Okt 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 67 0

Teller um Teller, Kelle für Kelle

Jeder kennt sie: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mensen in Halle. Sie stellen für viele die wichtigste Mahlzeit des Tages bereit. Aber was müssen sie eigentlich alles leisten und aushalten?

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Illustration: Katja Elena Karras

Wenn man in der Mensa die Mimik und Gestik der Menschen beobachtet, kann man viele Emotionen ablesen: genervt, gestresst, glücklich oder freundlich. Für die Damen und Herren hinter der Ausgabe beginnt spätestens mit dem ersten Teller der Stress. Jedem »Mahlzeit« sagen, auf das Piepen der Karte warten und dann noch die Extrawünsche einzelner Personen berücksichtigen. Dabei bleibt oft die Freundlichkeit auf der Strecke. Zwischendurch noch in die Küche rennen und neues Essen holen. Dann wieder neue Teller zu den einzelnen Theken rausbringen. Oh, vorne sind die Tabletts und das Besteck schon wieder leer? Also dort auch noch hin.

Austeilen ist nicht alles
Oft übersieht man die viele Arbeit, die die MitarbeiterInnen der Mensen haben. Diese fängt nicht erst Punkt halb zwölf an, sondern beginnt schon viel früher mit dem Kochen und Herrichten. Auch wenn wir als Studenten endlich unser Essen bekommen haben und satt wieder gehen, hört die Arbeit der MitarbeiterInnen noch nicht auf. Einer sammelt alle Gewürze von den Tischen ein und der nächste räumt alle Flyer und Servietten weg. Dann werden die Tische abgewischt. Die Müllbeutel an den Tablettrückgaben werden ausgetauscht, alle Theken ausgeräumt und sauber gemacht. Das große Chaos in der Küche muss nebenbei auch noch erledigt werden.

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Illustration: Katja Elena Karras

Die typischen Vertreter
Bei so viel Arbeit vor, während und nach der Essenszeit ist es verständlich, dass doch einmal ein genervtes Gesicht an der Bildfläche erscheint. Man kann die MitarbeiterInnen dabei in verschiedene Typen einteilen, welche allerdings Tagesform abhängig sind und sich durchaus in den Merkmalen verändern können:
Da ist die/der immer Mürrische: Wenn er/sie sich doch einmal überwindet, »Mahlzeit« zu sagen, dann mit einem Ton, dass man sich kaum traut, etwas zu antworten. Da ist dann auch kein Lächeln dabei oder sonst eine positive Regung im Gesicht, und trotzdem hofft man jedes Mal wieder, dass vielleicht doch eine größere Portion dabei herausspringt, wenn man »Mahlzeit« erwidert. Es kommt oft vor, dass dieser Typ hinter der Theke des ansprechendsten Essens steht. Die Meisterschaft dafür, das Essen in einer Geschwindigkeit auf den Teller zu schaufeln und ihn so auf die Theke zu stellen, dass man kaum herankommt, gewinnt er/sie auf alle Fälle. Die/Der immer Freundliche hingegen strahlt dich schon von weitem mit einem Lächeln an, das auch dir eine gute Laune ins Gemüt zaubert. Meistens will dieser Typ dann auch etwas plaudern oder ist zu Witzen aufgelegt. Er/sie braucht etwas länger, um alle Komponenten auf den Teller zu legen, und die Portion fällt trotz der Freundlichkeit bei ihm oftmals etwas kleiner aus. Nachdem wir uns den Extremfällen gewidmet haben, kommen wir zu der Vielzahl der MitarbeiterInnen. Häufig genervt und gestresst, versuchen sie trotzdem freundlich zu bleiben: Sie warten geduldig auf das Piepen der Karte, fragen in Ruhe noch mal nach, was du von der Auswahl der Komponenten nehmen möchtest, und stellen das Essen zur Not kurz beiseite, wenn die Karte auch beim dritten Mal auflegen kein Geld mehr enthält und man noch schnell bei der Cafeteria das Essen bezahlen muss. Am Anfang der Essenszeit sind sie sehr freundlich, zur Hochphase hin sinken die Mundwinkel bis zu einem Minimum. Ab 13 Uhr kommt es aber zu einer deutlichen Verbesserung, da die Anzahl der Studierenden weniger wird, was auch weniger Stress bedeutet.

MitarbeiterInnen vs. Studierende
Auf der anderen Seite wissen einige Studierende die ganze Arbeit, die hinter dem Essen steckt, nicht zu schätzen. Ein Beispiel aus dem Alltag: Student A holt sich Spinat mit Rührei. Allerdings mag er keinen Spinat, sagt dies aber nicht an der Theke an und isst deshalb nur die nichtkontaminierten Beilagen. Der Großteil bleibt also auf dem Teller. Am Ende meckert er noch, dass er nicht satt geworden ist.
Wenn einem die Gerichte nicht zusagen, sollte man vielleicht doch überlegen, sich etwas aus der Cafeteria oder von zuhause mitzubringen.
Die Mimik und Gestik der Studierenden, aber auch ihr Verhalten haben erheblichen Einfluss auf die Ausstrahlung der MitarbeiterInnen. Ein »Danke« oder »Schönen Tag noch« könnte den Umgang miteinander verbessern und erleichtern.

Über Julia Kamischke

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Erstellt: 12.10. 2016 | Bearbeitet: 12.10. 2016 18:12