Okt 2015 hastuUNI Heft Nr. 62 Rubrik 0

Vom Radiohörer zum Hörfunkjournalisten

Am Anfang war das Interesse. Daraus wurde eine Idee, aus der Idee entstand der erste Beitrag. Vom ersten zum nächsten, zum Live-Sprechen … bis hin zur Sendungsmoderation. Meine ASQ »Journalistische Kompetenz (Hörfunk)« in der Unimono-Redaktion.

»Noch eine Minute, dann geht«s los«, höre ich den Sendungstechniker sagen. Mechanisch setze ich mir die Kopfhörer auf und ziehe das Mikro vor meinen Mund. Als sich die Studiotür schließt, wird die Luft im Studio plötzlich unerträglich stickig. Ein letztes Mal überprüfe ich auf dem linken PC-Bildschirm, ob alle Beiträge und Lieder der heutigen Sendung an der richtigen Stelle in der Mairlist (ein Programm für Livesendungen) platziert sind. Auf dem rechten PC-Bildschirm scrolle ich durch mein Moderationsskript und lege mir die ersten Sätze zurecht.

Foto: Josephine von Blueten Staub

Foto: Josephine von Blueten Staub

Noch 10 … 9 … 8 … In der rechten Ecke des anderen PC-Bildschirms zählt eine rot leuchtende Uhr den Countdown. Das Herz klopft mir bis zum Hals. Mein Mund fühlt sich staubtrocken an. 7 … 6 … 5 … 4 … Ich räuspere mich und schalte das Mikro an. 3 … 2 … 1 … Das Erklingen des Jingles ist mein Startschuss: »Mein Name ist Josephine von Blueten Staub, und ich werde euch durch die heutige Ausgabe von Unimono begleiten.« Obwohl ich noch heute vor jeder Sendungsmoderation aufgeregt bin, habe ich jedes Mal unheimlich Spaß dabei. Hätte man mir das vor einem Jahr gesagt, als ich die ASQ bei Radio Corax in der Redaktion von Unimono begann, hätte ich denjenigen für verrückt erklärt. Aber von vorn:

Aller Anfang ist schwer

Aus der langen ASQ-Liste war mir »Journalistische Kompetenz (Hörfunk)« sofort ins Auge gesprungen. Im Gegensatz zu anderen ASQs musste ich mich vorab in einer kurzen Mail vorstellen und zudem meine Beweggründe für die Teilnahme und meine Interessen
bezüglich potenzieller Beiträge festhalten. »Mit der Bewerbung können wir die Person etwas einschätzen, ablesen, zu welcher Redaktion sie passt, ob sie sich mit dem (Radio-) Journalismus schon mal auseinandergesetzt hat oder ob sie nur denkt, sie kriegt bei uns leicht einen Schein«, erklärte Tom Leonhardt, Mitglied der Unimono-Redaktion, dieses Verfahren später.

Kurz darauf war ich eine der zwölf Ausgewählten und wurde beim ersten Treffen im Sendestudio entsprechend meiner persönlichen Präferenzen zusammen mit zwei anderen dem Unimagazin »Unimono« zugeteilt, während die übrigen in die tagesaktuelle Redaktion kamen.

Normalerweise nehmen die ASQler zu Beginn verpflichtend an einem Workshop teil, der von professionellen Medientrainern von Radio Corax gehalten wird. Dort werden an einem Wochenende alle wichtigen Schritte von einer Idee bis hin zum fertigen Beitrag vermittelt und angewendet. Bei mir lief es damals etwas anders ab: Mir wurde angeboten, bei Bedarf auch an einem Workshop teilzunehmen, doch ich konnte mir schlussendlich durch die Praxis – und einige misslungene Beiträge – die Workshopinhalte aneignen. Direkt vor der ersten Redaktionssitzung führte uns Ronja Schlemme, die damalige ASQ-Beauftragte von Unimono, durch die Räumlichkeiten. Im Studio wurden wir von Tom erwartet, der uns die technischen Grundlagen erklärte, beispielsweise wie man eine Aufnahme macht, wie man schneidet, wie Mikro und Aufnahmegeräte funktionieren.

Leidenschaft und eigene Ideen

Foto: Josephine von Blueten Staub

Foto: Josephine von Blueten Staub

Kurz darauf saß ich nervös mit der restlichen Unimono-Redaktion an einem großen Tisch. Tom begann die Sitzung, indem er uns erklärte, was Unimono eigentlich genau ist: ein monatlich stattfindendes Magazin, das »von Studenten gemacht wird, ohne dass ein Dozent dahinter steht, der Einfluss nimmt«, so Tom. Obwohl die Beiträge der Sendung immer einen Studentenbezug haben sollten und oft Uni, Hochschulpolitik und die orts- und hochschulbezogene Forschung thematisiert werden, wurde klargestellt, dass es vor allem aber um die Themen gehen solle, die uns persönlich interessieren.

Genau das war das Erste, was ich bei Unimono lernte: das persönliche Umfeld aus einer anderen Perspektive zu betrachten und die eigenen Interessen zu einer erzählenswerten Geschichte aufzuarbeiten.

Nach einer Vorstellungsrunde wurde uns dann erklärt, was uns im kommenden Semester erwarten würde. Als vollwertiges Redaktionsmitglied würden wir Beiträge produzieren, die Infos live in der Sendung einlesen, in der Redaktionssitzung die Beiträge und Sendungen kritisch auswerten und vor allem eines: Spaß haben und uns ausprobieren.
Zum Ende der Redaktionssitzung ließen folgende Schlussworte meine anfängliche Unsicherheit vollends verschwinden: »Beim Auswerten der Sendung kann es sein, dass hier sehr viel kritisiert wird. Das ist aber nie persönlich gemeint. Gegenseitiges Loben hilft keinem weiter. Seht es lieber so: All das, was nicht kritisiert wurde, war gut. Außerdem haben wir uns alle lieb. So, wer kommt jetzt noch mit, ein Bier trinken?«

Fleiß wird belohnt

In den darauf folgenden Monaten stellte ich fest, dass Eigenengagement in der Redaktion sehr groß geschrieben wird. Statt nur penibel auf Anwesenheit bei Redaktionssitzungen oder Quantität zu achten, schien eher ein ungeschriebener Grundsatz zu gelten: »Wenn du Erfahrungen sammeln und etwas lernen willst, musst du dafür etwas tun.«

Zudem fühlte ich mich sehr schnell als fester Bestandteil der Redaktion und damit mitverantwortlich für das Gelingen der bevorstehenden Sendung. Wir kritisierten uns oft (lobten uns aber auch manchmal), lachten viel und probierten uns an Themen und Beitragsarten aus.

Dass sich die Zeit bei Unimono für mich gelohnt hat, zeigen mir die damals gemachten Erfahrungen und erlernten Fähigkeiten. Das journalistische und vor allem freie Arbeiten, Themenrecherche, das Führen von Interviews, der Umgang mit der Technik (Funktion von Mikros, Aufnahmegeräten, Schneideprogrammen), das Sprechen und nicht zuletzt das »Schreiben fürs Hören« sind nur einige Punkte dieser langen Liste.

Am Ende der ASQ konnte ich stolz auf drei Beiträge, die zwei Mal live in der Sendung gelesenen Infos und die neu geschlossenen Freundschaften zurückblicken.

Über Josephine Kluever

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Erstellt: 15.10. 2015 | Bearbeitet: 24.11. 2016 12:54