Jan 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 63 0

Winterblues

Im Herbst und vor allem im Winter sind viele Menschen müder und melancholischer als sonst, die Laune droht manchmal beim Anblick von Regen, Eis und Kälte in den Keller zu sinken. Um einer möglichen Winterdepression vorzubeugen, kann man einiges tun. Sogar Schokolade hat eine positive Wirkung auf unseren Körper.

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Illustration: Katja Elena Karras

Wer nicht gerade bekennender Winter-Liebhaber ist, dem graut es davor, wenn der Sommer seine letzten Sonnenstrahlen mit sich nimmt und der Herbst an die Tür klopft. Das heißt, dass auch der Winter sich nun auf den Weg macht. Die Temperaturen sinken, die Tage werden kürzer und die Nächte länger. Wer jetzt morgens um 8 Uhr zur Uni muss, überlegt sich noch dreimal mehr, ob man sich wirklich aus dem warmen kuscheligen Bett in den unangenehmen Nieselregeln begeben soll. Motivation, wo bist du? Während man in der Kälte auf die Straßenbahn wartet, blickt man in das triste Grau und sehnt sich nach Sommer, Sonne und dem Gefühl nach Leichtigkeit, das man mit der warmen Jahreszeit verbindet.


Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse hat jeder fünfte Deutsche im Winter schlechtere Laune als sonst. Diese zeichnet sich durch Müdigkeit, Lustlosigkeit und Unwohlsein aus, die sich auf das alltägliche Leben auswirken. Bewiesen ist, dass unser Körper in den kälteren Jahreszeiten weniger vom Glückshormon Serotonin ausschüttet, dafür aber mehr Melatonin produziert, was unseren Körper antriebsloser macht und somit erheblich zu dem Tief, in dem wir uns befinden, beiträgt. Je weniger Tageslicht wir abbekommen, desto mehr Melatonin wird erzeugt. Diese Wetterfühligkeit, die bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt ist, ist also keinesfalls Einbildung. Es zeigt lediglich, dass der Mensch nach wie vor eng mit der Natur verbunden ist. Dass es in unserer Umgebung nicht mehr blüht und gedeiht, die Blätter fallen und es häufiger regnet, geht nicht spurlos an uns vorbei. Unsere gute Laune aus sommerlichen Tagen scheint in dichten Nebelwolken zu verschwinden und wagt sich erst mit den zaghaft wiederkehrenden Sonnenstrahlen im Frühjahr endlich wieder heraus.
Oft wird vorschnell von der sogenannten Winterdepression gesprochen, allerdings ist die Wetterfühligkeit vieler Menschen nicht immer sofort mit einer richtigen Krankheit gleichzusetzen. Wichtig ist deshalb zu erwähnen, dass mangelnde Motivation und schlechte Laune im Winter noch lange keine Depression sind, sich aber möglicherweise zu einer solchen entwickeln können.

Es werde Licht

Personen, die also sehr stark unter der saisonalen Kälte und Dunkelheit leiden, haben ein vermehrtes Schlafbedürfnis, Heißhunger auf Süßes und sind extrem niedergeschlagen. Beobachtet man Symptome dieser Art sehr deutlich bei sich oder seinen Mitmenschen, sollte man darüber nachdenken, einen Arzt aufzusuchen, denn diese Anzeichen könnten auf eine Winterdepression hindeuten. Diese saisonale Depression wird in der Fachsprache auch als Seasonal Affective Disorder (SAD) bezeichnet und wird dann als Diagnose gestellt, wenn der Arzt diese Symptome über mindestens zwei Jahre bei seinem Patienten beobachtet. Bei den meisten Betroffenen machen sich die Symptome im Alter zwischen 20 und 30 das erste Mal bemerkbar. Frauen leiden viermal häufiger darunter als Männer. Natürlich wird auch die Winterdepression entsprechend behandelt, neben speziellen Medikamenten kommt oft auch eine Lichttherapie zum Einsatz. Betroffene der SAD setzen sich vor das extrem weiße Licht der Lampe und schauen gelegentlich hinein. Ziel soll es sein, über die Augen aktivierende Impulse an das Gehirn weiterzugeben. Auch wer aufgrund von Kälte und mangelnder Sonne lediglich unter Wetterfühligkeit leidet, kann einer möglichen SAD schon im Voraus entgegen wirken. Ausgiebige Herbst- und Winterspaziergänge, bei denen man auch bei bedecktem Himmel seinen Blick nach oben richten soll, helfen, den Körper mit Licht zu versorgen. Selbst ein wolkenverhangener Himmel spendet noch zehnmal mehr lebensnotwendiges Licht als geschlossene Räume, in denen wir uns in den kälteren Jahreszeiten so oft befinden. Auch wenn das warme Bett noch so einladend ist, sollte man etwas gegen den Winterblues tun und nach draußen gehen. Wer sich einmal aufgerafft hat, wird schnell selbst merken, dass auch Herbst und Winter ihre angenehmen Seiten haben. Sport zu treiben hilft dabei, Stress abzubauen und sich ausgeglichener zu fühlen.

Wundermittel Schockolade

Wer weiter vorbeugen möchte, sollte ebenfalls auf seine Ernährung achten. Vitaminreiche und kalorienarme Kost sind besonders gut, allerdings wird von Kuchen und Süßigkeiten nicht abgeraten, denn diese Nahrungsmittel tragen wiederum dazu bei, die Produktion von Serotonin in unserem Körper zu fördern. Außerdem wird während des Essens unser Belohnungssystem im Gehirn aktiviert. Vor allem der Glukosegehalt und die Kakaobutter in Schokolade führen zur Produktion von Glückshormonen. Es ist also tatsächlich bewiesen, dass Schokolade sich positiv auf unseren Körper auswirkt.
Wer sich an diese kleinen Tipps hält und es sich auch in der kalten Jahreszeit so gemütlich wie möglich macht, wird aus seinem Herbsttief schnell wieder heraus kommen.
Und weil man weiß, dass der Mensch nie zufrieden zu stellen ist, werden wir uns auch im herbeigesehnten Sommer wieder dabei ertappen, dass wir uns über die heißen Temperaturen beschweren und die Abkühlung der kälteren Jahreszeiten in manchen Momenten bevorzugen würden.

Über Ramona Wendt

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Erstellt: 12.01. 2016 | Bearbeitet: 04.05. 2016 22:45