Aug 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 65 0

Der Hallische Zufall

Der »Hallische Zufall« ist die Kolumne der hastuzeit. Darin schildert Tobias regelmäßig Momente und Begebenheiten der hallischen Ab- und Besonderlichkeiten. Dieses Mal ist der Zufall voller Frühlingsgefühle.

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Illustration: Anne Walther

Manchmal hat der Hallische Zufall wirklich das Gefühl, dass seine Lieblingsstadt im Winter in einen Schlaf fällt. Dann, wenn alles kalt, grau und dunkel ist. Nur ganz selten gibt es einmal wirklich viel Schnee, der alles erträglich macht. Zumal wenn die Menschen auch noch immer schlechtere Laune haben, dann könnte er sogar manchmal fast an seiner Stadt verzweifeln. Vor allem die laut Stereotyp typisch hallische Mürrischkeit findet der Zufall ganz grauenhaft. Ganz selten denkt in solchen Momenten sogar der Hallische Zufall mal an Urlaub.
Umso erleichterter war der Hallische Zufall, als er die ersten Sonnenstrahlen auf dem Fell spürte, die ersten Krokusse blühen sah und mehr und mehr Lächeln auf den Gesichtern der Menschen erkannte. Die Cafés haben bereits wieder ihre Terrassen und Gärten geöffnet. Nicht nur Burgstudierende verlagern ihre Projekte wieder zusehends nach draußen, und die Schüler der Reil-Sekundarschule und des Giebichenstein-Gymnasiums hängen bereits wieder bis spät in die Nacht am Landesmuseum herum und erwarten trinkend und rauchend den Sommer. Das endgültige Zeichen für Frühlings Erwachen waren für den Hallischen Zufall dieses Jahr aber die Nutrias an der Saale. Häufig mit Bibern verwechselt, zeigen diese putzigen Tiere wieder ihre bekannte Zutraulichkeit, lassen sich füttern und sich von der Frühlingssonne den Pelz wärmen. Eine der geheimen Attraktionen von Halle.
Die innere Entspanntheit, die diese Wesen ausstrahlen, gefällt dem Hallischen Zufall ganz außerordentlich. Wie nun also der Zufall ausnahmsweise den tierischen Bewohnern seiner Stadt bei ihren Aktivitäten zuschaut, fällt ihm doch ein menschliches Pärchen auf. Oder ist es noch gar keins ? Wohl eher ist der Zufall Zeuge eines Dates. Beim Lauschen erfährt der Zufall, dass der eine tatsächlich den anderen zum Nutria-Füttern eingeladen hat. Es sollte wohl mal etwas anderes sein. Der Hallische Zufall kann diesen Ansatz nur loben.
Denn manchmal hat er das Gefühl, dass den Hallensern etwas die Date-Kreativität fehlt. Treffpunkte sind nur allzu häufig der Händel, das »Fräulein August« oder das »Bewaffel Dich«. Wie wär«s denn diesen Frühling mal mit außergewöhnlichen Treffpunkten ? Zeitlos romantisch die Eichendorff-Bank nahe Trotha ? Morbider Charme bei den verlassenen Fabriken ? Wagemutig baden in der Saale ? Oder wie wär«s mal mit einem unvoreingenommenen Gang durch die Neustadt ? Der Hallische Zufall jedenfalls hat Lust, diesen Frühling nicht immer nur dieselben Rendezvous zu beobachten. In der Zwischenzeit wird er sich die Frühlingssonne auf der Peißnitz faul ins Gesicht strahlen lassen, Großnager beobachten und auf das erste Open-Air warten.

Auf Wiedersehen.

  • Begegne dem Hallischen Zufall in vergangenen und zukünftigen Heften: www.hastuzeit.de/tag/zufall

Über Tobias Hoffmann

Tobias Hoffmann
Tobias Hoffmann vermisste während seines Biochemiestudiums das Schreiben und Formulieren. Seit Anfang 2013 füllt er diese Leere durch Mitarbeit bei der hastuzeit.

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Erstellt: 24.08. 2016 | Bearbeitet: 24.08. 2016 10:41