Jun 2017 hastuUNI Heft Nr. 73 Online 0

Anwesenheitsproblem im Stura? – Die Fortsetzung

Panisches Zählen, angespanntes Lachen, unterdrückte Aufregung: Die Stura-Sitzung am 12. Juni startet alles andere als reibungslos. Für ungefähr zehn Minuten steht nicht einmal fest, ob die Sitzung überhaupt stattfinden kann – für die Beschlussfähigkeit fehlt genau ein Mitglied.

Ein Bild von der vorletzten Sitzung am 29. Mai. Foto: Alexander Kullick

Hektisch werden die Anwesenden wieder und wieder gezählt und durch den Raum ruft Kai Krause (LHG) von der Sitzungsleitung: »Habt ihr euch auch alle in die Liste eingetragen?« Handys werden gezückt, verzweifelt nicht-anwesenden Mitgliedern hinterhertelefoniert. Anscheinend sind die Abmeldungen zu kurzfristig und nicht gesammelt eingegangen, so dass auch keine Stellvertreter ernannt wurden.

19:08 kann die Beschlussfähigkeit schließlich unter Aufatmen und vereinzeltem Gelächter festgestellt werden. Das dafür extra herbeorderte Mitglied huscht nach einer Minute wieder aus dem Saal. Mit 20 beziehungsweise 19 Anwesenden beginnt die Sitzung.

Wie gewöhnlich kommt zuerst Elke Lopens, die Büroleiterin des Sturas, zu Wort, die auf die vierte »Schnack-Lounge« am 20. Juni aufmerksam macht, eine ungezwungene Karrieremesse.

Die neu ernannte Referentin für äußere Hochschulpolitik, Dörte Jacobi (Die LISTE), wird weiterhin für ihren ausführlichen Bericht gelobt, den jede(r) ReferentIn erstellen muss. Einen solchen Bericht hat Lukas Wanke (OLLi), der Referent für innere Hochschulpolitik, zwar vorgelegt, allerdings sind die Mitteilungen, die er dem Stura präsentiert, frisch aus dem Kopierer. Von der Sitzungsleitung gibt es dazu prompt eine Rüge: Der Stura sei »kein Lesezirkel« meint Kai, da durch die späte Einreichung alle Mitglieder gezwungen sind, die Texte während der Sitzung zu überfliegen. Lukas gelobt unterdessen Besserung und verspricht »die Texte nächstes Mal eher einzureichen.«

Die Mitteilungen thematisieren zunächst den geplanten Straßenbahn-Bau der Stadt Halle sowie der HAVAG direkt über den Heide-Süd-Campus. Dabei werden vor allem »die Störung des wissenschaftlichen Alltags auf dem Campus« und der »Eingriff in das Gesamtkonzept des Campus« befürchtet. Der öffentliche Nahverkehr sei auf jeden Fall zu fördern, vor allem im Hinblick auf den voranschreitenden Klimawandel. Nichtsdestotrotz schließt sich der Stura mit dieser Mitteilung dem Protest aus den betroffenen Fakultäten an und ist sich sicher, dass die Universität das Gelände nicht freigeben wird.

Auch in diesem Jahr plant der AK Wohnzimmer ein Sommerfest im Innenhof des Sturas, welches wahrscheinlich in der ersten Juliwoche stattfinden wird und zu dem alle Studierenden herzlich eingeladen sind.

Für Erheiterung sorgt der nächste Tagesordnungspunkt, der sich mit der studentischen Besetzung des Auswahlgremiums für das Deutschlandstipendium befasst. Noch in dieser Sitzung sollen vier Mitglieder gefunden werden, die sich dazu bereit erklären würden – ohne den Arbeitsaufwand wirklich einschätzen zu können, wie auch bemängelt wird. Gesucht werden jeweils zwei Geistes- und Naturwissenschaftler. Auf die Meldung Kolja Riekes (Die LISTE) herrscht kurz Verwirrung: »Du kannst das nicht machen, du studierst doch Jura«, das sei doch keine Geisteswissenschaft. Auch die Frage, ob man sich dann noch für das Deutschlandstipendium bewerben könne, erntet Gelächter.  Es folgt ein nichtöffentlicher Teil, der sich mit der Identitären Bewegung befasst – nähere Informationen sind dazu leider nicht verfügbar.

Im weiteren Verlauf wird ein Finanzantrag des AK Ökologie und Nachhaltigkeit für den Tag der Nachhaltigkeit unterstützt. Dieser soll die Ringvorlesung des Arbeitskreises mit einer Fishbowl-Diskussion abschließen, zu der auch hochrangige Gäste wie der Kanzler der MLU geladen sind.

Für eine kontroverse Debatte sorgt der Antrag der Institutsgruppe Ethnologie, bei dem es um die finanzielle Unterstützung der Zusammenlegung des jährlichen Sommerfestes und der »Ethno-Lounge« der IG ging. Der Antrag erfolgte so kurzfristig, weil der FSR des Institutes zurzeit anscheinend keine Finanzanträge bearbeiten kann. Die Finanzerin Melissa Andes behauptet, dass der StuRa keine Partys unterstützen würde und kritisiert weiterhin die Beschränkung der Veranstaltung auf Ethnologie-Studierende. Daraufhin erwidern die Vertreter, dass natürlich jeder willkommen sei und gerade die Zusammenlegung und Größe des Events auch Studierende anderer Fachrichtungen ansprechen würde. Lukas argumentiert weiterhin, dass Ersti-Party und Campus-Fest auch Partys sind, die sogar vom Stura mit organisiert werden würden, zumal die Organisatoren hier offensichtlich in der Klemme stecken würden und auf die Unterstützung angewiesen seien. Bei der Abstimmung wird der Antrag mit zwölf Ja-Stimmen, zwei Enthaltungen und sechs Nein-Stimmen angenommen.

Trotz des verzögerten Beginns schließt die Sitzung nach weniger als zwei Stunden. Und obwohl viele Projekte unterstützt und damit teilweise erst ermöglicht wurden, bleibt ein schaler Nachgeschmack zurück. Die Praxis, mit der die Beschlussfähigkeit hergestellt wurde, ist nicht unbedingt vertrauensstiftend. Womit sich die Fragen stellen: Wie ernst nehmen Stura-Mitglieder ihre Aufgabe? Ist die Mitwirkung in diesem Gremium studentischer Vertretung vielleicht nur ein schöner Eintrag im Lebenslauf?

Wir maßen es uns weder an, Antworten auf diese Fragen zu finden, noch alle Stura-Mitglieder über einen Kamm zu scheren. Allerdings ist es bedenklich, dass solche Beobachtungen überhaupt möglich sind. Im Hinblick auf anstehende Prüfungen und die zunehmende Sommerhitze bleibt abzuwarten, ob sich das Anwesenheitsproblem möglicherweise weiter zuspitzen wird und eventuell sogar eine Sitzung ausfallen muss.

  • Die nächste Sitzung ist am 26.06
  • Seit diesem Semester berichten wir regelmäßig darüber, was auf den Sitzungen des Studierendenrates passiert. Damit wollen wir Hochschulpolitik für alle zugänglich und verständlich machen. Unsere anderen Berichte findet Ihr hier.

Über Anne Jüngling