Jul 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 73 0

Leben spenden

Alle fünfzehn Minuten erfährt ein Mensch in Deutschland, dass er an Leukämie erkrankt ist. Neben der Stammzellenspende ist man besonders bei Operationen auf Blutspenden angewiesen, doch trotz des Wissens um diese Fakten gibt es immer noch zu wenig Spenden.

Foto: Julia Plagentz (Archiv)

Leukämie ist eine Erkrankung, die im Gegensatz zu anderen Krebsarten relativ selten vorkommt; sie macht 2,4 Prozent aller Tumorerkrankungen aus. Dennoch hört sich die Zahl der Betroffenen, die jährlich in Deutschland an Leukämie erkranken, mit rund 10.000 Menschen ziemlich hoch an. Unter ihnen leiden etwa 60 Prozent an einem chronischen und 40 Prozent an einem akuten Krankheitsverlauf.

Bei dieser Erkrankung lassen sich insgesamt vier verschiedene Hauptformen erkennen, zwei akut verlaufende und zwei chronische. Da die chronische Form sich sehr langsam entwickeln kann, ist sie auch schwierig zu diagnostizieren und kann dadurch unbehandelt genauso gefährlich sein wie die akute, schnell fortschreitende Art der Erkrankung. Im Allgemeinen entsteht eine Leukämie, wenn der normale Reifungsprozess der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Knochenmark gestört wird und sich somit nicht funktionsfähige Blutkörperchen vermehren können. Die Aufgabe der Abwehr von Krankheitserregern kann nicht mehr erfüllt werden. Außerdem verdrängen die entarteten Leukozyten gesunde weiße und rote Blutkörperchen und Blutplättchen. Übersetzt bedeutet Leukämie »weißes Blut«. Die Ursachen sind bislang noch nicht eindeutig geklärt. Genetische Faktoren sollen bei der Entstehung einer Leukämie eine Rolle spielen, jedoch ist es umstritten, ob oder wie ionisierende Strahlen, bestimmte Chemikalien (zum Beispiel Benzol) oder Viruserkrankungen den Krankheitsverlauf beeinflussen.

Wenn es offensichtlich doch so viele gibt, die auf Hilfe angewiesen sind, ist die Frage, die sich in diesem Kontext stellt: Was kann man tun, um zu helfen und im Kampf gegen diese Form des Krebses Unterstützung zu bieten? Die Antwort ist naheliegend. Fast jeder Mensch kann durch eine Registrierung zum potentiellen Stammzellenspender werden und somit die Chance, einen genetisch passenden Zwilling zu finden, erhöhen. Unwissenheit und Desinteresse sind die schlimmsten Feinde, die sich der Weiterentwicklung der Stammzellenspende in den Weg stellen. Dabei ist es ganz einfach und nicht zeitintensiv, sich beispielsweise bei der ehemals Deutschen Knochenmarkspenderdatei und heutigen DKMS gemeinnützige GmbH zu registrieren. Grundsätzlich ist es jedem gesunden Menschen zwischen 17 und 55 Jahren möglich ein potentieller Stammzellenspender zu werden. Der Brief mit den notwendigen Unterlagen und den Stäbchen für den Abstrich der Wangenschleimhaut wird bequem zu einem nach Hause geschickt. Nachdem man ihn wieder zurückgeschickt hat, wird man über jeden weiteren Schritt per E-Mail informiert. Trotz der Registrierung ist noch lange nicht sicher, dass man gleich ein passender Spender ist; manchmal können Jahre vergehen bis ein anderer Mensch eine Spende benötigt. Ist man doch in der Lage einem Menschen das Leben retten zu können, ist in 80 Prozent der Fälle gar keine Operation nötig. Die Stammzellen werden einfach bei einer Blutentnahme aus der Blutbahn entnommen. Bei den verbleibenden 20 Prozent werden unter Vollnarkose circa fünf Prozent des Knochenmarks entnommen. Das Knochenmark regeneriert sich innerhalb von zwei bis vier Wochen jedoch wieder.

Blut- und Blutplasmaspende

Nicht nur in diesem Bereich der Medizin wird eine Blutspende benötigt. Auch bei anderen Krankheiten oder Komplikationen bei Operationen werden Blutkonserven gebraucht. Mit 19 Prozent machen die Krebskrankheiten zwar den höchsten Verbrauchswert aus, jedoch folgen Herz-, Magen- und Darmkrankheiten schon mit 16 Prozent. Weitere 12 Prozent werden bei der Behandlung von Verletzungen aus Straßen-, Sport-, Berufs- und Haushaltsvorfällen verwendet. Bei schweren Unfällen müssen sogar bis zu zehn Konserven pro Person bereitstehen, um ausreichende Hilfe gewährleisten zu können. Ein großer Teil der deutschen Bürger ist mindestens einmal im Leben auf das Blut anderer angewiesen. Theoretisch könnten 33 Prozent der deutschen Bevölkerung Blut spenden, doch nur knapp 3 Prozent tun es regelmäßig. Im Alter von 18 bis 68 Jahren ist es möglich sich zum Spenden bereit zu stellen. Frauen dürfen im Jahr höchstens vier Mal und Männer höchstens sechs Mal spenden. Zwischen den Blutentnahmen sollten jedes Mal mindestens acht Wochen liegen,damit der Körper sich wieder richtig regenerieren kann. Solange man sich gesund fühlt und über 50 Kilo wiegt, kann es losgehen. Nach dem Ausfüllen eines Spenderfragebogens und nach einem Gesundheitscheck, wobei der Blutdruck, der Puls, die Körpertemperatur und der Eisengehalt gemessen werden, geht es weiter mit der Spende. Es werden etwa 500 Milliliter Blut entnommen und die Prozedur dauert kaum mehr als zehn Minuten. Bei Menschen mit Bluthochdruck hilft eine Blutspende sogar dem eigenen Körper. Viele Studien zeigen eine große Wirksamkeit, da eine regelmäßige Blutentnahme von circa 300 Millilitern eine durchschnittliche Absenkung des Blutdruckes um bis zu 16 mmHg erzielt und teilweise das Ergebnis behandelnder Medikamente (zum Beispiel Betablocker) übertrifft.

Bei der Blutplasmaspende sieht es etwas anders aus. Natürlich sind auch hier ein gesunder Körper und 50 Kilo Mindestgewicht die Voraussetzungen für die Teilnahme. Anders als beim Blutspenden ist es beim Plasmaspenden aber schon nach zwei bis drei Tagen möglich erneut spenden zu gehen. Hauptsächlich werden aus Plasmaspenden Medikamente hergestellt, auf die in Deutschland rund 16 000 chronisch Kranke angewiesen sind. Blutgerinnungsstörungen und eine geschwächte Immunabwehr sind hier die häufigsten Gründe für die Notwendigkeit von Plasmapräparaten. Des Weiteren werden Wundkleber, die aus Plasma gewonnen werden, bei Operationen eingesetzt, um starke Blutungen zu stoppen und Gewebe wieder zu verschließen.

Der Gewinn bei diesem Unterfangen ist im besten Fall ein gerettetes Leben. Eines ist doch klar: Es kann jeden treffen. Wir sind alle grundlegend in derselben Lage. Warum also sollten wir diesen winzig kleinen Stich für die Menschlichkeit nicht riskieren und unserer Empathie Raum geben? Auch wir wären nach einer Erkrankung oder einem Unfall auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Denn es gibt nicht viel zu verlieren, außer
ein bisschen Blut.

  • Knochenmarkspende: www.dkms.de
  • Blutspendedienst Universitätsklinikum Halle: Ernst-Grube-Straße 40, 06120 Halle (Saale)
  • Plasma Service Europe GmbH, Halle: Große Ulrichstr. 19, 06108, Halle (Saale)
  • Am Montag, den 10.7. kann zwischen 11.00 und 13.30 Uhr wieder in der Harzmensa Blut gespendet werden.

Über Esna Schirle

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Erstellt: 08.07. 2017 | Bearbeitet: 08.07. 2017 20:49