Okt 2016 hastuINTERESSE Heft Nr. 67 0

»Ich bin schon ein Politik-Junkie«

Dr. Michael Kolkmann ist Dozent der Politikwissenschaft. Als Lehrkraft für besondere Aufgaben hält er Vorlesungen und bietet Übungen und Seminare in den Lehrbereichen »Regierungslehre und Policyforschung« und »Systemanalyse und vergleichende Politikwissenschaften« an. Von vielen Studierenden wird er wegen seines erfrischenden Lehrstils geschätzt.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Als Student der Politikwissenschaft kommt man an Kolkmann nicht vorbei. Die meisten Politikstudierenden sehen ihn das erste Mal im Wintersemester zu den Vorlesungen der Regierungslehre und Policy-forschung. Diese beginnen für Studierende zur unangenehmsten Zeit, Freitagvormittag, und werden auch noch auf Video aufgezeichnet. Sind Studierende da noch motiviert zu kommen? »Die Vorlesungen werden, glaube ich, schon ganz gut besucht. Der Raum wird schon seit Jahren für diese Vorlesung um dieselbe Zeit reserviert, und die Videoaufzeichnung soll als Service für die Studierenden dienen, was meinem Gefühl nach auch gut angenommen wird.« entgegnet Kolkmann. Die Teilnehmerzahlen sprechen für ihn.
Kolkmann kommt ohne großes Fachkauderwelsch aus und bringt gerne auch mal ein paar humorvolle Folien in die Vorlesung hinein, wie beispielsweise kurios platzierte Wahlwerbung von Parteien. Ebenso wird es von vielen Studierenden geschätzt, dass sie nicht nur reine Zuhörer sind, sondern jederzeit Fragen stellen können und interaktiv eingebunden werden. Beispielsweise durften sich einmal alle während einer Vorlesung über eine Online-Umfrage in das politische Links-Rechts-Schema einordnen.

Fun-Fact am Rande
Legendär bei Studierenden sind die sogenannten »Fun-Facts«. Das sind Statistiken oder kuriose Sachverhalten, die Kolkmann zu (fast) jedem Thema heraus kramen kann, egal ob es um Direktmandate bei der Bundestagswahl 2002 oder um Zitate von Konrad Adenauer geht. Dabei wiegelt Kolkmann aber ab, vieles Wissen liege einfach daran, dass er zu einer Zeit studiert habe, in der noch Helmut Kohl oder Gerhard Schröder aktuell waren. Logischerweise behalte man sich dann auch die eine oder andere Sache aus der Zeit im Kopf. Er gibt aber auch zu: »Ich bin schon ein Politik-Junkie«.
Das ist er vor allem in Hinblick auf die Politik in den USA. Das liegt einerseits daran, dass er dort mehrere Jahre beruflich verbrachte und sich dadurch auch ein »persönliches Interesse« ergab. Andererseits »sind die politischen Systeme der USA und Deutschlands auch Paradebeispiele, um das parlamentarische vom präsidentiellen System zu unterscheiden«, ergänzt Kolkmann. »Selbstverständlich sind aber auch viele andere Formen der Demokratie interessant zu untersuchen und ich habe auch schon Veranstaltungen zu anderen Ländern gemacht.«

Auch wenn ihn die Politik in den USA stark interessiert, forscht er nicht in diesem Bereich, sondern ist vor allem in die Lehre eingebunden. Dies findet Kolkmann aber nicht schlimm, denn »die Lehre macht mir deutlich mehr Spaß, da jeden Tag neue Sachen auf der Agenda stehen.«
Manch einer hat Kolkmann vielleicht schon vor den ersten Vorlesungen gesehen, denn neben der Lehre ist er auch bei der Vorstellung des Studiengangs präsent, so zum Beispiel beim jährlichen Hochschulinformationstag (HIT) als HIT-Beauftragter des Instituts für Politikwissenschaft und Japanologie. Dort können sich potentielle Studierende oder auch deren Eltern bei ihm und Mitgliedern der Institutsgruppe über das Studium der Politikwissenschaft informieren. Möglichen Interessenten rät er dabei stets, dass man sich über den Aufbau des Faches bewusst sein sollte und man den wissenschaftlichen Ansatz und die Methodenarbeit des Studiums nicht unterschätzen dürfe. Es reicht eben nicht, täglich die Tagesschau zu sehen. »Wichtig ist es auch sich im Klaren zu sein«, fügt Kolkmann schmunzelnd hinzu, »dass man mit einem Politikstudium wohl eher nicht Bundeskanzler wird.« Eine Tatsache, mit der man sofort konfrontiert wird, falls man auch nur überlegt, Politikwissenschaft zu studieren.
Neben seiner, wie er selbst im Spaß sagt, »legendären Vorlesung« zum Modul Regierungslehre und Policyforschung und seiner Tätigkeit als HIT-Beauftragter ist auch die Arbeit in Übungen und Seminaren von Bedeutung. »Ein nicht zu unterschätzender Teil ist die Betreuung von Hausarbeiten und Abschlussarbeiten. Diese nehmen zwar viel Arbeit in Anspruch, bringen aber auch für mich oft neue Erkenntnisse«, so Kolkmann. Für Studierende sicher erfreulich zu hören, dass mühevoll geschriebene Arbeiten nicht nach kurzer Korrektur im Aktenschrank verschwinden.

Politikwissenschaft ist nicht gleich Politik
Wer Politikwissenschaft studiert, merkt schnell, dass fast jeder Mensch sich mit Politik auskennt. Durch das Lehren bemerkt man dies verstärkt. »Wenn man im Privatleben auf den Beruf angesprochen wird, muss man sich schon fast dafür rechtfertigen, was in der Politik geschieht«, so Kolkmann. »Wichtig ist es deshalb zu unterscheiden, dass Politikwissenschaftler Politik untersuchen und nicht machen.«
Unerwähnt bleiben darf in einem Portrait über Kolkmann nicht sein ehemaliger Kollege Dr. Sven Siefken, der mit ihm über mehrere Jahre die Vorlesungen hielt. Beide passten bestens zusammen und ergänzten sich hervorragend. Man kann sich beide als Student wie zwei beste Kollegen vorstellen, die nach der Vorlesung noch ein Bier zusammen trinken gehen. Nachdem Siefken in diesem Jahr die Universität Halle verlassen hat, wird Kolkmann ab dem nächsten Semester die Vorlesungen vermutlich alleine gestalten.
Nach Halle ist Kolkmann übrigens über seine Studienzeit in Potsdam gekommen, wo er Prof. Dr. Suzanne Schüttemeyer kennen gelernt hat, die den Lehrstuhl Regierungslehre und Policyforschung leitet. »Ich wollte das nie machen«, hebt Kolkmann noch hervor. »Aber eigentlich ist das, was ich jetzt mache, das beste, was mir passieren konnte.«

Über Vinzenz Schindler

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Erstellt: 12.10. 2016 | Bearbeitet: 17.11. 2016 16:13