Aug 2016 hastuUNI Heft Nr. 66 0

Eine Frage des Gewissens?

Zu wenige Menschen spenden regelmäßig Blut, Krankenhäuser können ihren Bedarf nicht decken. Warum ist das so? Ein Besuch beim Blutspendedienst des Universitätsklinikums Halle.

Photo: Julia Plagentz

Photo: Julia Plagentz

Krankenhausflure sind keine ästhetischen Orte. Auch im vierten Stock des Universitätsklinikums (UKH) Halle riecht es typisch nach Desinfektionsmittel, alles wirkt gewollt kühl und steril. Rund um die Uhr versorgt das Klinikum Patienten, insgesamt mehr als 150 000 im Jahr. 2000 Medizinstudierende werden hier ausgebildet.
»Einrichtung für Transfusionsmedizin« steht auf einem Schild links neben einer Glastür auf halber Strecke des Korridors. Beim Eintreten ändert sich die Atmosphäre leicht. Noch immer steril, aber in warmen Gelbtönen gehalten und mit frühlingshafter Dekoration wirken Eingangs- und Wartebereich einladender. Rund 50 MitarbeiterInnen arbeiten für die Transfusionsmedizin, die eine Hälfte davon für den Blutspendedienst und die andere für die anschließende Verarbeitung der Blutkonserven. Täglich werden zur Versorgung der Patienten des UKH etwa 80 Blutkonserven eingesetzt. An guten Tagen, besonders während der langen Öffnungszeiten am Dienstag und Donnerstag, kann dieser Bedarf gedeckt werden. Sonst müssen Blutkonserven zugekauft werden. Die Liste der kurz- und langfristigen Ausschlusskriterien ist umfangreich, nicht jeder kommt als Spender in Frage. Wer jedoch regelmäßig spendet, tut gleichzeitig Gutes für die eigene Gesundheit, denn das Blut wird gründlich auf diverse Infektionskrankheiten untersucht. Neues Blut wird in den sechs bis acht Wochen nach der Spende vom Körper problemlos nachgebildet. Frauen können bis zu vier Mal jährlich spenden, Männer sogar bis zu sechs Mal.

Mehr Studierende gewinnen

Photo: Julia Plagentz

Photo: Julia Plagentz

Blut, welches aus Plasma und Blutzellen besteht, kann nicht künstlich hergestellt werden. Die Spende durch Freiwillige ist die einzige Möglichkeit, Patienten mit einem Blutmangel zu helfen. Dabei kann eine einzige Spende, in ihre Einzelteile zerlegt, für bis zu drei Patienten genutzt werden. Europaweit spenden Männer (44 %) häufiger als Frauen (31 %). Fast die Hälfte der SpenderInnen stellen dabei Personen in der mittleren Altersgruppe von 40 bis 54 Jahren; die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen, in die die meisten Studierenden fallen, stellt nur 21 Prozent.
Zahlen, wie viele Studierende regelmäßig am UKH spenden, gibt es nicht. Werbereferentin Ulrike Weber versucht jedoch, diese mit ins Boot zu holen, da jede Spende benötigt wird. Sie hat unter anderem die Spendemöglichkeit in der Weinbergmensa initiiert, welche jeden Freitag von 11.00 bis 13.00 Uhr angeboten wird. Während in den Vorjahren zuverlässig bis zu zwölf Spenden gesammelt werden konnten, stagniert die Zahl heute bei zwei bis vier Spenden. Somit lohnt sich das Angebot kaum noch. »Es lief immer gut. Momentan ist die Spendenbereitschaft der Studierenden leider sehr zurückgegangen. Die Gründe sind mir nicht ganz klar.« sagt Weber. Vielleicht hätten die Studierenden heute kaum noch Zeit zwischen zwei Vorlesungen, oder sie gehen lieber Plasma spenden, das kann man ja wesentlich öfter tun.
Es spricht jedoch nichts dagegen, trotzdem noch einige Male jährlich Blut zu spenden. Das UKH wirbt daher ausdrücklich um Studierende: Für jede studentische Erstspende sponsert das UKH neben der Aufwandsentschädigung von 20 Euro, dem Snack danach und einem kleinen Lunchpaket auch noch ein Sprint-Menü in einer der Uni-Mensen.

Optimale Voraussetzungen
Zugegeben, sehr angenehm ist die Blutspende nicht, es gibt sicherlich schönere Beschäftigungen, welchen man sich in der studentischen Freizeit widmen könnte. Aber viel mehr als ein kleiner Pieks ist es dann doch nicht, und die Abnahme dauert maximal 15 Minuten. Das Uni-Klinikum bietet mit seinem Blutspendedienst optimale Bedingungen: Die Räume sind klimatisiert, es gibt eine feste Küche zur Verpflegung und, wenn nötig, perfekte Möglichkeiten zur Nachversorgung, da die Einrichtung in das Klinikum integriert ist. Vorteile sind zudem, dass das Blut direkt vor Ort
verarbeitet und für die Patienten des UKH genutzt wird, vor allem für Leukämiepatienten und bei Operationen wie Organ­transplantationen, Gehirnoperationen oder zur Transfusion nach Verkehrsunfällen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch in Deutschland einmal im Leben auf eine Bluttransfusion angewiesen ist, liegt bei 20 Prozent. Das ist auch den Studierenden der Medizin und Pharmazie bewusst, welche Ulrike Weber für die Aktion »Blutig« gewinnen konnte. Die zwei Studiengänge treten insgesamt drei Monate gegeneinander an und versuchen, so viele SpenderInnen wie möglich zu mobilisieren. Die Aktion endet am 30. Juni, und der Gewinner erhält einen Pokal sowie einen Obolus von 300 Euro für die Fachschaftskasse. Für das kommende Semester haben bereits die Biologen Interesse bekundet, sie sind nun noch auf der Suche nach einem würdigen Gegner …

  • Einrichtung für Transfusionsmedizin
    http://www.medizin.uni-halle.de/index.php?id=447
    Kontakt: (0345) 557 5656; blutspende@uk-halle.de
    Spendezeiten im UKH, 4. Stock:
    Montag 7.00 –11.00 Uhr
    Dienstag 10.00 –19.00 Uhr
    Donnerstag 10.00 –19.00 Uhr
    Freitag 10.00 –15.00 Uhr
    jeden 1. und 3. Samstag im Monat: 9.00 –12.00 Uhr

Über Julia Plagentz

... studiert Englisch/Französisch auf Lehramt und verspürt schon immer eine Faszination für Sprache[n]. Seit Frühjahr 2013 lebt sie ihre journalistische Leidenschaft als Autorin und mittlerweile Redakteurin der hastuzeit aus.

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Erstellt: 24.08. 2016 | Bearbeitet: 24.08. 2016 18:14