Jun 2015 hastuINTERESSE Heft Nr. 60 0

Selbstständig in der Musikszene

Als Student geht man gerne in Clubs oder auf Festivals und lässt sich vom Unialltag ablenken, aber in der Regel macht man sich wenig Gedanken darüber, wie diese Partys zustande kommen und wie viel Arbeit dahinter steckt.

Photograf_Sascha Heenemann_Selbstständig in Musikszene

Foto: Sascha Heenemann

Benjamin studiert an der MLU Mathematik und Informatik auf Lehramt. Dazu macht er gleichzeitig seinen Informatikbachelor. Er ist nicht nur Student, sondern auch Festivalfotograf und Eventveranstalter. Von sich selbst sagt Benjamin, dass er affin für neue Musikrichtungen ist und alles von Rockmusik über Elektronische bis hin zu Schlager hört. Sowohl das »Splash!« als auch »Rock am Ring« wären für ihn einen Besuch wert.

Der Auslöser für ihn auf Festivals zu fotografieren, ist für jeden der vom Dorf kommt schnell nachvollziehbar. Da Benjamin schon früh auf Partys gehen wollte und aus einer kleinen Stadt aus der Nähe von Dessau stammt, in welcher nach 17 Uhr keine Anbindung in größere Städte mehr möglich war, wand er sich früh an eine Community von Fotografen, welche sich »Erwischt.org« nennt.  »Man kam in Kontakt mit verschiedenen Leuten, lernte viele ‚wichtige Personen» kennen und vor allem die DJ´s. So bin ich da rein gerutscht. Habe eine Kamera in die Hand bekommen und eine super Einweisung dazu, was mir auf Anhieb gut gefallen hat. Ich habe mir dann schnell die erste eigene Kamera zugelegt. Gerade nach dem Abi hatte ich viel Zeit für Festivals und irgendwann kennt man die meisten Leute, Veranstalter und einige DJ´s der Region.«

Benjamin erzählte, dass er nur ein bis zwei Mal privat auf Festivals gewesen sei und danach nur noch als Fotograf, um dort zum Beispiel für »Erwischt.org« Fotos zu machen. Zusätzlich war er oftmals mit in die Organisation involviert. »Wenn man privat dort ist, ist es auch gut, aber mich reizt es auch, wenn ich andere Leute sehe, die eine Kamera dabei haben und ich dieses Mal keine dabei habe.«

So ging es dann für ihn weiter in der Musikszene. Nach dem Sputnik Springbreak 2009 machte er bei »Dusted Decks«, einem Label und einer Event- und Bookingagentur aus Leipzig, ein Praktikum. »Ich habe ganz förmlich dorthin geschrieben mit allem, was man so kennt, Lebenslauf und Anschreiben und dann haben die geantwortet: ‚Jo, Benjamin, coole Sache, lass das machen».«  Im Praktikum begann er beim »Stereo City Festival« mit dem ‚Social Media Management» und der Werbung. Danach habe sich das Meiste von allein weiter entwickelt.

Mittlerweile fotografiert er zum Beispiel für »Ostblockschlampen«, welche er ebenfalls während seines Praktikums kennengerlernt hat, bei großen Events und macht viele Pressefotos für das DJ-Duo.  Demnächst wird es sogar ein paar größere Projekte für Benjamin mit dem Duo geben. »Ostblockschlampen« haben die Hymne für das Sputnik Springbreak gemacht, wofür er mit seinen Partnern das Musikvideo gedreht hat.

Aber nicht nur durch das Fotografieren ist Benjamin auf die Idee gekommen, sich in der Musikbranche selbstständig zu machen. Durch die organisatorischen Aufgaben in seinem Praktikum bei »Dusted Decks« hat er schnell seine Talente in der Eventplanung entdeckt. Zuerst hat er sich mit kleineren Projekten versucht und schnell festgestellt, dass sich die Partys lohnen und gut vom Publikum angenommen werden. Eines seiner ersten Projekte waren die »Konfetti My Ass-Reihe« in Dessau.

Nachdem in Dessau die Partys gut angekommen sind, überlegte er sich weitere Projekte auch in Halle zu planen und setzte diese auch schnell um. »Ich habe mir überlegt, dass es schon eine breite Veranstaltungsszene gibt, vor allem in Halle ist insbesondere der ‚Techno/Elektro»-Bereich ausgeprägt. Aber es sind immer so ein paar Sachen, bei denen man sich denkt, die würde ich doch ein bisschen anders machen.« Er berichtet, dass er gerne eine neue Musikrichtung, namens Trap, in Halle etablieren würde. So veranstaltete er eine Partyreihe  »Trapküche«, bei welcher DJʼs auflegen, die ausschließlich Trap, eine Mischung aus Hip-Hop und Dubstep, spielen.

So berichtet er, dass er Halleʼs Musikszene zwar ganz gut  findet, aber ihm Einiges fehlt. »Na ja, Halle ist schon ziemlich breit aufgestellt. Es gibt schon coole Clubs, also grade das Charles Bronson, welches schon sehr bekannt ist. Dort gibt es viele verschiedene Veranstaltungen. Ich würde mir aber schon wünschen, gerade weil ich Trap sehr mag, dass es da mehr geben würde – Aber das war ja die Marktlücke für mich!« Bis jetzt gab es die ‚Trapküche» erst zwei Mal, aber es sind weitere Partys geplant. Zu seiner Veranstaltungsreihe hat Benjamin mit Freunden ein neues Label in Halle gegründet.  »Joyfriend« ist ein Label mit unter anderem mit den DJ´s »PAFLO« und »Illy Noize«. Er selbst ist unter anderem für die Organisation, Werbung und die Planung von Veranstaltungen zuständig. Das neue Label ist aber, so wie er berichtet, eher für die klassisch etablierte Musikszene in Halle interessant. Trap sei dort bis jetzt noch nicht vertreten.

Weiterhin spricht Benjamin über weitere Projekte und seine Zukunft. »In nächster Zeit will ich mit meinen Partnern die Projekte weiter ausbauen. Auf dem Springbreak haben wir eine Stage geplant: ‚Freshbar» nennt sich das. Eine kleine Stage unter Sonnensegeln zwischen ein paar Bäumen. Ansonsten der nächste Schritt? Es entwickelt sich alles nach und nach und wird weiter professionalisiert. Mittlerweile macht man sich mehr Gedanken zu einem Projekt als früher.« Er selbst erzählte noch, dass sich seine Projekte mit der Zeit immer lukrativer gestalten, da man durch die Zeit und Erfahrung schon vermehrt Aufträge bekommt. Dennoch ist es sein Ziel das Studium zu beenden, um so alle Möglichkeiten für seine Zukunft zu haben. Er könnte sich vorstellen noch seinen Master zu machen und sich ein Standbein in der Informatik aufzubauen. Vor allem, weil man nie wissen kann, ob man in 20 Jahren noch Spaß daran findet jedes Wochenende Partys zu veranstalten.

Benjamin verriet noch einige Tipps für Studierende die auch seinen Job machen wollen: »Man muss sehr viel Engagement mitbringen. Es hat als Hobby mit dem Fotografieren begonnen und ich habe gar nicht dran gedacht das Alles zum (Neben-)Job zu machen. Es ist schon schwierig, da es tausende Fotografen gibt.  Man muss die Veranstalter kennenlernen und die DJ´s, man muss sie von sich selbst überzeugen und zeigen das man der richtige Mann für den Job ist. Als Student ist man natürlich sehr flexibel in der Arbeitseinteilung, da es ja theoretisch keine festen Arbeitszeiten gibt, aber es hat auch Nachteile. Wenn es eine Deadline für eine Veranstaltung gibt, wird schon mal eine Nachtschicht eingelegt. Man setzt auch mal Prioritäten. Es ist nicht immer ganz einfach.«

Wollt ihr mehr über Benjamin und seine Arbeiten erfahren? Dann besucht seine Website !

Über Julia Rott

Erstellt: 08.06. 2015 | Bearbeitet: 08.06. 2015 20:31