Dez 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 69 0

Von Rampen und Säuen

Offene Bühnen in Halle und wo sie zu finden sind

Der Schritt aus der Tür wird zunehmend phlegmatischer, der Wasserkocher ist heiß beschäftigt, und Netflix wird beinahe jeden Abend gewissenhaft mit dem Läusekamm durchstreift. Ist ja ganz nett, aber da geht noch was. Immer nur zuschauen macht Dich rammdösig? – Halt! Nicht bewegen! Stell den Tee weg. Wenn Du eine Bühne suchst, vor der Du nicht nur sitzen, sondern auf der Du alles und nichts machen darfst, dann empfehlen wir Dir hiermit drei Rampen, auf denen man Sau sein kann.

Moma – Rap und Küche für alle
• Freiraumgalerie, Landsberger Str. 16
• jeden Montag 19.30 bis 23.00 Uhr

Foto: Marco Hey


Ob Du mit der Bahn kommst oder mit dem Fahrrad: Du musst auf jeden Fall erst mal durch die bunteste Straße Halles laufen, Dich wundern, warum Du vorher nie dort gewesen bist, und dann irgendwann beim großen Bären in die Nummer 16 abbiegen. Über den Innenhof kommst Du in die Galerie, ab da kannst Du Geruch und Gehör in die richtige Richtung folgen.
Falls Du das Abendbrot ausgelassen haben solltest, kannst Du Dich jetzt noch mit einer warmen veganen Mahlzeit stärken. Mit Blick auf den selbstgebauten Kicker wirst Du bereits beim Essen üppig mit Musik beschallt. Die Montagsmaler fangen dann allmählich an, die Mikrofone anzuschließen, und der erste Mensch beginnt ein bisschen draufloszurappen. Ganz gleich, welchen Montag Du Dir ausgesucht hast, die Jungs und Mädels von der Moma machen immer den Anfang. Ab jetzt kannst Du Dich dazugesellen, am Mikrofon Deine geschriebenen Texte rauskramen, oder Du legst einfach so los. Die verschiedensten Leute stehen in einem Kreis und sprechsingen abwechselnd über das, was ihnen gerade einfällt oder eben nicht einfällt. Das Ganze nennt man »Cypher«, und diese gibt es bereits seit vier Jahren.
Du musst nicht mal unbedingt rappen können, es geht ums Ausprobieren. Kein Unterhaltungszwang, kein Druck, einfach nur ein paar Menschen, die zusammen mit den Beats einen schönen Abend verbringen wollen.
Falls Du jedoch beim ersten Mal noch nicht den Mut finden solltest mitzumachen, kein Ding. Setz Dich hin, hör zu, entspann Dich oder iss noch etwas. Nächste Woche kannst Du«s ja noch mal versuchen.

KGB – Kunst gegen Bares
• Charles Bronson (Berliner Str. 242)
• meist am zweiten Donnerstag im Monat, nächster Termin 12.1.2017, 19.30 Uhr Einlass, 20.00 Uhr Beginn

Foto: Julia Wirth

Du hast etwa zehn Minuten Zeit und darfst auf dieser Bühne alles tun, was Du möchtest. Das KGB findet bereits seit ungefähr sieben Jahren statt, und es ist schon allerhand passiert: Von Gitarre mit Gesang über Beatbox, Impro-Theater oder Jonglage bis hin zu krassen Kunststücken auf dem BMX war alles Denkbare dabei. Ob Du alleine etwas machst oder ob Ihr als Gruppe anrückt, alles Dir überlassen. Am Ende sind es meistens sechs bis acht verschiedene Personen oder Personengruppen, welche nacheinander auftreten. Die Reihenfolge wird ausgelost.
Das Publikum ist liebevoll, höflich und selten weniger als 100 Personen stark. Du wirst auf jeden Fall mit offenen Ohren, Augen und Armen empfangen und durch eine Moderation unterstützt.
Wenn dann alle KünstlerInnen und Künstlergruppen aufgetreten sind, kommt der spannende Teil. Die Teilnehmenden bekommen ein Sparschwein in die Hand gedrückt. Mit diesem Sparschwein gehst Du dann durch die Zuschauermenge, und jeder wirft Dir das Geld rein, was es ihm oder ihr wert war. Der Eintritt ist frei, die Künstler kriegen also den vollen finanziellen Fokus. Kunst gegen Bares. Der Name ist Programm. Wer das fetteste Schwein zur Schlachtbank bringt, gewinnt. Wenn Du dabei sein willst, musst Du Dich nur noch anmelden. Schreib einfach eine Nachricht an das Facebook-Profil: facebook.com/kgb.halle

Café Ludwig – Open Mic
• Eichendorffstraße 20
• jeden ersten Dienstag im Monat, Beginn 20.30 Uhr

Foto: Sascha Hubert

Wenn Du eine gediegene Stimmung suchst und Dir ein freundliches und eher überschaubares Publikum wünschst, dann bist Du beim OpenMic im Café Ludwig goldrichtig. Das kleine gemütliche Wohnzimmer liegt mitten im Giebichenstein viertel, ist geschmackvoll eingerichtet und voll mit guter Lektüre. Auch hier musst Du Dich lediglich vorher anmelden, um teilnehmen zu können, am besten persönlich. Die Veranstaltung gibt es erst seit einem Jahr, und sie kann natürlich nur stattfinden, wenn genügend Leute angemeldet sind, also nichts wie ran an den Speck.
Wenn Du reinkommst und Dich rechts durch den kleinen Gang schlängelst, bist Du auch schon dort, wo alles stattfinden wird. Die Teppiche, die die Welt bedeuten.
Auch hier gilt: Zeig, was Du zeigen willst, alles ist erwünscht. Behalt jedoch im Hinterkopf, dass sich Dein 12-köpfiges Orchester möglicherweise stapeln müsste und dass vier Paukenspieler schon ein bisschen zu laut sein könnten. Am besten alles vorher absprechen, genauso wie alle benötigten technischen Voraussetzungen. Da es eher um das Miteinander als um den Wettbewerb geht, darfst Du deine Ellenbogen ruhig unangespitzt lassen. Du bekommst ein gemütliches Ambiente und die Chance, Dein Talent vor einem echten Publikum zu testen und Deinem Lampenfieber die schweißnasse Stirn zu bieten. Wenn ein Auftritt besonders gut ankommen sollte, kann es sogar sein, dass am Ende ein Angebot für einen eigenen Konzertabend dabei herausspringt.

Und jetzt lass die Tasse endlich stehen und raus mit Dir.

Über Tom Wolff

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Erstellt: 17.12. 2016 | Bearbeitet: 03.01. 2017 18:48