Aug 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 65 0

Es lebe die Zeitung!

Das Internet ist allgegenwärtig und hat uns schon seit langer Zeit in seinen Bann gezogen. Es wird prophezeit, dass es Zeitungen deswegen in einigen Jahrzehnten nicht mehr geben könnte. Doch kann das World Wide Web wirklich eine gedruckte Zeitung in Papierform ersetzen ?

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Illustration: Katja Elena Karras

Zeitungen und Zeitschriften, die von vielen so geliebten Printmedien zum Anfassen, erschienen im Jahr 1605 erstmalig in Straßburg. Das von Johannes Gutenberg erfundene Druckverfahren ebnete den Weg zur ersten Zeitung, die das politische Geschehen zusammenfasste und regelmäßig erschien. Bis heute vertrauen viele Menschen auf das Printmedium. Ob zu Informations- oder Unterhaltungszwecken, in vielen Haushalten findet man die jeweilige Lokalzeitung und diverse Zeitschriften – noch.
Jahrhundertelang gab es keine Alternative zum Printmedium, und auch TV und Radio konnten die Zeitungen nicht ersetzen. Deshalb wird jetzt umso deutlicher, dass vor allem die Tageszeitungen vom Internet immer weiter in die Ecke gedrängt werden. Immer mehr Menschen verzichten auf die tägliche Zeitung im Briefkasten und lesen das Wichtigste lieber online nach. Laut einer Medienanalyse greifen 45,5 Millionen Bundesbürger täglich auf eine gedruckte Tageszeitung zurück. Knapp 30 Millionen Deutsche lesen online Zeitung und nutzen diverse mobile Angebote – Tendenz steigend. Fakt ist, dass das Internet vor allem den Tageszeitungen gegenüber einen entscheidenden Vorteil hat: das Übermitteln und Abrufen von Nachrichten und Neuigkeiten kann innerhalb von Sekunden und Minuten erfolgen. An diese Schnelligkeit wird die Zeitung niemals anknüpfen können. Was heißt das also für die Zeitungen?

Wenn die Verkaufszahlen sinken, können oft auch Preiserhöhungen nichts mehr bewirken. Redaktionen werden verkleinert, Journalisten entlassen und mögliche Kooperationen mit anderen Verlagen verhindern erst einmal den wirtschaftlichen Ruin, auch wenn darunter oft die Qualität leidet. Ob es zukünftig gelingen könnte, journalistische Arbeit ausschließlich über Bezahlmethoden oder Werbefinanzierungen online zu etablieren, wird sich zeigen. Das Verhalten der Leser und der Werbeindustrien bewegt sich allerdings bereits in diese Richtung.
Ein Beispiel für die Digitalisierung der Medien ist der damalige Axel-Springer-Verlag, der sich nun Axel Springer SE nennt und sich selbst als führenden digitalen Verlag in Europa bezeichnet. Kürzlich verkaufte der Verlag die Berliner Morgenpost, das Hamburger Abendblatt und einige Frauenzeitschriften, um sich ganz auf die Digitalisierung seiner Produkte konzentrieren zu können. Der Verlag erntete dabei nicht wenig Kritik, weil es Befürchtungen gibt, dass der Verkaufserlös in Onlineangebote, nicht aber in Qualitätsjournalismus investiert werden könnte. Auch Halle bleibt vom Printmedienverfall nicht verschont. Die von vielen Hallensern geschätzten Sonntagsnachrichten wurden im September letzten Jahres nach 21 Jahren eingestellt. Neben dem großen Gegner Internet und der lokalen Wettbewerbssituation spielte hier auch die Einführung des Mindestlohns eine Rolle, der vor allem im Bereich der Zeitungszustellung zum Tragen kommt und von der Zeitung nicht mehr gezahlt werden konnte. Es zeigt sich, dass die Printmedien vorerst nicht ganz verschwinden, sondern zusätzlich zu den digitalen Kanälen erhalten bleiben. Doch häufig können sie sich letztendlich nicht gegen das Internet durchsetzen.

Auch junge Leute sind nach wie vor an den Printmedien interessiert. Laut einer Studie lesen 47 Prozent der 20- bis 29-Jährigen regelmäßig Zeitung. Die Online-Zeitungen erreichen ungefähr 70 Prozent der 14- bis 29-Jährigen. Ein Angebot, das gern genutzt wird, um sich zu informieren, vor allem, weil es sofort abrufbar und immer aktuell ist.
Magazine und Zeitschriften, die für jüngere Leser gemacht werden, locken mit Abos für Schüler und Studierende und erfreuen sich so einer gewissen Beliebtheit.
Zu den bekanntesten und umsatzstärksten Zeitschriften zählt neben Spiegel und Focus auch die Zeitschrift Stern, die gleichzeitig das von jungen Leuten gern gelesene Magazin Neon herausgibt. Doch selbst diese Zeitschriften mussten Einbußen sowohl bei den am Kiosk verkauften Exemplaren als auch bei den Abonnenten verzeichnen.
Nicht abzustreiten ist, dass das Internet sofort die neuesten Informationen und Erkenntnisse liefern kann, doch nicht alle Artikel, die in gedruckter Form erscheinen, findet man auch online. Bei vielen Regionalzeitungen kann man online meist nur die ersten Zeilen eines Artikels lesen und soll ansonsten dafür zahlen oder sich zumindest registrieren.

Letztendlich entscheidet jeder selbst, zu welchem Medium man sich hingezogen fühlt und welches man lieber nutzen möchte. Sofern Zeitschriften und Zeitungen sich selbst und ihren Lesern treu bleiben und sich durch guten Journalismus, Kreativität und Beständigkeit auszeichnen, dann werden sie sich, wenn auch nicht alle, am Medienhimmel halten können. Und manchmal tut es doch auch gut, dem schnelllebigen Internet einmal zu entfliehen und sich statt des Handys eine Zeitung oder Zeitschrift zu schnappen, sie in den Händen zu halten und den Geruch des gedruckten Papiers auf sich wirken zu lassen.

Über Ramona Wendt

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Erstellt: 24.08. 2016 | Bearbeitet: 24.08. 2016 10:10