Dez 2017 hastuUNI Heft Nr. 75 0

Eltern mit Zweitjob Student

Die Uni möchte »familienfreundliche Hochschule« sein. Wie das Leben als studierendes Elternteil an der MLU aussieht, kann unsere Autorin aus erster Hand berichten.

In den Köpfen mancher Nicht-Studierender geistert die Vorstellung herum, man habe als Hochschüler ein leichtes Leben und sehr viel Freizeit. Nun, für einige Kommilitonen mag das zutreffen, allerdings wird die Mehrheit widersprechen. Denn wer sein Studium ernst nimmt, hat sicher kein leichtes Leben.

Foto: Katja Elena Karras

Diese Ernsthaftigkeit verstärkt sich erst recht, wenn man während dieser Zeit ein Kind bekommt. Man will allen Erwartungen gerecht werden: zuallererst natürlich denen des Nachwuchses, dann denen der Uni, denen der Verwandtschaft und selbstverständlich seinen eigenen. Diese Ansprüche zu erfüllen ist nicht immer einfach.

Das betrifft die grundlegendsten Themen, wie zum Beispiel das Besuchen der Vorlesung. Es kann gut sein, dass die erste Vorlesung am Tag um zehn Uhr morgens beginnt. Der nicht elterliche Leser fragt sich nun vielleicht, was denn dabei bereits zu Schwierigkeiten führen kann. Wenn aber das Baby in der Nacht um drei nach Nahrung verlangt und dann um sechs oder sieben bereits wach ist und die gesamte Aufmerksamkeit beansprucht, ist an Ausschlafen nicht zu denken. Und das, nachdem am Tag zuvor bis spät abends noch der Vorlesungsstoff nachgearbeitet oder für eine Klausur gelernt wurde. Der Schlaf bleibt auf der Strecke, und die Akkus sind auch nicht richtig aufgeladen. Somit sind Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten in der Vorlesung vorprogrammiert. Aber für ein zahnloses Lächeln des Kindes wird das gern in Kauf genommen.

Platzmangel

Die Tatsache, dass es viel zu wenige Kitaplätze gibt und ewig auf deren Zu- oder Absage gewartet werden muss, kommt erschwerend hinzu. Dabei hat das Studentenwerk einen eigens für Hochschüler und Mitarbeiter der Universität eingerichteten Kindergarten. Aber selbst hier sind die Kapazitäten nicht ausreichend, um alle Anfragen positiv und zeitnah zu berücksichtigen – einige Studierende warteten vergebens auf eine Rückmeldung.

»Es gehen täglich zwischen 5 – 6 telefonische Anfragen […] ein. Hinzu kommen täglich 1– 2 schriftliche Anfragen«, so der Pressesprecher des Studentenwerks Thomas Faust. Dabei seien die Anfragen »fast ausschließlich für Kinder im Alter von 0 –1 Jahr«, und Kinder studierender Eltern würden bevorzugt aufgenommen.

Der Slogan einer familienfreundlichen Universität ist somit nicht ganz umgesetzt. Das wird zu einem großen Problem, wollen beide Elternteile wieder studieren. Zwar existiert die Kurzzeitbetreuung »WeinbergKids«, aber diese ist kein adäquater Ersatz für einen Platz in einer Kindertagesstätte.

In dieser Notsituation greift oftmals das familiäre Umfeld, sofern am Wohn- ort vorhanden. Ist das nicht der Fall, ziehe man als alleinerziehende Stu- dentin auch wieder zurück zu seinen Eltern und nehme einen zweistündigen Fahrtweg auf sich, meint Steffi (24). Die Verwandten würden dann oft zu Ersatzeltern, welche die Betreuung des Nachwuchses während Vorlesungs- und Lernzeiten übernehmen, sodass erst am Wochenende ausgiebig Zeit sei, sich mit seinem Kind zu beschäftigen.

Kinderfreundlich mit Hindernissen

Entgegen der Betreuungssituation ist die Resonanz der Dozenten auf studentische Eltern zum großen Teil positiv. Man kann sein Kind mit in die Vorlesung nehmen, sofern es vorher abgesprochen wurde, und kann Hausarbeiten oder Praktika verschieben, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Des Weiteren ist es einem als (werdende) Mutter gestattet, auch im Urlaubssemester Leistungspunkte zu erbringen. Für Väter tritt diese Regelung jedoch nicht in Kraft. Vielleicht sollte hier, der Gleichberechtigung wegen, nachgebes- sert werden.

Als weiteren »semipositiven« Punkt der kinderfreundlichen Uni wären zwei Orte zu nennen, an denen sich Eltern mit ihren Kindern treffen und austauschen können, als da wären die »Kinderinsel« im Sturagebäude (Uniplatz 7) und der Aufenthaltsraum (mit separat abgetrenntem, abgeschlossenen El- tern-Kind-Raum) am Steintor-Campus (Adam-Kuckhoff-Str. 34 a).

Leider findet nur einmal wöchentlich (immer montags ab 15.00 Uhr) eine Krabbelgruppe in der »Kinderinsel« statt, und für den Eltern-Kind-Raum am Steintor-Campus wird ein Schlüssel benötigt, welcher gegen eine Kaution in Höhe von 40,00 Euro im Sekretariat des Instituts für Anglistik/Amerikanistik und nach vorheriger Anmeldung beim Familienbüro der Martin-Luther-Universität ausgeliehen werden kann. Dieser muss am nächsten Tag zurückgegeben werden. Zusätzlich müssen folgende Dinge eingehalten werden:

1. Anerkennung der Nutzungsordnung durch Unterschrift
2. Angabe persönlicher Daten (Name, Vorname, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Matrikel-/Personalnummer)
3. Nachweise des Nutzungsbedarfs (Kopie Geburtsurkunde/Nachweis über chronische Krankheit, Behinderung)
4. Aktueller Nachweis des Angehörigenstatus (Immatrikulationsbescheinigung/Dienstausweis)

Finanzielle Unterstützung

Einige Stichpunkte zur Beantragung verschiedener Leistungen von Staat, privaten Organisationen und der Universität.

Verschiedene Hilfen können bereits vor der Geburt des Kindes beantragt werden, beim Jobcenter, auch und gerade für Studenten. Werdende Eltern sollten sich hier nicht abwimmeln lassen. Man hat einen Anspruch auf »Mehrbedarf für Schwangere« und »Erstausstattung für das Kind«, und das neben dem regulären BAföG. Des Weiteren kann bei einem öffentlichen Träger (Caritas, AWO etc.) ebenfalls eine zusätzliche Leistung zur »Erstausstattung für das Kind« beantragt werden.

Nun zu den Hilfen, welche nach der Geburt des neuen Familienmitglieds beansprucht werden können.

1. Kindergeld 192 € monatl. (wird ab Jan. 2018 um zwei Euro erhöht) / Familienkasse
2. Elterngeld / Elterngeldstelle
3. Begrüßungsgeld 100 Euro einmalig / Studentenwerk Halle
4. Kinderzuschlag auf das BaföG 130 € monatl. / Studentenwerk Halle
5. ALG II/Jobcenter (Für die Daheimgebliebenen. Sprich: für denjenigen, der Elternzeit/Urlaubssemester nimmt.) Dieses sollte übrigens rechtzeitig beantragt werden, sonst droht tatsächlich eine Strafgebühr in Höhe von 10,00 € (Stand Februar 2017)
6. Freitisch (ein Elternteil darf gratis speisen) und Kinderteller in allen Mensen
7. Unterstützung bei der Zahlung der Kitagebühren / Stadt Halle

Zusammenfassend sei gesagt, dass es einige gute Ansätze gibt, jedoch müssten diese den gegebenen Erfordernissen angepasst werden. Ohne die Unterstützung des familiären und freundschaftlichen Umfelds wird das Studium zur Utopie.

Über Diana Wetterling

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Erstellt: 08.12. 2017 | Bearbeitet: 09.12. 2017 16:07