Jan 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 64 1

Studenten als Unternehmer

Ein eigenes Unternehmen besitzen und das schon im Studium? hastuzeit hat nachgeforscht und Tipps und Anregungen von jungen Unternehmern gesammelt, die sich schon als Studierende selbständig gemacht haben.

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Illustration: Tetyana Gryniva

Samstagfrüh im Hallischen Saal über der Tulpe. Stefan Person und Christian Tengel versuchen, die Teilnehmer des Workshops »Entdecke Deinen Unternehmergeist!« für das Unternehmertum zu sensibilisieren. Die Studierenden müssen beispielsweise ein neues Produkt entwickeln und es dann den Investoren präsentieren oder den perfekten Unternehmer zeichnen. Am Ende der Veranstaltung verabschieden sie die Teilnehmer mit dem Satz: »Einfach mal anfangen, losgehen, selbstbewusst sein und sich und sein Können herausstellen.« Ist dies in der Praxis so einfach? Gordon Böhme, der an der MLU seinen Abschluss in Interkultureller Kommunikation und Politik gemacht hat, fing schon als Student an, seine eigene Firma auf die Beine zu stellen: »Alles, was man braucht, ist ein Computer, WLAN gibt es an der Uni – mein erstes ›Büro‹ war in der Tulpe. Es finden sich ja online alle nötigen Informationen, um ein Web-Projekt zu starten. Man muss nur lesen und anfangen.«

Später stellten er und seine Mitgründer für eines ihrer Projekte einen Business-Plan zusammen, für den sie den Gründerpreis auf der CeBIT in Hannover gewonnen haben. »Von dem Preisgeld haben wir das erste Büro gemietet, Hardware gekauft und das Projekt als eigene Firma ausgegründet.« erinnert sich der Unternehmer, der mit seiner Agentur gorboMEDIEN Onlinemarketing und Suchmaschinenoptimierung anbietet und außerdem mehrere Web-Portale betreibt. Auch der Jurastudent Michael Kammler ist bereits Unternehmer. Zusammen mit einem Freund betreibt er die Seite trendsderzukunft.de, die über Trends und Innovationen aus verschiedenen Bereichen wie Umwelt, Gesundheit und Technologie berichtet. Parallel dazu gründete er mit zwei Partnern noch ein weiteres Unternehmen. »Dabei durchliefen wir den klassischen Werdegang einer Unternehmensgründung mit allen Hürden, was zuletzt auch die Finanzierung anbelangte. Eine sehr wertvolle Erfahrung, die man aus Lehrbüchern leider nicht in der Gänze erfassen kann, es muss einfach mal erlebt werden.« so Michael. Die Selbständigkeit bewertet er im Allgemeinen als eine tolle Lebenserfahrung. Man sei sein eigener Herr und könne sich die Arbeitszeiten selbst einteilen. Gleichzeitig sei es auch eine Herausforderung, sich in der Arbeit nicht zu verlieren und bewusst Zeit für Freunde und Familie zu nehmen.
Zwei bemerkenswerte Beispiele, wo doch Deutschlands Universitäten sich in erster Linie der Bildung und Forschung verpflichtet haben. Aus ihren Studierenden einen Unternehmer zu machen, das überlässt man lieber dem Arbeitsmarkt. Ein fataler Fehler, meint Johann Füller, Vorstand der Innovationsagentur Hyve und Professor am Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus an der Universität Innsbruck. Denn die Universitäten seien wie geschaffen dafür, zu einer Schmiede für Start-ups zu avancieren: Sie verfügen sowohl über ein großes Wissen als auch über eine risikofreie Umgebung für die ersten Schritte als Unternehmer. Eine Möglichkeit für diese ersten Gehversuche bestünde in der Arbeit in interdisziplinären Teams. Marketingstudenten könnten sich beispielsweise mit ihren Kommilitonen von Informatik und Design für ein Start-up zusammentun. Oder man macht es wie Michael, der auf ein Inserat seines zukünftigen Partners Maik bei Stud.IP antwortete: »Ein kurzer, knackiger Text mit einem Partnergesuch für eine spannende Unternehmung, die mich persönlich sehr ansprach und welchem ich natürlich prompt nachkam. Es meldete sich mit Nelly auch noch eine gleichgesinnte Partnerin, und unsere Unternehmung konnte starten.«

»Do it with passion or not at all!«

Die Unternehmer sind sich dabei einig, dass man insbesondere Leidenschaft für das Projekt mitbringen muss, nach dem Motto »Do it with passion or not at all!« »Vor allem in den Tiefphasen fungiert die Leidenschaft als wichtige Sprungfeder, um wieder optimistisch nach vorn schauen zu können und sich auch gegenseitig zu motivieren. Am Ball zu bleiben ist gerade am Anfang alles andere als einfach. Dennoch sollte man mit Überzeugungskraft und Begeisterung bei der Sache sein. Gerade zu Beginn ist daher eher der Weg zum Ziel motivierend als das Ziel selbst.« führt Michael aus.
Alles schön und gut, womit fängt man aber am besten an, um sich selbständig zu machen? Gordon Böhme sagt ohne Umschweife: »Die Idee einfach anfangen, selbst umzusetzen. Eine Idee selbst ist nichts wert, wenn man sie nicht umsetzt. Man merkt schnell, ob man noch weitere Personen benötigt. Dann fängt man automatisch an zu suchen, trifft sich, tauscht sich aus und erweitert seinen Horizont. Allein dadurch verbessert und entwickelt sich die Idee und die eigene Kompetenz. Den bürokratischen Akt einer Unternehmensgründung kann man machen, wenn es anfängt, Geld einzuspielen.« Der Gründer von trendsderzukunft.de empfiehlt: »Wer eine Idee hat, die ersten Einschätzungen zufolge auch einmal eine Selbständigkeit begründen könnte, dem rate ich, Einrichtungen wie etwa den Univations Gründerservice oder auch Start-up-Förderer wie die Wirtschafts­junioren Halle (Saale) e. V. aufzusuchen und um Rat zu bitten. Diese Anlaufstellen kosten kein Geld, machen einen aber um wertvolle Erfahrungen reicher.
Der Univations Gründerservice der MLU unterstützt Studierende bei der Umsetzung ihrer Ideen zu einem eigenen Unternehmen. Durch Lehrveranstaltungen und Workshops wie »Entdecke Deinen Unternehmergeist!« sollen außerdem unternehmerisches Denken und Handeln in Studium und Lehre gefördert werden.
Sich selbständig zu machen, heißt jedoch auch, mit Niederlagen umgehen und neu anfangen zu können. Gordon Böhme bereut aber nichts und empfiehlt: »Jeder Student sollte ein Unternehmen gründen.«

Über Nataliya Gryniva

Erstellt: 29.01. 2016 | Bearbeitet: 02.02. 2016 16:07