Jun 2015 hastuINTERESSE Heft Nr. 60 0

Satte Sounds statt schnödem Summen

Das Hobby zum Beruf machen – wer träumt nicht davon? Mit seiner Idee, eigens gefertigte Instrumentenboxen herzustellen, hat sich der Hallenser Jacob Hirschfelder aus der Traumwelt in die Realität gewagt und ist nun selbstständiger Unternehmer in seiner eigenen Manufaktur.

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Jacob Hirschfelder; Foto: Riccardo Kirschig

Das Hühnermanhattan ist vielen schon als kultureller Hotspot Halles bekannt. Neben einem Klub mit Konzerten bietet das Gelände auch Herberge für vielerlei kreativen Output: Tanz, Dichtung, Theater, Kunst, Musik und Handwerk. Die beiden letzteren Bereiche verbindet Jacob Hirschfelder in seiner Manufaktur für Instrumentenboxen, wo er die hastuzeit für ein Interview empfing.

Stell dich doch bitte zunächst einmal vor.

Also, mein Name ist Jacob Hirschfelder, ich bin 29 Jahre alt und gelernter Zerspanungsmechaniker. Ich bin jetzt schon eine ganze Weile im Hühnermanhattan-Verein tätig und habe dort auch meine Werkstatt, in der ich Boxen herstelle.

Wie kamst du zu deinem Vorhaben und seit wann gibt es deinen Betrieb?

In erster Linie kam es dazu, weil ich selbst Musiker bin. Irgendwann stand ich vor einer kaputten Box und hatte versucht sie zu reparieren. So kam dann auch das Interesse an der Sache. Da ich auch die Konzerte im Hühnermanhattan-Klub mit veranstalte, ergab sich dann die Möglichkeit, auf dem Gelände einen Raum zu mieten und mir dort eine Werkstatt einzurichten. Im Januar 2012 hatte ich mich schließlich gewerblich angemeldet und seitdem verkaufe und verleihe ich meine Instrumentenboxen.

Wie hat sich das Ganze seither entwickelt?

Nach kleineren Startschwierigkeiten und nachdem ich anfangs noch größtenteils an den Konzepten herumgefeilt hatte, lief es dann so langsam immer weiter an. Im November 2014 erschien sogar ein Artikel in der Zeitschrift »Gitarre & Bass«, die eine meiner Bass-Boxen mit 4 x 10 Zoll Lautsprechern getestet hatte, worauf ich dann viele Anfragen von Interessenten bekommen habe. Generell kommen die meisten davon über das Internet, aus den verschiedensten Teilen Deutschlands.

Welche Produkte stellst du genau her?

Hauptsächlich baue ich Boxen für Gitarre und Bass-Gitarre aber auch für PA-Anlagen, zur Beschallung von beispielsweise Klubs.

Sind das dann Standardprodukte oder wird jedes Stück ein Unikat?

Es ist eher irgendwas dazwischen. Zwar habe ich meine Standardboxen-Modelle aber diese können eben individuell gestaltet werden. Ich habe beispielsweise eine sehr große Auswahl an Kunstledern, die unterschiedliche Prägungen besitzen und mit denen ich die Boxen beziehe. Die Kantschienen, welche Ecken und Kanten der Boxen schützen, können in allen möglichen RAL-Farben pulverbeschichtet werden und bei den Stoffen für die Frontverkleidung habe ich ebenfalls eine große Bandbreite zur Auswahl. Etwa aufwendig bedruckte afrikanische oder indische Stoffe, aber auch Seide. Zudem kann auch aus klassischen Stoffen gewählt werden, wie sie beispielsweise »Marshall« oder »Fender« verwenden. Damit bekommen die Boxen dann eine gewisse Retro-/Röhrenradio-Optik, die ich persönlich sehr mag. Im Allgemeinen aber versuche ich eher verschiedene Wege zu gehen, statt den Standardboxen der großen Hersteller nachzueifern – sowohl bei den Konzepten, als auch bei den Materialien.

Du fertigst also auch Boxen an, die so nicht oder nur selten auf dem Markt vertreten sind?

Ja. Ich orientiere mich größtenteils an Konzepten aus den 60er/70er Jahren oder an Verstärkern, die ich vom Klang her mag. Damals waren die Entwickler einfach experimentierfreudiger. Das heißt, es wurden verschiedene Kombinationen von Lautsprechern benutzt, die dann natürlich auch sehr klangprägend waren. Ich bin Fan von Lautsprecherkombinationen verschiedenster Art. Demnach verbaue ich diese sehr experimentell im Vergleich zu dem, was so aus der Massenproduktion der großen Hersteller kommt. Beispielsweise setze ich andere Hochton-Hörner ein, als es sonst üblich ist. Diese haben eine Membran aus Pappe, statt aus Titan, und bilden so ein weicheres Oberton-Spektrum.

Blick in die Werkstatt von Jacob; Foto: Riccardo Kirsching

Blick in die Werkstatt von Jacob; Foto: Riccardo Kirschig

Welche Materialien benutzt du?

Hauptsächlich nehme ich Pappel-Sperrholz, was ein gutes Schwingungsverhältnis hat. Daraus baue ich dann auch die Verstrebungen in der Box, die übermäßige Schwingungen eindämmen. Die Box wird meist mit Kunstleder bezogen und die Verkleidung der Front kann aus einem Metallgitter oder einer Stoffbespannung bestehen. Die Kantschienen sind aus Metall – die stelle ich auch selbst her – und das Logo lasse ich bei einer Firma aus Metallplatten auslasern.

Wie lange benötigst du in der Regel für die Herstellung eines Produktes?

Die reine Arbeitszeit an sich dauert für gewöhnlich nur in etwa drei Tage. Aber es sind natürlich noch einige Zwischenschritte nötig, wie zum Beispiel die Pulverbeschichtung der Kantschienen in der Lackiererei oder wenn ich Lautsprecher bestellen muss, die ich gerade nicht auf Lager habe. Somit dauert die Herstellung, von der Planung bis zum fertigen Produkt, circa drei bis vier Wochen.

Wen oder was hast du denn bis jetzt schon ausgestattet?

Ich habe die Boxen der PA-Anlage des Hühnermanhattan-Klubs beigesteuert, für den ich jetzt erst zwei neue, riesige Subwoofer fertiggestellt habe und auch meist zu Konzerten die Boxen stelle. Im »Zwei Zimmer, Küche, Bar« in der Reilstraße steht ebenfalls noch eine Box von mir. Zudem gibt es auch schon einige Bands in Halle, die meine Boxen spielen, wie »Swedenborg Raum«, »The Polluters« oder »42B ABL 2B SOUND« – aber auch Leipziger Bands wie »jeffk« oder »Kasan«. Auch aus Bremen haben sich schon diverse Bands Boxen von mir anfertigen lassen und aus dem Westen der Republik kamen auch viele Anfragen.

Was planst du zukünftig für Projekte/Produkte oder eventuell auch Kollaborationen?

In erster Linie arbeite ich natürlich weiterhin daran, meine Produkte bekannter zu machen. Neuerlich habe ich auch bei Jochen Imhof von »SignGuitars«, einem Gitarrenbauer aus Aachen, zwei Boxen stehen. Dafür werde ich dann künftig eine Bass-Gitarre von ihm in meinem Vorführraum mit ausstellen. So können Kunden von ihm seine Gitarren mit meinen Boxen testen und Kunden von mir können meine Boxen mit seinem Instrument anspielen. Solche Synergieeffekte sind mir ganz lieb und ich könnte mir auch vorstellen, weitere solcher Zusammenarbeiten einzugehen.

Mehr zu Jacob Hirschfelder findet ihr hier.

Über Riccardo Kirschig

Erstellt: 05.06. 2015 | Bearbeitet: 09.06. 2015 12:20