen Jahren bei der Uni mal vorgefühlt, ob es überhaupt Interesse gibt. Das ist zwei, drei Jahre lang gescheitert. Die Geschichte hat gezeigt, dass das ein studentisches Thema ist und seit wir uns hier mit dem Stura zusammengefunden haben, funktioniert die Zusammenarbeit ganz gut.
Axel: Logischerweise ist auch die Uni in den Prozess eingebunden, schon alleine, weil es auf ihrem Gelände stattfindet. Es soll auch ein Festival sein, das die Uni als wissenschaftliche Institution einbezieht. Aber die komplette programmatische Ausgestaltung machen der Stura sowie Claudia und Robert, da stehen die Interessen der Studis im Vordergrund.

Das Unternehmen campuskultur Halle GmbH wurde eigens für das Campusfest gegründet. Welche Ursachen hat das?
Claudia: Es geht vor allem um die Rechtslage. Weder der Stura noch wir persönlich (Robert Lucka und sie, Anm. d. Red.) könnten das Risiko alleine tragen, deshalb auch der Zusatz »GmbH«. Außerdem wird man dadurch von den großen Konzertagenturen auch ernster genommen, als Privatperson bekommt man von denen teils nicht mal eine Antwort.

Ist das Unternehmen auf den Stura zugekommen, oder war es andersherum?
Claudia: Die Ideengebung ging vom Unternehmen aus, Robert und ich kennen uns auch schon lange. Die Uni meinte, es müsse ein Studentenprojekt sein. Wir entscheiden aber alles gemeinsam mit dem Stura, zum Beispiel, welche Bands auftreten.

Weil du die Bands gerade ansprichst: Wie tiefgründig habt ihr recherchiert, was für Gruppen ihr engagiert und welche Inhalte sie besingen?
Martin: Wir haben uns zusammengesetzt und geschaut, welche Musik wir gut finden. Wir sind schnell an Grenzen gestoßen und haben festgestellt, welche Bands nicht finanzierbar oder verfügbar sind. Claudia hat dann Vorschläge gemacht, was für Gruppen machbar sind. Es waren keine Bands dabei, bei denen wir Bauchschmerzen hatten.
Axel: Dafür, dass es das erste Mal ist, können wir uns nicht beschweren, es sind einige überregionale Bands dabei, ein ordentliches Line-up.

Wie läuft der Vorverkauf der Eintrittskarten?
Claudia: Ganz gut, Zahlen wollen wir aber noch nicht nennen.
Robert: Man muss auch bedenken, dass die Gäste noch nicht wissen können, was sie erwartet. Es gibt noch keine Erfahrungswerte, weil es eben zum ersten Mal stattfindet. Wir rechnen mit einem Großteil von Käufen an der Abendkasse.

Durch wen werden eventuell auftretende finanzielle Risiken gestemmt?
Martin: Deswegen hat sich der Stura auch einen Veranstalter gesucht, um ein Stück weit der Haftung zu entgehen. Wenn es zu Kostenengpässen kommen sollte, kann man darüber nachdenken, ob noch Gelder aus der Studierendenschaft genutzt werden. Hängt davon ab, wie es anläuft.
Robert: Bisher haben wir uns über Sponsorengelder finanziert, der Einlass und die Gastronomie vor Ort kommen noch dazu. Wir hoffen, dass es am Ende kein Negativgeschäft wird.

Warum wird Eintritt verlangt?
Claudia: Die Kosten sind nötig, um den Ort der Veranstaltung sowie natürlich die Bands bezahlen zu können.
Die finanzielle Absicherung spielt auch eine Rolle. Wir haben uns sehr bemüht, die Preise trotzdem studentenfreundlich zu halten, und denken, das ist uns auch gelungen. Es sind viele tausend Gäste nötig, um am Ende eine schwarze Null stehen zu haben. Es bleibt das Risiko, weil es nun mal eine Erstveranstaltung ist.

Am 14.06. findet gleichzeitig an einem anderen Ort eine Podiumsdiskussion des AK Inklusion und der LINKEN statt. Kann man das als Konkurrenzveranstaltung zum Campusfest betrachten?
Claudia: Nein, wir wussten davon vorher und wollten das ursprünglich in das Fest integrieren.
Robert: Besonders die Rosa-Luxemburg-Stiftung als Träger der Podiumsdiskussion hatte Bedenken aufgrund des Eintrittspreises, weil deren Diskussion möglichst allen zugänglich sein soll. Leider haben wir schlussendlich keine gemeinsame Lösung gefunden.

Kann es ein zukunftsträchtiges Projekt werden?
Robert:  Wir haben sicher ein gutes Konzept, tolle Bands und können reinen Gewissens starten. Wir hoffen natürlich auf positive Resonanz seitens der Studis.

  • Datum: 14./15. Juni 2017
  • Eintrittspreise: Im VVK 13 € für beide Tage oder 8 € für einen Tag. An der Abendkasse 17 bzw. 12 €. Für Nicht-Studierende abweichend. Kein Zutritt für Personen unter 18.
  • Bands und Konzerte: Kids of Adelaide, Meute, Symbiz, Monkey Safari und viele andere
  • Weitere Infos: http://www.campusfest-halle.de/

Über Alexander Kullick

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Erstellt: 31.05. 2017 | Bearbeitet: 03.06. 2017 02:59