Aug 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 66 0

Integration? Läuft

Nach wie vor wird in Deutschland viel über Möglichkeiten zur Integration von Geflüchteten gesprochen. Eine Familie aus Halle hat Ende 2015 die Gründung einer regelmäßigen Laufgemeinschaft beschlossen, in der sich Geflüchtete, Studierende oder andere Interessierte kennenlernen und austauschen können – und sich nebenbei fit halten.

Photo: Alexander Kullick

Photo: Laufen verbindet

Alles begann im November letzten Jahres. Familie Schlereth saß gemeinsam beim Abendessen, als sich eine dieser in Deutschland wohl inzwischen jedem bekannten Diskussionen über das Thema »Flüchtlinge« entwickelte. Man machte sich Gedanken darüber, wie man den erst kurz in Halle lebenden Menschen einen Ausgleich zum manchmal tristen Alltag bieten könnte und wie eine schnelle und vor allem lockere Integration der Geflüchteten zu realisieren wäre. Dabei kam die Familie recht schnell auf einen gemeinsamen Nenner: Der Vater ist ein begeisterter Läufer, daher kam zügig die Idee einer Laufgruppe auf. Teilnehmen können soll jeder, der möchte, ganz gleich ob geflüchtet, studierend oder einfach nur interessiert an Sport und dem Kennenlernen neuer Leute.
Fehlten nur noch die Teilnehmer: In der »Goldenen Rose« ist jeden Montag ein Treff für Geflüchtete möglich, dort fand die Idee für das Projekt schnell Zustimmung, und die ersten Läufer konnten für die Sache gewonnen werden. Nur kurze Zeit später erklang für »Laufen verbindet« erstmals der Startschuss.

Einmal auf die Peißnitz und wieder zurück
Mit den Franckeschen Stiftungen fand sich schnell wichtige Unterstützung, den Läufern werden örtliche Turnhallen geöffnet, um ihnen eine Möglichkeit zum Umziehen und Duschen zu geben.
Die Laufstrecke selbst ist im Grunde von Beginn an dieselbe: Jeden Sonntag um 15 Uhr ist Treff an den Franckeschen Stiftungen, nach einigen Übungen zum Warmwerden sowie Dehnen geht es in angemessenem Tempo los. Die Route führt zur Saline, dann direkt auf die Peißnitzinsel, wo meist eine kurze Pause stattfindet. Nie fehlen darf das gemeinsame Gruppenfoto aller Läufer, welches dann mit vielen weiteren in der eigens erstellten Facebookgruppe erscheint. Genauso ist Beppo ein fester Bestandteil eines jeden Laufes. Der Australian Shepherd ist Familienhund der Schlereths und mittlerweile zu einer Art Maskottchen von »Laufen verbindet« geworden. Die Zahl der Teilnehmer bewegt sich meist zwischen 20 und 30, Tendenz steigend.
Auf der Peißnitz folgt dann eine Aufteilung der Gruppe: Die überwiegende Mehrheit läuft die normale Strecke zu Ende (rund 6 km, über Würfelwiese und Hallmarkt zurück zum Franckeplatz), besonders sportliche Teilnehmer können aber auch zusammen 10 oder sogar 20 Kilometer rennen; dabei geht es unter anderem in Richtung Rabeninsel.

Photo: Alexander Kullick

Photo: Laufen verbindet

Das Tempo kann während der gesamten Strecke jeder für sich selbst gestalten. Meistens entwickeln sich innerhalb der Laufgemeinschaft noch mal kleinere Grüppchen derselben Geschwindigkeit, in denen auch viel geredet wird. Neben der reinen sportlichen Betätigung ist das Ziel der ganzen Idee das Fördern von Dialog und Austausch untereinander; so kann man leicht jeden Sonntag neue Menschen kennenlernen und Erfahrungen miteinander austauschen. Mit der Zeit sind so schon viele Freundschaften zwischen den Teilnehmern entstanden, und zusätzlich zum bloßen Treff zum gemeinsamen Joggen werden manchmal Kochabende organisiert und auch gerne angenommen.
Zurück am Franckeplatz gibt es noch einmal ein zwangloses Beisammensein, in der Tranquebar stehen dann Gebäck und Getränke kostenlos für jeden zur Verfügung. Wer mag, kann anschließend sogar noch eine Runde Volleyball in den Turnhallen der Stiftungen spielen.

Grenzenlose Möglichkeiten
Im Jahr 2015 erfolgte auch die Gründung eines gemeinnützigen Vereins namens »Voluntari«, in dem sich auch Mitglieder von »Laufen verbindet« einbringen und der sich ebenfalls für das interkulturelle Miteinander einsetzt sowie unter anderem an der Organisation von »Tell your story« mitwirkte, eines alle paar Wochen stattfindenden Abends, an dem Interessierte ihre Geschichte erzählen dürfen oder das Gespräch mit anderen suchen können.
Für die Läufer gibt es neben der sonntäglichen Runde in Halle noch viele andere Möglichkeiten zum Sporttreiben: Manch einer hat bereits Neugier an der Teilnahme am Lions-Benefizlauf (10. Juni) oder am Mitteldeutschen Marathon
(9. Oktober) signalisiert.

  • Wer selbst Freude am Laufen hat und dabei gerne in Gesellschaft ist, kann sich spontan jeden Sonntag (auch in der kalten Jahreszeit und bei schlechtem Wetter) um 15 Uhr zu den Franckeschen Stiftungen begeben oder in der Facebookgruppe der Gemeinschaft (»Laufen verbindet!«) vorbeischauen.

Über Alexander Kullick

,

Erstellt: 24.08. 2016 | Bearbeitet: 24.08. 2016 18:07