Jan 2016 hastuUNI Heft Nr. 63 0

Wie schreibe ich meine erste Hausarbeit?

Eine wissenschaftliche Hausarbeit bildet im Studium oftmals eine eigenständige Prüfungsleistung. Viele Studierende wissen jedoch nicht, wie sie am besten an das Schreiben herangehen sollen. Dabei kann das sehr schnell gelingen und auch Spaß machen, befolgt man einige wichtige Grundschritte.

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Illustration: Tetyana Gryniva

Stephan Porombka, Autor und Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der UdK Berlin, hatte in der Zeit einige spannende Ideen, wie Studenten Spaß an Hausarbeiten haben können: »Lies deine Seminararbeit als Hörbuch ein. Gib es zusammen mit der Druckversion ab.« Oder: »Lass deine Oma deine Seminararbeit als Hörbuch einlesen. Gib es ohne Druckversion ab.« In der Hausarbeit, die im Bachelorstudium zumeist 10 bis 15 Seiten umfasst, untersucht Ihr ein bestimmtes Thema, das ihr durch Literatur unterstützt und welches Ihr durch die eigene Argumentation bereichert. Die Richtlinien für das Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten sind von Fach zu Fach unterschiedlich. Dieser Artikel wendet sich in erster Linie an Studierende der Geisteswissenschaften.


Schritt 1: Themenfindung

Eine Möglichkeit, das Thema für seine Hausarbeit zu finden, ist, sich selbst einen Aspekt auszuwählen, der Euch im Rahmen des Seminars besonders interessiert. Vorteil: Die Begeisterung für die Fragestellung motiviert Euch, fördert und fordert eure Kreativität.
Zweite Möglichkeit: Viele Dozenten vergeben am Anfang des Semesters Referate. Auf Grundlage von diesen könnt Ihr Eure Hausarbeit schreiben. Diese Methode birgt gleich mehrere Vorteile: Das Thema ist schon vorgegeben, und Ihr müsst es nur noch exakter formulieren und eingrenzen. Im Referat habt Ihr Euch mit den Quellen schon beschäftigt und eine Vorstellung von der Problematik bekommen. Ihr wisst also, worum es in Eurer Hausarbeit geht. Jetzt muss man sich nur noch tiefgründiger mit dem Thema auseinandersetzen.

Schritt 2: Literaturrecherche und Auswertung

Ann-Kristin Haude, die an der Humboldt-Universität zu Berlin während ihres Masterstudiums Tutorien zum wissenschaftlichen Arbeiten und dem Schreiben von Hausarbeiten angeboten hat, erklärt:
»Für das wissenschaftliche Arbeiten spielen zwei grundlegende Aspekte eine Rolle: Zum einen muss man sich Wissen über ein bestimmtes Fachgebiet und einen Gegenstand aneignen, zum anderen sollte man mit diesem Fachwissen kreativ und eigenständig umgehen.«
Indem man Quellen recherchiert und zitiert, beweist man, so Haude, dass man sein Referat oder seine Hausarbeit auf eine wissenschaftliche Grundlage gestellt hat. Dabei sollte man bei dem Professor erfragen, welche Art der Quellenangabe er bevorzugt: Dudenzitation (Fußnoten) oder Harvardzitation (im Lauftext).

Schritt 3: Struktur und Aufbau

Eine Hausarbeit umfasst insgesamt: Deckblatt, Inhalts- und Abbildungsverzeichnis, Textteil (Einleitung, Hauptteil und Schluss), Literaturverzeichnis, Anhang (Tabellen, Bilder) und die Selbständigkeitserklärung. Wichtig hierbei sind wiederum die Vorgaben des Dozenten, die stark variieren können.

Schritt 4: Textproduktion

Es geht zuallererst darum, einen Anfang zu finden. Dann fällt es Euch immer leichter, an der Arbeit zu schreiben. Jeder entwickelt seine eigene Methode. Eine Möglichkeit ist, eine erste Fassung der Einleitung zu formulieren, in der Ihr aufschreibt, was Ihr herausarbeiten wollt (Fragestellung), wie Ihr vorgehen werdet (Methoden), was Ihr untersuchen werdet (Material/Objekt), was Ihr herauszufinden hofft (Arbeitshypothese) und woran Ihr euch orientiert (Theorien und Begriffe, Sekundärliteratur). Am Ende der Hausarbeit, nachdem Ihr das Thema ausführlich bearbeitet habt, müsst Ihr die Einleitung unbedingt noch einmal überarbeiten, damit sie der tatsächlichen Argumentation der Arbeit entspricht.

Schritt 5: Korrektur von Form und Inhalt

Um Schusselfehler zu vermeiden, empfiehlt es sich, die vollständige Arbeit zunächst selbst zu korrigieren und dann einer anderen Person zum Lesen zu geben.
Damit Ihr Euch zum Schreiben motiviert oder Schreibblockaden überwindet, macht Eure Lieblingsmusik an, alle Bücher zu und tippt einfach das ein, was Euch in den Kopf kommt. Und vielleicht entsteht am Ende ein ganzer Soundtrack, den Ihr, wie es Stephan Porombka vorschlägt, der Arbeit als Bonus-CD beilegt.
Die MLU bietet regelmäßig Seminare zum wissenschaftlichen Arbeiten an, in diesem Semester beispielsweise den ASQ-Kurs »Wissenschaftliches Arbeiten. Prinzipien und Anwendung wissenschaftlicher Arbeitstechniken«.

Über Nataliya Gryniva

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Erstellt: 13.01. 2016 | Bearbeitet: 10.01. 2016 19:45