Dez 2016 hastuUNI Heft Nr. 69 0

Im Regen stehen gelassen

Die Medizinstudenten demonstrieren wieder. Der Erhalt des Universitätsklinikums und der Universitätsmedizin Halle gilt zwar als gesichert, allerdings stellt die unzulängliche Finanzierung des Klinikums durch das Land Sachsen-Anhalt die Leistungsfähigkeit infrage. Dies gefährdet Lehre, Ausbildung und Patientenwohl.

Foto: Christine Unsicker

Foto: Christine Unsicker

Es tröpfelt auf die Banner. Diejenigen Ärzte, Pflegekräfte und Studenten, die sich auf ihren Stationen vertreten lassen konnten oder von ihren Lehrveranstaltungen freigestellt wurden, treten ungeduldig auf der Stelle und werfen misstrauische Blicke zum Oktoberhimmel hinauf. »Qualität kostet Geld« liest man auf einem Schild, das eine Mitarbeiterin des Klinikums in die Höhe hält, »Universitätsmedizin braucht ein Fundament – jetzt« auf einem anderen.
Parallel zu der Kundgebung in Halle findet an besagtem Donnerstag, dem 27.10., auch eine größere Demonstration vor dem Magdeburger Landtag statt, zu der hallische Medizinstudenten und Klinikumsmitarbeiter in Bussen angereist sind.
Nach der großen »Halle bleibt!«-Bewegung im Jahr 2013, die die Schließung der Universitätsmedizin verhindern konnte, steht nun der nächste Kampf an. Was nach außen nur nach einer Kundgebung vor dem Universitätsklinikum aussieht, täuscht in seiner scheinbaren Nebensächlichkeit. Der Grund dieser Zusammenkunft bereitet den Verantwortlichen für Klinikum und Lehre schon länger Kopfzerbrechen.

Zurück in die DDR
Im März 2017 wird im Magdeburger Landtag der Haushalt endgültig beschlossen, und obwohl der Erhalt der Universitätsklinika Halle und Magdeburg vertraglich gesichert ist, kann die eingeplante Finanzierung bei Weitem nicht als ausreichend bezeichnet werden. Paradox, sollte man meinen. Doch es soll gespart werden, wo es nur geht – auch an den Klinika, die beide Maximalversorger sind. Ohne hinreichende Finanzierung sehen sich diese allerdings nicht in der Lage, ihren wichtigsten Aufgaben, Patienten zu versorgen und (zukünftige) Ärzte auszubilden, nachzukommen.
In Halle geht es nicht nur um Stellen in der medizinischen Versorgung und die Finanzierung der Anschaffung von teuren, aber dringend benötigten medizinischen Geräten, sondern auch um die Erneuerung des Bettenhauses II.
Wer schon immer einmal eine kostenlose Zeitreise in die DDR machen wollte, muss nur durch diese Flure spazieren, um das Gefühl zu bekommen, ein paar Jahre zu früh aus der Zeit gefallen zu sein. »Die Hygieneauflagen im Bettenhaus II können nur dadurch erfüllt werden, dass die Bettenkapazität nicht voll ausgeschöpft wird«, sagt Studiendekan Prof. Dr. med. Matthias Girndt während seiner Rede. Diese Bedingungen seien weder Patienten noch Pflegenden zuzumuten.
Auch aus dem Universitätsklinikum Magdeburg sind große Klagen zu hören. Durch die schlechte Finanzierung müssen Geräte zur Diagnostik und Behandlung eingesetzt werden, die zu alt sind und für die es keine Ersatzteile mehr gibt. Für eine Universitätsmedizin, die an sich selbst den Anspruch stellt, eine große Bandbreite von unterschiedlichsten Erkrankungen zu erkennen und behandeln zu können, sind diese Zustände kaum tragbar.

Foto: Christine Unsicker

Foto: Christine Unsicker

Die Medizin der Zukunft?
Für die Lehre besteht bei weiterhin unzulänglicher Finanzierung des Klinikums die Gefahr, dass zukünftig Institute geschlossen werden und die Lehre an den jeweiligen anderen Standort ausgelagert wird. »Ohne eine ausreichend finanzierte, leistungsstarke Universitätsklinik ist auch keine gute Lehre möglich«, findet auch Nils, Medizinstudent im 9. Semester. Die Studenten könnten dann im klinischen Abschnitt nicht mehr die bestmögliche Ausbildung erhalten, da zeitgemäße Diagnostik- und Therapiemaßnahmen auf der Strecke bleiben würden. »Lehrveranstaltungen wie die Blockpraktika, die auf Station stattfinden, werden bei nicht erfüllten klinischen Standards erschwert. Was leidet, ist die Qualität der Ausbildung«, fürchtet Nils. Dies müsse durch eine angemessene Berücksichtigung der Universitätsklinika Halle und Magdeburg im Haushaltsplan verhindert werden, um die Qualität in Behandlung, Pflege und Lehre aufrechterhalten zu können.
Der Regen hat aufgehört. Dafür steigen dutzende orangene Luftballons mit dem Logo des Uniklinikums Halle auf und füllen für einen kurzen Moment den Himmel über den Demonstranten. »Damit uns die Magdeburger Politiker nicht in der Luft hängen lassen«, erklärt Prof. Girndt mit einem kleinen Schmunzeln.
Und die Haushaltsverhandlungen? Wurden nach den Demonstrationen in Halle und Magdeburg wieder aufgenommen, es wurden sogar Zugeständnisse zugunsten der Anschaffung neuer medizinischer Geräte gemacht – aber noch nicht genug.

Über Christine Unsicker

, , ,

Erstellt: 16.12. 2016 | Bearbeitet: 03.01. 2017 18:13