Mai 2017 hastuPAUSE Online 0

Der gehobene Zeigefinger

Bunt und quirlig wie ein gut gepflegter Gemischtwarenladen legt sich diese Kolumne ihrem erprobten Leserauge zu Füßen. Frei von den zwängenden Fesseln einer thematischen Beständigkeit, eines übergeordneten Gesamtkonzepts, wird hier nüchtern allerhand Gedachtes geteilt. Thema heute: Klimaschutz.

United Nations Development Programme, Mr. Rohan Chakravarty (CC BY-NC-ND 2.0) https://www.flickr.com/photos/unitednationsdevelopmentprogramme/7090419453/

United Nations Development Programme, Mr. Rohan Chakravarty (CC BY-NC-ND 2.0) https://www.flickr.com/photos/unitednationsdevelopmentprogramme/7090419453/

Vor einigen Tagen, liebe Leserinnen und Leser, da stieg mir Zornesröte ins Gesicht. Genau vor mir lief eine Frau mit brauner Papiertüte an der Hand über die Straße. »Der Natur zuliebe«, stand da drauf. Der Natur zuliebe. Das ich nicht lache!
Niemand tut freiwillig irgendwem irgendwas zuliebe. – Ich übertreibe: So ist der Mensch. Erst recht tut keiner nix für die Natur oder »zukünftige Generationen«. Diese blumige Zwei-Wort Phrase ist schon der nächste Grund laut loszulachen. »zukünftige Generationen«, Ha! An der Kasse gab’s keine Plastetüten mehr. So sieht’s doch aus. Diese Frau wurde zum Rechten gezwungen.

Niemand tut freiwillig irgendwas für irgendwen. Das hat die soziale Marktwirtschaft erkannt und lässt vom »Wollen« ihrer Mitglieder, gleich eine ganze Reihe anderer profitieren, die doch auch nur an sich selbst denken. Gemeinwohl ist in der Regel Abfallprodukt des Wirtschaftens und Konsumierens, oder?

Machen wir’s praktisch.
Sie können aufs Rauchen nicht verzichten obwohl das Ihnen, Ihrer Umwelt und den gesetzlichen Krankenkassen schadet? Nichts leichter als das, zahlen’se Steuern drauf. Sie nehmen lieber das Auto als die Bahn? -Obacht! Jetzt wird’s schwierig für Pendler und strukturschwache Räume- Der Staat kennt die Antwort: Benzinsteuer.

Ach, der säuerliche Geschmack von Rinderrouladen ist Ihnen einfach unabkömmlich, trotz des Kohlenstoffdioxid-Saustalls den sie da auf ihrem Teller veranstalten? Pas de soucis, eine Umweltpauschale wird’s richten und den Dreck, den Sie an einer Stelle machen, an anderer wieder einbuddeln. Für zukünftige Generationen. Sie verstehen schon, die wollen ja auch noch atmen.

Letzteres, ein salopper Scherz. Wo kämen wir denn da hin, wenn Fleisch oder ähnlich unnötig aufwendige Produkte be(s)teuert werden würden? Das wäre ja … Huch. Ja, das wäre der Natur zuliebe, weil der Natur ganz lieb. Aber so lieb ist sie uns dann doch nicht, die Natur.

Aber vielleicht sind wir uns lieb genug?

Es ist an der Zeit aufzuhören mit dem schönen Gerede. Nicht Mutter Natur, nicht der Umwelt zuliebe, nein, uns zuliebe müssen wir aufhören fossile Energien zu verbrennen, Regenwälder für Palmöl abzuholzen und Fleisch zu verzehren als gäbe es kein Morgen mehr. Gibt es dann auch nicht. Uns zu Liebe, sich selbst zu Liebe, sollte auf das Fahrrad umgestiegen, auf die Einwegtüte und Verpackung verzichtet werden.

Klimaschutz liegt in jedermanns Interesse! Auch in Ihrem, liebe Leser. Ja, Klimaschutz ist Selbstschutz. Ein Bumerang, mit enormer Flugzeit. Wir müssen nur das große Bild, die langen Zeiträume in Betracht nehmen.

Und für diese Tragweite braucht es ein allgemeines Bewusstsein, bevor die Leute sich von klimapolitischen Entscheidungen gegängelt fühlen und folgend mit coolen Sprüchen wie diesem um die Ecke kommen: »So’n kurzer kalter Sommer und die reden von Klimaerwärmung«.

Selbstbewusst, eigeninitiativ und konsequent muss er sein, der Schutz der Umwelt.
Ban Ki-Moon hat da ganz recht, wenn er meint, einen Plan B zum Klimaschutz gäbe es nicht, weil es auch keinen Planeten B gibt.
Wir, die Verbraucher, entscheiden ganz allein wonach wir im Supermarkt langen, wie viel Müll wir produzieren und wie groß und voll unsere Kleiderschränke werden. Das ist die Macht, die wir begreifen und nutzen müssen.

In Europa wird es übrigens kälter, je stärker die Polkappen abschmelzen, da mit ihrem Verschwinden möglicherweise der warme Golfstrom schwächelt. Denken Sie daran, wenn die Verwandtschaft mal wieder auf Kosten des Klimas lustig sein möchte. Sagen Sie dann schlau: Das ist das Heinrich-Event.

Warme Grüße,
Ihr Sascha Kodytek

Über Sascha Kodytek

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Erstellt: 18.05. 2017 | Bearbeitet: 18.05. 2017 21:35