Jan 2015 hastuPAUSE Nr. 58 0

Spaß am Selberkochen

Kinder lernen gesunde Ernährung kennen: ein studentischer Verein besucht Schulen und Kitas

Foto: Jessica Wichern

Foto: Jessica Wichern

Ernährung – das ist doch ein wichtiges Thema? Aber manchmal ist gesunde Ernährung schwer umzusetzen. Besonders im stressigen Alltag kommt vor allem Gemüse oft zu kurz. Eine Pizza in den Ofen zu schieben, geht doch viel schneller, denkt man sich des Öfteren. Zwar haben Kinder noch nicht so einen stressigen Alltag, aber trotzdem greifen sie mangels Kochkenntnissen oft zu Fertigprodukten, wenn sie nicht etwas Vorgekochtes aufwärmen können oder gerade Zubereitetes bekommen. Nun ist ein Fertigprodukt einmal in der Woche kein Problem, aber bei vielen Kindern wird das zur Dauerlösung. Da der tägliche Konsum von Tiefkühlpizzen und Tütensuppen aber nicht gerade einer gesunden Ernährung entspricht, führt das bei einigen Kindern zu ernährungsbedingten Krankheiten wie Übergewicht oder Adipositas.

Aus diesem Grunde haben wir – Studenten und Absolventen der Ernährungswissenschaften an der Uni Halle – Verantwortung übernommen und wollen an dieser Stelle eingreifen, indem wir Kindern helfen, einen gesunden Lebensstil zu entwickeln. Zu diesem Zweck haben wir im Dezember 2013 den Verein kindgerechte Ernährungsbildung (kEb) e. V. gegründet, der genau dieses Ziel verfolgt. Um Kindern eine ausgewogene Ernährung nahe zu bringen, veranstalten wir sowohl theo­retische Ernährungskurse als auch Kochkurse, in denen das Wissen dann praktisch angewandt wird. Dazu stehen wir mit verschiedenen Schulen in Halle in Kontakt und bieten unsere Kurse als Teil des nachmittäglichen Wahlkursangebotes an diesen Bildungseinrichtungen an. Zurzeit sind das Christian-Wolff-Gymnasium (CWG) in der Neustadt und die Integrierte Gesamtschule Halle (IGS) in der Nähe der Oper beteiligt, wo wir hauptsächlich mit Schülern der 5. bis 7. Klassen zu tun haben. Außerdem haben wir am Giebichenstein-Gymnasium »Thomas Müntzer« Halle (Saale) eine Projektwoche mit den Schülern der Klassen 8 bis 10 gestaltet und im Rahmen des Biologieunterrichts der 5. Klassen und einer 11. Klasse Ernährungsunterricht gegebenen. Zudem startet demnächst unser neues Projekt »Gesund.Bewusst.KITA!« in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt des Saalekreises. Hier werden wir in den Kitas des Saalekreises tätig werden.

Die Theorie-Kurse, welche wir an der IGS und am CWG durchführen, haben meist ein bestimmtes Thema aus dem Ernährungsbereich wie zum Beispiel Proteine, Kohlenhydrate, Fette, aber auch darüber hinausgehende ernährungsrelevante Themen werden behandelt. So gibt es auch Kurse, in denen die Bedeutung von Sport vermittelt wird, sowie Angebote, in denen die Schüler über die Verführungstaktiken der Werbung aufgeklärt werden. Die Kurse wurden speziell an die Bedürfnisse der Kinder angepasst. Daher verläuft die Wissensvermittlung in den Schulungen meist sehr anschaulich und spielerisch, beispielsweise mit dem Lebensmittel-Ratespiel, bei dem sich ein Schüler ein Lebensmittel heraussucht und die anderen durch Ja/nein-Fragen herausfinden, welches Lebensmittel er gewählt hat. Auch die Ernährungspyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) und des aid-info­dienstes kommt des Öfteren zum Einsatz.

Meist sind die Kurse sehr spaßig, sowohl für die Kinder als auch für die Referenten. Neben den gerade beschriebenen Theorieeinheiten gibt es auch Kochkurse, die sich ebenso nach einem bestimmten Ernährungsthema richten. So wird beispielsweise beim Kochkurs Kohlenhydrate eine Vollkornpizza mit Frischkäse gebacken. Dabei sind die Rezepte relativ einfach gehalten, da es das Ziel ist, die Kinder mehr dazu zu bringen, selbst gesund zu kochen. Sie bekommen zunächst ein bisschen Produktkunde, bevor es an den Herd geht. Dabei erklären wir den Kindern zum Beispiel die verschiedenen Klassen von Tomaten, den Unterschied von Trink- und Backkakao oder warum Zwiebeln in den Augen brennen. Auch nach dem Kochen ist der Kurs noch nicht beendet, da, wie auch zu Hause in ihren Familien, alles wieder gespült und aufgeräumt werden muss. Auch das gehört zum Kochen dazu! Die zubereiteten Gerichte werden am Ende natürlich gemeinsam verzehrt. Insgesamt sind die Kochkurse bei den Kindern sehr beliebt, was an den vielen Nachfragen und interessanten Diskussionen am Essenstisch zu erkennen ist. Nicht selten erzählen die kleinen Kochlehrlinge, dass die Gerichte zu Hause nachgekocht wurden.

Logo: Verein kindgerechte Ernährungsbildung e.V.

Logo: Verein kindgerechte Ernährungsbildung e.V.


Die Arbeit hinter den Kursen

Es steckt natürlich ein enormer Arbeits- und Organisationsaufwand hinter den Angeboten, was viele Mitstreiter im Verein nötig macht. Allein für jeden Kurs werden drei Mitwirkende benötigt. Zwei Referenten tragen vor, während ein Protokollant wichtige Aufgaben für die Qualitätssicherung der Kurse übernimmt. Die Aufgabe des Dokumentierens habe ich schon ein paarmal übernommen, was sehr viel Spaß gemacht hat, aber auch anspruchsvoll war, weil man ziemlich detailliert das Vorgehen der Referenten und das Verhalten der Kinder erfassen sollte. Die Kurse werden laufend überarbeitet, wofür die Protokolle sehr nützlich sind, da aus ihnen hervorgeht, welche Inhalte die Nachwuchsköche besonders und welche weniger interessant fanden. Um die Kursdurchführung zu realisieren, muss mit den Schulen im Vorfeld einiges abgesprochen werden, wofür extra freiwillige Mitarbeiter eingeteilt werden. Wieder andere Mitglieder kümmern sich um die inhaltliche Qualität der Kurse, während andere sich um die Verwaltung des Vereinskontos kümmern.

Man sieht also, wie viel Arbeit es im Verein gibt. Allerdings steht uns auch unser Institut, insbesondere Prof. Dr. Gabriele Stangl unterstützend zur Seite. Eine wichtige Frage wurde jedoch noch nicht geklärt, nämlich wo das Geld für die Vereinstätigkeiten herkommt. Dies geschieht teilweise durch Mitgliedsbeiträge, der größte Anteil wird allerdings durch Kooperationsvereinbarungen mit den Schulen abgedeckt. Des Weiteren versuchen wir immer wieder Sponsoren für uns zu gewinnen.

Insgesamt lässt sich sagen, dass der Verein seine Funktion bisher gut erfüllt, wir aber weiterhin eine wachsende Mitgliederzahl anstreben und den Verein insgesamt bekannter machen möchten. Wer sich vertiefend über unseren Verein informieren möchte, dem sei unsere Internetseite unter dem Link http://www.kebev.de/ sehr empfohlen.

Über Sebastian Witzgall

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Erstellt: 30.01. 2015 | Bearbeitet: 30.01. 2015 21:29