Apr 2015 hastuUNI Nr. 59 0

Vom Bauschutt befreit sind Räume und Gänge

Anfang März wagte die hastuzeit einen ersten vorsichtigen Blick auf den neuen, noch unfertigen Campus am Steintor.

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Was viel Geld, genauer 50 Millionen, gekostet hat, muss nicht immer schön sein. Aber Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters, auch wenn dieser hier teilweise etwas länger suchen muss. Der Steintor-Campus ist da.

Mit ihm ist für 3000 Studierende der MLU und 350 Dozenten eine neue Ära angebrochen. Vorbei die Zeit der kleinen, dezentralen, über die ganze Innenstadt verstreuten Institute. Das Geistes- und Sozialwissenschaftliche Zentrum am Steintor ist nach knapp drei Jahren Bauzeit fertiggestellt und wird im Sommersemester 2015 Stück für Stück bezogen. Den Anfang machen bereits im April das Orientalische Institut, die Neuphilologien und die Germanistik. Im Juni und Juli folgen dann die Institute für Altertumswissenschaften, Geschichte, Politikwissenschaften und der Rest.

Foto: Julia Plagentz

Foto: Julia Plagentz

Der Umzug soll im Oktober dieses Jahres beendet sein. Bis dahin heißt es wohl noch eine Zeitlang studieren neben beziehungsweise auf einer Baustelle. Abgesehen vom massiven Bücherwürfel und dem recht kalt anmutenden weißen Seminargebäude mit feschen dunkelgrauen »Deko-Elementen« in gewolltem Bauhaus-Stil sowie einigen umliegenden Gebäuden, die ebenso wenig zueinander­passen, ist auf dem Campus bisher nämlich nichts zu finden außer aufgewühlter Erde und Baumaterial.

Das Seminargebäude übrigens wartet mit einer eingemauerten Tür auf und bietet von der Straße aus einen klaren und für Studierende sicher nicht immer angenehmen Blick direkt hinein in die Seminarräume.
Wer bereits tränenreich Abschied vom liebgewonnenen alten Institut genommen hat, war etwas voreilig. Die Bibliotheken bleiben vorerst noch am alten Standort. Logistisch und praktisch sieht anders aus.

Foto: Julia Plagentz

Foto: Julia Plagentz

Der ziegelfarbige Bibliothekskubus nordwestlich vom Hauptgebäude wirkt ein bisschen plump und soll erst im November seine Funktion annehmen. Um Kosten zu sparen, wurde der Bücherwürfel kleiner konzipiert und hat nun ein Stockwerk weniger für die rund 900 000 Bücher, die hier Platz finden sollen. Die BILD-Zeitung titelte im Juni letzten Jahres, das Innere sei womöglich zu dunkel, daher überlege man, den Studenten zum Suchen der Bücher Taschen-und Stirnlampen auszuhändigen. Dies ist sicherlich eine clevere Lösung des Problems. Direkt vor der Bibliothek befinden sich genau 24 Fahrradständer. Anscheinend hofft man darauf, dass dank des MDV-Tickets zukünftig mehr Studierende auf die Tram setzen werden.

Es heißt ja, wer mutig genug sei, sich von Dingen zu verabschieden, werde häufig mit etwas Neuem belohnt. Von außen betrachtet ist in Bezug auf das GSZ noch nicht ganz klar, ob neu hier auch gut heißt. So ist zu hoffen, dass die Studenten ab April dem Campus endlich Leben einhauchen, denn dieses hat er dringend nötig. Es wird sich zeigen, wie es sich hier studieren lässt. Das mit den Taschenlampen jedoch war hoffentlich nur ein schlechter Scherz.

Über Julia Plagentz

... studiert Englisch/Französisch auf Lehramt und verspürt schon immer eine Faszination für Sprache[n]. Seit Frühjahr 2013 lebt sie ihre journalistische Leidenschaft als Autorin und mittlerweile Redakteurin der hastuzeit aus.

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Erstellt: 30.04. 2015 | Bearbeitet: 10.05. 2015 02:02