Apr 2017 hastuPAUSE Heft Nr. 71 0

Eier im Beutel

Ostern ist das wichtigste Fest der Christen und wird weltweit doch auf unterschiedliche Weise gefeiert. Während sich die Kinder in Deutschland auf den Osterhasen freuen, bringt in Australien der Bilby die Ostereier. Andere Länder, andere Sitten.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Das Osterwochenende ist bei den meisten die Zeit, in der sich die Familie trifft, um ein paar ruhige Tage miteinander zu verbringen. Ob gläubig oder nicht, bei uns feiert fast jeder Ostern. Es gibt gutes Essen und man schaut sich gemeinsam das Osterfeuer an, Eier werden bemalt und Osternester werden versteckt – vom Osterhasen natürlich – das ist für uns ganz selbstverständlich. Doch wieso versteckt eigentlich der Osterhase die Süßigkeiten und kein anderes Tier? Man weiß bis heute nicht genau, warum der Hase als Symbol für das Osterfest steht. Allerdings sind die Tiere um diese Zeit herum besonders fruchtbar, es gibt sogar regelrechte Paarungskämpfe unter den Langohren, die auch »Hasenhochzeit« genannt werden. Ähnlich wie der Hase ist im Christentum auch das Ei ein Symbol für Fruchtbarkeit. Auch wenn es von außen eher unscheinbar aussieht, so entsteht in seinem Inneren doch neues Leben, es symbolisiert somit die Auferstehung Jesu.

Das Fest der Auferstehung

Die letzte Woche vor Ostern wird Karwoche genannt und ist für die Christen die wichtigste Woche des ganzen Jahres. Der Donnerstag wird als Gründonnerstag bezeichnet; an diesem Abend soll Jesus ein letztes Mal mit seinen Jüngern gemeinsam gegessen haben. Am Karfreitag fand die Kreuzigung statt. Dadurch, dass Jesus am Kreuz gestorben ist, wurden alle Menschen von ihren Sünden befreit. An das Leid, das Jesus ertragen musste, wird am Ostersamstag mit zahlreichen Kerzen und Osterfeuern erinnert. Laut der christlichen Lehre wird die Auferstehung am Sonntag mit der Familie gefeiert und die Fastenzeit wird beendet. Auch der Ostermontag ist in ganz Deutschland ein gesetzlicher Feiertag, dieser geht auf die Auferstehung aus Sicht der Jünger zurück, die Jesus an diesem Tag gesehen haben wollen, bevor er vor ihren Augen verschwand.

Dieses Jahr feiert das Judentum genau gleichzeitig Pessach, auch Passafest genannt, das für die Juden ebenfalls sehr wichtig ist. Pessach bedeutet soviel wie »vorüberschreiten« und steht für die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei. Um ihrem Volk zu gedenken, essen die Juden Mazzen, eine Art ungesäuertes Brot, und wünschen sich untereinander ein fröhliches Fest: »Chag Sameach«.

Das Osterfest ist im arabischen Raum zwar weniger verbreitet, dennoch gibt es das Sham-al-Naseem-Fest, das Christen und Muslime gemeinsam feiern. Das pharaonische Fest zelebriert die Rückkehr des Frühlings und ist in Ägypten ein Nationalfeiertag.

Traditionen aus aller Welt

In unserem Nachbarland Frankreich wird das Osterfest, ähnlich wie in Deutschland, groß und ausgiebig gefeiert. Allerdings haben viele französische Kinder wohl noch nie etwas vom Osterhasen gehört, denn in Frankreich sind stattdessen Glocken ein wichtiges Symbol für das Osterfest. Anders als in Deutschland suchen die Franzosen erst am Ostermontag nach Süßigkeiten und anderen Leckereien. Schokoladenostereier und -glocken gibt es in Frankreich zu Ostern in den verschiedensten Formen, Größen und Variationen. Kunstvoll verziert sind diese in allen Konditoreien und Patisserien zu finden. Die schönsten unter ihnen werden ausgezeichnet.

Auch in Spanien steht das Osterfest ganz im Zeichen der Auferstehung Jesu und der Karfreitag bildet hier den Höhepunkt der Osterwoche. In großen Städten, wie Sevilla oder Granada, gibt es sogenannte Osterprozessionen, bei denen große Heiligenstatuen von Bruderschaften in bunten Kutten durch die Straßen getragen werden. Auch wenn die Figuren sehr schwer sind, so ist es dennoch eine besondere Ehre bei solch einer Prozession dabei sein zu dürfen. Das Suchen von Ostereiern ist in Spanien unüblich, stattdessen werden die Kinder mit Osterbroten beschenkt, in deren Kern sich ein eingebackenes Ei befindet.

Sehr traditionsreich wird Ostern in Finnland gefeiert. Kinder verkleiden sich am Sonntag vor Ostern als kleine Hexen und ziehen von Haus zu Haus, um den Bewohnern geschmückte Weidenkätzchenzweige zu bringen, damit die bösen Geister aus dem Haus verjagt werden. Im Gegenzug erhalten sie dafür Süßigkeiten und andere Leckereien. Ansonsten schmücken die Finnen gern Äste mit bunten Federn.

Verlässt man Europa und richtet seinen Blick auf die USA, dann wird man um die berühmten Easter-Parades nicht herumkommen. Die Amerikaner verkleiden sich und fahren mit auffallend geschmückten Wagen durch die Straßen. Ebenfalls dürfen Kinder jedes Jahr auf dem Gelände des Weißen Hauses Eier suchen und rollen diese, ganz traditionell, mit einem Stock über den Rasen.

In Australien sind Hasen und Kaninchen verpönt und bringen an Ostern sicher keine Ostereier und Süßigkeiten. Die Australier zeigen sich solidarisch mit ihrem Bilby, einem hasenähnlichen Beuteltier, das am Ende des 18. Jahrhunderts durch eine Kaninchen-Invasion fast vollständig vertrieben wurde. Statt Schoko-Osterhasen werden in Australien also Oster-Bilbies verkauft. Verliebte Pärchen schöpfen zu Ostern frisches Wasser und heben dieses bis zur Hochzeit auf. Das anschließende Beträufeln mit dem Wasser soll Glück und Beständigkeit in der Ehe symbolisieren.

Auch die größtenteils christlich geprägten Filipinos feiern Ostern, allerdings mit zum Teil extremen Ritualen. Am Gründonnerstag und Karfreitag ziehen Männer durch die Straßen und schlagen sich gegenseitig mit Bambuspeitschen wund, um die Kreuzigung Jesu zu versinnbildlichen. Kinder dürfen am Karfreitag keinen Lärm machen und sollen im Haus bleiben, damit sie keinen bösen Geistern begegnen, die ihnen Schaden zufügen könnten. Am Ostersonntag werden auf den Philippinen ganz traditionell Ostereier gesucht. Der Brauch verspricht, dass die Kinder größer werden, wenn sie von ihren Eltern am Kopf nach oben gehoben werden. Egal, wo man sich auf der Welt befindet, das Osterfest spielt fast überall eine Rolle. Ob religiös geprägt oder nicht, der Frühling wird an jedem Ort gern willkommen geheißen und dies feiert man am liebsten mit der Familie und Freunden.

Über Ramona Wendt

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Erstellt: 14.04. 2017 | Bearbeitet: 14.04. 2017 22:26