Jan 2016 hastuPAUSE Heft Nr. 63 0

Andere Länder, andere Krippen

Weihnachten ist ein Fest voller Bräuche und Traditionen. In Deutschland schmücken wir Weihnachtsbäume, stellen Krippen auf und zünden Adventskerzen an. Doch auf der ganzen Welt gibt es auch andere, zum Teil skurril wirkende, Weihnachtsbräuche.

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Illustration: Nadja Musinova

Ein deutscher Brauch in der Vorweihnachtszeit ist beispielsweise das Aufstellen der Barbarazweige am vierten Dezember, dem Namenstag der heiligen Barbara. Dafür schneidet man Zweige von Obstbäumen oder Forsythiensträuchern ab und stellt sie in eine Vase mit lauwarmem Wasser. Blühen die Zweige vor oder an Weihnachten auf, soll das ein Zeichen für Glück im nächsten Jahr sein. Dass etwas Glück bringen soll, kennt man jedoch auch in verschiedenen anderen Ländern. So wird in mehreren Nationen beispielsweise eine Münze oder eine Mandel im Pudding versteckt, und demjenigen, der sie findet, soll im nächsten Jahr Gutes widerfahren.

In den USA gibt es die Tradition, dass am Weihnachtsabend Christbaumschmuck in Form einer Essiggurke im Tannenbaum versteckt wird. Derjenige, der die Essiggurke am schnellsten findet, hat nicht nur ein gesegnetes Jahr, sondern er darf auch die Geschenke als Erstes auspacken und kriegt noch eine zusätzliche Kleinigkeit.
Angeblich stammt dieser Brauch sogar aus Deutschland, das denken zumindest die Amerikaner. Es wird erzählt, dass der Soldat John Lower, ein gebürtiger Bayer, in Kriegsgefangenschaft geriet. Als er schwer krank wurde und dachte, dass er bald sterben würde, bat er darum, als letztes Mahl eine saure Gurke essen zu dürfen. Nachdem er diese verzehrt hatte, wurde er auf wundersame Weise wieder gesund. Zum Dank hängte er deshalb angeblich jedes Jahr eine Gurke in den Weihnachtsbaum.

Baumstamm statt Baumkuchen

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Illustration: Katja Elena Karras

In Katalonien gibt es zwar nur vereinzelt Weihnachtsbäume, eine Krippe gehört allerdings auch dort zur Weihnachtsdekoration. Jedoch besteht diese nicht nur aus der Heiligen Familie, Ochs und Esel, Hirten und Königen, auch der Mann mit der runtergelassenen Hose darf nicht fehlen. Diese Figur, der »Caganer« (»kleines Scheißerchen«), ist fester Bestandteil der Krippe und existiert mindestens seit dem 18. Jahrhundert. Über seine Bedeutung ist man sich zur heutigen Zeit nicht mehr im Klaren, doch wahrscheinlich soll er ein Zeichen dafür sein, dass die Erde gedüngt wird, damit die Ernte im nächsten Jahr gut wird.
Die Figur sieht ursprünglich wie ein katalonischer Bauer aus, mittlerweile gibt es jedoch auch Prominente und Politiker als »Caganer« zu kaufen.
Doch damit nicht genug der skurril anmutenden Weihnachtsbräuche aus Katalonien. Es gibt dort auch den »Tió de Nadal«, den »Weihnachtsonkel«. Ab dem 8. Dezember wird hier von Kindern ein hohler Baumstamm, der mit zwei Beinen, Gesicht und roter Kappe geschmückt wird, mit Obst und Brot gefüttert. Er wird außerdem noch mit einer Decke zugedeckt, damit er sich nicht erkältet. An Heiligabend verstecken die Eltern unter der Decke Süßigkeiten und erzählen, dass der Baumstamm Süßigkeiten »scheisse«. Die Kinder singen nun ein Lied und schlagen den Baumstamm mit Stöckern. Wenn die Decke dann abgenommen wird, finden sie darunter die vielen Süßigkeiten.

Eine Zitrone als Zeichen der Verehrung

An Weihnachten gibt es viele verschiedene traditionsreiche Speisen. Ein klassisches Gericht an Heiligabend ist unter anderem der Weihnachtskarpfen, da die Adventszeit früher eine Fastenzeit war, weshalb Fleisch nicht verzehrt werden durfte. Doch nicht nur deshalb wurde auf den Fisch zurückgegriffen, sondern auch, weil es Glück bringen soll, wenn man eine Schuppe des Weihnachtskarpfens im Portemonnaie trägt.
Des Weiteren hat der Fisch im Urchristentum generell auch eine besondere Symbolik, denn er galt schon früher als geheimes Erkennungsmerkmal untereinander.
Auch in Polen ist das Essen an Weihnachten sehr wichtig. Der Heiligabend beginnt, wenn der erste Stern am Himmel steht. Zunächst wird dann eine geweihte Oblate mit der ganzen Familie geteilt, als Zeichen, dass man sein Leben miteinander teilen möchte. Es soll Verbundenheit, Liebe und Versöhnung symbolisieren. Anschließend werden traditionell 12 Gerichte gegessen, die für die 12 Apostel stehen sollen. Unter den Tellern befinden sich oft Geldstücke, da dies im nächsten Jahr vor Armut schützen soll. Es wird auch immer für eine Person mehr gedeckt, falls unerwarteter Besuch erscheint.
Und auch in Indien ist der »große Tag« (»bada din« wie es auf Hindi heißt) ein offizieller Feiertag, obwohl nur ein kleiner Teil der indischen Bevölkerung Christen sind. Es werden Mangobäume oder Bananenstauden geschmückt, und dem Familienoberhaupt überreicht man eine Zitrone, als Zeichen der Verehrung und um Glück und Erfolg zu wünschen.
Es gibt noch viele weitere Bräuche. Was Weihnachten jedoch überall gemeinsam hat, ist nicht nur das Feiern der Geburt Christi, sondern auch das Zusammenkommen mit der ganzen Familie. Es werden Zeichen für die Liebe und Dankbarkeit ausgetauscht und das neue Jahr begrüßt.

Über Jule Szymanowski

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Erstellt: 12.01. 2016 | Bearbeitet: 10.01. 2016 19:43