Jan 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 63 0

»I heart you, Germany«, nachträglich

Unbemerkt von der hastuzeit-Redaktion gab’s im Oktober ein Jubiläum zu feiern. Ein Nachtrag. Und was Lena Meyer-Landrut damit zu tun hat.

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Illustration: Katja Elena Karras

Ach ja, da war ja was. 25 Jahre deutsche Einheit. »Verdammte Axt!« würde Lena Meyer-Landrut nun ausrufen. Ein Vierteljahrhundert schon, und wir von der hastuzeit haben«s reichlich verpeilt. Wir waren damit aber nicht ganz allein. Dieses Jahr hatte der Feiertag nämlich noch das Pech, auf einen Samstag zu fallen, sodass er manch einem erst beim vergeblichen Ruckeln an der Ladentür bewusst wurde.
Ja, das Datum ist wichtig und wurde auch deutschlandweit groß gefeiert, besonders in Berlin, wo Lena vor einer Million Menschen auftrat. Ansonsten ist es dennoch etwas vorbeigehuscht.
Womöglich hat sich der 3. Oktober auch in den letzten Jahrzehnten etwas zu sehr in den Vordergrund gedrängt, der Gute. Wir haben«s mittlerweile verstanden, Deutschland ist wieder eins, seit mittlerweile 25 Jahren. Nicht nötig, uns mit Lena zu ködern. In unzähligen Rückblicken, alten Bildern wiederholt, hat uns der Tag bisher reichlich eingelullt, einige Reden waren ähnlich relevant wie Lenas Liebeserklärung »I heart you, Germany!« beim Eurovision Song Contest.

Es zeigen sich bemerkenswerte Parallelen zwischen Lena und der Einheit. Manch einer liebt sie, manch einer eben nicht, einigen sind sie egal. Erst gehypt, dann recht schnell vergessen, wenn auch nicht ganz in der Versenkung verschwunden. Auch an die Einheit wird sich zwar noch ganz gern erinnert, sie ist aber zugleich Normalität geworden, besonders für alle, die nach der Wende geboren wurden. Wie eben auch die liebe Lena. Sie kam im Mai 1991 auf die Welt, da sollte die Zukunft des geeinten Deutschland eigentlich rosig aussehen. Im selben Monat allerdings bedankten sich Hallenser bereits beim neuen deutsch-deutschen Bundeskanzler Kohl für die Einheit, indem sie sein Sakko mit Eiern und Tomaten bewarfen. Die »blühenden Landschaften« hatten zu diesem Zeitpunkt wohl schon zu welken begonnen. Diskutable Seiten und noch heute existierende Ungleichheiten werden besonders am 3. Oktober leider gern unter den Teppich gekehrt. Es gibt Gründe, warum eben Lena aus Hannover den Contest für Deutschland gewann und nicht Cindy aus Eisenhüttenstadt. »Satellite« jedenfalls hat sich trotz einfachem Text und eigentümlicher Tanzperformance ins kollektive Gedächtnis der Deutschen gebrannt.
Vielleicht gar keine schlechte Idee, auch den 3. Oktober mithilfe eines neuen »Einheitssongs« ohrwurmartig wieder zurück in die Köpfe zu holen. Da der gute David Hasselhoff heutzutage leider eher nach der nächsten Entzugsklinik als nach »Freedom« sucht, müsste natürlich jemand her, der das dann singt. Wir hätten da ja schon einen Vorschlag.

Über Julia Plagentz

... studiert Englisch/Französisch auf Lehramt und verspürt schon immer eine Faszination für Sprache[n]. Seit Frühjahr 2013 lebt sie ihre journalistische Leidenschaft als Autorin und mittlerweile Redakteurin der hastuzeit aus.

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Erstellt: 14.01. 2016 | Bearbeitet: 10.01. 2016 19:49