Jan 2015 hastuPAUSE 0

Schweigeminute in Frankreich

Am 8. Januar 2015 hielten alle in Frankreich um 12 Uhr eine Schweigeminute und gedachten der Opfer des Anschlags auf die Satirezeitschrift »Charlie Hebdo«.

Bereits im November 2011 wurde ein Brandanschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift »Charlie Hebdo« ausgeübt. Hintergrund war eine Ausgabe zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien. Das Cover zierte eine Karikatur von Mohammed.

Je suis Charlie in Halle

Auch Halle/ Saale zeigte Solidarität mit den Opfern, deswegen befand sich ein Plakat am 7.Januar zu Füßen des Händeldenkmals. Foto: Johanna Sommer

Nach weiteren Zeichnungen von dem Propheten folgten einige Terrorwarnungen und französische Einrichtungen wurden in islamischen Ländern geschlossen. Im Januar 2013 gaben sie das Leben von Mohammed als Comicbiografie heraus. Der Chefredakteur Stéphane Charbonnier hatte wegen den vielen umstrittenen islamischen Karikaturen Personenschutz bekommen, sich aber auch klar geäußert: »Ich habe keine Angst.« Er wehrte sich immer gegen Zensur in seiner Zeitschrift. Auf dem Deckblatt der aktuellen Ausgabe ist eine Karikatur mit dem Schriftsteller Michel Houellebecq zu sehen: »En 2015, je perds mes dents … en 2022, je fais ramadan!«. Was übersetzt so viel bedeutet: 2015 verliere ich meine Zähne … 2022 mache ich Ramadan!«

Inhalt des Buches Soumission (dt: Unterwerfung) ist die Fiktion, dass Frankreich 2022 durch freie Wahlen vom Islam unterwandert werden könnte. Ob es deswegen 12 Tote bei einem Terroranschlag am 7. Januar auf die Zeitschrift gab, ist nicht belegt. Der Präsident von Frankreich äußerte sich wie folgt: »Heute ist unsere gesamte Republik angegriffen worden. Unsere Meinungsfreiheit, unsere Kultur, die Kreativität, der Pluralismus, unsere Demokratie war das Ziel der Attentäter.«

Der französische Innenminister erzählte gestern Abend den französischen Medien, dass bis Freitag 400 Soldaten eingesetzt werden. Polizisten sind in erhöhter Bereitschaft um Schulen und religiöse Einrichtungen zu schützen. Redaktionen von Fernsehern und Zeitungen werden speziell bewacht.

35000 Pariser versammelten sich gestern Abend auf der Place de la République und riefen: »Zusammen, vereint, für die Demokratie.«

»Ein barbarischer Anschlag«

Die Kanzlerin Angela Merkel war gestern in London zu einem Treffen in Vorbereitung auf den G7-Gipfel, der am 4. und 5. Juni in Bayern stattfindet, um dort unter anderem den Kampf gegen den Terror zu besprechen. Deshalb äußerte sie sich gemeinsam mit David Cameron, Premierminister von Großbritannien, auf einer Pressekonferenz zu dem Anschlag auf die Satirezeitschrift:

Angela Merkel: „Was heute in Paris passiert ist, ist ein barbarischer Anschlag gegen die Werte, in denen wir zusammenleben in Europa. Wir verurteilen das. Unsere Gedanken sind bei den Menschen in Frankreich. Insbesondere bei denen, die heute Opfer zu beklagen haben. Wir stehen zu den Werten von Pressefreiheit, von Freiheit, von Demokratie.

David Cameron: »Ich weiß, dass die Bundeskanzlerin mit mir einer Meinung ist, dass wir alle gemeinsam diese Gräueltat verurteilen und an der Seite des französischen Volkes stehen sollten.«

Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime Aiman A. Mazyek, bezieht eine klare Position: „Wir müssen jetzt zusammenstehen und deutlich machen, dass das, was sie da gemacht haben in keinster Weise eine Rächung des Propheten darstellt, sondern hier wird unser Glaube in den Dreck gezogen. Hier wird der Islam verraten. Das ist ein Anschlag auf unsere freie Gesellschaft hier in Europa.

Wie sollen nun Redaktionen reagieren? Soll es keine islamischen Karikaturen geben oder Berichte über Anschläge von islamischen Extremisten? Einfach das Thema Islam fallen lassen? Nichts schreiben, nicht kritisieren?

Der Titanic-Chefredakteur Tim Wolff sieht es so: »Würde man das jetzt zum Anlass nehmen, um ängstlich zu sein, wäre das genau das Falsche. Die Reaktion sollte sein: Wer rumballert, zieht noch mehr Spott auf sich.«

(Quelle: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2317158/heute-nacht-vom-07.-Januar-2015)

Weitere Infos:
http://mediathek.daserste.de/Hart-aber-fair/Islamistischer-Terror-in-Paris-Europas/Das-Erste/Video?documentId=25732172&topRessort=tv&bcastId=561146

http://www.ardmediathek.de/tv/Brennpunkt/Nach-dem-Anschlag-Jagd-auf-die-T%C3%A4ter/Das-Erste/Video?documentId=25743634&bcastId=1082266

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/paris-bereitet-sich-auf-historischen-marsch-vor-13363706.html

http://www.n24.de/n24/Mediathek/videos/d/5971168/das-sagte-attentaeter-kouachi-einem-reporter.html

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/5969308/seine-letzten-worte-an-die-oeffentlichkeit.html

 

Über Johanna Sommer

Sie ist direkt, ehrlich, neugierig, perfektionistisch, willensstark, satirisch, emotional, wissensdurstig und ab und zu verfällt sie in Panik. Trotzdem ist sie irgendwie Chefin der "hastuzeit" geworden. Aber viel wichtiger ist, das, wenn sie Artikel schreibt, schwillt ihr Herz zu einer großen Blase voller Freude an, fast genauso groß, wenn sie Snowboard fährt.

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Erstellt: 08.01. 2015 | Bearbeitet: 11.01. 2015 11:36