Jan 2015 hastuPAUSE Nr. 58 0

»Verliebt, verlobt … verrückt?«

Warum alles gegen die Ehe spricht und noch mehr dafür

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

In ihrem gleichnamigen Buch gehen Amelie Fried und Peter Probst, die eigentlich nie heiraten wollten, der Frage nach, ob man verheiratet und trotzdem glücklich bleiben kann.

Die Moderatorin und erfolgreiche Autorin, Amelie, verfasste bereits zahlreiche Bestseller und wurde unter anderem mit dem Bambi-Preis (TV-Moderation) und dem Deutschen-Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Ihre Romane »Traumfrau mit Nebenwirkungen«, »Am Anfang war der Seitensprung«, »Der Mann von Nebenan« und »Rosannas Töchter« wurden verfilmt. Die Drehbücher zur Verfilmung schrieb meist ihr Mann, Peter. Der Grimme-Preisträger verfasste außerdem Drehbücher für »Tatort« oder »Polizeiruf 110«. Seit 1990 sind beide Autoren miteinander verheiratet und haben zwei Kinder.

Mit über zwanzig glücklichen Ehejahren gehören sie heutzutage zu einer scheinbar aussterbenden Art. Sie ziehen gemeinsam Zwischenbilanz und klären ihre Geheimnisse für ein gelungenes Miteinander. Die Autoren beleuchten dabei gemeinsame Erlebnisse, wie ihre erste Begegnung, aus zwei zum Teil sehr unterschiedlichen Blickwinkeln. So lautet die Version des Ehemannes zum ersten Kennenlernen: »Ich versuchte, interessant zu wirken, Standbein, Spielbein, linke Hand in der Hosentasche«. Dann sprach er seine zukünftige Frau an: »›Gehen Sie öfter zu solch langweiligen Preisverleihungen?‹ Sie lächelte. ›Ich war in der Jury‹«. Die Version der Ehefrau: »[…] er wirkte eher ein bisschen unsicher und auf jeden Fall völlig ungefährlich.«. Bei der später folgenden Verlobung war Peter, nach eigenen Angaben, nicht zurechnungsfähig, und ihre schrecklich unromantische Hochzeit fand im Knödelstüberl, einer »verrufene[n] Einraumkneipe für Fernfahrer«, statt.

Aufgelockert wird die Lektüre durch unzählige Interview­partner und Zitate, wie das der italienischen Schauspielerin Claudia Cardinale: »Die Ehe funktioniert am besten, wenn beide Partner ein bisschen unverheiratet bleiben.« Für alle Unentschlossenen bietet das Buch zudem einen Test, ob man generell für eine Ehe geeignet wäre:

»Wie erklären Sie Ihrem/ Ihrer Partner/in, dass Sie doch nicht heiraten wollen?
a) Mein Liebhaber mag dich nicht.
b) Mir ist die Ehe heilig – aber eigentlich bin ich nicht religiös.
c) Meine Katze ist allergisch auf dich.
d) Bei Scheidungen muss ich immer weinen.«

(Auszug)

Und ist es sozial vertretbar, auf die Frage: »Wie reagieren Sie, wenn Sie Ihre/n Partner/in bei einem Seitensprung ertappen?« mit: »Ich lege mich dazu.« zu antworten? Das Ergebnis des kurzen Tests überrascht in jedem Fall.

Der Lesestoff ist einerseits herrlich unterhaltsam geschrieben – so erntet man zuverlässig fragende Blicke, wenn man beim Lesen plötzlich herzhaft anfängt zu lachen. Andererseits wirkt das Buch sehr weise und zeugt von gegenseitigem Respekt in der Beziehung. In einer so schnelllebigen Zeit wie der heutigen macht es Mut zu lesen, dass man nach all den gemeinsamen Jahren noch (mehr) Leidenschaft füreinander empfinden kann. Das ist es, was – neben pragmatischen Gründen, wie einen gemeinsamen Familiennamen zu tragen oder der Adoption und Absicherung der Kinder – eindeutig für das eheliche Versprechen spricht.

  • Heyne 2014, 240 Seiten, 9,99 EUR

Über Laura Winkler

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Erstellt: 30.01. 2015 | Bearbeitet: 30.01. 2015 22:08