Okt 2016 hastuUNI Heft Nr. 67 0

Doch keine Aufsicht

Die Stura-Initiative, der hastuzeit einen Aufsichtsrat zu verordnen, ist wieder vom Tisch. Wir fassen die Debatte noch einmal zusammen.

Illustration: Katja Elena Karras

Illustration: Katja Elena Karras

Am 27. Juni 2016 stimmte der Studierendenrat der Martin-Luther-Universität mit 6 mal Ja, 5 mal Nein und 4 Enthaltungen für eine Änderung in seiner Geschäftsordnung, die uns betroffen hätte. Der neue Paragraph benannte die hastuzeit als »Studierendenschaftszeitung«, legte eine Wahl der Chefredakteure durch den Stura fest und führte vor allem einen Aufsichtsrat zur »Überwachung der Erfüllung der Aufgaben« ein.

Auf der Sitzung argumentierte unsere Redaktion gegen diese Neuregelungen der Stura-Geschäftsordnung, insbesondere den Aufsichtsrat, und gegen die Begründungen der Befürworterinnen und Befürworter. Als der Stura dennoch mit einfacher Mehrheit dafür war, gingen wir mit unseren Argumenten auf unserer Website und Facebook an die Öffentlichkeit.

Mit einem Treffen pro Semester sollte der Aufsichtsrat die »Kommunikation und Transparenz zwischen Stura und hastuzeit« verbessern, obwohl nicht selten ein Redaktionsmitglied auf Stura-Sitzungen anwesend ist, wir immer wieder zu unseren Redaktionssitzungen eingeladen haben und sich unser Büro im Stura-Gebäude befindet. Es hieß, der Aufsichtsrat solle der qualitativen Verbesserung der hastuzeit dienen oder gar Fortbildungen organisieren, wobei der zu beschließende Text der Geschäftsordnung nichts dergleichen erkennen ließ. Einige Mitglieder des Studierendenrats betrachteten die hastuzeit als eine Art Stura-Arbeitskreis und hielten es für nebensächlich, dass die Zeitschrift der Studierendenschaft an einer ganz anderen Stelle der Satzung und nicht unter der Überschrift »Studierendenrat« verankert ist.

Auch bezweifelten wir den angeblichen Vorteil, dass die neuen Festlegun­gen uns vor der Willkür eines zukünf­tigen, uns womöglich weniger gewogenen Stura schützen sollten. Denn die Geschäftsordnung des Stura lässt sich jederzeit ändern und somit auch die Zusammensetzung und Aufgabenstellung des Aufsichtsrats, dessen aktuelle Beschreibung, abgesehen von der Wortwahl mit »Aufsicht« und »Überwachung«, zugegebenermaßen recht unverbindlich, nichtssagend und harmlos daherkam.

Wie gut auch immer die Absichten des Antrags gewesen sein mögen, allein dass er zukünftigen kurzfristigen Änderungen Tür und Tor geöffnet hätte, fanden wir sehr bedenklich. Zudem vermuteten wir eine Retourkutsche, da sich erst kurz zuvor einige Stura-Mitglieder über einen teils polemisch gehaltenen Online-Artikel zur »Löwenrunde«, einer Infoveranstaltung zur Hochschulwahl, aufgeregt hatten.

Die Geschichte schlug einige Wellen. So berichteten die Mitteldeutsche Zeitung, die Leipziger Hochschulzeitung »student!« und das »Neue Deutschland« über unsere Meinungsverschiedenheiten. Die Stimmung auf Facebook war weit überwiegend auf unserer Seite, auch in den Kommentaren zu einer nachgereichten Stellungnahme des Stura-Sprecherkollegiums.

Nach einer Woche ruderte die Antragstellerin zurück. Unter den aktuellen Umständen sei kein arbeitsfähiges Gremium zu erwarten, außerdem habe sich herausgestellt, dass für eine Änderung der Geschäftsordnung eine absolute Mehrheit notwendig gewesen wäre, die aber auf der Sitzung nicht erreicht wurde. Über diese Entwicklung ist die Redaktion erleichtert, denn auch sie hat kein Interesse an verhärteten Fronten. Unsere Sitzungen sind öffentlich (übrigens nicht nur für Stura-Mitglieder), wir werden weiterhin immer wieder gerne Stura-Sitzungen besuchen und sind auch offen für neue Wege der Kommunikation und Zusammenarbeit in gegenseitiger Absprache.

  • http://hastuzeit.de/tags/aufsichtsrat  Weiteres zum Thema
  • http://student-leipzig.de/print-archiv Juli 2016, Titel und S. 4
  • http://stura.uni-halle.de Richtigstellung des Sprecher*innenkollegiums […] zum Aufsichtsrat für die Studierendenschaftszeitung »hastuzeit« (30. Juni 2016)
  • Was meint Ihr? Wünscht Ihr Euch als Leserinnen und Leser auch mehr Dialog mit uns? Schreibt uns Eure Meinungen und Ideen an redaktio n (at) hastuzeit.de oder anonym auf http://hastuzeit.tumblr.com/
  • Über Konrad Dieterich

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    Erstellt: 12.10. 2016 | Bearbeitet: 18.10. 2016 00:57